Umso überraschender kam für viele Netzbewohner am Montag seine Aussage, Verlage würden durch Google & Co. „schleichend enteignet“. Er erkennt zwar an, dass „journalistische Angebote auch davon [profitieren], dass Suchmaschinen die Nutzer an sie weiterleiten“, aber er fordert zugleich, dass „kommerzielle Anbieter“ aus den journalistischen Angeboten keinen größeren Nutzen ziehen sollten, als der Verleger selbst. Also vor allem auf die Werbeeinnahmen, die Google zumindest indirekt mit der Verlinkung von Verlagswebseiten verdient, hat es Burda abgesehen.
Google als Kioskbesitzer
Dabei verkennt Hubert Burda nach meiner Meinung die eigentliche Aufgabe von Google: An Informationen interessierte Menschen an die Hand zu nehmen und zu relevanten Inhalten zu geleiten. Google ist also Anbieter einer Dienstleistung. Ähnlich wie die Gelben Seiten, mit dem Unterschied, dass ein Eintrag in diese Geld kostet. Medienjournalistin Ulrike Langer präzisiert das:
„Hierfür als Verlag die Hand auf zu halten, wäre genauso absurd, wie von Kioskbesitzern eine Abgabe dafür zu verlangen, dass der Focus in der Auslage liegt. In der Logik von Burda verkauft der Kioskinhaber nur deshalb so viele Schokoriegel und Bierflaschen, weil die Käufer in erster Linie wegen des Focus zum Kiosk gehen. Also müsse der Burda-Verlag angemessen am Umsatz mit den Schokoriegeln und den Bierflaschen beteiligt werden.“
Eine andere Tatsache ist Hubert Burdas Forderung, den Verlagen müsse das „ausschließliche Recht auf Vervielfältigung, Verbreitung, öffentliche Wiedergabe und öffentliche Zugänglichmachung für Presseerzeugnisse“ zustehen. Dabei ist das doch kein Problem: Nicht nur versierte Internet-Nutzer wissen, dass es ein Leichtes ist, eine Suchmaschine an der Indizierung der eigenen Inhalte zu hindern, sie also „auszusperren“. Doch weshalb tun sie das nicht? Ganz klar: Für die Verlage würde ein enormer Traffic-Garant wegbrechen.
„Wired“-Chef: „Ich nenne es ein Geschenk, Zeitungen nennen es Diebstahl“
Beim amerikanischen Technologie-Magazin „Wired“ kommen einem Interview mit dem Guardian zufolge 40 Prozent über Google zu ihrem Online-Portal. Besucher, die Chefredakteur Chris Anderson nicht missen möchte: „Ich nenne es ein Geschenk, Zeitungen nennen es Diebstahl.“
Manch einer wird in der aktuellen Debatte auch an die absurden Forderungen der Musikwelt erinnert, die von der Google-Tochter YouTube eine Gewinnbeteiligung forderten. Google reagierte - jedoch nicht, wie von den Plattenfirmen gefordert, sondern verhinderte stattdessen den Zugang auf die entsprechenden Inhalte. Und auch auf den aktuellen Affront reagierte man im Hause Google, jedoch vorerst nur mit Worten: Für Vizepräsident David C. Drummond ist es laut Branchendienst meedia.de „frustrierend, ständig für die schwierige Situation der Zeitungen verantwortlich gemacht zu werden“.
Dass im Zusammenhang mit dem Internet allerlei Kurioses verlangt wird, ist jedoch nichts Neues. Erst kürzlich forderte der amerikanische Richter Richard Posner, Links auf urheberrechtlich geschütztes Material zu unterbinden.
Festzuhalten bleibt: Verlage, die vor dem Trümmerhaufen des Zeitungszeitalters stehen und dabei nostalgisch an ihren alten Werten festhalten, auf eine ungewisse Zukunft blicken und in Google keinen Freund sondern einen Konkurrenten sehen, haben aus meiner Sicht im Internet etwas nicht verstanden.
Foto: nrkbeta unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Norway License



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3 Answers
von Der Machtkampf um die vierte Gewalt im S… 01.07.2009 (16:09Uhr) 1.
[...] Timo Heuer: Burda vs Google: Hubert Burda will ein Stück von Googles Werbemilliarden » t3n Mag... [...]
von Aleks 02.07.2009 (11:13Uhr) 2.
Schade das immer andere für das verpasste Geschäftsmodell verantwortlich gemacht werden.
von Phil 02.07.2009 (12:09Uhr) 3.
Das mag ja schade sein, aber die beinahe sklavische Einprügelei auf Zeitungen anhand von Nutzern und / oder Betreibern des Web finde ich genauso peinlich.
Ich lese lieber den Spiegel als Heft, als mir alles online anzuschauen, allein schon wegen der Haptik