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Brainteaser: Das Schreckgespenst im Vorstellungsgespräch

Brainteaser: Das Schreckgespenst im Vorstellungsgespräch

Wie viele Smarties passen in eine Boeing 747? Was steht auf deinem Grabstein? Mit fiesen Knobelaufgaben bringen Unternehmen ihre Bewerber im Vorstellungsgespräch gerne ins Schwitzen. Was aber steckt dahinter? Wie bleibt man cool? Alles zum berüchtigten Brainteaser erfährst du im Artikel.

Brainteaser: Das Schreckgespenst im Vorstellungsgespräch

Brainteaser im Vorstellungsgespräch. (Grafik: t3n)

Leere Bewerberfloskeln haben ausgedient

„Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“ „Was sind ihre Stärken und Schwächen?“, „Warum haben Sie sich bei uns beworben?“. Mit derlei Fragen überraschen Personaler ihre Bewerber im Vorstellungsgespräch schon lange nicht mehr. Die Antworten lassen sich mühelos in jedem Bewerbungsratgeber nachschlagen. Kein Wunder, dass der Erkenntnisgewinn über die Fähigkeiten des Bewerbers bei Antworten wie „Ich will in den nächsten Jahren mehr Managementaufgaben und Personalverantwortung übernehmen und dabei verstärkt strategische Ziele verfolgen“ praktisch gleich null ist. Gähn.

Brainteaser, der ultimative Bewerberschreck

Brainteaser: Bei Personalern geliebt, bei Bewerbern gefürchtet. (Grafik: Shutterstock)
Brainteaser: Bei Personalern geliebt, bei Bewerbern gefürchtet. (Grafik: Shutterstock)

Großer Beliebtheit erfreuen sich daher Brainteaser, die seit geraumer Zeit in Vorstellungsgesprächen eingesetzt werden. Dahinter verbergen sich fiese Knobelaufgaben, die ungeübte Bewerber schnell aus der Fassung bringen, in jedem Fall aber viel über sie preisgeben. Vor allem der fehlende Kontext und das besondere Überraschungsmoment stellt Bewerber auf eine harte Probe: „Erklären Sie, wie man Eier perfekt kocht“ beispielsweise hat das Jobportal Glassdoor kürzlich zum schwierigsten Brainteaser im Vorstellungsgespräch gekürt.

20 Beispiele für richtig fiese Brainteaser

Wozu aber eine solch alberne Frage? Die Antwort ist leicht: Im Gespräch müssen Personaler den Kandidaten innerhalb weniger Minuten kennenlernen und richtig einschätzen. Die komplexen Logikrätsel erfordern analytisches Geschick, Kreativität und eine hohe Problemlösungskompetenz. Dinge, die Unternehmen dabei helfen, den Bewerber mit dem besten Personal Fit zu finden.

Berüchtigt für den Einsatz von Brainteasern ist vor allem die Tech-Branche. Konzerne wie Apple, Dropbox oder Google nutzen die Methode,  aber auch im normalen Mittelstand werden Brainteaser eingesetzt, wie die folgenden 20 Beispiele belegen. Zu den Klassikern gehören etwa auch Fragen wie „Was würden Sie tun, wenn sie der einzige Überlebende nach einem Flugzeugabsturz wären?“ oder „Nennen Sie mir sieben Dinge, die man mit diesem Stift machen kann?“. Das Ziel ist immer das gleiche: den Bewerber unter Druck setzen.

Und was antworte ich jetzt darauf?

Brainteaser im Bewerbergespräch: „Nicht das richtige Ergebnis zählt, sondern der Lösungsweg.“

Was aber sollen Bewerber darauf bloß antworten? Immerhin dürfte wohl kaum jemand aus dem Stehgreif heraus die richtige Antwort parat haben. Die gute Nachricht: Das muss man gar nicht. „Nicht das richtige Ergebnis zählt, sondern der Lösungsweg“, sagt Claas Triebel. Der Autor und Professor für Wirtschaftspsychologie rät Bewerbern, sich dafür genug Zeit zu nehmen. „Sagt dem Personaler, dass ihr kurz nachdenken möchtet. Hakt es dann an einer bestimmten Stelle, teilt ihm mit, an welcher Stelle ihr mit welchem Gedanken gerade hängt.“ Auf jeden Fall sollten Bewerber zu einem Ergebnis kommen. „Ausdauer zeigen und nicht aufgeben“, sagt Triebel, „signalisiert, dass ihr bereit seid, euch mit der Aufgabe auseinanderzusetzen.“ Mit dieser auf maximale Transparenz ausgelegten Strategie untermauern Bewerber geschickt ihre Ambitionen auf den Job. Personaler werden das schätzen. Bei der Vorbereitung auf mögliche Brainteaser helfen Ratgeber, die es inzwischen zuhauf im Handel gibt.

„Brainteaser sind halt total dumm“

„Wer Brainteaser nutzt, hat wenig Ahnung von Personalauswahl.“

Trotzdem steht Triebel dem Einsatz von Brainteasern auch kritisch gegenüber. „Die sind halt total dumm“, sagt er augenzwinkernd. Entsprechend hart geht er mit Personalern ins Gericht. „Wer Brainteaser nutzt, sagt damit über sich aus, dass er nicht besonders viel von Personalauswahl versteht.“ Seine Begründung: Mit dem Job habe die Frage, wie viele Tennisbälle in eine Boing 747 passen, „absolut nichts“ zu tun. „Auch was man mal auf seinem Grabstein stehen haben möchte geht niemanden etwas an und es sagt nichts darüber aus, wie gut ein Bewerber seinen Job später einmal machen wird“, sagt Triebel.

Darum hält er bei Bewerbern auch eine Strategie für denkbar, die zumindest gewagt ist: Antwort verweigern. „Man überlegt sich, ob man in einem Unternehmen arbeiten möchte, das einem bei einer ernsten Angelegenheit unprofessionelle Scherzfragen stellt“, so Triebel. Eine sehr aufrechte Antwort sei es, dem Personalverantwortlichen zu erklären, warum so ein Brainteaser unsinnig ist. Dass die Chancen auf eine Zusage damit nicht unbedingt steigen, dürfte klar sein. Wer also von der vakanten Stelle überzeugt ist, spielt als Bewerber besser mit. Arbeitgeber aber, sagt Triebel, seien gut beraten, sich anstelle von Brainteasern lieber nach dem Mehraugen-Prinzip eigene Notizen zum Bewerber zu machen, diese zu vergleichen und im besten Fall einen Probetag durchzuführen. „So findet man am besten, ob man zueinander passt.“

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10 Antworten
  1. von Personalabteilung am 21.05.2015 (12:32 Uhr)

    Die zukünftigen Kollegen sollten Bewerber auch durchchecken und mitentscheiden.
    Für 0815-Jobs kann die Personalabteilung irgend wen ins Cubicle oder an die Nähmaschine nebendran setzen. Macht man mit Legehennen ja auch.
    Aber für interaktive Jobs im Team sind halt andere Fertigkeiten gefragt was im Fabrik-Kapitalismus früher nicht so wichtig war. Und ob da die Personalabteilung nennenswert mitentscheiden sollte kann sich jeder selbst beantworten.

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  2. von Yawn am 21.05.2015 (15:50 Uhr)

    Bei dem Bitkom-Fachkräftemangel landauf landab macht man doch keine Einstellungsgespräche mehr. Da ist man froh überhaupt jemanden zu finden und zerrt sie an den nächsten freien Arbeitsplatz. *ironie*

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  3. von Altmodischer am 28.05.2015 (08:42 Uhr)

    was hat das noch mit Seriositaet und kompetenten Arbeitgebern zu tun? Ich kenne solch sinnlose Fragen und solch Assessment Center "Theater" schon aus dem jahr 1999 - IT Bereich. Da bin ich dann aber doch anders reingekommen. Bei einer anderen Firma, indem ich den zukuenftigen Vorgesetzten privat gesprochen habe, der mich dem Geschaeftsfuehrer vorgestellt hat, der mich dann eingestellt hat und eine Chance gegeben hat. Als Quereinsteiger unter Informatikern. Und ich muss sagen: es geht. Ich kann heute noch nicht alles informatisch-terminologisch korrekt dem Kunden erklaeren, warum es nicht laeuft. Aber das interessiert den Kunden auch nicht. Das kostet ihn nur Zeit. Ich sehe nur, dass es weltweit nicht richtig laeuft, Leute gewaltige Mengen an Zeit fuer Problemloesungen verschwenden (als Nutzer wohlgemerkt. Das ist Aufgabe der Firmen und der "kompetenten" Mitarbeiter) und dass die Werbesprueche der "hippen" Unternehmen fehlerhafte Produkte und schwache Dienstleistungen propagieren und alle ein Vermoegen fuer Technologie ausgeben, die genauso unprofessionell gemacht ist wie das Konkurrenzprodukt - auch meine 12.000 Euro Apple Rechner (aber professionell vermarktet, na dann...). Das findet dann die nachgewachsende "digitale Generation" noch "cool". Ich finde, das alles hinzunehmen, mitzumachen ist die eigentliche Gefahr, keine Vorratsdatenspeicherung. Wir sind schon mitten drin in diesem Denken.

    Ach so, was nuetzen die ausgekluegelsten Einstellungsstrategien und Psychotricks bei Lufthansa, wenn am Ende doch irgendein kranker Pilot den Flieger in den Berg steuert. Da hat wohl jemand vorher zuviel mit seinen kompetenten Psychologen und Strategien geprahlt.
    Ich plaediere, nicht irgendwelche "Strategien und Einstellungsverfahren" zu verfolgen, sondern sich wie der alte dicke Zigarrenrauchende Firmen"INHABER" nur auf seinen Riecher zu verlassen und "Risiken" einzugehen. Denn am Ende sind es weniger Risiken, als einen durchzulassen, der sich wunderbar durch diese modernen Vefahren "mogeln kann. Die Realitaet ist anders. Ein Ingenieur hat ein 20 Mio. Euro Projekt zu verantworten und Menschenleben. Da muss das Ding halten und dann stellt sich nicht die Frage, wieviel Eier in die Boing passen. Das ueberigens haengt von sovielen Faktoren ab, die der Fragesteller nicht mal im Ansatz versteht. Also sollte er gefaelligst bescheidener auftreten. DENN, fast keinem Personalverantwortlichen und Fragesteller gehoert der Laden. Und Firmen machen zu, weil sie von solchen geleitet werden.

    genug Zeit verschwendet

    Danke, dass Sie soweit gekommen sind

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    • von Olaf von Brill am 28.05.2015 (11:24 Uhr)

      Ich hab mir die Zeit genommen, Ihren Kommentar komplett zweimal zu lesen.
      Ich weiss wirklich nicht, ob ich zur Gutsherrnmentalität zurück möchte aber häufig genug waren das die prägensten Momenten im vergangenen Berufsleben, richtungsweisend, wenn der zigarrenrauchende Inhaber seine Vision vorstellte, in knappen Worten, ohne zu schwafeln oder Spielchen zu spielen. Leider sind die von inthronisierten GF oder Vorständen verdrängt worden.
      Mein gerade absolvierter Bewerbungsmaraton hat mich nur einmal zum Personalerspielplatz geführt, wo ich die Frage nach dem Text auf dem Grabstein mit der Ungeheuerlichkeit beantwortet habe: Ich habe nicht vor, abzutreten. Für diese Vakanz wurde natürlich ein Sterblicher bevorzugt.
      Jeder Mitarbeiter in einem Unternehmen versucht in der Aussendarstellung seine Wichtigkeit und Kompetenz "darzustellen". Das würde ich erstmal als legitim bewerten. Und somit werden gerne die Erfahrungen aus dem letzten Workshop am nächtsten Bewerber, an richtigen Menschen ausprobiert. Das liegt in der Natur der Dinge, entschuldigt aber nichts.
      Ich bin der Meinung, dass Personaler, ob intern oder extern, Fachabteilungen als Kunden begreifen und Kundenzufriedenheit als Maxime ihres Handelns setzen sollten.

      Danke für Ihre Aufmerksamkeit

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  4. von Marc Seiler am 28.05.2015 (08:43 Uhr)

    WAS IST DAS DENN ? ### Antwort verweigern. „Man überlegt sich, ob man in einem Unternehmen arbeiten möchte, das einem bei einer ernsten Angelegenheit unprofessionelle Scherzfragen stellt“ ### Lieber Herr Triebel: Mit einer "Scherzfrage" wie "Wieviele Tennisbälle passen in einen Jumbo" kann ich innerhalb von zwei Minuten einschätzen, ob der Bewerber pragmatisch, kreativ, logisch, realistisch, mathematisch fähig, allgemeingebildet, zielführend und - festhalten - humorvoll ist. Wer solche Fragen mit realistischer Zielführung zu beantworten weiss (also einen sauberen Lösungsweg, nicht die auswendig gelernte Antwort), ist ein perfekter Mitarbeiter - und so gut wie eingestellt. Der muss dann auch nicht alles können wie die vielen Papiertiger im Markt - viel wichtiger: der kann alles lernen, weil er plietsch ist. Wer die Antwort verweigert, darf gern in die Verwaltung zur Bahn oder in die Politik gehen.

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  5. von c0lumbus am 28.05.2015 (09:22 Uhr)

    Nun, in gewisser weise, ist die kreative, nicht ernst zu nehmende Antwort, vermutlich die häufig richtige.

    Ich hab aber in meinem Job, bei verschiedenen Kunden schon den Eindruck gewonnen, dass die Qualität der Arbeitskräfte nicht durch die Personalabteilung, sondern durch die Abteilungsleiter geprägt wird.

    Im großen und ganzen Herrscht in großen Unternehmen der Vitamin-B Inzest, und die pro-forma Stellenausschreibungen und Bewerbungsgespräche dienen lediglich der Auslastung der Personalbüros und Daseinsberechtigung von Headhunting Unternehmen.

    Das die Qualität dadurch nicht steigt, fühlt der durchschnittliche Angestellte täglich, ebenso wie Kunden eines solchen Unternehmens ;)

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  6. von H0wkeye am 28.05.2015 (11:28 Uhr)

    Naja.......
    Nicht nur bei Brainteasern sondern bei praktisch allen Fragen im Vorsgtellungsgespräch geht es um den Umgang mit diesen und nie um die Antwort. Deswegen haben auch fragen nach Stärken und Schwächen durchaus ihre Berechtigung und überhaupt kein "gähn" verdient. Wenn mir jemand auf die Frage nach seinen Schwächen eine Hesse-Schrader-Musterantwort gibt, dan sagt das eine Menge (negatives) über ihn aus.
    Brainteaser haben - genau wie die anderen Fragen - ihre absolute Berechtigung. Wenn es um Jobs geht, in denen die Fähigkeiten, die bei der Reaktion auf den Brainteaser gezeigt werden müssen, eine Rolle spielen. Ansonsten sind die überflüssig wie ein Kropf.
    So weit so seobstverständlich - finde ich.

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  7. von mare am 28.05.2015 (11:36 Uhr)

    Ufz, wenn ich das lese, muss ich mich unweigerlich an den Film "Postal" erinnern. Das ist eine Game-Verfilmung des Deutschen Reg. Uwe Boll. Hier ist der passende Auszug: https://www.youtube.com/watch?v=b6qycL-lNHc

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