Das könnte dich auch interessieren

Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Marketing

„Eine innovationsarme Branche“? Online-Werber Boris Schärf im Interview

Boris Schärf im Interview. (Quelle: adverServer)

Boris Schärf ist mit adverServe, einem auf die technische Abwicklung von Online-Kampagnen spezialisierten Unternehmen, schon lange im Geschäft, spricht aber dennoch von einer „innovationsarmen Branche“. Mit einem neuen Unternehmen bewegt er sich jetzt weg von klassischen Anzeigen. Wir haben ihn zur Vergangenheit und Zukunft der Online-Advertising-Branche befragt.

Boris Schärf hat über 14 Jahre Erfahrung in Sachen Online-Werbung. Als Gründer von adverServe (2001), AskLubo (2009) und contented technologies (2013) arbeitet er an der Schnittstelle von Werbung und Inhalt – ein Markt, der in den letzten Jahren stark gewachsen ist und eine große Zukunft vor sich hat. Im Interview mit t3n.de spricht Schärf über seine Erfahrungen in der „innovationsarmen“ Advertising-Branche, aber auch über die großen Trends der nächsten Jahre.

Boris Schärf über eine innovationsarme Branche und spannende Projekte

Boris Schärf im Interview. (Quelle: adverServer)
Boris Schärf im Interview. (Quelle: adverserve)

t3n.de: Du bist seit über 14 Jahren in der Branche aktiv. Erinnerst du dich noch an die erste von dir geschaltete Werbeanzeige?

Boris Schärf: Ehrlich gesagt: Nein. Nach rund 200.000 Kampagnen, die ich selbst seither gebucht habe, kann ich mich daran nicht mehr erinnern. Ich gehe aber davon aus, dass es eine Auto- oder Telekom-Kampagne war. Diese Branchen waren damals online für sicher 90 Prozent des Werbevolumens verantwortlich.

t3n.de: Welche branchenrelevanten Dinge der damaligen Zeit bleiben dir bis heute in Erinnerung?

Schärf: Die Struktur der Branche war eine total andere. Heute arbeiten bei adverserve an die 30 Mitarbeiter, ein Team von Spezialisten. Es ist sehr viel detailliertes Know-How notwendig, um alle Bereiche des Adservings abzudecken. Vor 14 Jahren waren in einer durchschnittlichen Agentur zwei Leute, die alles gemacht haben. Man hat sehr schnell entscheiden können, das Know-How war viel konzentrierter, die Komplexität aber auch sehr viel geringer.

t3n.de: Bedenkt man all die neuen, technologischen Entwicklungen, drängt sich die Frage auf: War „das Business“ damals einfacher gestrickt?

Schärf: Ich mache mir keine Freunde mit der Meinung, die ich dazu habe. Ich glaube, dass die Branche relativ innovationsarm ist. Die Banner sind noch immer da, die „Intelligenz“ der Werbeformate hat sich nicht groß verbessert. Die Logiken hinter dem Targeting und der Segmentierung sind die gleichen wie früher - heute haben sie halt „fancy“ Namen wie „Retargeting“ oder „Behavioural Targeting“. Das grundsätzliche Setting ist aber ebenso falsch wie die traditionellen Channel-Welten. Wir haben schon vor 13 Jahren mit Wetter-Targeting und Retargeting gearbeitet, lediglich die verschiedenen Kanäle machen es heute etwas komplizierter.

t3n.de: Es hat sich nichts verändert?

Schärf: Das ist ja das Interessante: Die Logik der Online-Werbung ist die Gleiche. Kampagnen werden im Prinzip genau so geplant und durchgeführt wie früher. Allerdings ist der technische Teil viel, viel komplexer geworden. Nur als Bespiel: die Explosion des Mobile Internets mit den vielen verschiedenen Smartphone- und Tablet-Varianten bringt eine enorme technische Komplexität, die wir beim Abwickeln der Kampagnen berücksichtigen müssen.

t3n.de: Was glaubst du ist der Grund für die Trägheit dieser Branche?

Schärf: Betriebsblindheit gibt es in jeder Branche, das ist keine Besonderheit der digitalen Werbung. Es ist immer einfacher, Gelerntes beizubehalten, als einen kritischen Blick auf den Status quo zu werfen und Ansätze komplett umzudrehen. Das kostet viel Zeit, braucht viel Erfahrung – in unserer Branche natürlich auch sehr viel technisches Verständnis. Geschätzte 90 Prozent der in unserer Branche tätigen Menschen wissen nicht einmal, wie eine Website technisch aufgebaut ist und wie sie funktioniert. Man muss ganzheitlich denken: Vertriebs-, Marketing- und Technik-Wissen sind Voraussetzung, es braucht aber auch redaktionelles Wissen und Menschenverstand. Nur durch die Kombination dieser Dinge kann man Neues entwickeln.

t3n.de: Welche großen Meilensteine haben die Online-Werbung im Laufe der Jahre denn am stärksten geprägt?

Schärf: Mit Sicherheit ist die Entwicklung des Real-Time-Advertising in den letzten Jahren einer der wichtigsten Meilensteine der letzten 14 Jahre. Automatische Buchungssysteme und Inventarzugänge sind spannend. Adblocker dagegen machen mir kein Kopfzerbrechen – wir haben schon vor zehn Jahren einen ähnlich großen Anteil an Blockern verzeichnet.

t3n.de: Und was sind deiner Meinung nach die größten Trends, die uns in den nächsten Jahren bewegen werden?

Schärf: Daten, Daten und noch einmal Daten. Die Entwicklung des Real-Time-Advertising ist nicht zu stoppen. solche Systeme brauchen aber valide thematische Zielgruppendaten. Native Advertising ist der zweite Trend, der nicht aufzuhalten ist. Es ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, Interessenten über Inhalte zu begeistern und zu Käufern zu konvertieren. Eine viel bessere und vor allem effizientere Herangehensweise, als Printanzeigen digital aufzubereiten und mit HTML5 oder Flash zu animieren. An einer solchen Herangehensweise arbeiten auch wir mit unserem neuen Unternehmen Contented Technologies.

t3n.de: Zur Werbebranche gehören einige „Hidden Champions“. Mit Sociomantic wurde eines dieser Unternehmen vor wenigen Monaten für stolze 200 Millionen verkauft. Kennst du vergleichbare Startups, die ein ähnlich großes Potenzial haben?

Schärf: Ich nehme den Startup-Hype nicht so bierernst. Finanzierungsrunden und Akquisitionen werden oft auf Basis von viel Fantasie und wenig Umsatz oder gar Gewinn getätigt. Mir persönlich sind langlebige und nachhaltige Geschäftsmodelle lieber. Ich komme aus einer mittelständischen Unternehmerfamilie, das hat mich geprägt.

t3n.de: Glaubst du nicht, dass gerade diese jungen Unternehmen den notwendigen Drive bringen um Innovationen voranzutreiben?

Schärf: Startups sind für Innovationen sehr wichtig. Ich finde nur Bewertungen sonderbar, die auf einem Geschäftsmodell basieren, das sich schwer nachvollziehen lässt. Wie in der Blase der 2000er-Jahre geht es oft um einen angenommenen Wert, den die User darstellen.

t3n.de: Vielen Dank!

Finde einen Job, den du liebst zum Thema Interview

Alle Jobs zum Thema Interview
Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen