Cloud Computing
Salesforce.com kündigt eine Revolution an – Bericht von der Dreamforce-Konferenz San Francisco

Jan Tißler, 25.11.2009 - 08:41 | Keine Kommentare |
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Zu seiner Unternehmenskonferenz Dreamforce hatte Cloud-Computing-Riese Salesforce.com dieses Jahr etwas vorzustellen, was die Firma unbescheiden als „our biggest breakthrough ever“ ankündigte. Franz Patzig schreibt für t3n im Folgenden über die Atmosphäre der Konferenz, das Salesforce-Modell im Allgemeinen und das neue „breakthrough“-Produkt „Chatter“.

Marc Benioff, CEO und Chairman von Salesforce.com, füllt die 50 Meter breite Bühne der jährlich stattfindenden Unternehmenskonferenz Dreamforce mit seiner Präsenz mühelos aus. 19.000 Menschen aus aller Welt haben sich nach San Francisco aufgemacht, um den Worten des Cloud-Computing-Pioniers zu lauschen und die Stimmung unter den Besuchern der Keynote hat fast etwas Religiöses.

Auch in diesem Jahr will man dem Anspruch gerecht werden, den man sich auf die Fahnen geschrieben hat: eine ganze Industrie zu revolutionieren. Das erst vor zehn Jahren gegründete Unternehmen bedient bereits knapp 68.000 Kunden mit einem Portfolio von CRM-Anwendungen und auch die Zahlen sprechen für sich: Der Umsatz hat im letzten Fiskaljahr erstmals  eine Milliarde Dollar überschritten und wächst trotz der Wirtschaftskrise in laufenden Jahr um 20 Prozent.

Marc Benioff, CEO und Chairman von Salesforce.com. Foto: Franz Patzig.

Marc Benioff, CEO und Chairman von Salesforce.com. Foto: Franz Patzig.

Vorteile des Salesforce-Modells

Und in der Tat ist das Salesforce.com-Geschäftsmodell attraktiv. Durch das Steuern von Kundenbeziehungen über Cloud Computing werden hohe Server- und IT-Kosten drastisch reduziert, zudem wird großer Wert auf einfache Anpassungsfähigkeit (Customization) gelegt und auch externe Dienste sind in der Regel problemlos und in kurzer Zeit über die Salesforce-API integrierbar. Außerdem entfallen lokale Software-Updates, da sämtliche Dienste in Salesforce.com-Datenzentren gehostet werden und so auch problemlos skalierbar sind. Als Sahnehäubchen verspricht man fünf Minuten Wartungsfenster für die Zukunft, so dass Ausfallzeiten auf ein Minimum reduziert werden, wenn sie denn nicht wie gewöhnlich sowieso an Wochenenden stattfinden.

Eine weitere Säule von Salesforce.com ist die Force.com Entwicklungs-Plattform, mit der man z.B. Applikationen, ganze Websites, Workflow-Approvals und vieles mehr bauen kann. Die Möglichkeiten sind hier ebenfalls sehr weit weit ausgebaut. Für interessierte Entwickler, empfiehlt sich ein Blick auf die entsprechende Website.

Fragen nach Datensicherheit und dem üblichen Unbehagen, Daten aus dem dem Unternehmen auszulagern, wird mit einer ISO-27001-Zertifizierung, SysTrust audit und SysTrust SAS 70 Type II und einer Reihe weiterer Sicherheitsmaßnahmen begegnet, die weit über das hinausgehen, was sich die meisten Unternehmen an Sicherheit für ihre Daten leisten. Der dabei getriebene Aufwand ist verständlich, ist Vertrauen doch eine der grundlegenden Bedingungen, um Daten überhaupt jemand anderem anzuvertrauen.

„No Software“ - das Salesforce-Motto. Foto: Paul Hole. Lizenz: CC BY 2.0

„No Software“ - das Salesforce-Credo. Foto: Paul Hole. Lizenz: CC BY 2.0

„Our biggest breakthrough ever“

Mit diesen Services ist Salesforce.com bereits mehr als erfolgreich, die eigentliche Revolution wird aber bei der Konferenz nach den üblichen Company Updates angekündigt und wird völlig unbescheiden als „our biggest breaktrough ever“ bezeichnet.

Chatter heißt der neue Dienst, der sich an Facebook und Twitter orientiert und es Mitarbeitern innerhalb von Unternehmen möglich macht, sich in bekannter Manier miteinander zu vernetzen und zu kollaborieren. Dabei hat Salesforce das Beste anderer Social-Media-Plattformen miteinander kombiniert. Man kann Profile anlegen, Echtzeit-Updates erhalten, Gruppen anlegen, Feeds integrieren, Dokumente tauschen und Informationen von Facebook und Twitter einspielen. Darüber hinaus beginnen integrierte Applikationen „zu sprechen“. So kann man sich zum Beispiel benachrichtigen lassen, wenn ein Kunde relevante Daten ändert.

Dies alles findet in einer sicheren Umgebung statt, so dass Sicherheitsbedenken bei Unternehmen erst gar nicht aufkommen dürften. Zugang zu diesen Diensten werden sowohl über den Browser als auch über mobile Geräte möglich sein.

Mit dieser Collaboration Cloud wird Salesforce die Zusammenarbeit in Unternehmen revolutionieren. Durch eine stärkere Vernetzung untereinander werden künftig die unternehmensinternen Silos aufgebrochen und Kollaboration gefördert. Informationen werden sich besser, schneller und effektiver verteilen lassen und jeder, der schon mal in einem endlosen „CC“-E-Mail-Loop gefangen war, wird diese neue Art der Informationsdistribution zu schätzen wissen.

Fazit zu Salesforce Chatter

ChatterDas kritische Moment von Chatter wird die Bereitschaft innerhalb der Organisationen sein, die Vorteile der Collaboration Cloud auch zu nutzen. Besonders in Europa wird Überzeugungsarbeit zu leisten sein. So lange den Möglichkeiten von sozialen Medien mit der üblichen Abwehrhaltung begegnet wird, sind auch die besten Tools nur halb so viel Wert. Hier ist in naher Zukunft ein starkes Umdenken gefragt. Die Urangst von Kontrollverlust bei sozialen Medien, muss auch in Unternehmen abgebaut werden. Es wird nicht genug sein, die technischen Mittel zur Verfügung zu stellen. Der Einsatz muss gefördert werden und es muss eine Bereitschaft geschaffen werden, diese Dienste auch zu nutzen - notfalls auch mit Hilfe von außen.

Ein solch radikales Umdenken ist von Unternehmen, die oftmals in lange gewachsenen Strukturen arbeiten, nicht unbedingt alleine zu stemmen. Wenn man sich darauf einlässt, werden die Vorteile jedoch schnell deutlich werden. Salesforce hat jedenfalls das Beste getan um den Weg in die schöne neue Welt zu ebnen. Mich hat diese Kompromisslosigkeit beeindruckt.

Über den Gastautor

Franz Patzig is Blogger (franztoo.de) und bekannt als der Organisator vieler BarCamps. Seit diesem Jahr leitet er die 90:10 Group in Deutschland.

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