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Sturm in der Kaffeetasse: Schlittert Bonaverde ins Crowdfunding-Desaster?

Sturm in der Kaffeetasse: Schlittert Bonaverde ins Crowdfunding-Desaster?

Mit der Idee, die erste Röst-Mahl-Brüh-Kaffeemaschine der Welt auf den Markt bringen zu wollen, eroberte das Berliner Bonaverde schnell das Herz der Crowdfunding-Szene. Doch die Produktion macht offenbar mehr Probleme als erwartet. Allein das Design-Konzept wurde vollständig verändert. Die ersten Fans proben bereits den Aufstand.

Sturm in der Kaffeetasse: Schlittert Bonaverde ins Crowdfunding-Desaster?

Bonaverde. (Quelle: Bonaverde)

Von der Idee, die Welt des Kaffees zu revolutionieren

Dieses Crowdfunding-Projekt sorgte für Aufsehen: Mit der ersten Röst-Mahl-Brüh-Kaffeemaschine der Welt schickte sich das Berliner Startup Bonaverde im Herbst vergangenen Jahres an, die Kaffeewelt zu revolutionieren. Die Idee sieht neben einer optisch ansprechenden Maschine für den Heimgebrauch auch einen Online-Marktplatz vor, der Nutzern den Erwerb ihrer Kaffeebohnen direkt von den Bauern aus Südamerika ermöglicht. Ohne Umwege und profitorientierte Mittelsmänner verspricht sich Bonaverde davon ein faires und lukratives Geschäft.

Die erste Röst-Mahl-Brüh-Kaffeemaschine der Welt. (Foto: Bonaverde)
Die erste Röst-Mahl-Brüh-Kaffeemaschine der Welt. (Foto: Bonaverde)

Das Konzept fand schnell seine Fans. Hunderttausende Euro hat Bonaverde seitdem über mehrere Crowdfunding-Plattformen einsammeln können: 680.000 US-Dollar auf Kickstarter, 125.000 US-Dollar per Indiegogo und aktuell noch einmal eine Million Euro über Seedmatch. Ein großer Vertrauensbeweis für das von Hans Stier und Ricardo Mählmann gegründete Startup.

Jetzt allerdings gibt es aus Kreisen der Unterstützer Gegenwind. Das Vertrauen bröckelt. Zahlreiche Fans, die das Projekt zunächst mit ihrem Geld unterstützt haben, sind in Aufregung: Viele äußern in den Kommentaren zur Kickstarter-Kampagne offen ihre Enttäuschung oder verlangen ihr investiertes Geld zurück.

Bonaverde ändert überraschend Produktpläne

Was ist passiert? Wie jenseits der Crowdfunding-Portale auch dem Branchenblog Crowdfund Insider zu entnehmen ist, hat das Startup im Zuge der Fertigung einige Änderungen an seiner Maschine vorgenommen.

Die Kaffeemaschine von Bonaverde. Mit dem ursprünglichen Entwurf nicht mehr zu vergleichen. Fans stößt das sauer auf. (Foto: Bonaverde)
Die Kaffeemaschine von Bonaverde. Mit dem ursprünglichen Entwurf nicht mehr zu vergleichen. Fans stößt das sauer auf. (Foto: Bonaverde)

Zum einen geht es um den zur Röstung der Kaffeebohnen verwendeten Chip: Dieser sei so präpariert, dass Nutzer nur solche Bohnen rösten und zu trinkfertigem Kaffee mahlen und brühen können, die sie zuvor auch im Bonaverde-eigenen Marktplatz erworben haben. Grüne Kaffeebohnen aus Händen Dritter können damit nicht benutzt werden. Bonaverde begründet den Schritt damit, nur so seine Vision von einem fairen Handel mit Kaffeefarmern ohne Mittelsmänner bewerkstelligen zu können.

Der ursprünglich präsentierte Sieger-Entwurf der Kaffeemaschine scheiterte an technischen Hürden. (Foto: Bonaverde)
Der ursprünglich präsentierte Sieger-Entwurf der Kaffeemaschine scheiterte an technischen Hürden. (Foto: Bonaverde)

Zum anderen geht es um das der Kaffeemaschine selbst: Dazu hatte Bonaverde einst sogar einen öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben und im vergangenen Herbst einen durchaus hübschen Entwurf präsentiert – dessen Umsetzung aber scheint für die Macher nicht möglich. Laut Bonaverde hätte es die nach oben hin abgerundete Form der Maschine verhindert, alle für das Konzept notwendigen technischen Funktionen unterzubringen. Und: Auch bei einem Großteil des Gehäuses, der ursprünglich aus Holz bestehen sollte, machten physikalische Grenzen dem Startup einen Strich durch die Rechnung. Da Holz naturgemäß wenig robust, der Röstungsprozess jedoch mit hohen Spannungen verbunden ist, musste Bonaverde improvisieren – auch, um die Produktionskosten nicht weiter in die Höhe zu treiben. Am Ende steht ein Design, das rein optisch mit dem ersten Entwurf kaum mehr etwas gemein hat.

Bonaverde-Fans fordern ihr Geld zurück

Diese Gründe und auch die damit einhergehenden Verspätungen bei der Auslieferung der Maschine sind es, die bei einem Teil der Unterstützer jetzt Forderungen nach Rückerstattungen ihrer investierten Gelder laut werden lassen. 300 an der Zahl sollen es laut Crowdfund Insider bereits sein. Zwar bemüht sich Bonaverde bereits aktiv um Beruhigung der Gemüter. Wie uns Bonaverde mitteilt, sollen bisher nur 63 Anträge für einen Refund offiziell beim Startup eingegangen sein. Hoffnungen auf einen schnellen Erhalt der Gelder macht ihnen das Startup aber nicht. So könne man entsprechende Rückzahlungen erst veranlassen, sobald man mit der ersten Generation seiner Maschine am Markt sei und Gewinne abschöpfe.

„Beim investiert man in die Entwicklung eines Produkts. Änderungen und Verzögerungen sind nicht ausgeschlossen.“

Immerhin: Nach den Protesten hat zumindest Kickstarter – auch vor dem Hintergrund ähnlicher Probleme aus anderen Projekten – Änderungen an seinen Nutzungsbedingungen vorgenommen. Künftig nimmt die Crowdfunding-Plattform die Urheber von Projekten stärker in die Pflicht. Unter anderem weist man Urheber erfolgreich finanzierter Projekte darauf hin, dass es Teil des Abkommens sei, Projekte ordnungsgemäß abzuschließen und die versprochenen Belohnungen auszuzahlen. Urheber hätten dazu „jeden zumutbaren Aufwand“ zu betreiben.

Allerdings erlaubt sich Kickstarter auch einen Hinweis gegenüber Unterstützern. Demnach bezahlen diese im Rahmen einer Kampagne keineswegs für ein bereits existierendes Produkt. Vielmehr leisten sie den Urhebern finanzielle Hilfe und helfen durch Feedback auch bei der Entwicklung von Produkten. Entsprechende Änderungen oder Verzögerungen seien also nicht generell auszuschließen. Was Bonaverde draus macht, wird sich zeigen.

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7 Antworten
  1. von Jens am 25.09.2014 (09:59 Uhr)

    Natürlich muss man bei einer Produktentwicklung mit Überraschungen rechnen, das ist ganz klar. Bei Kickstarter-Projekten wohl noch mehr als sonst, denn nicht jeder, der eine Idee gut präsentieren kann, hat auch das Zeug sie umzusetzen.

    Bonaverde ist äußerst selbstbewusst an den Start gegangen, geradezu übermütig - klang die Kampagne doch von vorne bis hinten so, als wäre schon alles unter Dach und Fach, und die Finanzspritze nur noch für den Start in die Massenproduktion nötig. Diese Darstellung war eindeutig falsch.
    Nach und nach fielen dann neben dem Design viele Funktionalitäten weg, stattdessen wurde Zeit und Geld in die Entwicklung eines proprietären Systems gesteckt, um gezielt Bonaverdes zukünftiges Grüne-Bohnen-Monopol aufzubauen (was natürlich vorerst ausschließlich den potenziellen Seedmatch-Investoren kommuniziert wurde). All das lief mit äußerst mangelhafter Transparenz ab, Nachfragen und Kritik aus den Reihen der Unterstützer wurde lange Zeit mit einer Mischung aus Arroganz und Ignoranz begegnet. Kein Wunder also, dass die Stimmung bei vielen Unterstützern umgeschlagen ist, neben Kickstarter und Indiegogo mittlerweile auch bei einigen Seedmatch-Investoren.

    Dass nur 63 Unterstützer offiziell einen Refund eingefordert haben, dürfte auch daran liegen, dass stark angezweifelt wird, ob bzw. wann es diesen jemals geben wird. Nicht umsonst wurden die Crowdfunding-Risiken in eine amerikanische Firma "Bonaverde Coffee Inc" ausgelagert (nachzulesen auf Bonaverde's Seedmatch-Seite). Eine nicht zu vernachlässigende Anzahl ehemaliger Unterstützer ist derzeit dabei, andere Möglichkeiten zu prüfen, z.B. rechtliche Schritte, Rückforderung der Kreditkartenzahlung, Berufung auf EU-Widerrufsrecht, etc.

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  2. von Teppiche am 25.09.2014 (13:55 Uhr)

    Schade, denn die Maschine und deren Funktion klang interessant. Leider oder zum Glück hat mich der Preis vor einem "Kauf" bewahrt.

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  3. von TCG am 25.09.2014 (18:02 Uhr)

    Theorie und Praxis werden immer zwei paar verschiedene Schuhe bleiben. Schade.

    tcg

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  4. von Konstantin am 27.09.2014 (12:18 Uhr)

    Ich denke wird in dem nächsten Jahr nicht die einzige negative Meldung zu Crowdfunding bzw. -Investing bleiben! Das Problem ist, dass viele Gründer wie Politiker mit dem Geld anderer umgehen - ist ja schließlich nicht das eigene Geld das dort verbratten wird.

    Aber bei Crowdfunding ist immer Vorsicht geboten. Nur in die Projekte investieren, die transparent sind und alle Fragen beantworten.

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  5. von Jens am 27.09.2014 (13:16 Uhr)

    @Konstantin: Bonaverde hat sich während der Kampagnen sehr transparent und kommunikativ gegeben. Mit ein bisschen weitergehender Recherche hätte man allerdings herausfinden können, dass der Gründen Hans Stier unmittelbar davor ein Unternehmen namens Kaffee Toro GmbH in die Insolvenz geführt hat. Interessanterweise hat dieses Unternehmen die Kaffeemaschine gebaut, die Bonaverde während der Kampagne als Prototyp präsentiert hat. Hmmm.

    Stellt sich die Frage, ob bzw. welche Details während der Kampagne bewusst verschwiegen oder verschleiert wurden.

    Lesson learned: eine ausgiebige Hintergrundrecherche schadet nicht, bevor man ein Projekt unterstützt.

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  6. von NikolaiShulgin.Bitrix24 am 30.09.2014 (10:55 Uhr)

    Die Unwissenheit der Investoren aufgrund fehlenden betriebswirtschaftlicher und rechtlicher Schulung ist ein handfestes Problem im Crowdfunding. Die Corwdfunding-Community wäre daher gut beraten, gemeinsam Gutachten über die Projekte einzuholen und diese Möglichkeit auch standarisiert bei den Plattformen einzufordern. Mit mehreren hundert Beteiligten wäre die Finanzierung solcher objektiver Drittmeinungen wohl kein Problem. Inwieweit das im Interesse der Anbieter ist, ist natürlich fraglich.

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  7. von Crowdmonitor am 23.06.2015 (08:11 Uhr)

    Bonaverde hat nach Kickstarter bekannterweise bei #seedmatch über 1 Mio. Euro von den Kleinanlegern eingesammelt. Bisher ist scheinbar immer noch unklar, ob es jemals ein fertiges Produkt geben wird. Die Betreiber haben die üblichen Produktentwicklungskosten völlig unterschätzt. Auch die 1 Mio. Euro werden meiner Meinung nach nicht ausreichen, sodass die Gefahr eines Flächenbrandes beim Crowdinvesting akut besteht. Das wäre für die junge #fintech Branche ein signifikanter Schaden.

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