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Gadgets & Lifestyle

Smartphone-Sucht: Wie die „Checky“-App dich erlösen will – und doch nur alles schlimmer macht

    Smartphone-Sucht: Wie die „Checky“-App dich erlösen will – und doch nur alles schlimmer macht

Silicon-Valley-Blödsinn: Checky-App. (Screenshot: Checky)

Eine neue Applikation namens Checky macht auf fürsorglich und will Menschen helfen, mehr Offline-Zeit einzuplanen. Doch eigentlich will sie das Gegenteil. Unser US-Korrespondent Andreas Weck über den neuesten Silicon-Valley-Blödsinn.

Das Silicon Valley hat nicht wenige Menschen auf der Welt zu Sklaven ihrer Gadgets gemacht – behaupten zumindest Zyniker im Hinblick darauf, dass Nutzer nur noch auf ihr Smartphone starren, um die Likes in ihrer Social-Media-App zu zählen oder nach Lösungen für die kleinsten Probleme im Alltag zu suchen.

In San Francisco ist es beispielsweise fast unmöglich, mit einem befreundeten Einwohner einfach mal ein nett aussehendes Restaurant auszuprobieren, ohne dass er die Bewertungen auf Foursquare checkt und entweder einen Abgesang oder eine Lobhudelei auf das Lokal startet – unabhängig davon, ob er dort jemals auch nur einen Bissen zu sich genommen hat. Der Eindruck entsteht, dass wir uns einen gehörigen Teil unserer eigenen Erfahrung nehmen lassen, nur weil eine App uns sagt, dass die resultierende Erfahrung möglicherweise nicht so „awesome“ ist. Mittlerweile wird vieles in unserem Leben durch Apps gesteuert und optimiert, teilweise aber auch dominiert: Sei es der Sport, die Partnersuche oder eben – wie beschrieben – banale Sachen wie die Restaurant-Auswahl.

Checky-App bringt Lösung für Smartphone-Süchtige: Der erste Schritt in die nächste Bevormundung

Laut Analysten von KPCB entriegeln wir knapp 150 Mal am Tag unser Smartphone. Wir checken den Status, lesen die News, suchen nach Antworten und unterhalten uns im Chat – und das nicht nur während wir im Bus zur Arbeit, sondern auch während wir auf der Arbeit am Schreibtisch sitzen oder uns eigentlich mit dem Nachwuchs am Spielplatz beschäftigen sollten. Das ist uns so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wohl nur wenige Personen ernsthaft glauben, dass die Zahl 150 tatsächlich stimmt. Und wenn der Beweis erbracht werden würde, wie wäre wohl unsere Reaktion? Peinliches Schweigen, ignorierendes Augenrollen oder gar eine ernsthafte gedankliche Auseinandersetzung mit dem Thema?

Checky-App will dich vom Smartphone wegholen, indem sie dir eine App empfiehlt. (Screenshot: Checky)
Checky-App will dich vom Smartphone wegholen, indem sie dir eine App empfiehlt. (Screenshot: Checky)

Eine neue App aus San Francisco hat sich der Sache angenommen. Die Macher von Checky haben es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, dir den Spiegel genau vorzuhalten: Die Applikation zählt, wie oft du dein Smartphone entsperrst und soll dir einen Hinweis darauf liefern, ob du die Beziehung zu deinem Gadget nicht vielleicht etwas zu ernst nimmst. „Fahr mal runter“, dürfte es bei einigen Anwendern wohl heißen. Und Internet-Kritiker freuen sich: Endlich mal ein Startup, das die Menschen zur Besinnung bringt. Fängt das „Valley“ etwa an, sich selbst ins Fleisch zu beißen?

Im Silicon Valley will niemand, dass du offline gehst. Niemand!

Die Antwort lautet ganz klar: Nein. Was nämlich augenscheinlich wie ein Weckruf aussieht ist in Wirklichkeit nur ein Versuch die Nutzer noch stärker in ein anderes Produkt zu lotsen. Checky will die Anwender nicht zurück in die Realität holen, sondern sie einfach woanders im Digitalen halten. Wer genauer hinschaut, erfährt, dass hinter Checky ein Startup namens Calm steckt, das auch eine Meditations-App veröffentlicht und dafür unlängst ein Funding in Höhe von knapp einer Million US-Dollar eingesammelt hat.

Wer Checky ausprobiert, wird neben einer mehr oder weniger unangenehmen Anzahl von Entsperrungen des eigenen Smartphones auch eine ziemlich offensichtliche Werbung für das eigentliche Flaggschiff angezeigt bekommen. Darauf zu sehen ist die Lösung, um das eigene Leben wieder in Balance zu bringen: die Calm-App. Und das ist der erste Schritt in die nächste Bevormundung. Die App sagt, ich bin zu oft online – jetzt muss ich was tun. Sie sagt: Meditiere!

Kopf einschalten, und nicht die App

Silicon-Valley-Blödsinn: „Always on“ lässt sich nicht mit „Always on“ bekämpfen.

Der geneigte Leser wird ohne Zweifel erkannt haben, dass es sich bei Checky um einen ziemlich genialen Marketing-Stunt handelt. Ferner stellt sich aber auch die Frage: Muss man eigentlich ein Genie sein, um zu verstehen, dass sich „Always on“ nicht mit „Always on“ bekämpfen lässt? Es wirkt absurd, dass eine App einem sagt, dass ein Nutzer zu oft online ist und anschließend meint, die passende Lösung auf das eigene Smartphone laden zu können. Kein Internet-Unternehmen auf der Welt, speziell aus dem Silicon Valley, wird Nutzer dazu bringen, häufiger offline zu sein. Es geht ums Geld. Immer. Das Valley beißt sich nicht ins eigene Fleisch!

Wer also das Gefühl hat, zu viel online zu sein – und das Gefühl hat man anscheinend, wenn man entsprechende Apps herunterlädt, um sich zu testen –  sollte ebenfalls mündig genug sein und selber entscheiden, ob und wie eine Lösung herbeigeführt werden muss. Kopf einschalten, und nicht die App, ist hier die Devise!

Übrigens: Noch mehr fragwürdige Apps, haben wir in dem Artikel „Highly debated in Silicon Valley! 5 Dienste, an denen sich die Geister scheiden“ aufgeführt.

t3n im Silicon Valley

Andreas WeckAndreas Weck hat 2014 für t3n aus San Francisco und dem Silicon Valley über neue Trends, spannende Tools und interessante Orte des Tech-Epizentrums berichtet. Sein Eindruck: Im Valley gibt es viele schlaue Köpfe und genauso viele bekloppte Geschäftsideen. / Twitter, Facebook.

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1 Reaktionen
Alexander Hofmann

Sehr interessanter, lesenswerter und zu Ende gedachter Beitrag!

Kampf gegen den Unlock-Wahnsinn:
Wir haben uns ebenfalls vor kurzem Gedanken über dieses Problem gemacht.

Soll hier lediglich als Denkanstoß dienen.
In Form einer APP konzipiert, deren Funktionalität jedoch bei näherere Betrachtung eher in das OS gehören würde:

Die WAITIZE APP ermöglicht es dir, deinem Smartphone und anderen APPs mitzuteilen, wann du wirklich "Zeit hast" und du Push-Inhalte (von APPs mit Nachrichten, Umfragen, Trailern, tec-News, etc.) erhalten möchtest.

WAITIZE ist ein Managementtool für Push-Nachrichten und gibt dir die Kontrolle über deine Zeit (zurück).
Die Waitize App ermöglicht es dir, deinem Smartphone und anderen APPs mitzuteilen, wann du wirklich "Zeit hast" und du Push-Inhalte von APPs, die nicht zeitkritisch sind , erhalten möchtest. (News, Umfragen, Trailer, verschiedene Twittermeldungen, etc.)
Beispiel:
Du willst Push-Nachrichten über neue Twitter-Follower erhalten, aber diese Information ist für dich absolut nicht zeitkritisch. Mit WAITIZE erhältst du diese und andere Push-Nachrichten erst, wenn du "Lust" oder "Zeit" darauf hast.

Was macht die Waitize-APP konkret?

Waitize setzt sich vor andere APPs und ermöglicht dadurch eine Administration und Status-Vergabe von Push-Nachrichten von Dritt-APPs.
Waitize ersetzt oder verändert jedoch nicht die Push-Einstellungen einzelner APPs oder des Smartphone-Systems. [...]

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