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Interview

Festanstellung aller Book-a-Tiger-Putzkräfte: „Einem Investor ist der Kugelschreiber aus der Hand gefallen“

    Festanstellung aller Book-a-Tiger-Putzkräfte: „Einem Investor ist der Kugelschreiber aus der Hand gefallen“
Book-a-Tiger-Mitgründer Claude Ritter. (Foto: Book a Tiger)

Bei dem Online-Putzdienst Book a Tiger sind seit über einem Jahr alle Putzkräfte angestellt. CMO und Co-Founder Claude Ritter berichtet im Interview, wie schockiert die Investoren reagiert haben – und wie das Unternehmen fast gescheitert wäre.

t3n.de: Ihr habt vor über einem Jahr die Entscheidung getroffen, eure Putzkräfte anzustellen. Wie hat sich das auf das Business insgesamt ausgewirkt?

Claude Ritter: Kurzfristig wären wir deshalb fast gescheitert. Es macht natürlich einen Unterschied, ob du 100 Angestellte auf der Payroll hast, die du auch bezahlen musst, wenn sie nicht arbeiten, oder ob du mit Selbstständigen arbeitest, die selbst für ihr Business-Schicksal verantwortlich sind. In den ersten drei bis vier Monaten haben wir die Auslastungsthematik überhaupt nicht hinbekommen. Wenn ich dich für 20 Stunden die Woche einstelle und du nur zehn arbeitest, muss ich dich trotzdem für 20 Stunden bezahlen – das ist dann eben mein Problem. Das hat uns einiges an Zeit, Nerven und Geld gekostet.

t3n.de: Die Putzkräfte waren vermutlich zufrieden: Zehn Stunden arbeiten, 20 bezahlt bekommen, klingt nach einem guten Deal, oder?

Natürlich gibt es da einige. Aber ehrlicherweise fragen die Guten aktiv nach. Also von wegen: „Nun habt ihr mich eingestellt, was ist denn jetzt, wo sind die Aufträge?“ Inzwischen aber haben wir die notwendigen Daten und ein System, mit dem wir die Auslastung vernünftig planen können. Und das ist echt schwierig nachzubauen.

t3n.de: Das ist sozusagen euer Wettbewerbsvorteil?

Ja genau, das ist unser Kern-USP im Moment.

t3n.de: Wie haben die Investoren damals reagiert?

Einer Person ist wortwörtlich der Kugelschreiber aus der Hand gefallen. Und dann wurden Worte ausgetauscht.

t3n.de: Böse Worte?

Böse Worte – aber eher in dem Sinne, dass alle überrascht waren, würde ich sagen. Aber dann haben wir alles erläutert. Meine beiden Mitgeschäftsführer sind Ex-Mc-Kinseys. Wir sind nicht einfach reingegangen und haben gesagt: „Wir haben uns da gestern mal etwas überlegt.“ Das war schon alles vernünftig mit verschiedenen Szenarien modelliert. Wir waren sehr gut vorbereitet. Denn es ist klar: Wenn dir jemand für A Geld gibt und du dann B machst – dann musst du dafür schon eine gute Erklärung haben. Aber ich sage es mal so: Es war nicht meine beste Nacht vor diesem Boardmeeting.

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t3n.de: Und die Nacht nach dem Boardmeeting?

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Sie muss also okay gewesen sein.

t3n.de: Wie viel Prozent des Wachstums ist mit Gutscheinen erkauft?

Ganz wenig – irgendetwas mit einer Null vor dem Komma. Das war einmal wesentlich mehr – speziell in der Startphase. Eine Woche vor uns ist Helpling live gegangen und wir so: „Nee echt jetzt?“ Es war ein Kampf, auch in den Köpfen der Investoren relevant zu bleiben. Natürlich mussten hier beide Seiten ein bisschen pumpen. Das Wachstum war nicht wirklich gesund. Aber allein, weil wir nicht genügend Cash hatten, um das durchzuziehen, haben wir relativ früh damit aufgehört. Helpling hat damit weitergemacht, weil Homejoy auch noch auf den Markt gekommen ist. Homejoy hat es ein bisschen übertrieben.

„Investoren denken natürlich ein bisschen so: Homejoy ist tot, Helpling halbtot.“

t3n.de: Und die Investoren macht es nicht nervös, dass jetzt Homejoy pleite ist und Helpling offenbar große Probleme hat?

Investoren denken natürlich ein bisschen so: Homejoy ist tot, Helpling halbtot. Das ist schlecht. Aber genau deshalb ist Differenzierung so wichtig: Wir machen eben etwas Anderes. Wenn Helpling letztes Jahr, als wir im Fundraising-Modus waren, insolvent gewesen wäre, wäre das eine Katastrophe gewesen, denn dann wären wir gar nicht mehr dazu gekommen, den Unterschied zu erklären. Neulich hat mich ein Kollege von einer Startup-Radio-Sendung gefragt, wann wir Helpling kaufen. Da meinte ich nur: Nie. Wir sind inzwischen inkompatibel.

t3n.de: War die letzte Finanzierungsrunde eine Downround?

Es war keine Downround, aber auch kein großer Zuwachs des Wertes. Ich glaube ehrlich gesagt, dass uns viele andere Investoren fallen gelassen hätten.

t3n.de: Mit den Angestellten könnt ihr nicht mehr mit den Schwarzmarktpreisen mithalten.

Das stimmt, können wir nicht. Die Kundengewinnung ist schwieriger, weil sie teurer ist. Zweiter Punkt – der Positive – ist aber, dass die Kunden, die du akquirierst, sich vorher Gedanken darüber gemacht haben und bewusst einen höheren Preis akzeptieren. Und: Sie bleiben dann auch. Du hast also weniger Volumen, aber auch weniger Churn, also weniger Absprünge von Kunden.

t3n.de: Da spielt vermutlich auch eine Rolle, dass die Kunden durch die Festanstellung mit Ausnahmen von Urlaub und Krankheit dann immer eine feste Putzkraft haben?

Wenn du dich bei uns im Dashboard einloggst, hast du dort eine Checkbox: „Wenn meine Standardreinigungskraft nicht kann, automatisch Ersatz“ – oder eben nicht. Wenn nicht, fällt deine Buchung aus, wenn ja, wird dir eine neue Reinigungskraft zugeteilt. Da kannst du dann immer sagen: „Nein, das möchte ich nicht.“ Der Anspruch lautet, dass es immer dieselbe Person ist.

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