t3n News Entwicklung

Beyond Tellerrand 2013: „Raus aus den Design-Käfigen von Apple, Facebook und Co.“

Beyond Tellerrand 2013: „Raus aus den Design-Käfigen von Apple, Facebook und Co.“

Zur diesjährigen kamen Webentwickler und aus aller Welt zusammen, um an zwei Tagen aktuelle Trends und Entwicklungen zu diskutieren. Tenor der Veranstaltung: Der offene und freie Charakter des Netzes ist für seine Fortentwicklung unabdingbar, geschlossene Systeme hemmen das Web und die freie Entfaltung von Informationen. Ähnliches gilt auch für das Webdesign: „Raus aus den Design-Zwängen propietärer Systeme von Großunternehmen“, forderte etwa der ehemalige Lead Developer von , Blaine-Cook.

Beyond Tellerrand 2013: „Raus aus den Design-Käfigen von Apple, Facebook und Co.“

Im Düsseldorfer Capitol schaffte Konferenzorganisator Marc Thiele wie immer eine tolle Atmosphäre mit viel Liebe zum Detail. Vom großartigen Video-Intro der englischsprachigen Konferenz über die Live-Stage mit praxisorientieren Kurzvorträgen bis hin zu den DJ-Mixes von Talks in den Pausen: Anhand solcher Kleinigkeiten fügt sich das Gesamtbild einer Konferenz zu einem erinnerungswürdigen Erlebnis zusammen. Wie sich die Konferenz im Detail angefühlt hat, könnt ihr im Live-Blog der beiden Konferenztage nachlesen. Thiele toppte den gelungenen Rahmen der jedoch mit den hochwertigen Speakern: Jeremy Keith, Brad Frost, James Victore, Josh Brewer, Mandy Brown, Harry Roberts, Aaron Gustafson, Blaine Cook, Chris Heilmann und mehr. Das Who-is-Who der Webdesign-Szene zu Gast in der Rheinmetropole. Im Folgenden eine Auswahl der Talks (Kurzzusammenfassung).

Jeremy Keith: „Ein Backup fürs Internet“

Webdesign-Ikone Jeremy Keith eröffnete die Konferenz und forderte die Web-Industrie dazu auf, nicht in kurzfristigen Denkweisen zu verharren, sondern auch mal über den Tellerrand zu schauen: „Beyond Tellerrand“ nannte er seinen Vortrag sehr passend. „Wir brauchen ein Backup des Internets“, fordert Keith und spielte auf das fehlende historische Bewusstsein der Branche an. Die täglich massenhaft produzierten Daten im Netz müssen in irgendeiner Form gesichert und für die Nachwelt dokumentiert werden.

Aaron Gustafson: Gestaltung mit Empathie war sein Thema – und er gab eine Menge praktische Tipps
Aaron Gustafson: Gestaltung mit Empathie war sein Thema – und er gab eine Menge praktische Tipps

Aaron Gustafson: Gestalten mit Empathie

Webdesigner und Buchautor Aaron Gustafson sprach über Empathie im Designprozess und wie wichtig und hilfreich sie ist, um gute Produkte zu schaffen. Im gehe es vor allem darum, Probleme zu lösen – und genau deshalb sei es für Designer aller Art so wichtig, sich in Kunden hineinzuversetzen und deren Perspektive einzunehmen. Um gut auf Kundenbedürfnisse eingehen zu können, sind beispielsweise der Einsatz von Personas oder die Erstellung von User Stories zu empfehlen. Barrierefreie Gestaltung, passender Content und die Vermeidung technischer Hürden wie beispielsweise der Einsatz von ressourcenfressenden JavaScript-Frameworks nannte er unter anderem als weitere Tipps.

Blaine Cook: „Wir brauchen wieder mehr Chaos im Webdesign“

In seinem Talk „Reinventing Online“ sprach Blaine Cook, Software-Entwickler und ehemaliger Lead-Developer bei Twitter, über die technische Möglichkeiten, das native Web – außerhalb der geschlossenen Systeme der App Stores – noch nutzerfreundlicher zu machen. Technologien und Tools können für eine verbesserte User Experience sorgen. Als Beispiel zeigte Cook eine Editier- und Markier-Funktion für Texte, die auf den ersten Blick besser funktioniert als in herkömmlicher Text-Software. Dahinter stecke ein unheimlicher Programmieraufwand mit JavaScript, so Cook.

Blaine Cook – ehemaliger Leaddeveloper von Twitter – plädierte für mehr Design-Freiheiten im Web: „Raus aus den Design-Käfigen von Google, Apple, Facebook und Co.“
Blaine Cook – ehemaliger Lead-Developer von Twitter – plädierte für mehr Design-Freiheiten im Web: „Raus aus den Design-Käfigen von Google, Apple, Facebook und Co.“

Der Aufwand sei groß, aber es lohnt sich, so Cook. Denn die Alternative von geschlossenen Systemen und nativen Applikationen widersprechen dem Charakter eines freien und offenen Webs: „The nature of the Web is, that information becomes more free and open“, sagt Cook. Analog dazu fordert er die Webdesigner auf, sich von den „Design-Käfigen“ zu befreien, die Apple, Google, Facebook und Co. geschaffen haben. Er verglich diese mit monotonen Hochhäuserbauten in Hong Kong, die auf großem Raum höchst standardisierte Wohnräume bzw. Wohnzellen bereit stellen. Als positives Gegenbeispiel verwies er auf London und präsentierte eine Luftaufnahme der britischen Hauptstadt, die ein architektonisch eher chaotisches Stadtbild zeigte. Webdesigner sollten dementsprechend auf die „chaotische Kraft“ des Webs setzen und neues und vor allem eigenes Design gestalten – und sich nicht zu sehr in den gesicherten Design-Gebieten der großen Tech-Konzerne bewegen.

Harry Roberts: Flexibles CSS – Die Subway-Methode

In seinem Vortrag erklärte CSS-Experte und Kopf hinter dem CSS-Framework „inuit.css“ Harry Roberts den gekonnten Umgang mit CSS in großen Projekten. Dabei zog er interessante Analogien zwischen Codebasis auf der einen Seite und Gebäudearchtektur, Lego und Subway auf der anderen Seite. Wie beim modularen Prinzip der Baguette-Zusammenstellung bei der Fast-Food-Kette Subway, bei der Kunden sich aus diversen Zutaten ihr eigenes Baguette zusammenstellen, so ließe sich auch die CSS-Codebasis modular aufbauen, um bei großen Projekten flexibel und perfomant zu bleiben.

Harry Roberts von Sky zeigte, wie sich CSS so umsetzen lässt, dass es auch für Großprojekte flexibel und performant bleibt
Harry Roberts von Sky zeigte, wie sich CSS so umsetzen lässt, dass es auch für Großprojekte flexibel und performant bleibt

Überhaupt finde Roberts vor allem das interessant, was außerhalb der CSS-Codeklammern steht: Die Struktur von CSS sei viel spannender als der eigentlich Code, schließlich ist laut Roberts CSS im Grunde simpel und deshalb eigentlich langweilig. Die Herausforderung sei vielmehr die intelligente und flexible Zusammenstellung unterschiedlicher CSS-Codeblöcke. Hierfür empfahl Roberts das BEM-Konzept (Block, Element, Modifier) für Namenskonvention für CSS-Klassen.

Chris Heilmann: „Bringing the mobile web to everybody“

Auf die Vorzüge offener Webtechnologien verwies Chris Heilmann, Principal Evangelist bei Mozilla, in seinem Vortrag am zweiten Konferenztag (Kurzinterview mit Chris Heilmann). Webtechnologien wie HTML5, CSS3 und JavaScript bieten genug Möglichkeiten, um Ideen und Techniken umzusetzen und Applikationen zu erstellen. Mit Firefox OS könnten Webentwickler dabei erstmals auf die volle Hardware mobiler Geräte zugreifen. So hat Mozilla eine Reihe von APIs entwickelt, die es beispielsweise möglich machen, per JavaScript direkt auf die Kamera oder den GPS-Chip zuzugreifen. Der dafür nötige Code ist schlank, bedarf in der Regel nur wenige Zeilen Code.

Mit Firefox OS will Mozilla die Offenheit des Webs endlich auch auf mobile Plattformen bringen. Angefangen bei der Entwicklung von Applikationen ohne SDK – einst von Steve Jobs bei der Vorstellung des iPhones im Jahr 2007 versprochen – bis hin zur Bezahlung von Apps auch ohne Kreditkarte, beispielsweise über die Telefonabrechnung oder über eine Prepaid-Rechnung. „Es kann nicht sein, dass das mobile Web nur für die reiche westliche Welt nutzbar ist: Das wollen wir mit Firefox OS ändern.“

 

Newsletter

Bleibe immer up-to-date. Sichere dir deinen Wissensvorsprung!

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
Keine Antwort
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Beyond Tellerrand
Logo-Design 2016: Das sind die aktuellen Trends
Logo-Design 2016: Das sind die aktuellen Trends

Designer Bill Gardner veröffentlicht seit dreizehn Jahren jährlich einen Bericht zu den aktuellen Trends im Logo-Design. Hier seht ihr, welche Trends er für 2016 ausgemacht hat. » weiterlesen

Trends der Zukunft: So sieht die digitale Welt in einigen Jahren aus [Sponsored Event]
Trends der Zukunft: So sieht die digitale Welt in einigen Jahren aus [Sponsored Event]

Rund um die digitale Zukunft geht es beim Interactive Festival. Das Event beleuchtet die unterschiedlichsten Bereiche – von Internet of Things bis Health. » weiterlesen

6 Webdesign-Trends für 2016, die du kennen solltest
6 Webdesign-Trends für 2016, die du kennen solltest

Als Designer sollte man neue Trends kennen und kann durch sie auch Inspiration bekommen. Jerry Cao, UX-Designer und Content-Stratege, zeigt dir sechs Trends im Webdesign, die dieses Jahr eine Rolle … » weiterlesen

Alle Hefte Jetzt abonnieren – für nur 35 €

Kennst Du schon unser t3n Magazin?