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Nachgefragt: Was die Blogger-Szene über den E-Commerce der Zukunft denkt

    Nachgefragt: Was die Blogger-Szene über den E-Commerce der Zukunft denkt
Bei den Blogger-Relations kann einiges schief gehen. (Foto © tumpikuja – iStockphoto.com)

Die Blogger der Branche setzen sich täglich in Recherchen, Analysen und Kommentaren mit den aktuellen Entwicklungen des E-Commerce auseinander. Das Themenscout-Team der Internet World Messe hat sich bei der medialen Speerspitze mal umgehört und nachgefragt, wie sie eigentlich die derzeitige Situation im E-Commerce einschätzen.

„Der E-Commerce ist die zeitgemäße Form des Katalog-Versenders“

Erstaunlich zu welchem Konsens unsere Kurzumfrage führte! Doch es gab auch kritische Töne und in jedem Fall  viel Potenzial für Denkanstöße sowie Tipps, wie die Kernthemen der Zukunft aussehen werden. Eine Pflichtlektüre für alle E-Commerce-Interessierten.

Florian Treiß bringt es auf den Punkt: „Der E-Commerce ist die zeitgemäße Form des Katalog-Versenders und erreicht durch Modernität und Schnelligkeit heute alle Altersschichten.“ Soweit zum Status Quo. Die Veränderung schreitet aber fort. Fakt ist, Verbraucher haben dank Smartphone den E-Commerce als Teil ihres Alltags begriffen und sehen es als Selbstverständlichkeit an, einzukaufen was sie wollen, wann sie wollen und wo sie wollen. Die Unterscheidung von Verkaufskanälen haben sie verlernt. „Die Impulse kommen von den mobilen Geräten, Mobile wird dadurch zum geradezu explodierenden Traffic-und Umsatzkanal“, so Thomas Lang. Das Phänomen betrifft mittlerweile nicht nur Online-Shops, die ihren Shop mobiltauglich machen müssen, sondern auch den stationären Handel, der seinen POS wie auch alle damit verbundenen Unternehmensprozesse von der Sortiments- und Preisgestaltung, über Lagerhaltung bis hin zur Logistik digitalisieren muss.

„Der E-Commerce ist die zeitgemäße Form des Katalog-Versenders" (Foto: bloomua – Fotolia.com)
„Der E-Commerce ist die zeitgemäße Form des Katalog-Versenders" (Foto: bloomua – Fotolia.com)

„Mobile wird der wichtigste Taktgeber in der Branche“, ist Olaf Kolbrück überzeugt. „Das wird den Handel stärker beeinflussen als es der Onlinehandel allein schon getan hat.“  Auch Florian Treiß stellt das Zusammenwachsen von Online- und Offline-Handel in den Fokus. Das belegt er mit mehrere Beispielen: Unternehmen wie Inventorum helfen lokalen Händlern, nebenher einen Online-Shop aufzubauen. Plattformen wie Locafox machen lokale Händler im Web sichtbarer. Same-Day-Delivery und Click & Collect sind in aller Munde – und hier können Multichannel-Händler punkten, die ihre Filialen als Versandzentren für die taggleiche Lieferung bzw. als Abholpunkt ausbauen. Und immer mehr große Player wie Media-Saturn experimentieren in Pilotfilialen damit, ein vollkommen neues digitales Einkaufserlebnis zu erschaffen.

Stephan Meixner ist der Meinung, dass derzeit im Handel zu viel über Vertriebskanäle diskutiert wird. Der Hebel liege woanders: „Entscheidend für den Erfolg ist nicht, ob online, mit Katalogen oder in Geschäften verkauft wird. Wichtig ist das Sortiment und was für Mehrwerte es den Kunden bietet.“

Heilbringendes Leuchtfeuer?

„Entscheidend für den Erfolg ist nicht, ob online, mit Katalogen oder in Geschäften verkauft wird. Wichtig ist das Sortiment und was für Mehrwerte es den Kunden bietet.“

Als technische Innovationen im E-Commerce sehen die Blogger Tools, Services und Apps, die die Kundenansprache und Kundenbindung erleichtern. Man brauche Innovationen, die in der Lage sind, Signale und Daten des Kunden auszuwerten, um ihm ein passenderes und intelligenteres Angebot zu erstellen. Zurzeit heiß diskutiert: Die Beacons, die als Leuchtfeuer den stationären Handel revolutionieren sollen. Die kleinen Funksender können über den Übertragungsstandard Bluetooth Low Energy (BLE) innerhalb eines bestimmten Radius’ Verbindung mit den Smartphones von Passanten, Kunden und Veranstaltungsbesuchern aufnehmen. So können Push-Nachrichten etwa zur Bewerbung von Handelsangeboten, zur Indoor-Navigation oder für Produktinformationen auf das Smartphone der Kunden geschickt werden. Der deutsche Handel testet auf Hochtouren, der Mercedes me Store in Hamburg und der WeShop von Serviceplan in München  sind nur einige Beispiele.

Ob das Verbraucher wirklich nutzen wollen oder am Ende vom Virbieren ihres Smartphones beim Einkaufsbummel nur genervt sind, wird sich noch zeigen. Die meisten Innovationen scheitern, weil sie am Bedarf der Zielgruppe vorbei gehen. „Der beste technische Ansatz bringt wenig, wenn einem Händler klare Alleinstellungsmerkmale und handfeste Kundenvorteile fehlen“, ist Stephan Meixner überzeugt. Das Erfolgsrezept ist daher eigentlich altbekannt: Ein E-Commerce-Geschäftsmodell wird dann funktionieren, wenn es für das Angebot ein entsprechendes Zielgruppenpotenzial gibt und Händler im Wettbewerb klare Kundenvorteile bieten können.

Augen zu vor der Realität

Die Blogger beklagen einstimmig die Beharrungstendenzen von Handel und Herstellern in punkto Internet, als wollten die betroffenen Unternehmen den digitalen Wandel nicht wahrhaben. Alexander Graf beklagt die unkritische Berichterstattung, aus seiner Sicht fehle es an profunden Meinungen, Analysen und Recherchen. Jochen Krisch geht in seiner Kritik noch einen Schritt weiter und greift die Handelsverbände an, die seiner Meinung nach ihre Mitglieder mit allzu einfältigen Aussagen und Ratschlägen verdummen würden, die der Zeit um fünf bis zehn Jahre hinterherhinkten.

So glauben die Blogger, dass der Onlinehandel die Handelslandschaft noch weitaus radikaler verändern wird, als man sich das heute vorstellen könnte. Das Wachstum im E-Commerce wird anhalten und die Verlagerung von weiteren Marktanteilen vom Einzelhandel in den digitalen Kanal wird kontinuierlich zunehmen. „E-Commerce wird in den verschiedenen Sortimenten einen Marktanteil von 15 bis 50 Prozent erreichen“, ist Peter Höschl überzeugt. Irgendwann werden die stationären Händler jedoch aufwachen und die Chancen des Internets besser für sich nutzen. Technisch und vertrieblich werde hier noch viel passieren.

Rück- und Ausblick: What’s next?

Die Branche ist in Bewegung, da sind sich die Experten einig. Die Mega-Börsengänge von Rocket Internet, Zalando und Alibaba haben sehr viel neues Kapital in den Markt gespült, das die Entwicklung des E-Commerce Marktes weiter beschleunigen wird. Hinzu kommt die Hardware-Offensive von Amazon, die durchaus Innovationsfreudigkeit des Branchenprimus an den Tag legt.

Auf der anderen Seite kämpft Konkurrent ebay an der Front, die angekündigte Abspaltung von Paypal lässt den einstigen Pionier schwächeln. Alexander Graf kritisiert, dass E-Commerce von den meisten Marktbeobachtern immer noch unterschätzt wird. Das disruptive Potenzial sei noch nicht mal ansatzweise ausgeprägt. Auch Jochen Krisch prognostiziert, die Revolution im E-Commerce stehe uns erst noch bevor: „Die frühen Jahre sagen nicht über die zukünftigen Entwicklungen aus. In fünf bis zehn Jahren sieht die Welt komplett anders aus.“

Das Bruttohandelsvolumen von Alibaba lag 2013 bei 296 Milliarden US-Dollar (Screenshot: Alibaba.com)
Das Bruttohandelsvolumen von Alibaba lag 2013 bei 296 Milliarden US-Dollar (Screenshot: Alibaba.com)

Die Tipps der Blogger für Online-Händler

  1. Trenne dich von der Katalogdenke. Nicht deine Produkte und dein Sortiment stehen im Fokus, sondern dein Kunde.
  2. Preis ist kein auschlaggebendes Argument für Kundenbindung. Fokussiere dich  auf eigene USPs. Finde deine eigene Positionierung im Markt und setze diese konsequent durch. Trenne dich von Prozessen und Systemen, die nicht dazu passen.
  3. Setze auf Mobile und perfektioniere deine Strategie. Wer nicht bereit ist, auf die Bequemlichkeit der Kunden zu reagieren und dem Nutzerverhalten der Digital Natives zu folgen, wird sich aus dem Wettbewerb verabschieden.
  4. Nimm die Umsatzbrille ab: Definiere Erfolgskennzahlen, führe ein effizientes Controlling ein, um Kosten zu senken und Rendite zu steigern. Nur so hältst du dein Geld zusammen und kannst profitabel wachsen.
  5. Orientiere dich am Branchenprimus: Aus Verbrauchersicht hat Amazon einen „Goldstandard“: Portofreie Lieferung innerhalb 24 Stunden. Das ist Service.
  6. Behalte den stationären Handel als Wettbewerber im Auge: Sowohl durch eine bessere Online-Präsenz mittels Location-based Services als auch durch innovative Shopkonzepte wird der Offline-Handel bald wieder erstarken.
  7. Bilde dir deine eigene Meinung. Hinterfrage Experten und blicke weit über den Tellerrand.

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5 Reaktionen
Merr
Merr

Die Einbindung von Bloggern in den E-Commerce Bereich wird in Zukunft von hoher Bedeutsamkeit sein. In Zeiten der Vernetzung und der sozialen Medien spielen nicht nur die Meinungsführer einer Szene eine besondere Rolle, sondern eben die Leute, die ihnen folgen. In der Modebranche machen es Unternehmen wie s.Oliver (vgl. http://www.soliver.de ) schon ganz gut: Der Testsieger im Bereich E-Commerce (ausgezeichnet von der DISQ GmbH 2014) integriert nicht nur Facebook und Google+, sondern hat eine interaktive Plattform mit dem Chatfenster, wo Kunden auf die Schnelle in Kontakt mit den Service-Mitarbeitern treten – sehr praktisch und unkompliziert! Und das sind nur einige der vielen Trends, die ab 2015 gefragt sein werden und das klappt nur, wenn die Modefans, Blogger und die Community eingebunden wird.

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Amelie Ruckert

Es hat sich wirklich viel getan in Bezug auf das Internet. Dinge, die vor Jahren noch unmöglich online zu verkaufen waren (z.B. Möbel, weil einfach der automatisierte/standardisierte Versand viel zu teuer war), sind jetzt ohne weiteres im Internet zu finden.
Ich denke allerdings schon, dass der stationäre Handel handelt *grins und eben durch eigene Webseiten etc. auf sich aufmerksam macht. Allerdings ist das ja nicht die Patentlösung, denn
a) nicht jeder hat das Know-how
b) nicht alle Produkte eignen sich (derzeit) für das Internet
c) nicht jeder hat die Ressourcen

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harconmediacon
harconmediacon

"Bilde dir deine eigene Meinung. Hinterfrage Experten und blicke weit über den Tellerrand" - das ist in JEDEM Fall der beste Tipp und gilt im ganzen Leben so.

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Ewert

Super interessanter Artikel. Die Forderung nach mehr Beweglichkeit des stationären Handels ist lange überfällig. Würde der Handel seine Chancen und Vorteile gegenüber dem Onlinehandel konsequent nutzen, bestünde meines Erachtens keine Gefahr für den klassischen Einzelhandel. Im Gegenteil der Einzelhandel könnte seine Produkte, da die Personalkosten sowieso anfallen, mit weniger Kosten versenden als bspw. Amazon. Bei mehreren Standorten (Geschäften) ergäbe sich als weiterer Vorteil die erhöhte Warenverfügbarkeit an den verschiedenen Standorten. Hierzu bedarf es lediglich eines Retourensystems, welches die Retoure in die Filiale steuert, die beispielsweise keinen Warenbestand des Artikel hat.

Persönlich würde ich mir wünschen, dass der Handel jetzt aufwacht und die Chance erkennt.

Nachdem der Schritt ins Netz lange auf sich warten lässt, ist zu befürchten, dass der Einzelhandel auch im Bereich CRM (Customer-Relationship-Management) ins Hintertreffen gerät. Wenn die großen Netzhändler in diesem Thema ihren bestehenden Vorsprung ausbauen, wird es in der tat eng für den stationären Handel. Systeme, die hier auch dem mittelständischen Unternehmen Leistung bieten sind unter anderem http://www.Arion-CRM.de, salesforce, sugar CRAM und andere mehr.

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Meng Ernesto
Meng Ernesto

Spannend.Sehe meine Ziele bestätigt.Baue Wein und Spirituosen Shop auf.Ladenräumlichkeit schon lange zu teuer.
Besten Dank.
Grüße aus Indien zur Zeit bei 33Grad.
Ernesto Meng Eidg.dipl.Sommelier SFS/ASSP 8004 Zürich

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