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Analyse

Unglaubliche Klickraten: Warum der Blendle-Newsletter so erfolgreich ist

    Unglaubliche Klickraten: Warum der Blendle-Newsletter so erfolgreich ist

(Foto: t3n)

600.000 Abonnenten zählt der Newsletter von Blendle. In nur zwei Jahren hat sich das Startup so einen beachtlichen Umsatzkanal aufgebaut. Einblicke in die Chemie eines Klickwunders.

Kaum ein Medien-Startup erhielt in den vergangenen Monaten so viel Aufmerksamkeit wie Blendle. Das „iTunes für Journalismus“, wie das erst 2014 gegründete Unternehmen aus den Niederlanden von Pressevertretern gerne genannt wird, traf mit seiner Idee vom digitalen Zeitungskiosk ohne Abozwang einen Nerv – zumindest auf Leserseite.

Bislang haben sich eine Million Nutzer registriert, sagt Blendle-Deutschland-Chef Michäel Jarjour im Gespräch mit t3n. Wie viele davon monatlich aktiv sind, will er nicht genau verraten und spricht auf Nachfrage nur von „mehreren Hunderttausend.“

Blendle versteht sich als das iTunes für Nachrichten. (Foto: Blendle)
Blendle versteht sich als das iTunes für Nachrichten. (Foto: Blendle)

Auf der Website von Blendle kann man Guthaben einzahlen und dann nach Herzenslust in den Zeitschriften stöbern. Will man einen Artikel lesen, kauft man ihn für Beträge zwischen 25 und 89 Cent – ein Rückgaberecht bei Nichtgefallen inklusive. An Bord von Blendle sind neben fast allen großen Tageszeitungen auch etliche Print-Magazine wie zum Beispiel der Spiegel, Stern oder 11Freunde. Jedes Verlagshaus setzt seine eigenen Preise fest und behält 70 Prozent der Umsätze.

600.000 Newsletter-Abonnenten im Rücken

Auch wenn Blendle für die teilnehmenden Verlagshäuser aus monetärer Sicht laut dem Branchendienst Meedia bisher nur „ein mageres Zubrot“ ist, lässt sich der Plattform eine zunehmende Relevanz als Verbreitungskanal für Journalismus nicht absprechen. Allein zwischen Januar und März soll das Nutzerwachstum im Vergleich zu den Vormonaten um jeweils 60 Prozent zugelegt haben.

Kurios: Mit großem Vorsprung erweist sich nicht die Website als Wachstumstreiber, sondern der hauseigene E-Mail-Newsletter. „Diesen haben rund 60 Prozent unserer Nutzer mindestens einmal abonniert, also entweder täglich oder im Wochenturnus“, sagt Jarjour. Jeden Monat lege die Zahl der Abonnenten um gut 15 Prozent zu.

Das Konzept: An seine rund 600.000 Abonnenten verschickt Blendle handverlesene Artikelempfehlungen aus dem Fundus der teilnehmenden Verlage. Besonders gerne verweist die Blendle-Redaktion dabei auf aufwendig recherchierte Kriegsreportagen, Analysen und Meinungsstücke zu Politik und Wirtschaftsthemen, Interviews sowie Inhalte mit hohem Lesernutzwert.

Newsletter beschert den Großteil der Umsätze

Auch umsatztechnisch hat der Newsletter im Vergleich zur Website die „eindeutig größere Relevanz“, berichtet Jarjour. Zwar will der Schweizer keine genauen Angaben zur Höhe der Einnahmen machen. Prozentual ließen sich allerdings etwa 70 Prozent der Umsätze auf den Newsletter zurückführen.

So sehen die von Blendle im Newsletter empfohlenen Artikel aus. (Screenshot: t3n)
So sehen die von Blendle im Newsletter empfohlenen Artikel aus. (Screenshot: t3n)

Die einseitige Abhängigkeit von einem als veraltet geltenden Marketing-Kanal mag gefährlich sein. Vielleicht ist die Strategie aber auch ein Stück weit clever. Aus Sicht von Blendle jedenfalls erscheint der Versand eines E-Mail-Newsletters als Wachstumskanal schon aus zwei Gründen sinnvoll.

Erstens lassen sich die Nutzer über diesen Weg regelmäßig und ohne großen Kostenaufwand auf die Plattform zurückholen. Andere Retargeting-Modelle wie etwa das Schalten personalisierter Werbeanzeigen sind deutlich teurer.

Zweitens erleichtert der Newsletter auch den Zugang zum Blendle-Angebot, weil Nutzer aus der enormen Fülle an täglich in Tageszeitungen und Magazinen erscheinenden Artikel nicht mühsam die für sie relevanten Inhalte heraussuchen müssen. Ein einziges E-Mail-Abonnement genügt, um keine journalistisch hochwertigen Inhalte mehr zu verpassen. Das weckt Neugierde.

Öffnungsraten zwischen 32 und 45 Prozent

Ein Blick ins Zahlenwerk des Blendle-Newsletters bestätigt das. Nach Angaben von Jarjour öffnen im Schnitt zwischen 32 und 45 Prozent aller Abonnenten den Newsletter, sobald sie ihn erhalten haben. „Das ist eine sehr starke Zahl“, betont der Blendle-Mann, „und sie wird mit der Zeit immer besser.“

Tatsächlich sind diese Werte verglichen mit branchenüblichen Zahlen außergewöhnlich gut. Einer E-Mail-Marketing-Studie von Mailchimp zufolge wurden 2015 durchschnittlich gerade mal 22 Prozent aller Newsletter in der Medienbranche geöffnet. Auch den Querschnitt über alle Branchen übertrifft Blendle deutlich. Die Werte des Newsletters fallen da noch mehr ins Gewicht, berücksichtigt man zudem die mit 600.000 Abonnenten beachtliche Reichweite.

Klickraten, von denen andere Newsletter träumen

Beeindruckend sind vor diesem Hintergrund auch die Klickraten (CTR) der empfohlenen Artikel im Newsletter. Immerhin stellen diese den wichtigsten Umsatzkanal für Blendle dar, obwohl das Startup derzeit noch nicht profitabel ist. „Momentan liegen wir bei einer globalen Klickrate zwischen 15 und 18 Prozent“, sagt Jarjour. Verglichen mit anderen Medien-Newslettern eine beachtliche Zahl: Laut den Mailchimp-Daten lag hier die CTR im Schnitt bei unter fünf Prozent. Doch wie sind die hohen Öffnungs- und Klickraten von Blendle überhaupt zu erklären?

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2 Reaktionen
Jakob Carstens

Interessanter Einblick.

Jedoch:
- Die Nutzerzahlen wachsen monatlich um 60%, die Newsletter-Abonnenten aber nur um 15% - da läuft doch was schief?
- Grundsätzlich sind Open- und Click-Rates Schall und Rauch und nicht vergleichbar. Wenn ich eine Topmeldung an eine sehr aktive Zielgruppe sende, erhalte ich 99% Open Rate. Sende ich sie zur Reaktivierung an ein Lost Segment, werde ich weniger Open Rate haben, aber womöglich absolut mehr Klicks.
- Ich persönlich habe den Blendle-Newsletter nach einigen Ausgaben abbestellt, da die persönlichen Empfehlungen der Redakteure auf ihre Vorlieben ("Ich mochte diesen Artikel, weil...") Bezug nahmen, und nicht auf meine ("Kunden, die deinen letzten Artikel lasen, lesen heute..."). Entweder gab es da noch keinen Algorithmus, oder der Algorithmus was der Geschmack eines Redakteurs.
- Dass der Newsletter so stark ist, zeigt, dass die anderen Kanäle, allen voran die App/ Website selbst zu schlecht performen. Generall haben ja viele Medien begonnen, mit Newslettern Aufmerksamkeit für das Kernmedium Website zu generieren (zB Tagessspiegel-Checkpoint, SPIEGEL Morgenlage). Dass Medium Email performt sehr gut - Blendle jedoch sollte sich nicht nur darauf konzentrieren, sondern mehr Loyalität der Kunden aufbauen: Die sollten sich jeden Tag von sich aus bei Blendle so einloggen, als ob sie die Morgennews bei SPON checken.

Antworten
Freizeitcafe

Tolle Aussage, dass man keine Werbung schalten möchte. Mir war Blendle bis dato noch kein Begriff- werde nach dem Artikel aber nun sicher mal reinschauen und reinlesen. Wäre natürlich schön, wenn im Zuge der weiteren Monetarisierung dort keine Werbeblöcke generiert werden würden - jeder geht aber seinen eigenen Weg wie hier auch: http://www.freizeitcafe.info/selbst-die-marke-sein-vom-zutrauen-und-erfuellen-eigener-traeume/

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