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Kommentar

Brexit lass nach: Nach dem Schock ist vor dem deutschen Startup-Boom

(Foto: David Holt London  / flickr.com, Lizenz: CC-BY )

Wie sich der Brexit auf Europa auswirkt, lässt sich in vielen Fällen schwer abschätzen. In einem Bereich zeichnet sich aber eine Tendenz ab, wo Deutschland profitieren könnte: in der Startup-Szene.

Jubeln wäre zu viel des Guten. Aber für die deutsche Startup-Szene könnte der Brexit tatsächlich positiv sein. (Foto: pabak sarkar / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Warum die deutsche Startup-Szene vom Brexit profitieren könnte

Um eins vorweg zu nehmen: Für mich persönlich ist der Brexit ein Schock. Auch wenn viele Medien berichteten, dass es eng werden würde, so hatte ich mich doch darauf verlassen, dass die Briten schon den europäischen Weg wählen würden. Die Prognosen für die britische Wirtschaft nach einem EU-Austritt lasen sich zu verheerend, als dass ich ernsthaft erwartet hätte, jemand könnte das Risiko einer Rezession eingehen.

Nun haben die Briten für „Leave“ gestimmt, für die nationalistischen Töne, für eine vermeintlich unabhängige Wirtschaft. Was das für die EU und Großbritannien bedeutet, was uns allen bevorsteht, das ist derzeit so sicher wie ein Blick in die Glaskugel – es ist schlichtweg nicht absehbar. Mit Prognosen aller Art sollte man vorsichtig sein. Das hat uns nicht zuletzt das Referendum selbst gelehrt – bis zur Schließung der Wahllokale lag das Remain-Lager schließlich noch vorne.

Trotzdem lässt sich zumindest in einem Bereich eine Tendenz ablesen: in der deutschen Startup-Szene. Bisher hat sich Berlin mit London um die europäische Startup-Krone streiten müssen. Die beiden Hauptstädte duellierten sich im Kampf um die höchstbewerteten Startups, um Gelder, um die besten Bedingungen, um Fachkräfte. Vor allem für US-amerikanische Startups war Großbritannien bisher die erste Anlaufstelle, konnten sie dort doch in ihrer Landessprache agieren und den europäischen Kontinent erst einmal ohne großen Aufwand ausloten.

 „Die deutsche Startup-Hauptstadt Berlin ist der Gewinner des Brexit.“ 

Das wird sich ändern. Wenn England nicht mehr am europäischen Binnenmarkt teilnimmt, fallen viele Vorteile für ausländische Unternehmen weg. Wenn ein Startup nach Europa will, wird es über Deutschland gehen. Denn wer möglichst viele europäische Märkte erreichen will, braucht jetzt eine Zentrale in Berlin. Oder wie es Florian Nöll, der Vorsitzende des Bundesverbands deutsche Startups, ausdrückt: „Die deutsche Startup-Hauptstadt Berlin ist der Gewinner des Brexit, London der Verlierer.“

Denn für britische Startups wird es schwerer werden, an Investorengelder heranzukommen. Bisher konnten die jungen Unternehmen schnell in andere europäische Länder expandieren, konnten sich beispielsweise als Fintech auf eine boomende britische Finanzbranche verlassen. Das gefiel den Investoren.

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Berlin rückt in den Fokus

Diese Vorteile dürften nun wegfallen. In ein anderes europäisches Land zu expandieren wird teuer, wenn plötzlich Zölle wiederkehren. Gleichzeitig verliert Großbritannien an Attraktivität für europäische Fachkräfte, weil diese wieder Visa brauchen werden. Und der Fintech-Hub könnte auch schnell Geschichte sein, wenn 20.000 Banker – wie es eine Studie prognostiziert – nach Frankfurt abwandern.

Das Netz reagiert auf den Brexit

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Dadurch rücken plötzlich andere europäische Länder und Städte in den Fokus. Berlin als wichtiger Startup-Hub wird noch stärker an Bedeutung gewinnen. Das Ökosystem konnte schon bisher gut mit London konkurrieren. Künftig können deutsche Startups zudem mit dem einfacheren Zugang zu anderen europäischen Märkten punkten – anders ihre britischen Konkurrenten.

Für die deutsche Startup-Szene freut mich das. Als überzeugte Europäerin macht es mich traurig.

Lies zu diesem Thema auch: „Bisschen spät: Briten googeln, was der Brexit für sie bedeutet“.

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10 Reaktionen
Frank
Frank

Der Dreh- und Angelpunkt oder die Prämisse der Autorin beruht weitgehend auf einem Konditionalsatz: "..., wenn plötzlich Zölle wiederkehren."

Das aber ist noch keineswegs eine ausgemachte Sache! Wozu gibt es schließlich bi- und multilaterale Handelsabkommen? Und genau die dürfte GB genau wie Brüssel anstreben. Sicherlich mag die EU jetzt 'ein Exempel statuieren wollen'. Angesichts der Rosinenpickerei, die die Briten gegenüber der EU bislang betrieben haben, bieten sich dafür genügend Möglichkeiten, ohne das Königreich gleich mit voller Härte allerlei internationalen Handelshemmnissen auszusetzen. Was auch aus Sicht Kontinentaleuropas kaum in unserem Interesse liegen dürfte.

E.
E.

Danke Lisa für deinen Kommentar.
Dublin wird neben Berlin sicher auch gewinnen. :)

Lisa Hegemann

Hey Flo,

streng genommen liegst du natürlich damit richtig, Europa und die EU nicht miteinander gleichzusetzen. Allerdings ist es in einem Artikel auch unschön, 20 Mal EU zu schreiben. Daher hoffe ich, du verzeihst mir die kleine Ungenauigkeit. :)

Viele Grüße aus der t3n-Redaktion!

Flo
Flo

Zitiere:
"... so hatte ich mich doch darauf verlassen, dass die Briten schon den europäischen Weg wählen würden. "
Europa darf nicht mit der EU gleichgesetzt werden. Die EU ist eine Vertragsgemeinschaft aus europäischen Staaten, nicht Europa und diesen Verbund, der sich Richtung Vereinigte Staaten von Europa bewegt, abzulehnen heißt nicht Anti-Europäer zu sein oder nicht den "europäischen Weg" gehen zu wollen.

"Nun haben die Briten für „Leave“ gestimmt, für die nationalistischen Töne, ..."
Wiki: "Nationalismus bezeichnet Weltanschauungen und damit verbundene politische Bewegungen, die die Herstellung und Konsolidierung eines souveränen Nationalstaats ..."
Hört sich doch super an ;)

Puffer
Puffer

Nicht mal den ersten Satz in Wikipedia kapiert... :-p

Lisa Hegemann

Hallo Guido,

danke für deinen Kommentar! Es ist zwar richtig, dass die Brexit-Befürworter das anstreben. Allerdings geht ja die These um, dass die EU an Großbritannien ein Exempel für weitere abtrünnige Staaten statuieren will. Ich kann mir schwer vorstellen, dass die EU es den Briten so einfach macht, wie sich das Boris Johnson und Co. vorstellen. Aber kann man natürlich derzeit schwer abschätzen, daher spreche ich ja auch im Text von einer Tendenz.

Beste Grüße aus dem t3n-Team!

Olaf Barheine

Ein Status wie Norwegen wäre auch schon deshalb sinnlos, da Norwegen ja Mitglied im EWR ist und man damit dort genauso Niederlassungsfreiheit genießt wie in der EU. Und genau das wollen die Briten aus Angst vor "Überfremdung" ja offensichtlich nicht mehr. Was geht bloß in manchen Leuten vor, wenn sie Menschen aus anderen Ländern sehen?

Lisa Hegemann

Wären wir auf Facebook, würde ich deinen Kommentar liken. :)

Guido
Guido

Auch die Brexit-Verfechter wollen unbedingt weiter Bestandteil des europäischen Binnenmarktes sein. Man will einen Status ähnlich wie Norwegen anstreben. Alles andere wäre noch mal eine Katastrophe für die Briten. Insofern erscheint diese "Analyse" etwas realitätsfern.

Ein gewisser Effekt zu Gunsten Deutschlands könnte sich allerdings dadurch einstellen, das jetzt erst mal für einige Jahre Unsicherheit herrscht, was, wann und wie nun an Regeln gilt. Wer das vermeiden will, wird einen EU-Standort auf dem europäischen Festland suchen. Der Effekt wird aber nicht so groß sein, wie bei einem Ausscheiden der Briten aus dem europäischen Binnenmarkt.

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