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Plagiate und unautorisierte Verkäufer: Birkenstock zieht sich schimpfend von Amazon.com zurück

    Plagiate und unautorisierte Verkäufer: Birkenstock zieht sich schimpfend von Amazon.com zurück

(Foto: Flickr/Freedom II Andres, CC BY 2.0)

Von „inakzeptablen Geschäftspraktiken“ spricht USA-CEO David Kahan in einem Memo an seine Retail-Partner und kündigt den Rückzug von Birkenstock von Amazon.com an. Das Problem: Fälschungen, unautorisierte Händler und sinkende Verkaufszahlen.

Birkenstock-Sandalen: Ein „merkwürdig modisches Objekt“

Birkenstock-Sandalen kommen einfach nicht aus der Mode. (Foto: Flickr/cipher, CC BY-SA 2.0)
Birkenstock-Sandalen kommen einfach nicht aus der Mode. (Foto: Flickr/cipher, CC BY-SA 2.0)

„Wer sich einmal zu diesen breiten, hässlichen Schuhen durchgerungen hat, der bleibt ihnen treu.“

Eigentlich müsste es Birkenstock derzeit ziemlich gut gehen. Das vor 240 Jahren gegründete Unternehmen mit Sitz im Rheinland-Pfälzischen Neustadt an der Wied hat wieder mal ein Revival geschafft. Nachdem die fußfreundlichen Schlappen schon in den 80er- und 90er-Jahren immer mal mehr oder weniger beliebt waren, liegen sie derzeit wieder voll im Trend. Und so tauchen sie auf Modemessen, in Zeitschriften und an den Füßen etlicher Prominenter auf, was unter anderem daran liegt, dass Birkenstock sich nicht nur als Traditionsunternehmen begreift, sondern das auch bei seinen Modellen demonstriert: „Wer sich einmal zu diesen breiten, hässlichen Schuhen durchgerungen hat, der bleibt ihnen treu“, sagte CEO Oliver Reichert kürzlich auf der „ZEITmagazin Konferenz Mode & Stil“. Und der New Yorker schrieb im März 2015, Birkenstock-Sandalen seien ein „merkwürdig modisches Objekt“.

Doch genauso regelmäßig, wie die Schuhe wieder aus der Versenkung auftauchen, hat der Birkenstock-Konzern auch Ärger – mit Betriebsräten, die Karl Birkenstock auch schon mal als „Idioten“ bezeichnete, mit Susanne Birkenstock, der Ex-Frau des Firmen-Erben Christian Birkenstock, die 2006 mit ihrer eigenen Schuh-Marke „SB International“ gescheitert war, oder jetzt mit Amazon – zumindest in den USA.

Marke gefährdet: Birkenstock zieht sich von Amazon zurück

Längst produziert Birkenstock nicht mehr nur Sandalen. (Foto: Flickr/Freedom II Andres, CC BY 2.0)
Birkenstock kehrt Amazon den Rücken. Längst produziert der Konzern nicht mehr nur Sandalen. (Foto: Flickr/Freedom II Andres, CC BY 2.0)

In einem Memo an mehrere Tausend Retail-Partner schreibt David Kahan, CEO von Birkenstock USA: „Der Amazon-Marketplace, der als ‚offener Markt‘ agiert, schafft ein Umfeld, in dem wir inakzeptable Geschäftspraktiken erleben, von denen wir glauben, dass sie unsere Marke gefährden.“ Eine weitere Zusammenarbeit mit Amazon.com sei daher unmöglich, weshalb sich Birkenstock USA zum 1. Januar 2017 von diesem Marktplatz zurückziehe.

Das Problem besteht laut einem Bericht von CNBC vor allem in der wachsenden Konkurrenz aus China, die mit gefälschten Produkten den Markt überschwemme und mit gekauften Bewertungen und anderen fragwürdigen Taktiken Markenhersteller verdränge. Kahan schreibt dazu in dem Memo, er selbst habe Amazon in den vergangenen Jahren etliche Ideen vorgestellt, um „eine faire Umgebung“ für alle Parteien zu schaffen. Amazon stelle für diese saubere Umgebung aber die Bedingung, dass Hersteller ihren gesamten Produktkatalog über Amazon anbieten müssten – der Online-Versand will so zum „One-Stop-Shop“ im Netz werden. Birkenstock möchte jedoch die Kontrolle über seine Vertriebswege behalten – und deshalb zieht Kahan nun zum Jahresende den Stecker.

Birkenstock und Amazon: Auch Retailer sollen mitziehen

Doch Birkenstock, das als Privatunternehmen keinen Investoren Rechenschaft schuldig ist, geht noch einen Schritt weiter. Auch die Retail-Partner will der Konzern, dazu zwingen, diesen Schritt mitzugehen. Man werde „äußerst wachsam“ sein, dass Händler dieser Verpflichtung nach dem 1. Januar auch nachkommen.

Auch seine Kunden ermahnt Birkenstock zu erhöhter Wachsamkeit. Sollten diese nach dem Stichtag Birkenstock-Schuhe auf Amazon.com entdecken, könne das Unternehmen nicht garantieren, dass diese auch echt seien. Sie könnten gefälscht, gestohlen oder unter fragwürdigen Umständen produziert worden sein, so Kahan in dem Memo. Er rate dazu, ausschließlich bei autorisierten Händlern zu kaufen.

Birkenstock ist nicht das erste Unternehmen, das Amazon den Rücken kehrt

Das Birkenstock-Memo. (Quelle: Scribd)
Das Birkenstock-Memo. (Quelle: Scribd)

Birkenstock ist indes nicht das erste Unternehmen, das aufgrund ähnlicher Schwierigkeiten mit Amazon aneinander gerät. Bereits 2013 hatte der Pharma- und Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson etliche seiner Produkte vom Marktplatz zurückgezogen. Auch der deutsche Messerhersteller Wüsthof hat sich immer wieder über Probleme mit Drittanbietern beschwert und zwischenzeitlich nicht mehr auf Amazon verkauft.

Die Echtheit des Memos wurde von Birkenstock USA inzwischen bestätigt, kommentieren wollte der Konzern den Inhalt jedoch nicht. Und auch die Frage, ob Birkenstock globale Konsequenzen aus dem Schritt zieht, bleibt vorerst offen – für eine Anfrage war das Unternehmen bislang nicht zu erreichen.

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2 Reaktionen
Allie
Allie

Ich selbst kennen die PrivatLable Händler aus Amerika und tausche mich mit denen aus. Folglich kenne ich auch deren Schulungen. Ich bin mir sicher, das Birkenstock sich über kurz oder lang auch von Amazon Europa verabschieden muss. Zur Zeit werden die Amerikanischen Händler darauf geschult, wie sie osteuropäische LTDs gründen und den Umsatz knapp unter 100.000 für jedes Familienmitglied über 18 (mit eigener LTD auf Malta z. Bsp.) halten. Knapp unter 100.000 deshalb, weil wenn die Ware in Tschechien liegt und ratzfatz an deutsche Kunden geschickt wird, in Deutschland umsatzsteuerfrei ist. Die Amerikaner lachen auch über die deutschen Amazonhändler, weil sie den Amazon Algrithmus nicht kennen und von Amazon SEO und Listingoptimierung noch nie was gehört haben. Außerdem sind die Deutschen auch nicht in einer riesen AmazonGruppe organisiert, wo man sich gegenseitig verifizierte Bewertungen schreibt und sich liked und shared auf allen Socialmedia Platformen. Dann geht das eigene Ranking mit den kopierten selbst gebrandeten Billigprodukten bei Amazon durch die Decke. Die Amerikaner machen sich grade auf, Europas Amazon zu besiegen und die Zahlen zeigen jetzt schon, dass über 50 % Engländer und Amerikan in Deutschland verkaufen und die Deutschen Händler auf Amazon verdrängt haben. Ja die Sachen werden kopiert und unter einem eigenen Lable wird ein eigenes Amazonlisting erstellt und dann mit allen Rafinessen der Internetmarketing Kunst, Outsourcing auf den Phllipinen und Absprache untereinander, um das Ranking auf Amazon zu manipulieren. Dann hat man auch noch den Umsazsteutervorteil und kann tolle Dumpingpreise anbieten. Eine Marke wie Birkenstock, wird auf Amazon total gläsern und deshalb zur Zielschreibe. Ja, im Grunde sollte Amazon nur noch ein Müllplatz mit gefakten, minderwertigen Produkten sein. Das Vertreiben von einer tollen Marke sollte auf Amazon zum Schutze der Marke vom Marktinhaber verboten werden! Guter Schritt von Birkenstock! Wie kann man auch eine so unfaire Firma wie Amazon unterstützen deren Credo es ist: alle anderen von der Klippe zu stürzen. Leute ächtet Amazon - so wie Birkenstock es tut!!!!

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Sam
Sam

Sehr gut. Ich nutze Amazon auch nur noch als Produktsuchmaschine.

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