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Algorithmus erkennt Bestseller: So wäre Harry Potter nicht abgelehnt worden

Algorithmus erkennt Bestseller: So wäre Harry Potter nicht abgelehnt worden

Ein Algorithmus könnte laut einer US-Studie zukünftig Bücher auf stilistische Merkmale erfolgreicher Literatur untersuchen und so potentielle Bestseller identifizieren. So soll Verlagen und Lesern zukünftig kein Bestseller mehr verloren gehen.

Algorithmus erkennt Bestseller: So wäre Harry Potter nicht abgelehnt worden

(Foto: joannapoe / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA )

Drei Wissenschaftler der Stony Brook University im US-Bundesstaat New York, haben sich daran gemacht, eine völlige neue Methode zu entwickeln, die Bestseller vorhersagen soll. Mithilfe der sogenannten statistischen Stilometrie entwickelten sie einen Algorithmus, der mit einer 84-prozentigen Genauigkeit durch den Vergleich von stilistischen Sprachelementen vorhersagen können soll, ob es sich bei einem vorliegenden Werk um einen potentiellen Bestseller handelt oder nicht.

Steckt in diese Bücherwand ein Bestseller? Ein Algorithmus will das jetzt erkennen können. #FLICKR#
Steckt in diese Bücherwand ein Bestseller? Ein Algorithmus will das jetzt erkennen können. (Foto: Berliner Büchertisch / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Weshalb die Verlagswelt einen Bücher-Algorithmus für Bestseller brauchen könnte

Die Geschichte ist mittlerweile eine Legende: Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling hatte zu Beginn ihrer Karriere Probleme damit, einen Verlag für ihren Fantasy-Roman über den mittlerweile weltbekannten Zauberlehrling zu finden: Selbst renommierte Verlage mit großer Erfahrung, wie Penguin Books, lehnten ab. Letzlich gerettet hat die Bestseller-Autorin die Tochter eines Verlegers: obwohl das Manuskript bereits abgelehnt wurde, gab Nigel Newton von Bloomsbury seiner Tochter den Roman zum Lesen in die Hand. Der Rest ist Literatur-Geschichte.

Bekannte Bestseller-Autoren wie J.K. Rowling oder Umberto Eco wären beinahe nicht veröffentlicht worden. (Foto: Daniel Ogren / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Offensichtlich rutschen also auch erfahrenen Lektoren mal Bestseller durch die Hände, was den Laien beruhigen mag: dass auch Experten mal Fehler begehen, dürfte Verlage eher beunruhigen – schließlich möchte man sich keinen Bestseller entgehen lassen. Genau diese Problematik führen die Autoren der Studie Vikas Ganjigunte Ashok, Song Feng und Yejin Choi unter anderem in der Einleitung ihrer Success with Style: Using Writing Style to Predict the Success of Novels“ an:  Die Erkenntisse der bei der Association of Computational Linguistics veröffentlichten Studie sollen Verlage und Lektoren also dazu verhelfen Bestseller zu erkennen.

Der Bestseller-Algorithmus

Die Erkenntnisse der Studie wurden hauptsächlich aus der Analyse erfolgreicher und erfolgloser Werke aus dem Projekt Gutenberg gewonnen, ergänzt um einige kommerziell erfolgreiche Werke wie beispielsweise Dan Browns „Das verlorene Symbol“ oder Klassikern aus der Feder von Charles Dickens, Ernest Hemingway und einigen Gewinnern von populären Buchpreisen wie dem Pulitzer-Preis.

Bestseller: auf die richtigen Verben kommt es an.

Die ersten 1.000 Sätze jedes Werks wurden auf verschiedene Weise quantitativ untersucht: unter anderem Wortverteilung, grammatikalische Regeln oder die Nutzung verschiedener Wortarten. Weniger erfolgreiche Werke sollen so zum Beispiel Verben verwenden, die explizit Handlung und Emotionen beschreiben wie „wollten“, „nahm“, „versprach“ oder „weinte“ und „jubelte“. Erfolgreichere Werke hingegen nutzten Verben die eher einen Gedankengang beschreiben: „erkannte“ oder „erinnerte“ beispielsweise. Im Gesamten verweisen die Autoren auf einen Vergleich zum journalistischen Schreiben: der informative, journalistische Stil sei im Vergleich bei Büchern erfolgreicher wie ein sentimental-überladener, fantasiereicher Stil. Kein Wunder: die literarischen Größen Charles Dickens und Ernest Hemingway begannen ihre Karriere als Journalisten.

Die Autoren der Studie bemerken in der Veröffentlichung ausdrücklich, dass die Studie zwar keinen kausalen Zusammenhang zwischen den erkannten Mustern herstellen kann, aber eben eine Korrelation, die eine Vorhersage ermöglichen würde.

Mehr zum Thema findet ihr auch in meinem Kommentar:Bestseller-Algorithmus: Wie drei Wissenschaftler sich einbildeten, Maschinen könnten Bücher verstehen“.

via www.insidescience.org

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4 Antworten
  1. von markus_kaekenmeister am 13.01.2014 (16:03 Uhr)

    Das Entscheidende bei solcher Software, die es ja auch im Bereich Musik gibt, ist, dass Zusammenhangsmuster von Kritieren gefunden worden sind, die in der Vergangenheit zu einem Erfolg geführt haben.

    Ihr Vorhandensein im Testmaterial ist der Gradmesser der Abschätzung, ob das vorliegende Material in gleichem Sinne erfolgversprechend ist.

    Das heißt: Die Betrachtung ist rückwärtsgewandt. Die Anwendung dieser Algrorithmen und die Entscheidungfindung mit ihnen produziert "more of the same". Hintergrund sind korrelative Zusammenhänge diverser Kriterien. Solche Verfahren funktionieren dennoch sehr gut, auch im Bereich von zum Beispiel "Predictive Policing".

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  2. von Thomas am 13.01.2014 (16:31 Uhr)

    Hab zwar beides nicht gelesen, aber sowohl die Twighlight-Saga, als auch Shades of Grey sollen ja stilistisch eher unterdurchschnittlich sein, aber erfolgreich wie kaum etwas anderes. Da spielen andere Faktoren, wie Marketing oder auch die Erfüllung bestimmter Sehnsüchte (Shades of Grey wird ja wohl als sozial akzeptierte Pornografie für Frauen gesehen) eine nicht zu geringe Rolle. AFAIR gab es neulich auf SpOn einen Artikel über die angeblich so erfolgreichen Dino- und Monster-Pornos - auch etwas, dass die Strategen der Verlage bestimmt nicht auf dem Schirm hatten.

    Auch die Zeit in der ein Werk entsteht, spielt eine große Rolle, käme Goethes Werther heute neu auf den Markt würde das kaum jemanden interessieren.

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  3. von Jochen G. Fuchs am 13.01.2014 (17:07 Uhr)

    @markus_kaekenmeister
    Solche Verfahren mögen mathematisch oder technisch betrachtet „funktionieren.“ Keine Frage. Einen Buch auf Bestseller-Qualitäten kann dieses Verfahren meiner Meinung nach trotzdem nicht bewerten. Und wünschenswert ist es erst recht nicht.

    Aber das habe ich jetzt in einem weiterführenden Artikel als Kommentar hier bei t3n.de ausgeführt: „Bestseller-Algorithmus: Wie drei Wissenschaftler sich einbildeten, Maschinen könnten Bücher verstehen“.

    Viele Grüße aus der Redaktion,
    Jochen

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  4. von acsr am 13.01.2014 (17:25 Uhr)

    Vielen Dank für den 2. Artikel / Kommentar zu dieser Meldung unter:

    http://t3n.de/news/bestseller-algorithmus-buecher-521794/

    Die Sprache machts: Du kann mit einem solchen Algorithmus nicht vorhersagen! Du kannst versuchen damit vorherzusagen. Und Du kannst nicht sicher sein!

    Präziser: Du kannst versuchen damit vorherzusagen, ob es ein Bestseller ähnlich den untersuchten werden könnte.

    Der Algorithmus kann theoretisch sogar bei einer 100% Abbildung der bisherigen Zusammenhänge nicht besonders hilfreich sein, um den kommenden Versager auszusortieren.

    Denn: Die bisherigen möglichen Bestseller, die es nicht durch den Verlagsfilter geschafft haben, sind ja nicht bekannt. Und daher wird der Filter viele mögliche Erfolgstitel genauso dumm aussortieren.

    Denn: Rowling war ja nicht erfolgreich, weil Sie Kriterien erfüllte, sondern weil Ihre Kette glücklicher Zusammenhänge / Chancen besser war. Die steht aber nicht in den ersten 1000 Wörtern!

    Fazit: Jeder der in der Vergangeheit kramt, kann mit dem Wissen die Vergangenheit erklären. Eine Zukunft macht man anders!

    Jedem der das nicht selbst durchschaut empfehle ich einfach mal z.B. den Bestseller von Rolf Dobelli zum Thema Denkfehler zu lesen oder selber denken lernen! Es geht...

    Diskutieren darüber macht auch Spaß. Deshalb bitte gerne weiterforschen. Vielleicht sieht die Lösung ja ganz anders aus (am Medium riechen oder so...)

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