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Analyse

Theranos, Foursquare, Home24: Diese Startups haben massiv an Bewertung eingebüßt

    Theranos, Foursquare, Home24: Diese Startups haben massiv an Bewertung eingebüßt
Foto: Shutterstock / Lee Yiu Tung

Startups wie Theranos oder die Global Fashion Group haben 2016 ihre Bewertung nach unten setzen müssen. Nicht bei allen lag das am Markt. 

Die Frage danach, warum Alphabet derzeit so wenig investiere, beantwortete David Drummond mit einer Gegenfrage: „Haben Sie die Bewertungen gesehen?“ Der Entwicklungschef der Google-Mutter verwies auf die veränderten Einschätzungen zu Unicorns und Decacorns, also Unternehmen mit einer Bewertung von einer Milliarde beziehungsweise zehn Milliarden Dollar: Es gehe nicht alles nur nach oben oder bleibe gleich. Was er damit eigentlich sagte: Die Bewertungen werden nach unten gehen.

Drummond ist mit dieser Einschätzung nicht allein. Dass die Bewertungen in der Startup-Szene 2016 sinken würden, hatten Analysten und Experten früh kommen sehen. Es gehe die Angst um, dass sich Startups überschätzten, schrieb die New York Times bereits im Januar. Jagte in den vergangenen Jahren ein Superlativ den nächsten – Investment-Rekorde, so viel Wagniskapital wie noch nie, Einhorn-Boom –, kündigte sich bereits Ende 2015 ein Dämpfer für die Startup-Szene an - die Investmentsummen gingen zurück.

Ein Trend, der sich 2016 fortsetzte. Im dritten Quartal 2016 investierten die Wagniskapitalgeber nur noch 24 Milliarden Dollar – ein Zwei-Jahres-Tief. Die Managementberatungen KMPG und CB Insights gehen davon aus, dass die Gesamtsumme 2016 mit dem glorreichen Vorjahr ebenfalls nicht mehr mithalten kann und um 40 Prozent fallen wird.

Das zeichnet sich auch in den Bewertungen ab. Zahlreiche Startups mussten 2016 ihren Unternehmenswert nach unten korrigieren – auch in Deutschland. Allerdings: Nicht immer sank der Unternehmenswert wegen des Marktumfeldes. t3n hat fünf prominente Abwertungen aus 2016 zusammengetragen.

Fünf prominente Startups, die 2016 an Bewertung verloren haben

  • Theranos: Große Versprechungen, wenig dahinter

Den größten Absturz erlebte 2016 das US-Startup Theranos. Schon im Herbst 2015 weckte das Wall Street Journal erste Zweifel an den angeblich hochinnovativen Bluttests des Startups. Mit ihnen sollte es möglich sein, mit nur einem Tropfen Blut schwerste Krankheiten zu erkennen. Doch die Technologie kann offenbar doch nicht so viel, wie Gründerin Elizabeth Holmes versprach.

Die einst gefeierte Studiumsabbrecherin musste in den vergangenen zwölf Monaten einen Rückschlag nach dem nächsten verkraften: Erst entzog ihr das Gesundheitsamt CMS die Lizenz, dann kündete der Partner Walgreens die Partnerschaft auf und verklagte sie schließlich. Der Absturz der einstigen Hoffnungsträgerin lässt sich auch an der Bewertung von Theranos ablesen: Die knallte von neun Milliarden auf 800 Millionen US-Dollar herab.

  • Global Fashion Group: Plötzlich nur noch ein Drittel wert

Im Vergleich dazu schaut die Global Fashion Group (GFG) auf ein geradezu ruhiges Jahr zurück. Das Startup aus dem Hause Rocket Internet beherbergt die Modemarken Dafiti, Zalora, Namshi, Lamoda und The Iconic. Bereits im April kündigte die Unternehmensschmiede an, dass die Modefirma neues Geld brauchte – eine Summe von 300 Millionen Euro wollte man einnehmen. Doch es dauerte, bis das Kapital zusammenkam. Erst drei Monate später konnte die GFG eine neue Finanzierungsrunde in Höhe von 330 Millionen Euro verkünden.

Eine Summe, die zwar höher lag als die ursprünglich anvisierte, die aber nicht über die Probleme bei der Kapitalsuche hinwegtäuschen konnte: Die Bewertung sank von 2,8 Milliarden auf eine Milliarde Euro. Auch mit dem Verkauf der Marke Jabong hatte die Firma kein Glück: Der Erlös von 70 Millionen Dollar dürfte deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben sein. Ursprünglich flossen mindestens 47,5 Millionen Dollar an Finanzierung in den Zalando-Klon. Die hohen Verluste der Global Fashion Group wirkten sich außerdem auf den Halbjahresbericht von Rocket Internet aus: Der börsennotierte Konzern musste eine Gewinnwarnung herausgeben.

Das Startup Home24 hat ebenfalls an Bewertung verloren. Es kommt nun nur noch auf eine Bewertung von 420 Millionen Euro. (Foto: Home24)
Das Startup Home24 hat an Bewertung verloren. Es kommt nun nur noch auf 420 Millionen Euro. (Foto: Home24)
  • Home24: Auf dem Weg in die schwarzen Zahlen

Bei dem Startup rumorte es im März ordentlich: Domenico Cipolla musste den Chefstuhl räumen. Das Trio aus dem Home24-Gründer Philipp Kreibohm und den beiden Fashion-4-Home-Geschäftsführern Christoph Cordes und Marc Appelhoff übernahm die Geschäftsführung. Seitdem geht es für die Möbelplattform vor allem um eins: schwarze Zahlen. Aus den von Rocket Internet veröffentlichten Bilanzen lässt sich ablesen, dass das Unternehmen auf dem Weg dorthin ist. Schrieb es in den ersten neun Monaten 2015 noch einen Verlust von knapp 61 Millionen Euro, so verringerte es sein Minus im gleichen Zeitraum 2016 auf 45 Millionen Euro.

Auch wenn es sich auf dem Weg in die Profitabilität befindet, braucht Home24 vorerst weiter Kapital. Im September schloss das Unternehmen deshalb eine Finanzierungsrunde in Höhe von 20 Millionen Euro ab. Die Bewertung von ursprünglich 981 Millionen Euro halbierte sich bei dieser Kapitalspritze – auf 420 Millionen Euro.

  • Foursquare: Der Hype ist vorbei

Als der Restaurant-Empfehlungsdienst 2009 startete, glaubten alle an eine großartige Zukunft des Unternehmens. Konzerne wie Facebook und Yahoo meldeten Interesse an einem Kauf des Startups an. Doch die Foursquare-Gründer waren sich sicher, dass sie mit ihrer App das nächste große Ding aufgebaut hatten und lehnten die Angebote ab.

Mittlerweile hat das Interesse abgenommen – auch bei den Investoren. Bei seiner Finanzierungsrunde im Januar konnte Foursquare zwar 45 Millionen US-Dollar einnehmen. Doch die Bewertung von ursprünglich 650 Millionen US-Dollar soll sich dabei etwa halbiert haben, wie die New York Times mit Verweis auf interne Quellen berichtete. Gleichzeitig verabschiedete sich der Mitgründer Dennis Crowley von seinem CEO-Posten und wechselte in den Aufsichtsrat. Wie es für das einstige Hype-Unternehmen weitergeht, lässt sich schwer abschätzen. Eines ist aber gewiss: Der Hype ist vorbei.

  • Hellofresh: Marktumfeld knabbert an der Bewertung

Man kann eigentlich nicht sagen, dass Hellofresh ein schlechtes Jahr hinter sich hätte. Die Umsätze verdoppelten sich in den ersten neun Monaten auf 438 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Cash-Position verbesserte sich – auch dank weiterer Finanzierungsrunden – von 81 Millionen auf 99 Millionen Euro. Und das, obwohl der Kochbox-Anbieter fleißig in die Infrastruktur investierte und fünf neue Fulfillment-Center aufbaute. Trotzdem konnte das Startup seine Bewertung nicht halten: Sie ging um rund 500 Millionen Euro zurück und liegt nun bei zwei Milliarden Euro.

  „Manche Faktoren können wir beeinflussen, andere nicht.“

„Bewertungen am Kapitalmarkt unterliegen den verschiedensten Einflüssen“, sagt Gründer Dominik Richter im Gespräch mit t3n. „Manche können wir beeinflussen, andere nicht.“ Der Geschäftsführer bleibt aber optimistisch. 2017 will er sein Unternehmen zur Marke rund um das Thema Kochen ausbauen. Einen Börsengang schließt er nicht aus – auch wenn er sich auf kein konkretes Datum festlegen will: „Langfristig ist der Weg an die Börse sicherlich ein guter Schritt für Hellofresh. Aber es gibt keine konkreten Pläne, ob das 2017, 2018 oder 2020 passiert.“ Scheint ganz so, als wäre die Abwertung nur ein Zwischenschritt für das Startup.

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Hörtipp: Warum wir trotz der niedrigeren Investitionen keine Startup-Blase erleben, erklärt Project-A-Gründer Florian Heinemann im Filterblase-Podcast „BWLer werden nicht die Welt retten“.

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