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Bitcoin, jetzt oder nie: Warum sich die Kryptowährung für deinen Onlineshop lohnt

    Bitcoin, jetzt oder nie: Warum sich die Kryptowährung für deinen Onlineshop lohnt

Bitcoin lohnt sich für Onlinehändler.(Bild: BTC Keychain / Flickr Lizenz: CC BY 2.0)

Trotz der Verunsicherung durch den jüngst gecrashten Marktplatz MTGox setzt Dell jetzt auf Bitcoin. Wir erklären, wieso Bitcoin nicht nur für den Computerhersteller attraktiv ist.

Immer mal wieder tauchen Meldungen auf, dass irgendein obskurer Onlineshop seit neuestem Bitcoin akzeptiert. Diese Woche aber vermeldete die New York Times etwas wirklich bemerkenswertes: Dell, einer der größten Computerhersteller der Welt, setzt seit kurzem auf die Kryptowährung. Nach dem lauten Absturz von MTGox durchaus eine Nachricht mit Tragweite.

Gräbt man etwas tiefer, fördert die Suche noch Expedia und CheapAir zu Tage – und ganz frisch die große, deutsche Zeitung taz in Berlin. CheapAir ist eine Reise-Suchmaschine, die mittlerweile rund 1,6 Millionen US-Dollar über Bitcoin eingenommen hat. Und in den USA vermeldet auch Overstock rund 1,6 Millionen US-Dollar Umsatz über Bitcoin – allein im Monat Mai. Und die taz hat an einem Tag mehr als 5.000 Euro eingenommen. Das sind zusammengenommen genug Gründe, um abzuwägen, ob sich der Einsatz von Bitcoin in Onlineshops nicht doch lohnen könnte.

Dell setzt jetzt auch auf Bitcoin. (Screenshot: Dell)
Dell setzt jetzt auch auf Bitcoin. (Screenshot: Dell)

Dell, Expedia und Airbaltic setzen auf Bitcoin: Wieso Bitcoin für Onlinehändler interessant ist

Ganz sicher hat die Einführung der Zahlungsmethode Bitcoin einen Marketing-Effekt. Die erste Airline, die Bitcoin akzeptiert? Airbaltic. Doch hinter dem Marketing lauern durchaus Fettnäpfchen. So hat das Bezahlformular der Fluglinie beispielsweise den gleichen Zahlarten-Aufschlag wie bei einer Kreditkarte – sage und schreibe 5,99 Euro. Das Problem: Bitcoin-Zahlungen zu empfangen, kostet quasi nichts – im Vergleich zur Kreditkarte (Auf Twitter behauptet Airbaltic auf Nachfrage wenig glaubhaft, es sei eine „Handlingsgebühr für das Ticket“). Doch kommen wir zum großen Bitcoin-Vorteil, dem Punkt, der dazu führt, dass große Unternehmen wie Dell und Expedia auf Bitcoin setzen: dem Kosten-Vorteil.

Betriebswirtschaftlich sind Bitcoin-Zahlungen sehr günstig. Je nach Payment-Provider werden nur ein Prozentsatz für den Geldumtausch und eine Überweisungsgebühr berechnet, Coinbase berechnet 0,15 US-Dollar für eine gesammelte Banküberweisung und ein Prozent für den Währungsumtausch – die erste Million US-Dollar ist allerdings frei. Bitpay berechnet entweder ein Prozent für den Währungsumtausch oder alternativ eine monatliche Grundgebühr – dafür entfallen alle weiteren Gebühren. Bitcoin-Zahlungen kosten den Onlinehändler also beispielsweise entweder 0,15 US-Dollar pro Tag (die gesammelte Banküberweisung erfolgt täglich) oder 30 US-Dollar monatlich. Das war's. Kein Disagio, keine weiteren Transaktionsgebühren. Damit ist Bitcoin nicht nur ein nettes Marketing-Instrument, sondern gerade nach harten betriebswirtschaftlichen Fakten eine höchst attraktive Zahlungsmethode.

Expedia nutzt Bitcoin als Zahlungsmethode für Hotelbuchungen in den USA. (Screenshot: Expedia)
Expedia nutzt Bitcoin als Zahlungsmethode für Hotelbuchungen in den USA. (Screenshot: Expedia)

Das Risiko: kalkulierbar

Doch es gibt natürlich auch Risiken. Das schöne Wort Volatilität steht hier, neben der Möglichkeit des Totalverlustes, an erster Stelle. Der Bitcoin-Kurs schwankt stark, als Volatilität bezeichnet man den Schwankungsbereich des Kurses – im Prinzip eine Messgröße für das Risiko. Das Risiko liegt also darin, dass Onlinehändler Bitcoins im Gegenwert des Kaufpreises vom Kunden entgegen nehmen und diese Bitcoins dann bis zum Zeitpunkt des Umtauschs in eine reguläre Währung an Wert verlieren. Die Bitcoin-Dienstleister Coinbase und Bitpay schalten dieses Risiko aus, weil der Wert im Moment des Kaufs im Onlineshop eingefroren und sofort in eine „normale Währung“ umgetauscht wird. Die Auszahlung erfolgt zwar nur in bestimmten Zeitabständen, der Gegenwert für die Bitcoins wird aber sofort gutgeschrieben. Instant-Transfer nennen die meisten Bitcoin-Dienstleister das. Sobald der Umtausch in eine reguläre Währung erfolgt ist, bleibt als einziges Risiko, dass der genutzte Payment-Provider dicht macht. Das Risiko lässt sich durch eine tägliche Auszahlung minimieren.

Um das deutlich heraus zu streichen: Bitcoins sind nicht risikofrei, Bitcoins zu akzeptieren und zu behalten ist ebenfalls nicht risikofrei. Aber wenn der Onlinehändler die Bitcoins nicht behält, sondern unmittelbar nach Erwerb die Bitcoins automatisch in Euro umgewandelt werden, ist das Risiko minimiert.

Bitcoins und die Umsatzsteuer

Aufgrund einer aktuellen Einschätzung des Bundesfinanzministeriums dürfte der Handel mit Bitcoins in Deutschland umsatzsteuerpflichtig sein. Das ist für die Akzeptanz von Bitcoins in einem Onlineshop über die Payment-Provider  Bitpay und Coinbase nicht relevant, da beide Unternehmen in den USA sitzen — die USA sind umsatzsteuerrechtlich ein Drittland und als solches sind dorthin getätigte Transaktionen umsatzsteuerbefreit. In Deutschland erreicht den Händler der Zahlungseingang in Euro, ab hier gelten dann wieder die gewohnten Regeln.

Übersicht: Argumente für Bitcoin als Zahlungsmethode im Onlineshop

  • Weil die großen Bitcoin-Payment-Dienstleister Bitcoin zur günstigsten Zahlungsmethode für Onlinehändler machen. Die Abwicklung der Zahlung  ist bei Bitcoin-Dienstleistern günstig, im Gegensatz zu Kreditkarten mit mehreren Prozent oder anderen traditionellen Zahlungsverfahren. Die Gebühren treten oft erst beim Cash-Out auf und liegen zwischen einem Prozent und Null – plus einer möglichen Gebühr für die Sammel-Überweisung auf das eigene Bankkonto (meist nur wenige Cent).
  • Die beiden großen Dienstleister Coinbase und Bitpay bieten mittlerweile Instant-Transfer als Standard an, die eingehenden Bitcoin-Beträge werden im Moment des Kaufs eingefroren und sofort in eine reguläre Währung konvertiert: keine Angst vor Kursverlusten.
  • Keine ChargeBacks. Gezahlt ist gezahlt. Bei anderen Zahlungsmethoden muss der Onlinehändler noch Rücklastschriften, Widersprüche oder ähnliches mit einkalkulieren.
  • International funktionierende Zahlungsmethode über alle Ländergrenzen hinaus.

Wieso sich die Kryptowährung für nahezu jeden Onlineshop lohnt

Fügt ein Onlinehändler Bitcoin zu seinem Zahlungsmix hinzu, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder hat ein Teil der eigenen Kunden schon eine gewisse Affinität zu Bitcoin – oder eben nicht. Wechseln Bitcoin-affine Kunden von einer anderen Zahlungsart zu Bitcoin, spart der Onlinehändler Transaktionsgebühren. Ist keiner der Bestandskunden daran interessiert, zieht die Verfügbarkeit der Zahlungsweise Bitcoin unter Umständen Bitcoin-Nutzer an und generiert so noch zusätzlichen Umsatz. Enthusiasten suchen auch aktiv nach Möglichkeiten, Bitcoin zum Zahlen zu nutzen, das führt dazu, dass für diese Zielgruppe ein Onlineshop mit Bitcoin-Anbindung attraktiv wird.

Die teilweise doch erstaunlichen Umsatz-Ergebnisse der großen Onlinehändler zeigen, dass es sich lohnen kann, Bitcoin einzuführen. Solange sich der Aufwand für die Einführung in Grenzen hält, kann ein Onlinehändler ohne größere Überlegungen einen Testballon starten, um zu sehen, ob die Einführung der Zahlungsweise in einem Testzeitraum zu einer positiven Veränderung führt. Muss die Anbindung über eine API passieren, weil kein Plugin für das verwendete Shopsystem zur Verfügung steht, helfen vorweggeschaltete Marktforschungsmaßnahmen bei der Abwägung, ob sich der Aufwand lohnt – Kunden-Umfragen über Social-Media-Kanäle beispielsweise, Wettbewerber-Beobachtung beziehungsweise ein Blick über den Tellerrand hinaus, welche internationalen Anbieter im eigenen Segment vielleicht schon eine Integration gewagt haben.

Ein fertiges Bitcoin-Plugin, dass quasi per „Knopfdruck“ die Bezahlung per Bitcoin im Shopsystem aktiviert, gibt es beispielsweise für die in Deutschland weit verbreiteten Shopsysteme Oxid eShop, für Magento, Prestashopcommerce:seo und für den internationalen SaaS-Anbieter Shopify. Für den in Deutschland ebenfalls relevanten großen Open-Source-Shopsystem-Hersteller Shopware ist leider noch kein fertiges Plugin in Sicht.

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5 Reaktionen
Thomas Quensen

Ich bin mir hier nicht 100% sicher, aber ist es nicht so, dass Bitcoins in Deutschland nicht als Währung anerkannt werden und somit versteuert werden müssen?
Wenn man als Unternehmen also die eingenommenen Bitcoins bei einer Börse in Euros umtauscht muss man davon 19% Umsatzsteuer abführen - zusätzlich zu den 19% die wie immer bei der Bezahlung des Kunden auf den Endpreis draufgeschlagen werden. Als Händler zahlt man also zweimal 19% Steuer, wodurch das ganze in der Praxis in Deutschland wohl erstmal nicht praktikabel ist.

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Jochen G. Fuchs

Ja und Nein, Thomas. Das Thema Bitcoin und Steuern ist so komplex, dass wir einen weiteren Artikel darüber bringen müssten. (Und werden)

In Deutschland besteht Rechtsunsicherheit bezüglich der Umsatzsteuer. 2013 antwortet das Bundesfinanzministerium auf Anfrage eines Bundestagsabgeordneten: Nein, keine USt. Vor kurzem auf erneute Anfrage eines anderen Bundestagsabgeordneten: Ja, USt.

Das Problem entfällt aber bei Nutzung der im Artikel erwähnten US-Dienstleister Bitpay/Coinbase in Verbindung mit dem Instant-Transfer: In Deutschland landen nämlich nur Euro-Beträge auf dem Händlerkonto, keine Bitcoins.
Siehe auch: http://m.heise.de/newsticker/meldung/Bitcoinhandel-in-Deutschland-wahrscheinlich-umsatzsteuerpflichtig-2196321.html?from-classic=1

Edit: Ich habe das im Artikel nachgetragen.

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Jochen G. Fuchs

Nachtrag: Um Mißverständnisse zu vermeiden noch ein Hinweis. Du sprichst Börsen an, Bitpay und Coinbase sind aber keine Börsen, sondern Payment-Provider.

Die Doppelbesteuerungsproblematik existiert nur wenn Händler direkt bei einem nichtvorsteuerabzugsberechtigten Privatmann Bitcoins gegen Ware eintauscht.

Ist der Handelspartner (wenn er in Deutschland ist) vorsteuerabzugsberechtigter Unternehmer, dann gibt die vielfach beschworene doppelte Besteuerung überhaupt nicht. Vor- und Umsatzsteuer heben sich auf.

Sollte also ein Payment-Service-Provider das zukünftig in Deutschland abwickeln, dann spielt die Doppelbesteuerung, ordnungsgemäße Rechnungslegung vorausgesetzt, auch keine Rolle.

In meinem Artikel handelt es sich aber um zwei Dienstleister aus den USA, die USA sind umsatzsteuerrechtlich ein Drittland und Lieferungen in ein Drittland sind von der Umsatzsteuer befreit.

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Peterr
Peterr

das größte problem ist der betrugsfall.
wurde einem user die wallet geklaut, kann der dieb damit frei einkaufen. sollte es nachträglich nachweisbar sein, dass die coins geklaut waren, sitzt der verkäufer auf dem schaden.

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Jochen G. Fuchs

@Peterr
Das ist nicht so eindeutig, wie du das beschreibst. Der Tatbestand der Hehlerei auf den du anspielst, greift in Deutschland nicht, weil BGB 259 nur Gegenstände abdeckt – keine Datenhehlerei. Ich sehe keine Handhabe für einen Fall, wie du ihn beschreibst.

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