Neben IBM gehören Sun, SAP, Cisco, Novell und einige kleinere Anbieter zur Initiative. Aber Microsoft und Amazon waren offenbar nicht eingeladen, am Manifesto mitzuarbeiten. Eine offene Initiative, aber zwei Branchenriesen sind bei ihrer Entstehung nicht dabei?
Beweggründe für das Open Cloud Manifesto
Einer der Manifesto-Autoren ist Reuven Cohen, der Mitbegründer der Cloud-Computing-Plattform Enomaly. Er begründet in einer Stellungnahme die Notwendigkeit des Schriftstücks damit, dass die Cloud ebenso offen sein sollte wie das Internet selbst. Es gehe dabei nicht um speziellen Anwendungscode oder um Lizenzierungen, sondern vielmehr um die fundamentalen Prinzipien einer offenen Plattform, die für alle zugänglich sein müsse.
Interessant ist auch die Feststellung, man habe versucht, möglichst alle führenden Unternehmen mit ins Boot zu holen, um der Natur eines offenen Ansatzes zu entsprechen. Mit dabei sind unter anderem Akamai, AMD, Cisco, IBM, Novell, Red Hat, SAP, Sun und VMware.
Microsoft und Amazon hörten von alldem offenbar erst, als das Manifest schon fertig ausformuliert war. Vor allem Microsofts Senior Director Developer Platform Management, Steven Martin, zeigte sich öffentlich verschnupft darüber.
Ist der Kampf um die Vorherrschaft in der Cloud eröffnet?
In einem Blogbeitrag lobt Martin zwar die grundlegende Idee von offenen Standards, die die Interoperabilität gewährleisten sollen, aber er macht auch seine Enttäuschung und sein Unverständnis über die Nichteinbeziehung von Microsoft deutlich. „Es kommt uns so vor, als wolle ein Unternehmen oder nur einige wenige Unternehmen, die Kontrolle über die Evolution des Cloud Computing für sich beanspruchen, anstatt einen Konsens mit allen Schlüsselunternehmen einschließlich der Cloud-User in einem offenen Prozess zu erzielen. Ein offenes Manifest, entstanden in einem geschlossenen Prozess ist zumindest leicht ironisch.“ Ironisch wirkt allerdings auch, wenn ausgerechnet Microsoft Offenheit verlangt...
Ein „aufregender und wichtiger Markt“
Um die Offenheit, Transparenz und Vollständigkeit sicherzustellen, fordert Steven Martin einen für alle offenen Entstehungs-Mechanismus wie beispielsweise bei einem Wiki. Das Ergebnis sollte dann für eine breite öffentliche Diskussion unter Creative Commons Lizenz für jeden Wettbewerber zugänglich gemacht werden.
Cloud Computing sei laut Martin ein aufregender und wichtiger Markt, der sich aber noch in der Entwicklung befinde. Sollte es nun zu einem Stillstand in der Entwicklung kommen, könnten sich viele Innovationen von denen wir heute nur träumen können, erst deutlich später realisieren lassen. Die Entwicklung der Cloud brauche vor allem eins: Freiheit.
Und damit sind wir auch schon im Kern der Diskussion angelangt: Wer beherrscht einen Markt, dem Experten ein enormes Potenzial vorhersagen?
Nach Angaben des Wall Street Journals sehen Analysten bereits für 2012 für Cloud Computing einen Markt von 42 Milliarden US-Dollar. Ein gewaltiges Potenzial, von dem jeder Marktteilnehmer ein gewichtiges Stückchen für sich beanspruchen möchte. Vor allem die kleineren Anbieter fürchten da möglicherweise die Macht von Microsoft - und schaffen lieber ohne den Softwareriesen Fakten.
Amazon und Google geben sich bedeckt
In einer ersten Stellungnahme hat Amazon die Veröffentlichung des Open Cloud Manifestos zur Kenntnis genommen und wird sich intern damit beschäftigen. Allerdings seien die Rückmeldungen der eigenen Nutzer in den letzten drei Jahren der offenste und flexibelste Weg für Amazon sein Angebot weiterzuentwickeln.
Auch aus den Reihen von Google kommen eher zurückhaltende Stimmen. Man sei offenen Standards gegenüber sehr aufgeschlossen und wolle Interoperabilität auch fördern, aber man gehöre nicht zur Open-Cloud-Initiative.
Fazit
Steht uns mit dem Cloud Computing der nächste System-Krieg bevor? Es scheint so, denn das finanzielle Potenzial ist enorm. Endlich gibt es einen neuen ertragversprechenden Markt, der für viele Träume sowohl bei den Anwendern, als auch bei den Anbietern sorgt. Doch diesmal scheint es keine Chance für einen Single-Player zu geben, alle anderen zu überrumpeln. Zumindest für den Anwender ist das beruhigend. Doch erbitterte Kämpfe könnten auch Innovationen verlangsamen und die Entwicklung insgesamt um Jahre zurückwerfen.



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7 Answers
von Jason Meiers 30.03.2009 (15:22Uhr) 1.
Die firmen die dem dokument beigetreten sind besitzen momentan vaporware. allen firmen die erfolgreich cloud computing umgesetzt haben haben nicht unterschrieben. Zum Beispeil Microsoft, Amazon EC2, Salesforce und Google.
Das einzige offene and diesen Firmen in Cloud Computing ist der Release datum Ihrer Produkte.
von mogli 30.03.2009 (19:01Uhr) 2.
Ich bin zwar Linuxnutzer und bin M$ nicht freundlich gesinnt. Aber dass sie nicht mit ins Boot geholt wurden, obwohl sie mindestens ein Interesse bekunden, finde ich nicht gut. Dass das Unternehmen, das sonst immer versucht durch selbst durchgesetzte Standards seine Marktmacht etabliert, interessiert ist an offenen Standards für das System des heraufbeschworenen nächsten System-Krieges finde ich grenzt schon an ein Wunder. Das aber die Firmen, die die Konkurrenz zu M$ bilden und durch eine Zusammenarbeit mit M$ sie in diesem Bereich daran hindern könnten, eigene Standards durchzusetzen, diese Chance nicht wahrnehmen, hielt ich zuerst für unrealistisch, aber jetzt einfach nur für einen Fehler. Das Internet ist nicht dadurch groß geworden, dass sich Branchenriesen bekämpft haben, sondern dadurch, das jeder mitmachen konnte. Ich denke, ich weiß schon worauf es hinaus läuft: Die großen Firmen, die CloudComputing anbieten, werden sich hinter den Kulissen bekriegen mit Patenten und Nutzerzahlen, bis dann irgend eine Partei klein bei gibt. Dieses "Open Cloud Manifesto" bildet also nicht den Grundstock einer gemeinsamen Entwicklungsstrategie für diese noch sehr junge Lösung, CPU-Kapaziät anzubieten, sondern es bildet nur eine Partei, die gegen die andern vier großen Google, M$, Amazon und Salesforce einen unerbitterlichen Krieg um viel Geld führen wird. Jedes Mal wenn eine neue Technik im Anmarsch ist, sitzen die falschen am längeren Hebel und noch bevor sie beim Otto-Normalverbraucher angekommen ist, wird die Entwicklung dieser durch Streitigkeiten ausgebremst. Na klar, Konkurrenz bringt Fortschritt, aber was wäre, wenn alle wenigstens dieses eine Mal zusammen gearbeitet hätten, um die Forschung besser zu koordinieren?
von mogli 30.03.2009 (19:01Uhr) 3.
Schade eigentlich :-(
von Jason Meiers 30.03.2009 (19:20Uhr) 4.
Um so mehr protokolle es gibt desto besser, offen or geschlossen. Die aufgaben von CCIF sind für die ausarbeitung der schnittstellen verschiedene clouds und nicht anti-hersteller speziefisch zu reagieren. sobald das geschiet befindet sich die gruppe auf irc chat niveu.
von mogli 30.03.2009 (19:48Uhr) 5.
@ Jason Meiers: Das halte ich für engstirnig. Warum sollte es schlecht sein, wenn es eine API gibt? Warum sollte es schlecht sein, wenn es einen Satz von festgeschriebenen Schnittstellen gibt? Das ist doch der Traum eines jeden Programmierers, das er ein Programm für eine Rechen-Cloud schreibt und diese ohne große Anpassungen sehr kostengünstig umziehen kann auf die RechenCloud eines anderen Anbieters. Ich denke, das fördert Innovationen. Und was hat das mit dem IRC zu tun? Nur weil dieser wenige Möglichkeiten bietet, aber dafür als Quasi-Standard für den freien Chat im Internet angesehen wird, ist er doch noch lange nicht schlecht, oder wie war das gemeint? Der IRC wurde doch in den Anfangszeiten des Internet entwickelt, da brauchte man noch nicht viele Funktionen, und die, die er bietet, waren für die, die ihn entwickelt haben, genau das, was sie gebraucht haben.
Vielleicht habe ich aber auch etwas an deiner Ansicht falsch verstanden, dann tut mir das Leid.
von Jason Meiers 30.03.2009 (20:01Uhr) 6.
ja, bei IRC sind viele hersteller und pitchen ihre produkte, keine konkreten interesse um den prozess zu verbessern. von dem unterhaltungs prozess / level gesehen.
ja, eine api ist ok aber... aus eigner erfahrung mit der CCIF gibt es keine richtlinen und gerechten weg demokratisch zu versichern welche protokollen angenommen werden oder nicht. Ein beispeil, bei CCIF wurde das protokol XMPP angenommen ohne wahl und rückschluesse mit der gruppe. Die CCIF sagt sie sei offen und gliechgerecht. allerdings gibt es leute die mehr gleich sind als andere.
Ein beispiel, es wurde ein protokoll vorgestellt SEMP(Simple Event Management Protocol) http://opensemp.org das auf der infrastucture-as-a-service ebene bei CCIF. Die protokol fanden viel hersteller inklusive Google udn Cisco als gefaehrdent zu XMPP. Es wurde obwohl eine technische evaluierung stattfand abgelehnt. Das ist ein von vielen bespielen warum es ein protokol allein nicht geben darf.
http://twitter.com/jasonmeiers
von Andreas Lenz 31.03.2009 (07:52Uhr) 7.
Interessant, dass Reuven Cohen, ausgewiesender TYPO3 Experte, inzwischen so viel Erfolg im Cloud-Computing bereich hat. Ob es da eine spezielle Enormaly-TYPO3-Lösung gibt?