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E-Commerce

Bitcoin im E-Commerce: Das musst du als Shopbetreiber beachten

    Bitcoin im E-Commerce: Das musst du als Shopbetreiber beachten

Bitcoin: Viele Chancen, viele Risiken. (Bild: Shutterstock / Julia Zakharova)

Bitcoin als Zahlungsmittel im Onlineshop? Warum nicht? Wir verraten euch, was euch das bringen kann und worauf ihr dabei achten müsst.

Sind Bitcoin eine Währung? Die Europäische Zentralbank meint: nein – dennoch kann man damit bezahlen. Zum Beispiel bei Expedia (.com, nicht .de) oder bei Dell. Seit wenigen Tagen auch im reddit-market und demnächst wohl auch bei Rakuten. Und zumindest in den USA und in Australien kann man sogar Pizza damit bestellen. Dabei ist das digitale Zahlungsmittel nicht unumstritten, und auch technische Probleme sorgen hier und da für Rückschläge. So zum Beispiel bei WordPress.com, die als einer der ersten größeren Anbieter schon seit 2012 Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptierten – dort wurde Anfang des Jahres aus technischen Gründen die Bitcoin-Zahlungsmöglichkeit im Checkout wieder deaktiviert.

Auch wenn Bitcoin also zweifelsohne noch in der Experimentierphase stecken, ist die Zahlungsmöglichkeit durchaus eine interessante Option für Shopbetreiber. Wir haben uns Bitcoin für euch mal näher angeschaut und verraten euch, was ihr davon für Vorteile habt – und was ihr beim Einsatz beachten müsst.

Vorteil Nr. 1: Die Kosten

Hat Apple etwas gegen Bitcoins? (Bild: © santiago silver - Fotolia.com)
Die Transaktionskosten sprechen eindeutig für Bitcoin. (Bild: © santiago silver – Fotolia.com)

Einer der deutlichsten Pluspunkte von Bitcoin sind zweifelsfrei die niedrigen Transaktionskosten. Während man für Kreditkarten-Clearing in der Regel mit Transaktionskosten von mindestens zwei bis drei Prozent rechnen muss, nehmen sich die Gebühren der Bitcoin-Provider durchaus fair aus: Coinbase beispielsweise berechnet pro Überweisung 0,15 US-Dollar und für den Währungsumtausch einen Umtauschsatz von einem Prozent. Der Umtausch der ersten Million (!) US-Dollar ist allerdings kostenfrei – ebenso wie (seit Sommer 2014) sämtliche Dienste für Non-Profit-Organisationen. Zum Start kostet das Anbieten von Bitcoin über Coinbase also bei täglicher Überweisung etwas mehr als vier Euro pro Monat.

Bei Bitpay gibt es den „Free Plan“ sogar komplett kostenlos – mit unbegrenztem Transaktionsvolumen, direkter Umrechnung und täglicher Überweisung. Für mehr Support und eine Buchhaltungsschnittstelle (Quickbooks) muss man dafür etwas tiefer in die Tasche greifen.

Vorteil Nr. 2: Der Image-Effekt mit Bitcoin

Der Kryptowährung Bitcoin haftet zweifelsohne noch etwas ziemlich Nerdiges an. Das mag Otto Normalverbraucher häufig noch vom Nutzen abhalten – macht aber nichts. Schließlich wollt ihr ja nicht alle anderen Zahlungsarten aus dem Shop werfen – oder?

Wer von der Peer-to-Peer-Währung überzeugt ist, ist aber aufgrund der doch noch eher sparsamen Akzeptanz häufig auf der Suche nach Shops, in denen er seine Coins loswerden kann. Als Marketing-Aufhänger lässt sich die Integration von Bitcoin-Schnittstellen also derzeit ganz gut nutzen. Ihr seid der erste Handtaschen-Shop, der Zahlungen in Bitcoin akzeptiert? Dann macht ruhig kräftig Werbung damit.

Vorteil Nr. 3: Keine Rückforderung

„Bitcoin: Je mehr Bestätigungen, desto verbindlicher wird die Zahlung.“

Im Gegensatz etwa zu Lastschriftzahlungen sind Bitcoin-Zahlungen unumkehrbar – sobald sie von genügend Teilnehmern des Peer-to-Peer-Netzwerks bestätigt worden sind. Je mehr Bestätigungen, desto verbindlicher wird die Zahlung.

Der Nachteil: Es kann bis zu einer Stunde dauern, bis die Transaktion die häufig empfohlene Anzahl von sechs Bestätigungen erhalten hat und als verbindlich gilt. Der Vorteil: Wenn die Bestätigungen einmal da sind, kann der Zahlende die Transaktion nicht mehr rückgängig machen. Für den Händler bedeutet das eine höhere Sicherheit.

Vorteil Nr. 4: Grenzenloser Einsatz

Auch wenn ein Einsatz im stationären Handel beispielsweise über QR-Codes problemlos möglich ist: Die Zahlung via Bitcoin läuft vollständig digital ab. Das heißt auch: Entfernung ist kein Problem. Da Bitcoin außerdem nicht an spezielle Banken oder Märkte gebunden ist, ist die Währung grenzenlos überall auf der Welt einsetzbar. Perfekt also für den grenzüberschreitenden, internationalen E-Commerce.

Klingt gut? Ihr glaubt, Bitcoin könnte etwas für euren Shop sein? Dann solltet ihr die folgenden Punkte beachten.

Tipp Nr. 1: Der richtige Anbieter mit Bitcoin

In Deutschland ist der Verkauf von Bitcoin derzeit umsatzsteuerpflichtig. Das ist im Vergleich zu anderen Ländern ein echter Wettbewerbsnachteil – wenn ihr selbst Bitcoins haltet. Dieser Faktor lässt sich aber ganz einfach umgehen, indem ihr einen Payment-Provider im Ausland wählt, der erhaltene Bitcoin-Zahlungen sofort in eine FIAT-Währung, also zum Beispiel in Euro umtauscht. Wenn die Zahlungen auf eurem Konto in Euro ankommen, könnt ihr sie steuerlich genauso handhaben wie alle anderen Zahlungen auch.

In dieser Hinsicht empfehlenswerte Anbieter sind beispielsweise die oben schon genannten Coinbase oder Bitpay. Beide haben sich auch schon am Markt etabliert, sodass es schon so manche Anbindungen für gängige Shopsysteme gibt.

Bis vor Kurzem war der Coworking-Space Edelstall die einzige Bitcoin-Bastion in Hannover. Deswegen soll nun die längste Bitcoin-Meile der Welt entstehen. (Screenshot: coinmap.org)
Nicht nur online, auch offline gibt es bislang wenige Händler, die Bitcoin akzeptieren. (Screenshot: coinmap.org)

Möglicherweise reicht bald auch schon die Nutzung von PayPal, um Bitcoin-Transaktionen für Kunden möglich zu machen. Seit September 2014 arbeitet PayPal nämlich mit Coinbase, Bitpay und GoCoin zusammen. Allerdings sind PayPals Schritte in Richtung Bitcoin bislang eher kleine: Die virtuelle Währung kann nur beim Verkauf digitaler Güter und nur in Nordamerika eingesetzt werden.

Tipp Nr. 2: Sofortiger Umtausch

„Schwankungen um die 20 Prozent innerhalb eines Tages kommen durchaus häufiger mal vor.“

Wir haben es schon erwähnt: Bitcoin ist in der Experimentierphase. Dazu gehört auch, dass die virtuelle Währung extrem volatil ist. Das heißt: Der Kurs eines Bitcoin unterliegt recht deutlichen Schwankungen – war er gestern noch 280 Euro wert, können es morgen nur noch 250 Euro sein. Während der Bitcoin-Kurs im Januar 2014 noch Spitzenwerte von 741 Euro erreichte, bewegte er sich im Januar dieses Jahres häufiger mal unter der 200-Euro-Grenze, derzeit lässt sich eine kleine Aufwärtstendenz in Richtung der 300 Euro beobachten. Schwankungen um die 20 Prozent innerhalb eines Tages kommen jedoch durchaus häufiger mal vor.

Wenn ihr also eure Shopeinnahmen nicht zum Spekulieren verwenden wollt, solltet ihr eure Preise immer auf aktuellen Wechselkursen basieren lassen und vor allem eure Umsätze sofort nach dem Eingang in eine stabile Währung umtauschen lassen. Bei Coinbase oder Bitpay ist dieser „Instant Transfer“ im Angebot automatisch mit drin. Damit wälzt ihr das Kursrisiko größtenteils auf den Anbieter ab.

Aber Achtung: Problematisch können starke Kursschwankungen im Falle eines Widerrufs werden. Wie Martin Rätze, Rechtsexperte von Trusted Shops, erklärt, müssen Rückzahlungen im Falle eines Widerrufs nämlich in der gleichen Zahlungsweise getätigt werden, in der gezahlt wurde. Das kann bei steigenden Kursen zum Problem für den Shopbetreiber werden – bei fallenden dagegen hat er Glück gehabt.

Tipp Nr. 3: Regelmäßige Überweisungen

Auch wenn ihr euch einen etablierten Anbieter sucht – sicher ist euer Geld erst dann, wenn es auf eurem Konto gelandet ist. Hackerangriffe auf Wallet-Anbieter und Bitcoin-Börsen haben schon so manches Unternehmen in die Krise gebracht. Und man muss sich nicht die spektakuläre Pleite der Bitcoin-Börse Mt. Gox oder die Insolvenz des Bitcoin-Miners Cointerra vor Augen führen, um sich der Risiken des Geschäfts mit einer so volatilen Währung bewusst zu werden.

Am besten vereinbart ihr deshalb eine tägliche Überweisung aller Bitcoin-Zahlungseingänge auf euer normales Bankkonto. In Kombination mit „Instant Transfer“ reduziert ihr damit das Risiko eurer Bitcoin-Transaktionen auf ein Minimium.

Tipp Nr. 4: Für Sicherheit sorgen

Was für euch als Shopbetreiber ein Vorteil ist, nämlich die Unumkehrbarkeit einer Bitcoin-Transaktion, ist für Käufer natürlich ein Risiko. Ihr solltet deshalb besonders in vertrauensbildende Maßnahmen investieren und gegebenenfalls einen Treuhandservice für Käufe anbieten.

Umgekehrt empfiehlt es sich, auf euren Coinbase- oder Bitpay-Account auch entsprechend gut aufzupassen. Hacker-Angriffe auf solche Wallet-Anbieter sind keine Seltenheit – starke, häufig gewechselte Passwörter sollten deshalb selbstverständlich sein. Wenn ihr euer dortiges, digitales Portemonnaie regelmäßig durch Überweisung auf euer eigenes Bankkonto leert, minimiert ihr natürlich auch in dieser Hinsicht das Risiko.

Ihr wollt euch noch genauer über die Funktionsweise von Bitcoin informieren? Viele hilfreiche Informationen findet ihr auf bitcoin.org, im Bitcoin-Blog bitcoins21.com oder im dazugehörigen Wikipedia-Artikel.

Habt ihr schon Erfahrungen mit Bitcoin gemacht? Als Händler, über Wallet-Anbieter oder vielleicht auch privat oder als Spekulationsobjekt? Wir sind gespannt auf eure Erfahrungen.

Mehr E-Commerce-News auf netzaktiv.de

Von Dr. Katja Flinzner. Ursprünglich publiziert bei netzaktiv.de.

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5 Reaktionen
BTC
BTC

Zusätzlicher Hinweis:
Man kann auch in Deutschland und Österreich Pizzas mit Bitcoin bestellen.
http://www.lieferservice.de bietet das an.
Funktioniert reibungslos :)

Antworten

Karl
Karl

Ich kaufe ein Gut mit konstantem Wert von einem Shop mit Bitcoin, die ich zum aktuellen Kurs des Shops erworben habe. Jetzt gibt es 2 Möglichkeiten:

Kurs steigt:
Ich mache vom Widerruf gebrauch und erhalte Bitcoin mit höherem Wert

Kurs bleibt/sinkt:
Ich tausche Gut zurück in Euro und wiederhole den Vorgang

Abgesehen von Transaktionskosten, wo ist der Haken?

Antworten

Philipp
Philipp

Wieso sollte der Shop dir im Falle eines sinkenden Kurses denn Euros geben?

Antworten

Karl
Karl

Falsche Ausdrucksweise - mein Fehler.

Im Falle, dass der Kurs sinkt verkaufe ich mein mit Bitcoin erworbenes Gut zum Euro-Einkaufspreis auf einer anderen Plattform.

Hier gibt es natürlich viele viele ABER, aber im Grunde könnte man mit diversen Tricks das Investitionsrisiko auf den Händler abwälzen.

Regularien nicht vergessen
Regularien nicht vergessen

Wie so üblich wird zu wenig zwischen Bitcoin als Transaktion und Bitcoins Horten unterschieden.
Es statt der teuren Kreditkarten als Transaktion zu benutzen und Instant in echte Euros überweisen zu lassen sollte der Normalfall sein wie dankenswerterweise auch im Text stand.
Lagern und Horten von Bitcoins hingegen ist eher für Investoren bzw. Spekulanten.

Nett wären Maps gewesen wo man bitcoin-shops geographisch sehen kann. Hier gabs doch letzte Woche einen Bericht über einen Schweden oder Dänemark-Einwohner der mit Bitcoins zahlen wollte.

Davon abgesehen braucht man voll die regularienkompatiblen Interfaces fürs Finanzamt, Steuerberater usw.

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