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Bing Social startet: Was bewirken die Facebook-Likes?

    Bing Social startet: Was bewirken die Facebook-Likes?

Microsofts Suchmaschine bringt ein neues Feature: Künftig stellt Bing Social seine Suchergebnisse auf Basis von Facebook-Inhalten dar - Ranking inklusive. Bereits ab morgen wird damit der Content des Social Networks in Bing integriert und dem User als Echtzeitergebnis präsentiert, das auf die Likes der Freunde zurückgreift und diese nach ihrer Popularität sortiert. Bing erhöht damit auch den Druck auf den Suchmaschinenmarktführer Google, dessen „Social Strategy" noch in der Entwicklung steckt.

Bing Social liefert Echtzeitergebnisse von Facebook

Bing-User, die über ein aktives Facebook-Konto verfügen, erhalten künftig Suchergebnisse basierend auf sogenannten „social recommendations"; also Tipps und Empfehlungen aus der sozialen Online-Umgebung. Denn bereits ab morgen wird Bing Social bei der Darstellung der Ergebnisse auf die Likes - und wohl auch Shares - von Facebook zurückgreifen. Damit sind die Bing-Ergebnisse künftig davon anhängig, welcher soziale Kontakt entsprechenden Facebook-Content geliked hat, der mit der getätigten Suchanfrage zusammenhängt. So entwickelt sich eine Ergebnisanzeige, die Inhalte speziell auf jeden Bing- und Facebook-User abstimmt.

Bisher aggregierte ein Feature von Bing Social unter „brandheiße Themen aus sozialen Netzwerken" bereits Content, der sich auf Twitter und Co. einer hohen Popularität erfreut:

Bing Social integriert künftig Facebook-Inhalte in die Suchergebnisse und schafft damit auch ein „soziales Empfehlungssystem".

Doch das jetzt angekündigte Feature von Bing Social ist ein viel größerer Schritt - vielleicht sogar die Demokratisierung der Suchergebnisse? Denn via Facebook Connect werden damit erstmalig Facebook-Inhalte direkt (und gezielt) in die Suchergebnisse einer Suchmaschine integriert. Was gesehen wird, bestimmt damit der User. Ok, zugegeben, vielmehr bestimmt der User über sein Tool „Soziales Netzwerk", was er wann und wie sieht. Denn das bestimmt ja über ihn, irgendwie.

Und sollte das eigene Freunde-Netzwerk einmal keine passende Link-Empfehlung zur Anfrage parat haben, erweitert Bing Social den Radius einfach auf das gesamte Social Network. „Oha!", ruft jetzt der besorgte Hüter von Datenschutz und Privatssphäre. Und gemessen an den aktuellen Diskursen Kontinentaleuropas wohl nicht zu unrecht.

Bing Social im Video-Tutorial

Insgesamt kann der Start dieses zunächst einfach daher kommenden Features zu allerlei Diskussionen anregen, die jede erdenkliche Ebene der digitalen Gesellschaft berühren. Wer sich Bing Social aber nur mal als Tool ansehen will, dem sei das nachstehende Video empfohlen.

Einige Gedankengänge über die bloße Technik hinaus findet ihr im Folgenden.

Bing Social wird nicht nur die Datenschützer herausfordern

Denn nicht nur Likes und wohl auch Shares dienen der hierarchischen Ergebnisdarstellung. Angeblich sollen auch weitere Facebook-Inhalte, etwa komplette Status-Updates, zum Sortieren der Bing-Ergebnisse genutzt werden. Verifiziert ist das aber noch nicht!

Aus nüchterner Technik- und Usability-Sicht wird es „den User" freuen: Nicht nur wird er wohl eine Vielzahl passender Ergebnisse vorfinden. Nein, er wird auch direkt sehen, was sein soziales Online-Umfeld mag, macht und empfiehlt. Und das auch außerhalb Facebooks. Das macht Spaß. Jedem. Und weil das so ist, wird „der User" in vermutlich letzter Konsequenz sein Online-Verhalten darauf abstimmen. Auf Facebook, wie es schon jetzt und mit zig Millionen Usern die mehr als scheinbare Norm ist, und auf Bing, das bisher noch zu Google aufschaut. Aber das muss freilich nicht so bleiben.

Damit wird also allerhand Information öffentlich, bzw. noch öffentlicher. Und zwar nicht nur für Facebook- und Bing-Freunde, sondern vor allem für die Unternehmen hinter den Plattformen. Und wer weiß, vielleicht auch für weitere Plattformen und Dienste der Großen. Nicht umsonst werden sich neben Microsoft auch Google und Facebook einen finanziellen Machtkampf um einen Kommunikationsdienst wie Skype geliefert haben. Das muss jetzt alles gar nicht so schlimm sein. Der Eimer Farbe zur Schwarzmalerei ist zwar gern und schnell zur Hand, aber immer im Galopp Richtung vermeindlichen Feind zu reiten, schafft nur Ruhm und Ehre. Ein schnell errichtetes Denkmal, meist für die städtischen Tauben.

Euphemisten könnten indes nämlich sagen, dass dieses Web im Web, dieses Facebook, eine positive Öffnung und Durchdringungen nach Außen erfährt. Oder, dass die Suchergenisse von Bing viel demokratischer sind. Weil sie viel sozialer sind. Weil sie dem (digitalen) Menschen genau das darstellen, was er sehen will. Und weil die Dienstleistungsbranche die Bedürfnisse des Kunden darauf anpassen kann. Und zumindest Letzteres ist ja schon länger so, wenn auch noch nicht immer und überall effizient. Kunde und Content sind bekanntlich „King".

Und die Schwarzmaler? Die könnten sagen, dass diese, in letzter Konsequenz zu Ende gedachte Entwicklung eine Wissensgesellschaft von Inselbegabten fördert. Die sind dann nicht nur intellektuell nicht in der Lage über den sprichwörtlichen Tellerrand hinaus Information oder schlicht Unterhaltung zu aggregieren. Weil ihnen sowohl die kognitive wie auch die selbstbestimmende Fähigkeit zur Differenzierung verloren gehen könnte. Dass die dann nur noch das wüssten, was sich auf Facebook und Bing empfohlen wird.

Mark Zuckerberg soll bezüglich des Themas Bing Social übrigends bereits im Oktober gesagt haben, dass in puncto Privatssphäre kein Grund zur Sorge bestünde. Ehrenwort.

Dann Wohl dem, der über ein wissensdurstiges Netzwerk verfügt. Aber Pech für den, der einzig Notifications von Social Games und Wahrsagern auf der Timeline findet. Vielmehr noch hätte „dieser User" nicht einmal mehr die technischen Möglichkeiten dazu, den Wechsel zu erzwingen. Denn auch Google führt mit dem "+1-Button" nichts anderes als ein System der sozialen Empfehlung ein. Denn wie heißt es doch: Auf den fahrenden Zug „Social Web" ist es besser spät als nie aufgesprungen. Wenn aus Freunden Feinde werden...

Ob der Content dabei dem User künftig auch derart selektiv präsentiert werden wird, ist ungewiss. Und ob und warum „der User" nicht auf Alternativen ausweicht, ist ebenso ungewiss. Und abschließend sollte nicht vergessen werden zu fragen: Wer denkt eigentlich an die SEOs?

Weiterführende Links:

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6 Reaktionen
Christian Henne

Sollte Social Search tatsächlich auf Akzeptanz stoßen, dann wird es das Online-Marketing nachhaltig verändern. Noch sind Kommunikation und Performance-Marketing in den meisten Unternehmen klar getrennt. Wenn aber soziale Aspekte wichtiger werden, dann geht Performance stärker über das Generieren von Likes, Rezensionen und persönlichen Empfehlungen. Ein weiterer Aspekt, der die Online-PR und digitale Kommunikation verändern wird. Im ersten Schritt eine Aufgabe für das interne Change Management.

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Karin Tanger

Klingt noch alles sehr... unschön? Der Praxistest wirds zeigen. Ob es angenommen wird. Obs sinnhaft ist...

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Beobachter247
Beobachter247

Also ich brauch keine unfreiwillige Vernetzung mit dem Datenverkäufer Facebook, weder bei bing noch bei Windows Phone. Da ich Microsoft wegen dutzenden kriminellen Straftaten von Prinzip her ablehne, bin ich hier aber sicherlich nicht ganz objektiv ...

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champanda
champanda

vorhin zwitscherte es irgendwo, SocMed sei der Versuch einer Choreographie des allgemeinen Chaos im Internetz. Wenn nun selbiger Choreograph mir meine zumeist chaotischen Suchanfragen in Reih und Glied ordnet und der Horizont dieser Tanzformation einher geht mit dem (einiger, wenn nicht der meisten) meiner Facebook-Freunde - ich weiß nicht, ob das gut ist...

"trustworthier" werden die recommendations dadurch für mich jedenfalls nicht...

daher: Eimer Farbe ist zur Hand ;)

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Webfuturist

Das ist mal eine geile Sache. Was den Datenschutz angeht, da muss man sicherlich noch einiges klären, aber an sich ist die Idee ziemlich super. Würde mich nicht wundern, wenn Microsoft noch dank Skype und Bing Social zunehmend an Marktanteilen gewinnt und Google's Vorsprung immer kleiner wird...

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bob

Den Gedankengang, warum dies dann bessere Suchergebnisse sein sollen werde ich wohl nicht mehr verstehen. Muss die Idee mit den Fliegen und der Nahrung sein .... und das summende Insekten unfehlbar sind.

Man sieht ja an der Musikindustrie, das nur das Beste vom Besten geliefert wird, wenn man dem Mainstream folgt. ;-)

yo bob

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