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Bundestagswahl 2017: Wie Social Bots das Meinungsbild beeinflussen – und wie du sie entlarvst

Social Bot oder echter Nutzer? So erkennt ihr Meinungsroboter in sozialen Netzwerken. (Foto: dpa)

Auch während der Bundestagswahl 2017 sollen Social Bots im Einsatz sein, um politische Stimmungsmache zu betreiben. So lassen sich die Meinungsroboter entlarven.

„Der Islam überrennt uns“, antwortet ein Twitter-Nutzer einem anderen als der sich für die Aufnahme von Flüchtlingen ausspricht. Das Profil des Absenders zeichnet ein klares Bild: Eine Deutschland-Fahne ziert das Profilfoto und der Claim „Refugees Not Welcome“ in der Beschreibung lässt auf einen Asylkritiker schließen. Die inhaltliche Stoßrichtung der Retweets unterstreicht das, denn geteilte Botschaften äußern sich durchweg negativ über die Aufnahme von Flüchtlingen. Auch der „Gefällt mir“-Bereich des Accounts bestätigt die Haltung des Nutzers. Gemocht werden Inhalte, die sich kritisch gegenüber Asylsuchenden positionieren.

Social Bots sollen Stimmungen während der Bundestagswahl manipulieren

Nutzer wie diese gibt es jede Menge im Social Web. Grundsätzlich schlimm ist das nicht: Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung. Das Problem jedoch ist in dem Fall, dass hinter dem Profil gar kein Mensch, sondern ein Social Bot steckt – quasi ein Computer-Programm, das nur vorgibt, ein Mensch zu sein. Inzwischen gibt es sie haufenweise in sozialen Medien. Einige von ihnen sind harmlos und teilen nur Inhalte zum Wetter oder der Lieblingsstadt. Andere hingegen sind hochpolitisch und beziehen Stellung zu emotionsgeladenen Themen. Sie lassen Meinungen hochkochen und verzerren bisweilen Stimmungsbilder.

Social Bots nutzen dafür die Algorithmen sozialer Netzwerke aus. Sie befeuern Debatten, die vielleicht gar keine geworden wären. Sie favorisieren, verbreiten und beantworten Statusupdates beispielsweise mit einschlägigen Hashtags – wie #Merkelmussweg oder #Rapefugees. Umso sichtbarer diese Themen sind, desto größer die Chance, dass sie zum Trend aufsteigen und von Medien und Politikern aufgegriffen werden. Während des Ukraine-Konflikts berichteten Journalisten erstmals über sie. Während der Flüchtlingskrise sah man Social Bots dann immer häufiger. Und während des US-Wahlkampfes sind sie zum alltäglichen Werkzeug zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung geworden.

Nicht wenige Experten glauben sogar, dass Social Bots einen gehörigen Anteil am Wahlsieg Trumps gehabt hätten, da sie denunzierende Meldungen über politische Gegner verbreiteten. Blogposts vermeintlicher Pseudo-Nachrichtenportale mit Titeln wie „Clinton schwer krank!“ oder „Clinton hat illegale Waffen für 137 Millionen Dollar gekauft!“ wurden im großen Stil von Social Bots im Netz geteilt und favorisiert – und sind somit vermutlich auch deshalb in die Wahrnehmung vieler US-Wähler geraten. Später stellte sich jedoch heraus, dass Meldungen lediglich nur Gerüchte waren, die als echter Journalismus getarnt waren.

In Anbetracht dessen und der bevorstehenden Bundestagswahl haben etliche deutsche Politiker sogar ein Verbot der Meinungsroboter im Wahlkampf gefordert. Auch eine Kennzeichnungspflicht wird noch immer diskutiert. Vorstöße, die jedoch nur schwer in der Realität durchsetzbar sind. Die Grünen legten sich daher zuletzt eine Selbstverpflichtung auf, in der sie offiziell bestätigten, keine Social Bots einzusetzen. Auch die Union, SPD, Linke und FDP lehnen den Einsatz öffentlich ab. Die AfD ruderte zurück, nachdem Bundesvorstandsmitglied Alice Weidel vergangenes Jahr im „Der SPIEGEL“ zuerst mit den Programmen liebäugelte. Später gab die Partei ebenfalls bekannt, keine entsprechenden Werkzeuge einsetzen zu wollen.

Tiefgehende FAZ-Recherche spürt Bot-Netze auf: Mutmaßliche Social Bots sind in Gruppen als Administratoren tätig. Einige Gruppen hat Axel Schönhaupt gegründet, danach fügte er andere mutmaßliche Bot-Profile als Administratoren hinzu. (Screenshot: FAZ.net)

In der Öffentlichkeit scheint es hierzulande Einigkeit in der Parteienlandschaft zu geben, jedoch deckte die Frankfurter Allgemeine Zeitung erst vor wenigen Monaten auf, dass Unbekannte ein automatisches Bot-Netz einsetzen, um gezielt Wahlwerbung für die AfD auf Facebook zu verbreiten. Zwar seien die Bots nicht einwandfrei auf die Partei zurückzuführen, so die Journalisten Justus Bender und Marvin Opping, jedoch würden die entdeckten Bot-Profile etliche Facebook-Gruppen verwalten, die die AfD verbal unterstützen. Selbst Frauke Petry sei Mitglied solcher Gruppen, hieß es in dem Bericht. Der schmutzige Wahlkampf habe somit begonnen.

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4 Reaktionen
Slash
Slash

Liebe T3N Redaktion, noch nerviger als Social-Bot Angstmacherei ist, wenn der "schmutzige Wahlkampf" nur einer Partei zugeordnet wird. Dieser Artikel mit der Frauke Petry Silhouette erfüllt für mich das Kriterium eines manipulativen Artikels, denn es wird indirekt etwas thematisiert was direkt eine Partei diskreditieren soll. Ich habe schon in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass bei der Häufung dieser manipulativen Polit-Artikel, diese Seite kein Interesse mehr bei mir (und anderen) hervorufen wird. Nehmen Sie ihre Leser bitte ernst, kein Akademiker, It'ler etc benötigt eine Anleitung für politisches Denken und Handeln. Danke.

Andreas Weck

Hallo Slash, dein Eindruck trügt dich. Wir haben auch Artikel zum Thema "Schmutziger Wahlkampf" bezüglich anderer Parteien veröffentlicht (Bspw.: http://t3n.de/news/junge-union-martin-schulz-fake-news-841756/). Und wir haben auch für die kommenden Wochen welche in Planung, die sich beispielsweise an den Grünen, der SPD etc. abarbeitet. Es hilft nichts, nicht auf diese Umstände zu zeigen. Das kannst du gerne anders sehen.

Grüße, Andreas

DigitalesIch
DigitalesIch

Sehr interessant ist es sicherlich auch die Frage, ob überhaupt der Einsatz solcher Social Bots legal ist.
Wen es interessiert -> https://ggr-law.com/internetrecht/faq/social-bots-recht-was-ist-bei-dem-einsatz-von-bots-zu-beachten/

B3s5erW155eR
B3s5erW155eR

Leider nicht ganz euer Schwerpunkt, aber zielführender wäre in der heutigen Zeit tatsächlich ein Artikel darüber, wie man sich NICHT von Social-Medial beeinflussen lässt, sondern eine eigene Meinung durch Recherche und differenzierte Betrachtung bekommt...

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