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Chal-Tec: Hobby-DJ schmeißt das Studium und macht heute 100 Millionen Euro Umsatz auf Amazon und eBay

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Chal-Tecs wichtigster Lernprozess: Kundenservice ist entscheidend

Die umgelabelte Ware des französischen Importeurs brachte zwar geringere Mindestabnahmemengen ins Haus – aber auch Ärger. Die Geräte waren nicht optimal verpackt, es kam zu beschädigten Sendungen. Die Wachstumsphase war hart für das junge Unternehmen und es wurden Fehler gemacht. Die Retouren stapelten sich, verärgerte Kundenm die den Kundenservice nicht erreichen konnten – Anarchie und Chaos herrschte im Lager. Das Thema Kundenservice war noch nicht an erster Stelle, „Mein größter strategischer Fehler“, sagt Peter in einem Interview mit Brand Eins. Dieser Fehler sollte aber nicht so bestehen bleiben.

Die Kommunikation mit dem Kunden und die Auswertung des vielfältigen Feedbacks der Kunden fließt heute zusammen mit anderen Daten und bildet so das Rückgrat von Chal-Tecs Geschäftsmodell.

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Größtmögliche Diversifizierung treibt Chal-Tecs Geschäftmodell auf viele Arten an

Eines der großen Themen dieser Serie über die Markenbildung in Ökosystemen ist die Abhängigkeit vom jeweiligen Marktplatzbetreiber und die notwendige Diversifizierung, um eine größtmögliche Unabhängigkeit zu erreichen. Händler wie KW-Commerce, Kavaj oder Anker setzen praktisch ausschließlich auf Amazon. Chal-Tec ist hingegen das Paradebeispiel für einen Händler, der in einem Ökosystem groß geworden ist und sich dann emanzipiert hat. Chal-Tec betreibt größtmögliche Diversifizierung. „Wir haben nie ausprobiert, uns nur auf einen Verkaufskanal zu beschränken“, sagt Mariana Lewitanus im Gespräch mit t3n. „Dass es nicht funktioniert, möchten wir deshalb nicht sagen – aber für uns funktioniert es gerade so am besten“. Lewitanus geht davon aus, dass Chal-tec langfristig von einer Diversifizierung sowohl hinsichtlich der Möglichkeiten als auch der Risiken profitieren wird.

Jede Marke hat bei Chal-tec eigene Zielgruppen, Produktsegmente und auch Eigenheiten über die Vertriebskanäle hinweg. Die vielen verschiedenen Vertriebskanäle, eigene wie fremde, stellen unterschiedliche Werkzeuge dar, die unterschiedliche Erkenntnisse liefern. Die Marktplätze bilden einen hervorragenden Feedback-Kanal für die selbst entwickelten Produkte. Marktplätze verschaffen Marken und Produkten eine enorme Transparenz. „Das Produkt muss performen, in aller erster Linie durch seine Eigenschaften“, sagt Lewitanus. Erkenntnisse über die Produkte gewinnt ein Verkäufer in Marktplätzen nicht nur auf Verkaufsebene, sondern auch auf Kundenfeedback basierend.

Besonders deutlich wird die Bedeutung der Datenauswertung aus den unterschiedlichen Kanälen, wenn Lewitanus die Folgen der Auswertung beschreibt: „Es ist wichtig, zu verstehen, dass der Verkauf von Produkttrends, Tendenzen und Schwingungen beeinflusst wird, jeder Markt, jeder Kanal hat ein zyklisches Verhalten, Verhaltensmuster, die man deuten und verstehen lernen muss.“ Im Ergebnis liefern unterschiedliche Standbeine Händler nicht so sehr den Trends aus.

Eine Folge der unterschiedlichen Standbeine ist aber ein enormer Aufwand. Quasi der Grund dafür, dass in Berlin Markenchefin Mariana Lewitanus mit ihrem Team für das Management der Marken verantwortlich ist und diese kanalübergreifend steuert. Denn es bedarf unterschiedlicher Vorgehensweisen für jede Marke und jeden Kanal.

Marketing bei Chal-Tec

Das erstreckt sich ganz besonders in den Bereich Marketing. Für Klarstein betreibt Chal-Tec hier den größten Aufwand mit Enie van de Meiklokjes als Markenbotschafterin und eigenen TV-Spots und Content-Marketing mit Videocontent: Imagevideos und Anwendungsvideos, die auch bei der Chal-Tec Marke Capital Sports eingesetzt werden.

(Screenshot: Klarstein.com)
Der Markenauftritt und Onlineshop von Klarstein. (Screenshot: Klarstein.com)

Chal-tec spielt im Prinzip die gesamte Marketing-Klaviatur: Performance-Marketing oder kundenzentrierte Kampagnen aus dem CRM-Datenbestand heraus. Aber ebenso klassische Aktivitäten wie Print mit Medienkoops, Anzeigen und Presse-Medienarbeit.

Lewitanus bringt die Markenbildung in Online-Kanälen auf den Punkt: „Im Onlinebranding, muss man einen lebendigen Kosmos erzeugen. Und multidimensional denken. Blogs, Videos, die Dinge im Auge behalten, die die Gesamtheit einer Marken-Personality ausmachen. Das ergibt das vielschichtige und lebendige Bild, das eine Marke ausmacht.“

Der Einsatz der Marketing-Klaviatur erfolgt aber sehr zielgerichtet, erklärt Lewitanus: „Es gibt Produkte, die brauchen Marketingunterstützung. Manche performen so gut, dass sie keine Unterstützung brauchen.“

Chal-Tecs Erfolgsgeschichte hat vielleicht gerade erst begonnen

Chal-Tec setzt auf Diversifizierung – und zwar mit extrem großen Aufwand: Eigenständige Marken, fremde und eigene Vertriebskanäle, die unabhängig von den Marken sind, eigene Onlineshops für die Marken, eine Unmenge von Produktsegmenten. Chal-Tec hat so nicht einfach nur Mittelsmänner in der Wertschöpfungskette ausgeschaltet, sondern deren Positionen erhalten und profitiert so in vielerlei Hinsicht. Als reiner Händler auf Marktplätzen und mit eigenen Shops, als graue Eminenz und Hersteller hinter den Marken, den Markenshops und als Großhändler gegenüber Vertriebspartnern. Ein Geschäftsmodell, das für das Unternehmen die größte Unabhängigkeit bietet.

Der Erfolg gibt Chal-Tec Recht. Im Jahr 2014 erreichte das Unternehmen eine Umsatzgrenze von 70 Millionen, 2015 sind im Weihnachtsgeschäft erstmals Tagesumsätze von über einer Million Euro erzielt worden – was sich dann auf einen Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro summiert hat. 2013 gibt der Bundesanzeiger einen Gewinn von 1,3 Millionen Euro an.

Kürzlich ist der Investor Ardian als Minderheitsgesellschafter eingestiegen, nach groben Branchenschätzungen muss Ardian zwischen 30 – 100 Millionen Euro investiert haben. Unter Umständen hat die Reise gerade erst begonnen.

Das große Fazit zu unserer Serie „Markenbildung in Ökosystemen“ findet ihr im kommenden t3n Magazin Nummer 45 in unserem großen Ratgeber.

In unserer Rubrik „E-Commerce kreativ“ findest du weitere Artikel aus der Reihe Brandbuilding in Ökosystemen: „Den Onlineshop braucht kein Mensch mehr: Einblicke in das Performance-Marketing im Amazon-Zeitalter“, „The Friendly Swede: Der Lehrer, der auf Amazon 8 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht“, Die Kavaj-Story: Die abenteuerliche Reise zu 17 Millionen Umsatz bei Amazon und „Anker Technology: Mit Mutters Ersparnissen auf dem Weg zum Amazon-Unicorn.“

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2 Reaktionen
Heinrich S.
Heinrich S.

Interessanter Artikel! Besonders die Anmerkung: Wie notwendig es ist, durch "Diversifizierung (...) größtmögliche Unabhängigkeit zu erreichen", trifft meiner Meinung nach den Nagel direkt auf den Kopf.

In vielen Online Nachrichten-Artikeln geht die Information unter, warum die Chal-Tec GmbH als Start-Up so ein erfolgreiches E-Commerce Unternehmen werden konnte. Hier wird im Punkt Geschäftsmodell noch richtiger Wert darauf gelegt. Die Selbst entwickelten Produkte der Eigenmarke unter Chal-Tec setzen die Firma von der Konkurrenz ab.

Mehr Informationen zur Firma findet man auch unter
http://www.internetworld.de/e-commerce/internet/ehemaliger-ebay-powerseller-richtigen-shop-marke-282294.html

oder als Audio Version unter
http://www.narando.com/articles/peter-chaljawski-mit-19-verkaufte-der-chal-tec-grunder-auf-ebay-heute-setzt-er-70-millionen-um

Sabine Bauer
Sabine Bauer

Wir brauchen mehr solche innovative und mutige Köpfe. Die Lehren, die Chal-tec in der Anfangsphase machen musste, sollten andere Start-Ups vor Augen haben. Der Kunde ist immer immer König, egal in welcher Branche.

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