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Startups

Capitaine Train: Dieses Startup rast in die Zukunft des Fahrkartenkaufs

    Capitaine Train: Dieses Startup rast in die Zukunft des Fahrkartenkaufs

Capitaine Train erobert den Markt für Zugtickets. (Foto: Capitaine Train)

Überladene Ticketsysteme, komplizierte Buchungsmodalitäten und intransparente Preise machen das Buchen von Zugtickets weder leicht noch cool. Capitaine Train will das ändern. Das Startup fokussiert sich in besonderer Weise auf den Ticketverkauf und setzt neben einem flexiblen Nutzererlebnis auch auf Usability auf Höhe der Zeit.

Das Logo ist Programm. Bei Capitaine Train ist die Buchung schnell und schnörkellos. (Foto: Capitaine Train)
Das Logo ist Programm. Bei Capitaine Train ist die Buchung schnell und schnörkellos. (Foto: Capitaine Train)

Wer auf der Webseite der Deutschen Bahn ein Zugticket buchen will, bekommt es mit einem regelrechten Usability-Fail zu tun. Schaltflächen in allen Farben und Größen, unruhige Slider, winzige Eingabefelder, Produktwerbungen an jeder Ecke – belastbare Zahlen gibt es zwar nicht, doch es darf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Großkonzern mit diesen Unsitten nicht wenige seiner Besucher an alternative Buchungsplattformen verliert.

Deutsche Bahn und Alternativen? Jaja, doch, das ist seit einiger Zeit kein Widerspruch mehr. Und Capitaine Train ist so eine Alternative: Das französische Startup will den Fahrkartenkauf wieder zu einem Erlebnis machen – und durch die wenig nutzerfreundliche Buchungspolitik großer Transportunternehmen selbst zu einem profitablen Geschäftsmodell kommen.

Capitaine Train: Cleveres Preissystem und viel Usability

Was Capitaine Train macht, ist auf den ersten Blick erst mal nichts anderes, als im Dienst der zwei größtem Bahnunternehmen in Europa Tickets zu verkaufen. Das geht zum einen über die Webseite, zum anderen über eine hauseigene App. Entsprechende Verträge, um das darin eingebettete Buchungssystem an die Schnittstellen der großen Transportunternehmen anzapfen zu können, hat man dazu mit der Deutschen Bahn und dem französischen Pendant SNCF geschlossen. Soweit, so unspektakulär. In zwei Punkten aber bietet Capitaine Train seinen Nutzern einen willkommenen Mehrwert.

„Capitaine Train bietet Zugtickets unabhängig und in Kombination zueinander an. Europaweit.“

Zum einen gelingt es dem in Paris ansässigen Startup durch die Kooperation, als unseres Wissens nach bisher einzigen Plattform, alle Tickets der zwei größten europäischen Verkehrsunternehmen unabhängig und in Kombination zueinander anbieten zu können. Aus den daran angeschlossenen Produkten Eurostar, Thalys, iDBUS, iDTGV, Ouigo, Lyria und Thello ergibt sich ein engmaschiges und nach Angaben des Startups aus mehr als 13.000 Bus- und Bahnhöfen bestehendes Transportnetzwerk innerhalb von Europa. Kunden profitieren insofern von diesem Angebot, als sie mit Capitaine Train den garantiert günstigsten Preis für ihre Zugfahrt erhalten. Unbequeme Umwege über mehrere Portale sind nicht mehr nötig – Capitaine Train vergleicht die Ticketpreise aller Partner inklusive Sonderangeboten aus einer Hand und lässt sie Kunden direkt buchen.

App und Webseite von Capitaine Train

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Zum anderen geht es um eben diese Buchung: Zwar müssen sich neue Nutzer wie auch bei der Deutschen Bahn zuerst registrieren, allerdings soll man nach dem Willen von Capitaine Train in weniger als 60 Sekunden zum gewünschten Ticket kommen. Das Startup fokussiert sich – anders als die Portale der Bahnkonzerne – ausschließlich auf den Verkauf von Tickets. Störende Werbung? Unpassende Tourismusinformationen? All das sucht man sowohl in der App als auch auf der Webseite von Capitaine Train vergebens. Stattdessen erwartet Nutzer ein schickes, schlankes und vor allem irritationsloses Interface. BahnCards werden von Capitaine Train darin ebenso berücksichtigt wie Buchungsprofile für Vielreisende, die Unternehmen dauerhaft hinterlegen können.

Das Kartellamt als Initiator einer Startup-Idee

Allen Vorzügen zum Trotz hat das Konzept von Capitaine Train aber auch noch partielle Schwächen. So besteht eine funktionale Diskrepanz zwischen den Anbietern in den Ländern. Während man in Frankreich das Zugticket nach dem Kauf zum Beispiel direkt in Apples Passbook-App importieren kann, müssen Kunden der Deutschen Bahn bisher ihr Ticket weiter ausdrucken. Zudem beschränkt sich das Streckennetz primär auf das deutsch-französische Terrain. Mehrere Tausend Bahnhöfe in Deutschland und Frankreich stehen bisher nur einige Dutzend in Italien, Großbritannien, Schweden oder Russland gegenüber. Für den Ausbau des Netzes muss das Startup erst weitere Deals abschließen.

Nachdem das Kartellamt den unabhängigen Verkauf von Zugtickets erzwungen hatte, kam den drei Gründern die Idee zu Capitaine Train. (Foto: Capitaine Train)
Nachdem das Kartellamt den unabhängigen Verkauf von Zugtickets erzwungen hatte, kam den drei Gründern die Idee zu Capitaine Train. (Foto: Capitaine Train)

„Mehrere Tausend Tickets verkauft Capitaine Train pro Tag. Für jedes gibt es eine Provision.“

Dass das kein leichtes Unterfangen ist, zeigt schon ein Blick auf die Gründungsgeschichte von Capitaine Train. Sie hat ihren Ursprung in dem vielerorts stark regulierten und monopolisierten Bahngeschäft. Als das französische Kartellamt den staatlichen Bahnkonzern SNCF 2009 per Gerichtsurteil dazu verpflichtete, den Verkauf von Zugtickets auch über Reisebüros zu gestatten, kam den Gründern um Jean-Daniel Guyot, Martin Ottenwaelter und Valentin Surrel die Idee, endlich ein schnelles und einfaches Ticketsystem zu entwickeln.

Dennoch sollte es noch ein Jahr und viele, vorsätzlich immer wieder von der SNCF aufgeschobene Verhandlungstage dauern, bis das Startup – das heute als digitales Zugreisebüro agiert – Zugriff auf die Buchungssysteme des Großkonzerns erhielt. Die Deutsche Bahn kam sogar erst im März vergangenen Jahres dazu. Immerhin, das zeigt die Tendenz, scheint sich die Mühe für Capitaine Train zu lohnen. Bisher konnte das Startup laut jüngsten Zahlen rund 330.00 Nutzer für seine App gewinnen. Mehrere Tausend Tickets verkauft das 23-köpfige Team hinter Capitaine Train am Tag, und an jedem verdient es über eine Buchungsprovision mit.

Capitaine Train und die Zukunft? Android Wear!

Mittel- bis langfristig wird es für Capitaine Train darum gehen, diesen Schwung aufrecht zu erhalten und sein Geschäftsmodell vor allem durch den Schluss weiterer Partnerschaften mit europäischen Bahn- und Transportunternehmen zu skalieren. Die eigene Verhandlungsposition gewinnt proportional zu den Nutzerzahlen und verbuchten Ticketverkäufen logischerweise an Kraft. Mit rund fünf Millionen US-Dollar Kapital von Investoren weiß man schon um finanzielle Unterstützung für diese Aufgabe.

Zumindest auf Endkundenseite hat Capitaine Train kurzfristig aber schon mal seine Experimentierfreude unter Beweis gestellt. Vor einigen Wochen hat das Startup nämlich auch eine App für Smartwatches mit Android Wear veröffentlicht. Wie die Macher auf ihrer Webseite erklären, soll die Buchung und Handhabung von Tickets so noch leichter werden. Und irgendwie auch cooler.

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7 Reaktionen
Gurke
Gurke

Ich möchte einfach weiterhin meine Fahrkarten mit Bargeld kaufen und damit spontan und anonym reisen. Wenn dazu ein Startup was beizutragen hätte bin ich dabei, ansonsten ists mir einerlei. Notfalls fahr ich schwarz wenns gar nicht anders mehr geht.

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Jonas
Jonas

Liebe t3n-Redaktion. Bitte BITTE recherchiert das nächste mal besser. Wie bereits mehrfach erwähnt, muss ein DB-Ticket bereits seit längerem gar nicht mehr ausgedruckt werden. Seit der Zusammenführung der DB-App und der DB-Ticket-App vor einigen Monaten hat man nun alles in einer App mitsamt allen Vorteilen wie die bereits erwähnten Push-Benachrichtigungen.

Ich denke diese App wird vor allem für die Leute interessant sein, die wirklich viel mit der Bahn durch Europa reisen, also mit vielen verschiedenen Bahngesellschaften.

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Steven

Also ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum die Seite der DB in dem Artikel so schlecht wegkommt. Ich hab die Ticketbuchung auf bahn.de schon sehr oft vorgenommen und komme mit wenigen Klicks zur Buchung eines Tickets. Probleme hab ich dabei noch nie festgestellt. Mit einem gespeicherten Profil bin ich sogar noch schneller...

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218120 (abgemeldet)
218120 (abgemeldet)

Siehst alles schön und einfach aus.
Nur: Warum muss ich mich erst registrieren um wenigstens ma das Interface testen zu können?

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Dominic
Dominic

Einseitiger Artikel und ungenügend recherchiert. Die DB-App wird nicht erwähnt, ist sie doch das eigentliche Ticket System, das angegriffen wird. Und diese ist durchaus benutzbar. Ich bin selber Vielfahrer, kann Favoriten, Profil, Zahlungsmethoden, etc. hinterlegen und komme so in 10 Klicks zum Ticket inklusive Reservierung, das in derselben app hinterlegt ist mit Reisedaten, Pushnachrichten über Verspätungen, Zwischenstopps, Platzreservierung etc. Die App ist meiner Meinung nach sehr gut durchdacht. Das Einzige, was mir fehlt ist die Information über den Bahnsteigabschnitt (A-F) meiner Reservierung. Von Capitaine Train kann ich wahrscheinlich nur einen Bruchteil dieser Informationen erwarten.

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Sash
Sash

Coole Idee, würde bei unseren engstirnigen Kontrolleuren der Bahn aber nicht funktionieren. Wenn man hier bei der Kontrolle einen QR-Code nicht auf einem Smartphone sondern auf einem Tablet vorzeigt...
Kontrolleur: Der gilt nicht. Die Code muss auf dem Handy sein.
Ich: Ist doch egal, das ist ein gültiges Ticket.
Kontrolleur: Ja ne, so nicht.

Endete mit der Anwesenheit zweier (völlig ratloser) Polizisten, weil ich keinen "gültigen" Fahrschein hatte.

Ich will mir nicht vorstellen was passiert, wenn ich so einem Vollpfosten meine Uhr hinhalte! ;)

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Werner
Werner

Sehr gut gemachte Page..allerdings wird soweit ich das sehe, Bahncard nicht berücksichtigt. iOS App scheint es noch nicht zu geben, was uncool ist.

P.S. Ausdrucken muss ich die Tickets der Bahn nicht. Der QR Code und alle geplanten Fahrten sind in der Bahn eigenen App aufzurufen.(nicht immer möglich)
Suchen/Buchen geht ähnlich fix, Bahncard wird berücksichtigt, Punkte gutgeschrieben.

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