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Analyse

Wie Blockchain und Elektromobilität zusammenwachsen

    Wie Blockchain und Elektromobilität zusammenwachsen

(Foto: Shutterstock)

Für viele Leser ist Blockchain ebenso abwegig wie das Autofahren mit Strom. Doch bietet sich mit der Verkehrswende an, auch Infrastrukturthemen neu zu denken. Unsere Themenwoche Automotive-IT.

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Genau dabei kann die Blockchain die elektrische Revolution unterstützen. Details zu kryptographischen Währungen und deren dezentraler Buchführung Blockchain gibt es zahlreich im Internet. Daher verzichte ich auf eine detaillierte Erklärung und verweise für interessierte Leser auf diesen und auf diesen Artikel.

Zwei der größten Hemmnisse für die Verbreitung der Elektromobilität sind relativ einfach identifiziert und werden leider bei den meisten Diskussionen oder staatlichen Förderungen sträflich vernachlässigt. Der gemeine Autofahrer sorgt sich zu Recht, wo er die nächste Ladesäule findet und ob er dort seine Ladung Strom auch bezahlen kann. Denn ungleich zur gelernten, etablierten und praxiserprobten Bezahlung mit Bargeld, EC- oder Kreditkarte an der Tankstelle, steht der Fahrer eines Elektroautos an einer vollautomatisierten Ladesäule ohne Kassenhäuschen mit menschlichem Ansprechpartner. Erschwerend kommt noch hinzu, dass oft auch noch der Vorgang des eigentlichen Ladens individuell geregelt ist und die Ladesäulen unterschiedliche Zahlungsmethoden anbieten. Bargeld entfällt logischerweise, während gleichzeitig die NFC-Zahlung mit Kreditkarten eher selten angeboten wird. Dabei drängt sich diese Technik bei unbemannten Automaten geradezu auf, schließlich bleibt dem Betreiber ein teures Kartenlesegerät erspart.

Die Chance für die Blockchain

(Foto: Shutterstock)
Verträge abschließen für jeden Anbieter von Ladestationen? Die Blockchain könnte das unnötig machen. (Foto: Shutterstock)

In der Realität wird häufig jedoch Strom nur für Vertragskunden abgegeben. Wie im Mittelalter hat hier jede Region seine eigene kleine RFID-Karte im Angebot, für die man einen Vertrag abschließen muss. Dieser Umgang mit Kunden kann nur als feindlich bezeichnet werden. Findige Unternehmer haben sich daraufhin zu Roaming-Netzen wie zum Beispiel ladenetz.de zusammengetan und bieten eine Verbundlösung an. Doch auch hier bedarf es eines Vertrages mit einem Partner aus dem Verbund, bevor an den Säulen Strom fließt.

Aufmerksamen Lesern wird das Wort „Vertrag“ ins Auge gestochen sein. Denn genau hier bietet die Technologie der Blockchain einen Ansatz für eine Verbesserung der vorherrschenden Struktur. Mittels sogenannter „smart contracts“, also automatisierten Verträgen, kann die Blockchain die Kommunikation zwischen dem Wagen und der Ladesäule bei jedem Ladevorgang individuell regeln. So muss vorab kein umständlicher Vertrag mit einem lokalen Stromanbieter geschlossen werden. Dank der Blockchain-Technologie wird völlig autonom bei jedem Ladevorgang das Vertragliche im Hintergrund automatisch abgewickelt und so das Laden spontan und überall möglich. Ganz im Sinne der Blockchain wird zudem der Mittelsmann – hier ladenetz.de – ausgeschaltet. Wieso sollte ein zwischengeschaltetes Unternehmen daran verdienen, wenn zwischen den Stadtwerken München und mir als Privatperson ein spontaner Vertrag für 20kW Strom an einer Ladesäule geschlossen wird?

Darüber hinaus könnte die Blockchain endlich Transparenz im Tarifdschungel schaffen – derzeit ist es ziemlich unübersichtlich, was wo wie viel kostet. Schließlich ist Transparenz eines der Kernelemente der Blockchain, seit im Jahr 2009 die ersten Bitcoins geschürft wurden und die Kombination aus Geld und Währungssystem (Bitcoin und Blockchain) die IT-Landschaft eroberte. Womit wir beim Thema Bezahlen sind. Dank der Blockchain-Technik können verschiedene Kryptowährungen, wie zum Beispiel der Bitcoin, als Zahlungsmittel genutzt werden. Dank diverser Dienstleister können Kreditkartenzahlungen in Krypto-Währungen gewandelt und mit dem Netzwerk abgewickelt werden. Dank der Blockchain schließt das Fahrzeug (oder dessen Halter) bei jedem Ladevorgang einen individuellen Vertrag, dessen Konditionen transparent vorab zur Verfügung stehen. Dieser Vorgang läuft völlig automatisch im Hintergrund ab und verbessert so die Nutzererfahrung des Elektroauto-Fahrers. Vor allem aber vereinfacht es die Abläufe für die Stromanbieter, denn deren Vertragsmanagement wird durch die IT vollautomatisiert abgewickelt – unbestechlich, sicher und transparent.

Erste Versuche mit der Blockchain

(Foto: Shutterstock.com)
Kommt die Blockchain zum Einsatz, kann auch ganz einfach per Bitcoin bezahlt werden. (Foto: Shutterstock.com)

Das Konzept "Blockcharge" aus dem RWE Innovation Hub untersucht zur Zeit das beschriebenen Szenario. Die Dezentralisierung der Stromerzeugung findet ein Pendant in der dezentralen Rechnerstruktur der Blockchain. Dabei setzt RWE gemeinsam mit slock.it auf die Ethereum-Blockchain. Dabei werden drei Industrien in einer einzigen P2P-Transaktion gebündelt: Bankwesen, Stromanbieter und Automobil. Abgesichert durch die Logik in einem smart contract. Das Alleinstellungsmerkmal für diesen Ansatz basiert auf folgenden 4 Punkten:

  1. Hochwertige Nutzerführung, insbesondere der Mehrwert beim induktiven Laden an der Ampel
  2. Laden ohne Vertragsbindung wie heute an jeder handelsüblichen Tankstelle
  3. Vollautomatisierter Prozess
  4. Deutlich geringere Systemkosten für Authentifikation und Abrechnung

Die vorausschauende Planung spiegelt sich in Punkt 3 wider. Der vollautomatisierte Prozess garantiert die Zukunftsfähigkeit der Idee in Bezug auf das autonome Fahren. Wie bereits vor knapp einem Jahr im Kommentar „Warum das Auto der Zukunft das Aus für VW, Mercedes und Co. bedeuten könnte“ angedeutet, verdichten sich die Hinweise auf selbstfahrende Taxis, die in Kürze den öffentlichen Nahverkehr in Großstädten ergänzen. Die Herausforderung liegt hierbei in der Kommunikation zwischen Maschinen, denen das Konzept des Vertrauens nicht bekannt ist. Dank Blockcharge könnten diese Fahrzeuge an jeglichen Ladesäulen laden und abrechnen, ohne vorher einen Vertrag mit einem Stromanbieter oder einer Bank abschließen zu müssen. Das P2P-Netzwerk der Blockchain verbindet das Internet of things mit einer physischen Warenlieferung. Dabei sind die Anwendungsfälle vielfältig und nicht nur auf den lokalen Stromanbieter begrenzt. Tesla könnte sein Supercharger-Netzwerk ohne Probleme für andere Elektrofahrzeuge bereitstellen und die abgegebene Strommenge berechnen. Arbeitgeber nutzen die Technik, um ihren Angestellten Strom zur Verfügung zu stellen und dabei gemäß der jeweiligen Steuergesetzgebung abzurechnen. Letztlich könnten private Institutionen, wie zum Beispiel Aldi, auf Parkplätzen das Laden kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr anbieten. Natürlich profitiert auch der private Haushalt, der mit einer Solaranlage auf dem Dach über eine an der Strasse installierte Steckdose Energie anbietet.

Die Kommunikation zwischen Ladesäule (oder induktiver Ladefläche in der Strasse) mit einem Fahrzeug ist das naheliegendste Anwendungsszenario für die Blockchain. Vielmehr wird diese Technik in Zukunft jedoch die Kommunikation zwischen Maschinen sicher und transparent regeln. Denn als selbstständige Teilnehmer am Wirtschaftsleben werden Maschinen künftig Werte miteinander austauschen. Hierfür eignet sich nichts besser als die Blockchain, schließlich ist Maschinen das Konzept des Vertrauens fremd. Das bringt Ihnen die Blockchain bei.

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5 Reaktionen
ZOE

Ich würde hier - wie auch bei vielen anderen IoT-Blockchain-Themen - den Aspekt von virtueller Währung gar nicht in den Vordergrund kehren. Wie sinnhaft und akzeptiert Bitcoins zum Bezahlen eines Ladevorgangs sind, ist aus meiner Sicht noch zu diskutieren. Den eigentlichen Mehrwert von Blockchain sehe ich eher in der absoluten Nachvollziehbarkeit und Manipulationssicherheit - wer hat wann wo wieviel geladen. Dafür sind Projekte wie Hyperledger gemacht. Ob die Bezahlung dann mal über meine Kreditkarte, EC-Karte, Paypal, Bankeinzug oder sonst einen Dienst läuft, ist für das Prinzip zweitrangig. Aber klar ist auch: je mehr einfache und verbreitete Bezahlungsmöglichkeiten bestehen, um so eher findet so ein System Akzeptanz. Wir wollen ja keine neue Technik, nur weil Blockchain so cool ist. Das ganze muss für den Anwender einen erkennbaren Nutzen haben. Und den hat es, wenn Blockchain mir hilft, an jeder Ladesäule überhaupt erst mal laden zu können und dann noch einen fairen und transparenten, vorher bekannten Preis dafür zu bezahlen, den ich mit der Zahlungsweise meiner Wahl (meines Vertrauens!) begleichen kann.
Wenn ich erstmal Bitcoins schürfen gehen muss, um laden zu können, nur weil Bitcoin und Blockchain mal wieder in einen Topf geworfen werden, nee dann reise ich doch lieber weiter mit meinem Mäppchen mit RFID-Karten und einem Smartphone voller Charge-Apps durchs Land...

Antworten
Dirk Roeder
Dirk Roeder

Weder ich noch der Artikel widerspricht Deiner Kernaussage, dass Blockchain einen Mehrwert schaffen muss/ sollte und mehr ist als nur ein Zahlungsmittel.
Genau das will Blockcharge ja auch erreichen. Hier wird für den Nutzer eine vertragslose Abwicklung möglich und im Hintergrund können IT Systeme abgeschaltet werden, die heute die ganze Abwicklung zwischen einer Reihe von "Partnern" sicherstellt

Antworten
Moxiboo
Moxiboo

Ich halte das für eine ziemliche Bubble, die hier aufgebaut wird. Wo ist der Unterschied, ob nun ein Middleman in Form eines Zahlungsdienstleisters oder eines Wandlers von Kreditkartendaten in Kryptowährungen profitiert und sich ein Stück des Kuchens sichert. Bei einem echten Zahlungsdienstleister, der zumindest alle regulatorischen Auflagen erfüllt, würde ich mich da zumindest sicher fühlen.

Antworten
Dirk Roeder
Dirk Roeder

Unterschied
A) die vertraglichen Abhängigkeiten werden entrümpelt, da es deren nicht mehr bedarf. Siehe Artikel.
B) Die Geschichte der Banken ist voller Betrug. Trotz Regularien hast du mit deinen Steuergeldern die von dir gepriesenen Bank erst kürzlich gerettet. Mit Italien steht der nächste Rettungsschirm für die Banken an. Klar, das merkt man nicht so direkt, aber es geht hier ja um Vertrauen!
C) Der "Wandler" ist eine Börse. Deren Gebühren sind geringer. Die Diskussion führt aber in eine falsche Richtung, es nur anhand des Disagio zu diskutieren. Jede Transaktion die du tätigst, kostet auf den Netzwerken der Banken, PayPal o.ä richtig Geld. Wenn Du Überweisungen umsonst tätigen kannst, Dein Konto gratis ist, muss das Geld irgendwo anders verdient werden! Die Blockchain fährt hier 2 Geschütze auf, die es in der Bankenwelt so nicht gibt: völlige Transparenz und ein unbestechliches Vertrauen.

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Moxiboo
Moxiboo

Ich verstehe deine Punkte, aber ich halte unumschränktes Vertrauen in eine so neue Technologie bzw. ein so neues Konstrukt für reichlich unbegründet. Zu allen Zeiten hat man Neuerungen die Fähigkeit zugeschrieben, unfehlbar zu sein und dann später festgestellt, dass dem wohl doch nicht so ist (die Titanic galt auch als unsinkbar). Nicht falsch verstehen - ich sehe großes Potenzial in der Blockchain, halte sie aber nicht für unfehlbar. So gab es ja auch in der Vergangenheit wohl Fälle als bereits einzelne Pools von Minern nahezu 51% des Marktes kontrollierten und damit ein möglicher Betrug zumindest theoretisch möglich gewesen wäre.

Der Artikel ist aber auch noch in anderer Hinsicht problematisch. Smartlab tut weit mehr für die Ladeinfrastrukturbetreiber als die Abwicklung der Zahlung... deutlich mehr. Nicht zuletzt versetzt Smartlab kleine Stadtwerke technisch in die Lage, Charging-Services überhaupt anzubieten (und als Konsequenz davon Geld einzunehmen). Aggregation und Zahlungsabwicklung ist nur ein Teil von dem, was Ladenetz wirklich leistet.

Im Prinzip versucht Blockcharge wohl nichts anderes - nur basierend auf einer anderen Technologie bzw. einem anderen finanziellen Rahmen. Dennoch dürfte Blockcharge am Ende des Tages ein Service sein, der bezahlt werden muss. Stecker, App, der Service an sich - das Alles wird es nicht zum Nullpreis geben. Die Marge, die ein Kreditkarteninstitut nimmt, ist als Kostenposten vollkommen zu vernachlässigen, angesichts der Kosten, die zum Beispiel bei der Rechnungsstellung anfallen. Der Artikel erweckt in dieser Hinsicht einen etwas falschen Eindruck - die Blockchain kann nur beim Payment Processing selbst eventuelle Mittelsmänner ausschalten, natürlich werden aber diverse andere Unternehmen an einer Transaktion direkt oder indirekt mitverdienen, da es für kleine Stadtwerke (und nicht nur für diese) nahezu unmöglich ist den gesamten Service rund ums Laden selbst zu erbringen.

Festzustellen ist außerdem, dass der Redakteur wohl Ahnung von Krypto-Währungen und der Blockchain haben mag, aber leider keine vom EV-Markt in Deutschland. Der Artikel weist einige inhaltliche (Denk-)Fehler auf.

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