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Kommentar

Bitcoin im Höhenflug: Wann nehmen wir Kryptowährungen endlich ernst?

(Grafik: Shutterstock)

Bitcoin hat gerade die 10.000-Dollar-Marke geknackt. Trotzdem wird die Kryptowährung immer noch klein geredet. Das ist fahrlässig.

Bitcoin seien nicht sicher, das zeigten die Diebstähle kürzlich. Die Kryptowährung sei nicht liquide, sie tauge nicht als Wertaufbewahrungsmittel und wenn sie all das nicht biete, wer solle dann überhaupt Bitcoin akzeptieren?

Diese Argumente könnten aus einer aktuellen Debatte stammen. Tatsächlich wurden sie aber schon im Jahr 2011 bei Forbes unter dem Titel „So, That’s the End of Bitcoin Then“ veröffentlicht. Damals war der Kurs gerade auf 15,15 US-Dollar pro Bitcoin abgesackt. Die Kritiker fühlten sich in ihrem Misstrauen bestätigt.

Heute steht der Kurs bei 10.000 Dollar pro Bitcoin. Aber die Argumente hören sich immer noch gleich an: Eine Währung müsse als Zahlungsmittel, als Wertaufbewahrungsmittel und als Recheneinheit genutzt werden können. „Bitcoin erfüllt bislang keine der drei Geldfunktionen im ökonomisch relevanten Maße, weil es nicht über eine Nische hinausreicht und extrem wertinstabil ist“, schrieben erst kürzlich die Bundesbanker Carl-Ludwig Thiele und Martin Diehl. Die Bafin sieht das übrigens etwas anders und definiert Bitcoin als Fremdwährung.

Trotzdem warnen Experten auch 2017 noch vor dem digitalen Zahlungsmittel. Ohne Zweifel müssen sie das auch. Denn wenn wir anfangen, bei Bitcoin andere Kriterien als bei bisherigen Währungen anzulegen, führen wir die Definition des Zahlungsmittels ad absurdum. Wenn der Wert schnell steigt und fällt – wie es bei Bitcoin bisher der Fall ist –, kann weder der Zahlende noch der Empfänger abschätzen, wie viel ein Produkt oder eine Dienstleistung wirklich wert ist.

Es geht nicht um Bitcoin, sondern um die Bewegung dahinter

Was allerdings bei aller Kritik unterschätzt wird, ist die Bewegung hinter der Kryptowährung. Natürlich müssen Experten die Volatilität anprangern, natürlich müssen sie das Risiko kritisieren. Und natürlich müssen sie vor dem Absturz warnen, der nach dem derzeitigen Höhenflug kommen wird. Wie der Aktienmarkt, so die Kryptowährung.

 Die Idee eines digitalen Zahlungsmittels wird nicht verschwinden.

Aber wir sollten das digitale Zahlungsmittel deshalb nicht klein reden. Das aktuelle Hoch verdeutlicht das Interesse an der Währung – wenn auch vorerst nur als Spekulationsobjekt. Bitcoin ist die erste Währung, die ausschließlich in Code existiert. Der Satz „Sie ist unsicher, lasst die Finger davon“ bringt niemanden weiter. Denn die Idee ist in die Welt gesetzt. Und auch wenn Bitcoin nicht die Währung sein sollte, mit der wir künftig alle unsere Rechnungen begleichen, auch wenn der Kurs wieder ins Bodenlose fällt und Bitcoin an Bedeutung verliert: Die Idee eines digitalen Zahlungsmittels wird nicht verschwinden.

Deswegen müssen wir uns ganz grundsätzlich mit der Idee auseinandersetzen – vor allem mit den Folgen für unsere Gesellschaft. Nehmen wir das spezielle Beispiel der Kapitalverkehrskontrollen, das die Probleme und Vorteile vielleicht deutlicher vermittelt: Das finanzpolitische Instrument kommt oft in Notsituationen zum Einsatz, zuletzt etwa in Griechenland während der Finanzkrise. Dabei erhebt ein Staat beispielsweise Steuern darauf, wenn jemand Kapital außer Landes bringt, oder er beschränkt, wie viel Geld ein Bürger verschicken und erhalten darf. Schon jetzt ist es schwierig, solche Kapitalkontrollen durchzusetzen.

Von Rekord zu Rekord: Bitcoin hat die Marke von 10.000 US-Dollar geknackt. (Grafik: Coinmarketcap)
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Kryptowährungen verbieten bringt nichts

Durch Kryptowährungen könnten solche Maßnahmen komplett umgangen werden. Zwar ist jede Transaktion über die Blockchain öffentlich einsehbar – aber es ist nicht klar, wem welche digitale Geldbörse gehört. Neuere Kryptowährungen wie Monero oder Zcash garantieren sogar noch mehr Anonymität. Kapitalkontrollen sind dann utopisch.

Das ist nicht nur negativ. In autoritären Staaten wie China erhalten die Bürger so mehr Autonomie gegenüber dem Staat. Sie können sich den Fängen eines restriktiven Regimes entziehen und zumindest finanzielle Unabhängigkeit erreichen. Die Regierungen müssen sich darauf einstellen und Kompromisse erarbeiten.

Denn was nicht funktionieren wird, ist, Kryptowährungen pauschal zu verbieten. Auch wenn sie von einem Staat nicht erlaubt werden, wird es einen anderen geben, in dem sich damit handeln lässt. Davon auszugehen, dass sie einfach verschwinden, wäre genauso naiv, wie zu glauben, dass alle Unternehmen weiter ihren Firmensitz in Irland ansiedeln, wenn dort die Steuern für Unternehmen steigen.

Klar: Vielleicht bleibt Bitcoin das Randprojekt einiger Nerds und das Spekulationsobjekt einiger Zocker. Diese Chance besteht tatsächlich. Aber die Entwicklung von digitalen Zahlungsmitteln lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Wenn Bitcoin nicht die digitale Währung der Zukunft ist, dann wird es eine andere Währung sein. Anstatt also zu betonen, wie riskant digitale Zahlungsmittel sind, sollten wir uns damit beschäftigen, wie wir sie sicherer machen können. Auch im eigenen Interesse.

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