So radikal wie dieser Teil Hamburgs wird sich die CeBIT nicht verändern. Aber dass sie sich wandeln muss und will, wird im Gespräch bald klar.
"Eine CeBIT lebt jedes Jahr neu"
Seit 1986 gibt es die Messe und an die Anfänge kann sich CeBIT-Chef Ernst Raue bestens erinnern. Eine Halle für Hardware, eine für Betriebssysteme, eine für Anwendungen - so klar und übersichtlich sah die IT-Welt vor 22 Jahren noch aus. Später kam die Telekommunikation als weiteres Thema hinzu.
Aber eine CeBIT "lebt jedes Jahr neu", erklärt Ernst Raue. "Wir bauen neu auf das, was wir schon haben." Mit der CeBIT in diesem Jahr hatte sich die größte Messe ihrer Art bereits neu aufgestellt. Die Technik oder die Branche stehen nicht mehr im Vordergrund, "Lösungen" sind gefragt. Der Gedanke: Eine Firma hat andere Anforderungen und Interessen als eine Behörde. Und Hardware und Software an sich seien zwar die Grundlage, spielten aber nicht mehr die Rolle wie früher, so der Messechef. Eine Messe sei klassisch nach "Nomenklaturgruppen" geordnet, sagt Ernst Raue den Journalisten. Heute gehe es dagegen um "Anwendungscluster".
"Webciety": Alles dreht sich ums Netz

"Homebases" statt Messestände in der "Webciety"-Halle.
Dieses Konzept wird 2009 fortgesetzt. Zusätzlich steht die CeBIT unter dem selbst erfundenen Begriff "Webciety", der die Wandlung der Gesellschaft durch das Internet beschreiben soll. Die digitale Welt um uns herum verändere sich total, so der Messechef. Manches bemerken wir kaum: Wer an einem Geldautomaten steht, kommuniziert mit einem Rechenzentrum. Und wer sein Auto in die Werkstatt bringt, bekommt ein Update aufgespielt. Anderes verändert sich sichtbar: Flüge werden online gebucht und das Internet hat man in Form eines BlackBerrys oder iPhones stets in der Hosentasche dabei. Für die junge Generation ist das Web so selbstverständlich wie Telefon oder Post für die älteren. "Meine Tochter ist 23, die lebt nicht mehr ohne Laptop", erklärt Ernst Raue und schmunzelt.
Auch die Entwickler, die er mit seinem Team im CeBIT-Partnerland Kalifornien getroffen hat, "ticken anders". Sie arbeiten Tag und Nacht für Firmen, die kein Produkt haben, das man auf einer Messe ausstellen könnte.
Auch "die YouTubes dieser Welt" sollen kommen
Trotzdem will die CeBIT auch "die YouTubes und Facebooks dieser Welt" erreichen. Sie sollen sich in der Webciety-Area der Messe auf neue Art präsentieren. Hier gibt es keine Messestände, sondern "Homebases". Laptop anschließen und loslegen - so stellen sich die Macher das vor. Wer aus dem Silicon Valley dieses Angebot annehmen wird, ist noch offen. Auch für die Besucher soll die Halle dabei ein besonderes Erlebnis werden. Man wolle "das Internet begehbar machen". Man darf gespannt sein, ob das Experiment klappt. Ein YouTube-Video zeigt in einer 3D-Animation, wie es aussehen könnte:
Daneben gibt es natürlich die klassischen Themen der CeBIT ebenso, genau genommen sogar überwiegend. Aber, so Ernst Raue: "Wir müssen etwas bieten, was neu ist, was innovativ ist. Für das, was gestern war, kommt keiner."
"Medienspektakel" und "Orientierungspunkt"
Dabei werde die Messe schrumpfen, nicht zuletzt durch die Wirtschafts- und Finanzkrise. Ja, es gebe Stornierungen und Verkleinerungswünsche, sagte der Messechef. Aber es gehe nicht um Quadratmeter und Ausstellerzahlen. Die Wirkung der Messe gehe auch weit über die reinen Veranstaltungstage hinaus. 7.000 Journalisten aus aller Welt werden erwartet. Das sei ein "Medienspektakel", überall auf der Welt kenne man die Marke CeBIT. "Diese Messe wird immer ein Orientierungspunkt sein, davon bin ich tief überzeugt."


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