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Content First: Wie ihr eure Kunden bändigen könnt

Content First: Wie ihr eure Kunden bändigen könnt

Wir entwickeln für Benutzer, die wir nicht kennen – und für unbekannte Geräte in unterschiedlichen Auflösungen und Formaten. Trotzdem lieben wir unseren Job. Dieser Artikel stellt euch Content First vor und zeigt euch, warum sich euere Kunden zuerst bewusst sein müssen, welcher Inhalt gezeigt wird – und warum, damit wir unseren Job auch weiterhin lieben können.

Content First: Wie ihr eure Kunden bändigen könnt
Content First. (Foto: Alois Staudacher / flickr.com, Lizenz: CC-BY )

Benutzer sind Leser, die am Anfang der Seite zu lesen beginnen, die von links nach rechts lesen, die Wort für Wort und Satz für Satz lesen. Aber das ist leider falsch. Benutzer durchstreifen Webprojekte wie wilde Tiere, auf der Suche nach Beute. Sie lesen kreuz und quer, ziehen Rückschlüsse, browsen zurück. Sie lesen die selbe Information noch einmal und starten dann doch eine Suche. Sie öffnen eure Links in mehreren „Tabs“, wechseln aber doch zu einer anderen Website. Euer Webprojekt hat den Kampf verloren.

Content First füttert eure Kunden mit Informationsbrocken. (Foto: Alois Staudacher / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Benutzer sind Raubtiere: Sie zerfleischen eure Website auf der Suche nach der gewünschten Information. Es ist ihnen aber auch nicht zu verdenken. Jede Plattform beziehungsweise Website verkauft sich als das Non plus ultra. In Zeiten der Informationsflut muss man sich als Benutzer eine Frage stellen: „Was aber sind all diese Informationen wert, wenn man daraus keinen Nutzen zieht?

Genau dieser Frage sollte man als Content-Stratege nachgehen – oder bei fehlenden Ressourcen: als Entwickler. Alan J. Perlis meinte schon vor über 30 Jahren:

„It is better to have 100 functions operate on one data structure than 10 functions on 10 data structures.“ Alan J. Perlis

Damit meinte er, dass man sich auf den Inahlt konzentieren sollte, denn: Anwendungen werden geschaffen, um Informationen zu liefern. Es bleibt also nichts anderes übrig, als das Raubtier namens Benutzer mit leicht verdaulichen Informatonsbrocken zu füttern.

Inhalte im Web – Back to the roots

Besinnen wir uns auf Tim Berners-Lee, dem Gründervater des Webs. 1989 formulierte er unter anderem die These: „Wir sollten ein universelles, verbundenes Informationssystem anstreben, in dem Allgemeingültigkeit und Portabilität wichtiger sind als aufwendige Grafiktechnik oder komplexe Extras.“ Dieses verbundene Informationssystem ist das Web, wie wir es heute kennen, aufgebaut in HTML.

Als Entwickler sollten wir uns dieser Tatsache bewusst werden und unsere Kunden darauf aufmerksam machen, dass ein möglichst auffälliger Button nicht immer die beste Lösung ist, wenn einige Details vorher nicht kommuniziert wurden:

  • Was ist das Produkt?
  • Wer sollte es benutzen?
  • Warum soll es gekauft werden?
  • Wie funktioniert es?
  • Wo und wann kann es gekauft werden?

Content First: Design ohne Inhalt ist nicht mehr als Weihnachtsschmuck ohne Baum.

Einige Webprojekte setzen Inhalt mit Feature gleich: Wir sehen aufwendige Parallax-Scroll-Websites, die uns gefühlte zwei Minuten scrollen lassen, vorbei an tollen Grafiken und Animationen, um uns dann Kontaktdaten anzeigen zu lassen – als JPG. Irgendwie erinnert mich das an Ladebalken in den 90er Jahren. Obwohl wir jetzt über eine gute Internetverbindung verfügen, kommen wir als Benutzer nicht schneller an den gewünschten Inhalt. Damals: technische Limitierung. Heute: technischer Overkill. Als Content-Stratege frage ich mich: Warum ist das so? Ist echter Inhalt zum Feature verkommen?

Ich erwische mich selbst immer öfter dabei, auf der Suche nach Kontaktdaten oder Öffnungszeiten auf den Service von Google zurückzugreifen. Die Antworten auf die Frage nach dem Warum sind einleuchtend: „Ich möchte mich nicht durch Navigationsmenüs kämpfen“ oder „Es kostet einfach zuviel Zeit, an Informationen auf bestimmten Websites zu gelangen“. Erschwert wird das oft noch in Kombination mit Smartphones und schlechtem Responsive Webdesign. Ja, responsives Design kann auch schlecht sein – ganz besonders bei fehlender Content-Strategie.

Ist es ein Schritt zurück, wenn uns eine Suchmaschine Kontaktdaten anzeigt? Ist es nicht unsere Aufgabe, als Entwickler, Strategen und Designer dem Benutzer diese wichtige Information gebührend zu präsentieren?

Ist Inhalt wirklich nur mehr Feature?
Ist Inhalt wirklich nur mehr Feature?

„Content is King“ – Echt jetzt

Ich habe schon mit vielen Entwicklern, Designern und Strategen gesprochen und alle meinten: „Ja, sag das doch unseren Kunden!“. Und hier liegt auch das Problem. Es muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, gerade bei Kunden, abseits von hohlen Texten von PR und Marketing. Nur, weil etwas gut aussieht, muss es nicht gut sein.

Über die Wichtigkeit von Content kann und wurde auch schon viel geschrieben. Obwohl wir uns bewusst sind, dass wir für Benutzer, unsere Leser, gestalten und entwickeln: Unseren Kunden ist das nicht bewusst.

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4 Antworten
  1. von oyiba am 11.11.2013 (09:14 Uhr)

    Hi,

    die ist da ein kleiner Tippfehler unterlaufen.
    Absatz über Audit
    Hat die PR-Abteilung sch!p!n Texte in weiser Voraussicht vorbereitet?

    Find den Inhalt richtig/wichtig. Meine Erfahrung ist das das den Leuten die verkaufen nur schwer klar zu machen ist. Bzw. diese es wiederum den Kunden nicht klarmachen können.
    Eine Webseite wird mehr verkauft wie "Hey, hier ist nen Haus. Da kannst du immerhin drinnen wohnen."

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  2. von Sebastian P. am 11.11.2013 (09:21 Uhr)

    Es ist ein bisschen wie mit der Märklin Eisenbahn. Ausgepackt, angeschlossen - läuft. Aber der Kunde will mehr. Aufs Web übertragen: Es muss sich was "bewegen auf der Seite". Irgendwas muss "blinken". Am auch mit Sound. Ein Video, dass per Animation ins Bild fliegt. Jawohl. Sonst taugt das nichts.
    ...
    Märklin Eisenbahn halt.

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  3. von delucks am 11.11.2013 (09:29 Uhr)

    Sehr guter Artikel!

    Es gibt aber auch Content First Lösungen für den kleinen Geldbeutel. Die sind zwar weniger professionell, nähern sich aber zumindest (mehr)werigen Information:
    so kann man beispielsweise Kunden bitten, die selber ihre Texte erstellen wollen, zumindest ein kleines Coaching zu durchlaufen und dabei alle wichtigen Fragen zu notieren, mit welcher deren Zielgruppe auf sie zukommt. Dann zeigt man den Kunden wie sie die Inhalte zu erstellen haben und entwickelt mit den Kunden zusammen die Menü- und SEO Struktur. Die Contenterstellung kann dann ein versierter Kunde mit seinen Ressourcen weitestgehend selbst erledigen. Ggf. mit Lektorat und Korrekturen von der Agentur.

    Ich glaube dass Blinken nebensächlich ist. Haupt Verkaufsargument bei uns ist immer SEO und Performance. Blinken ist ganz hübsch, hilft aber auch nichts bei vergeigten Contents.

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  4. von LauraMetaDesign am 18.11.2014 (16:09 Uhr)

    Sehr guter Artikel. Ich hoffe der Kommentar wird noch gelesen. Bei meinen Webprojekten habe ich leider die Erfahrung gemacht, dass oft eine Website "gekauft" wird und das Thema Content zwar mittlerweile als wichtig identifziert wird, gerade auch beim Kunden und ich dann anhand exemplarischer Seitentypen zeige, wie man mit Content umgehen kann. Wenn ich dann darum bitte, mir Input (Content) zu weiteren Seiten zu geben, oft gefragt wird, wie es aussehen soll und dann auf der Basis der Content geliefert wird, weil der Kunde selbst nicht weiß, was er liefern soll und nach Inspiration sucht. Dann beginnt das Spiel:
    "Was soll auf die Seite" (ich)
    "Na wie sieht denn Seite aus?" (Kunde)
    "Das hängt von dem Content ab, den Sie mir liefern" (ich)
    "Na das hängt doch davon ab, wie es aussehen soll" oder "Hier habe ich mal einige Informationen gesammelt, die auf die Seite können" (meist irgendwelche PDFs und Powerpoints).
    Die Kunden kaufen also eine Website, wollen aber eigentlich zusätzlich zum Content beraten werden, was sie wiederum nicht bezahlen, weil Sie denken, das gehört doch dazu, wenn man eine Website kauft.

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