Bislang gibt es die Bezahlschranke der New York Times offenbar nur für Leser aus Kanada. Ruft man von dort mehr als 20 Artikel in einem Monat auf, bekommt man beim nächsten Aufruf einen Hinweis über den Artikel gelegt, man möge doch bitte ein Abo abschließen. Der Text des Artikels allerdings ist dahinter trotzdem komplett geladen und auch im Quelltext zu finden. Die Bezahlschranke besteht demnach also lediglich aus ein wenig JavaScript und einem DIV-Layer.
Der kanadische Entwickler David Hayes hat nun mit NYTClean ein Bookmarklet zur Verfügung gestellt, mit dem man dieses Hindernis mit nur einem Klick entfernen kann: Der Hinweis verschwindet und der Text lässt sich wieder scrollen.
Aber haben die Entwickler diese Lücke wirklich übersehen? Angeblich soll die New York Times immerhin zwischen 40 und 50 Millionen US-Dollar in ihre Bezahllösung investiert haben. Da mutet es mehr als kurios an, dass sich alles so schnell und einfach umgehen lässt.
New York Times will sichtbar bleiben im Netz
Beobachter wie Joshua Benton vom Nieman Journalism Lab sehen ein System in der Lücke. Mit Absicht sei die Bezahlwand der New York Times nicht vollständig, erklärt er in diesem Beitrag. So könne man die Artikel schließlich auch dann unbeschränkt aufrufen, wenn man über einen Link via Twitter oder Facebook zur New York Times komme.
Die Idee dahinter: Wer seine Inhalte komplett wegschließt, verschwindet aus dem Netz. Einen solchen Schritt dürfte wohl kaum eine News-Website dieser Welt überstehen. Stattdessen schafft man mit solchen kleinen Lücken eine Möglichkeit, dass regelmäßige Leser für die Inhalte bezahlen können. Und wer nicht bezahlen will, der hat es eben unbequemer – ganz abgesehen vom hoffentlich schlechten Gewissen. Und, bitteschön, dann nutzen es eben einige kostenlos während andere zahlen. Auf jeden Fall wahrt sich die New York Times mit solchen Kompromissen wie beispielsweise dem Zugriff via Twitter und Facebook die Möglichkeit, im Netz sichtbar zu bleiben. Und diese Sichtbarkeit ist unbezahlbar. Alles in allem jedenfalls zeigt sich an diesem Beispiel das ganze aktuelle Dilemma des Paid Content im Netz.
Möglicherweise ist die aktuelle Lücke in der Bezahlschranke also eher „Feature“ als „Bug“. Ob die New York Times etwas dagegen unternimmt, bis das System auch für Leser in den USA eingeführt wird, ist derzeit offen.
Zum Thema Bezahlschranke der New York Times auf t3n.de:





7 Answers
von torben.leuschner 22.03.2011 (15:30Uhr) 1.
Im Artikel kommt häufiger der Ausdruck "bleibt sichtbar" zu lesen. Dabei wird auf Twitter & Facebook eingegangen.
Was aber viel wichtiger ist => Würde man eine extra Landingpage vor den Artikel stellen, der zum Zahlen auffordert, könnten auch Suchmaschinen nicht auf den Content zugreifen. Google würde also keine Artikel der NYT mehr indexieren. Dies ist wohl der Hauptgrund, weshalb man sich für eine so lasche Lösung entschieden hat.
Gruß,
Torben
von jati 22.03.2011 (16:03Uhr) 2.
@Torben: Vielen Dank für die Ergänzung. Das sehe ich ganz genau so. Wobei man beim Zugriff via Facebook und Twitter gar keine Beschränkungen hat. Kommt man via Google, kann man fünf Artikel pro Tag kostenlos ansehen. Ruft man die Website direkt auf, sind es 20 Artikel pro Monat. Das hat der Kollege Falk in seinem Artikel (am Schluss verlinkt) sehr schön aufgedröselt. Diese abgestufte Sichtbarkeit ist auch noch ein interessanter Aspekt in der Pay-Taktik der New York Times, wie ich finde.
von Martin 22.03.2011 (22:10Uhr) 3.
Die meisten Leute wissen nicht was ein Bookmarklet ist und werden auch nie von diesem erfahren. Also ein relativ uninteressanter Aspekt bei der ganzen Sache.
Was mich an solchen Paywalls aber stört: Dass Google solche Seiten nicht aus dem Index schmeisst. Wenn ich mit Google etwas suche/finde, dann will ich den indizierten Content auch lesen können.
von Mario Suderburg via facebook 23.03.2011 (13:33Uhr) 4.
:D
von Micha Pietsch via facebook 23.03.2011 (23:32Uhr) 5.
Hätt ich mir doch JavaScript angeguckt statt Python. ;P
von TechnikLOAD 30 – Firefox 4, NYT-Bezahl… 25.03.2011 (09:57Uhr) 6.
[...] Times führt eine Bezahlschranke ein und wird damit sehr teuer. Das nutzen clevere Menschen und hebeln diese mit einem Bookmarklet aus. Ein neu angelegter Twitter-Account listet aktuell noch alle Artikel auf, dessen Links dann auf [...]
von Paywall-Fiasko: Bezahlschranke der New Y… 27.06.2011 (11:25Uhr) 7.
[...] Bezahlschranke der New York Times ausgehebelt – mit nur vier Zeilen Code - t3n News Kommentare: 0 Tweets: 0 Facebook-Likes: 0 +1: 0 27.06.2011 Ads_BA_AD('FOOT'); Schau dir doch unsere Neusten Artikel und News an. [...]