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Karriere

Mein Boss, der Narzisst: Warum in unserem System oft die Falschen Karriere machen

    Mein Boss, der Narzisst: Warum in unserem System oft die Falschen Karriere machen

Narzissmus im Job. (Foto: Shutterstock)

Selbstbewusstsein, Ellenbogen, erhöhtes Anspruchsdenken: diese Merkmale zeichnen die meisten Narzissten aus. Wie sie unseren Berufsalltag prägen, hat jetzt eine Studie analysiert – auch im Hinblick auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Du bist Narzisst? Glückwunsch, du hast exzellente Karrierechancen!

Der schöne Narziss aus der griechischen Sage hat sein eigenes Spiegelbild so sehr geliebt, dass es ihn irgendwann das Leben gekostet hat. Seine Nachfolger beschäftigen heute nicht nur die Psychologen und Philosophen, sondern auch die Organisations- und Management-Forschung: Der Narzisst ist im modernen Arbeitsleben kein Unbekannter.

Als Merkmale einer narzisstischen Persönlichkeit gelten Wissenschaftlern zufolge zum Beispiel die Unfähigkeit, langfristig gesunde Beziehungen zu pflegen, unethisches Verhalten oder Aggression. Gleichzeitig äußert sich Narzissmus oft in einem gesteigerten Selbstbewusstsein, emotionaler Stabilität und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, sich als Führungspersönlichkeit hervorzutun. Nimmt man diese Eigenschaften zusammen, verwundert es kaum, dass Narzissten in vielen Firmen nicht die schlechtesten Karrierechancen haben. Darunter leiden die Kollegen – oder, wie eine neue Studie der Universität Buffalo nahelegt, vor allem die Kolleginnen.

Studie zeigt: Männer sind im Schnitt narzisstischer als Frauen

Ich, der Superheld: Narzissten im Berufsleben gibt es viele, aber nur wenige von ihnen sind weiblich. (Foto: Shutterstock)
Ich, der Superheld: Narzissten im Berufsleben gibt es viele, aber nur wenige von ihnen sind weiblich. (Foto: Shutterstock)

Die Studie hat die Narzissmus-Forschung der letzten 31 Jahre mit insgesamt mehr als 475.000 Teilnehmern auf zugrunde liegenden Tendenzen hin ausgewertet. Ihr Ergebnis: Männer erzielen konstant höhere Werte auf der Narzissmus-Skala als Frauen, unabhängig vom Alter. In Bezug auf die Merkmale Führung und Autorität etwa punkteten männliche Probanden deutlich höher als weibliche, beim Anspruchsdenken ließen sie die Frauen noch weiter zurück. Nur beim Merkmal Zurschaustellung (Exhibition) hielten sich die Ergebnisse die Waage.

Die Studie wirft ein interessantes Licht auf die aktuelle Debatte um ungleiche Karrierechancen von Männern und Frauen. Denn die Autoren vermuten einen Zusammenhang zwischen dem Mangel an Frauen in Führungspositionen und der Tatsache, dass die narzisstischen Ausprägungen, die für den beruflichen Aufstieg förderlich sind, bei Mädchen und jungen Frauen oft im Keim erstickt werden. Schuld daran könnten vor allem stereotype Rollenbilder sein.

Narzisstische Merkmale: Unterdrücken oder ausleben?

„Individuen beobachten und erlernen Geschlechterrollen schon in einem jungen Alter – und werden bestraft, wenn sie nicht der gesellschaftlichen Erwartung folgen,“ sagt die Autorin der Studie zum Narzissmus, Emily Grijalva. „Frauen ernten beispielsweise oft harsche Kritik für aggressives oder autoritäres Verhalten, was sie einem größeren Druck aussetzt, ihre narzisstischen Neigungen zu unterdrücken.“

Was folgt daraus für die, die mehr Gerechtigkeit in der Arbeitswelt erreichen wollen? Es ist, wie so oft, kompliziert. Ein nahe liegender Schluss ist, dass wir als Gesellschaft stärker daran arbeiten müssen, alte Rollenbilder zu überwinden und Mädchen zu Selbstbewusstsein und Führungsstärke statt zu vornehmer Zurückhaltung zu erziehen. Nichts anderes tut etwa Facebook-Chefin Sheryl Sandberg mit ihrer „Ban bossy“-Kampagne.

Da läuft doch grundsätzlich was schief!

Narzissmus im Job: Sollten narzisstische Eigenschaften überhaupt so erfolgsrelevant in der Arbeitswelt sein (Foto: Shutterstock)
Der Boss als Narzisst: Sollten narzisstische Eigenschaften überhaupt so erfolgsrelevant in der Arbeitswelt sein (Foto: Shutterstock)

Doch dieser Ansatz ist nur die eine Seite der Medaille. Denn er mag dabei helfen, mehr Geschlechtergerechtigkeit innerhalb des Systems zu erlangen, ändert aber nichts an dem zugrunde liegenden Mechanismus, der den beruflichen Erfolg von Narzissten begünstigt.

„Wir sollten ernsthaft darüber nachdenken, wie wir in Zukunft arbeiten wollen.“

Anders gesagt: Wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, dass in Zukunft einfach nur noch mehr Narzissten, egal welchen Geschlechts, ihren Aufstieg auf dem Rücken ihrer Kollegen vollziehen, sollten wir uns zusätzlich ernsthaft Gedanken darüber machen, wie wir in Zukunft arbeiten wollen.

Was bedeutet Leistung und welche Rolle spielt der interne Wettbewerb? Wie wird belohnt, wer macht Karriere? So lange es der ist, der am lautesten „ich“ schreit und die Kollegen dabei aus dem Bild drängelt, wird sich an der ungerechten Situation nichts ändern. Und unter einem narzisstischen Boss, egal ob Frau oder Mann, leidet in letzter Instanz das gesamte Unternehmen.

via www.fastcoexist.com

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4 Reaktionen
Simufink
Simufink

Der Artikel berichtet ja wohl nichts Neues, oder?!

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Thomas Döring
Thomas Döring

Dass von der feministischen Lea natürlich mal wieder ein Men-Blaming kommt, sagt alles. Tipp: Wer schießt den ganzen Tag selbstverliebt einen Selfie nach dem anderen, Männer oder Frauen? Ups, sowas Doofes aber auch...

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Lea Weitekamp

Hallo Thomas,

wenn du in diesem Artikel schon ein Blaming erkennen willst, dann doch wenigstens kein Men-Blaming, sondern ein Gesellschafts-Blaming, wie wär's?

Unabhängig davon halte ich Selfie-Affinität für sich genommen noch nicht für ein hinreichendes Narzissmus-Definitionskriterium.

Viele Grüße aus der Redaktion
Lea

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sventb
sventb

Ich könnte mir vorstellen, Selfies gehören in die Kategorie "Exhibition", vgl. auch Text oben:
> Nur beim Merkmal Zurschaustellung (Exhibition) hielten sich die Ergebnisse die Waage.

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