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Zu Besuch bei YouTube: Ein Filmstudio für das Internet

    Zu Besuch bei YouTube: Ein Filmstudio für das Internet

Mischpult in Audio-Kabine (Foto: Moritz Stückler)

YouTube unterhält in Los Angeles einen Studio-Komplex ausschließlich für seine Nutzer. Jeder YouTuber mit einer gewissen Reichweite kann hier kostenlos Studios, RED-Kameras und Greenscreens verwenden. Wir haben uns vor Ort umgesehen.

YouTube Space L.A.: Hollywood ist nur 20 Minuten entfernt

Nur etwa 20 bis 30 Minuten entfernt von den großen und etablierten Filmstudios wie MGM, Universal oder Paramount findet sich ein weiteres, kleineres Filmstudio in Los Angeles. Dort werden keine Produktionen für mehrere Millionen Dollar gedreht. Hollywood-Stars sucht man dort auch vergeblich und alles ist etwas unkomplizierter. Wer den YouTube Space in Los Angeles betritt, ist sofort umgeben von Kameras – keine großen Filmkameras, sondern Smartphones, GoPros oder Spiegelreflex-Kameras.

In jeder Ecke des Studio-Komplexes wird irgendwie gerade fotografiert oder gefilmt. Besucher müssen deswegen gleich am Eingang unterschreiben, dass sie pauschal damit einverstanden sind, abgelichtet zu werden. Wenn es eine Hölle für deutsche Datenschützer gibt, dann ist sie hier.

Der Eingangsbereich des YouTube Space LA: Viel Platz für Kreativität. (Foto: Moritz Stückler)
Der Eingangsbereich des YouTube Space LA: Viel Platz für Kreativität. (Foto: Moritz Stückler)

Eine Mischung aus Filmstudio, Filmschule und Startup

Der YouTube Space in Los Angeles ist eine Mischung aus klassischem Filmstudio, Filmschule und Startup. Geplant wurden die „YouTube Spaces“ von YouTubes Next Lab, einer Abteilung, die sich darum kümmert, wie die Videoplattform seine video-produzierende Nutzerschaft behalten und vergrößern kann – „Audience Development“. Prinzipiell kann jeder YouTube-Nutzer den alten Flugzeughangar für seine Zwecke nutzen – vorausgesetzt er hat mindestens 10.000 Abonnenten. Denn die sind hier sowas wie eine Währung.

Keiner der Nutzer muss auch nur einen einzigen Dollar zahlen, stattdessen dürfen die Interessenten das Gelände für eine gewisse Anzahl an Tagen pro Monat nutzen. Und diese Nutzungsdauer richtet sich nach der Zahl der Abonnenten. Ab 10.000 Abonnenten gibt es einen Tag, ab 100.000 drei Tage und ab einer Million Follower ganze sechs Tage Aufenthalt im YouTube Space.

Autos, Häuser, Elefanten: Studios mit bis zu 465 Quadratmeter Grundfläche

Was den YouTubern dann an diesen Tagen zur Verfügung steht, braucht den Vergleich mit Hollywood nicht zu scheuen: Auf 3.800 Quadratmetern gibt es drei kleine Studios mit jeweils etwa 28 Quadratmetern Grundfläche und einer Hohlkehle für Greenscreen-Aufnahmen, natürlich komplett ausgeleuchtet. Das Herzstück sind drei große Studios mit Grundflächen von 185, 232 und 465 Quadratmetern. Vom Auto bis zum kleinen Haus lässt sich also jedes Set dort aufbauen.

Natürlich sind allesamt bis unter das Dach mit Technik bestückt – insgesamt wurden über 600 Kilometer Kabel verbaut. Bis zu 73 Scheinwerfer hängen an den Studio-Decken. Und sogar Motion-Tracking-Aufnahmen mit speziellen Anzügen, zum Beispiel zum Animieren von CGI-Charakteren, lassen sich hier drehen.

Dazu gibt es natürlich Umkleide- und Maskenräume sowie Meetingräume und jede Menge kleine Sofa-Ecken und Rückzugsmöglichkeiten zur Planung von neuen YouTube-Clips.

Technik zum Ausleihen: „Eine RED Epic, bitte“

Was in Sachen Technik noch nicht in den Studios vorhanden ist, können sich die YouTuber im Lager einfach kostenlos ausleihen: Kostüme, Perücken, Requisiten oder Bühnenteile gibt es zu Hauf in meterhohen Regalen. Außerdem kommen Technik-Fans im Lager voll auf ihre Kosten: Dutzende Kameras stehen zur Verfügung. Die Ausstattung reicht von Mittelklasse-Spiegelreflexkameras von Canon samt zugehöriger Linsen-Auswahl bis hin zu 4K-fähigen RED-Epic-Kameras, die auch bei aktuellen Hollywood-Blockbustern eingesetzt werden. Sogar eine Broadcast-fähige Fernsehkamera steht bereit. Stative, Steadicams und Mikrofone runden den Fundus ab.

Im „Tech Cage“ können sich die YouTuber Kamera-Equipment ausleihen – von der Spiegelreflexkamera bis hin zu professionellen Filmkameras wie dieser Canon EOS C100. (Foto: Moritz Stückler)
Im „Tech Cage“ können sich die YouTuber Kamera-Equipment ausleihen – von der Spiegelreflexkamera bis hin zu professionellen Filmkameras wie dieser Canon EOS C100. (Foto: Moritz Stückler)

Und wer mit der ganzen Technik (noch) nicht umgehen kann, dem wird auch geholfen: Drei bis vier Mal pro Woche finden im YouTube Space Workshops zu diversen Themen statt: Steadicam-Training, Umgang mit einem Kamerakran oder „Audience Development“ stehen auf dem Lehrplan im April. Die Workshops sind auch für externe Interessenten zugänglich und kostenfrei.

Auf den ersten Blick handelt es sich beim Creator Space von YouTube um ein relativ selbstloses Projekt. Immerhin verdient YouTube keinen Cent am Betrieb dieser Einrichtung. Ganz im Gegenteil: Etwa 20 feste Mitarbeiter und 25 externe Fachleute müssen dauerhaft bezahlt werden. YouTube profitiert von diesem Projekt aber auf eine andere Art und Weise: Existierende YouTuber können durch das Studio und die Workshops höherwertiger und häufiger Inhalte produzieren, die wiederum häufiger aufgerufen werden und damit die Werbe-Einnahmen von YouTube steigern. Dennoch erstaunlich, dass YouTube ein solches wirtschaftliches Experiment eingeht. Die Rentabilität einer solchen Einrichtung wird sich vermutlich nicht nachweisen lassen. Und trotzdem unterhält YouTube inzwischen solche Creator Spaces nicht nur in Los Angeles, sondern auch in Tokyo, London und New York.

Das größte der sechs Studios im YouTube Creator Space ist fast 500 Quadratmeter groß. (Foto: Moritz Stückler)
Das größte der sechs Studios im YouTube Creator Space ist fast 500 Quadratmeter groß. (Foto: Moritz Stückler)

Zehn Schnittplätze und schalldichte Kabinen im YouTube Space

Sind die gewünschten Szenen erst mal im Kasten, kümmert sich YouTube auch um alle Bedürfnisse beim Schnitt und der Nachbearbeitung: An zehn Schnitt-Arbeitsplätzen mit neuester Hard- und Software (unter anderem Apple Mac Pro 2014 mit Adobes Creative Suite) können die Internet-Filmstars ihre Werke perfektionieren. Wer seine Videos nachvertonen will oder etwas mehr Ruhe beim Schneiden braucht, für den stehen mehrere Ton- und Schnittkabinen bereit.

Und wer damit immer noch nicht genug hat und auf TV-Niveau Inhalte produzieren will, für den gibt es einen eigenen Produktionsraum mit zehn Mann (oder Frau) Besatzung. Von dort lassen sich auch Livestreams in großem Maßstab realisieren. So werden hier öfter Unplugged-Sessions von bekannten Musikern produziert, die live bei YouTube gestreamt werden können. Für den Notfall lässt sich ein Signal von dort technisch auch live ins amerikanische Fernsehprogram übertragen.

In diesem Regieraum können bis zu zehn Mitarbeiter an einem Livestream oder einer TV-Einspeisung arbeiten. (Foto: Moritz Stückler)
In diesem Regieraum können bis zu zehn Mitarbeiter an einem Livestream oder einer TV-Einspeisung arbeiten. (Foto: Moritz Stückler)

Und wenn am Ende alles gefilmt, geschnitten, bearbeitet und finalisiert ist, bietet der YouTube Space auch den richtigen Rahmen, um das fertige Stück auch gebührend zu präsentieren: In einem eigenen Vorführraum mit 47 Stühlen, 4K-Projektor und 7.1-Surround-Sound lassen sich die Ergebnisse angemessen betrachten. Wer mehr über den YouTube Space in LA oder in den anderen Städten erfahren will, findet ausführliche Infos auf der offiziellen Seite.

Filmabend Deluxe: Ein Kino mit 4K-Projektor und 47 Plätzen gehört ebenfalls zur Ausstattung im YouTube Creator Space. (Foto: Moritz Stückler)
Filmabend Deluxe: Ein Kino mit 4K-Projektor und 47 Plätzen gehört ebenfalls zur Ausstattung im YouTube Creator Space. (Foto: Moritz Stückler)

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3 Reaktionen
Christof
Christof

Hammer Bericht, Moritz! Freue mich schon auf viele weitere Berichte aus Cali ;)

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Michael

Ich muss ja schon mal sagen, toller Bericht über den YouTube Space in LA. Hab bereits einiges darüber gehört, aber meist doch nur halbweges Zeug - leider oft auch ohne Bilder oder Video.

Finds auch klasse von YouTube, sowas überhaupt anzubieten. Zwar bekommt YT damit direkt besseren Content, aber so ein Studio mit Technik und Mitarbeitern ist ja auch nicht direkt günstig, aber Google hats ja und will die Menschheit verbessern.

Es ist schon spät, schöner Artikel - mehr wollt ich ja eigentlich nicht sagen :)

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