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ConventionCamp 2012: 54 Sessions und unzählige Begegnungen [Bildergalerie]

Am gestrigen Dienstag fand in Hannover das 2012 statt. Im Mittelpunkt der 5. Auflage der Internet-(Un)Konferenz stand die Keynote des WikiLeaks-Initiators Julian Assange und sein düsteres Bild vom Internet, das auf der anderen Seite durch die zahlreichen Treffen bislang nur digital miteinander verbundener Menschen abgeschwächt wurde.

ConventionCamp 2012: 54 Sessions und unzählige Begegnungen [Bildergalerie]

ConventionCamp 2012: Über Dystopia, Zukunftsvisionen und Reallife-Begegnungen

Das ConventionCamp 2012 lockte etwa 1.500 Menschen auf das Messegelände in Hannover, wo sie sich im Convention Center zu einer interessanten Mischung aus Konferenz und BarCamp trafen. Von insgesamt 54 Sessions waren 19 erst während der Openingsession in das offizielle Programm aufgenommen worden, so dass jeder Teilnehmer sich selbst einbringen konnte, wenn er denn wollte und mit seinem Themenvorschlag auf genügend Interesse stieß. Zusammen mit den schon im Vorfeld organisierten Themen und Sprechern wurde daraus ein breiter Themenmix, der dem breitgefächertem Publikum gerecht wurde.

Anders als bei herkömmlichen BarCamps oder Konferenzen ist beim ConventionCamp eben auch das Publikum eine Besonderheit: Hier treffen sich Webworker, Entscheider aus Unternehmen, Studenten und Wissenschaftler sowie Blogger und Medienschaffende. Natürlich konnte dabei nicht jedes Thema in aller Tiefe behandelt werden, aber nach meiner Beobachtung geht es den meisten Teilnehmern auch mehr um neue Blickwinkel, Ideen und Diskussionsansätze. Und diskutiert wurde reichlich und zwar nicht nur in den Säalen, sondern vor allem auf den dafür hervorragend geeigneten Fluren des Convention Centers.

ConventionCamp 2012: Julian Assange zeichnete per Livestream zugeschaltet ein düsteres Bild vom Internet (Foto: David Maciejewski).

So war bei einem Kaffee auch das etwas sehr düster geratene Zukunftsbild von Julian Assange schnell gegen zuversichtlichere Aussichten, Trends und Tendenzen ausgetauscht. Wer sich zwischendurch die Zeit nahm einfach mal herumzulaufen, statt gleich zur nächsten Session zu hetzen, der konnte unter Umständen sehr viel mehr mitnehmen: Persönliche Kontakte, neue Ideen, die aus Gesprächen mit Gleichgesinnten entstanden oder neue Blickwinkel, die von Personen stammen, die aus ganz anderen Richtungen als man selbst kommen.

Mir sagte mal jemand, er ginge nicht mehr zu BarCamps und auch nicht mehr zur re:publica, das sei ja nur wie „schwimmen im eigenen Saft“, weil sich dort immer die gleichen Leute treffen. Diese Gefahr besteht beim CCH in keiner Sekunde, denn dafür sind die Teilnehmer zu unterschiedlich. Ich empfinde das als sehr erfrischend, auch wenn es bedeutet, dass die inhaltliche Tiefe entsprechend geringer ausfällt. Es geht eben auch darum, einen thematischen Kontext für Begegnungen im Reallife zu schaffen: Menschen, die sich zum Teil schon seit Jahren aus dem Social Web kennen, treffen sich erstmals im echten, analogen Leben. Wer das selbst schon erlebt hat, weiß warum ich das klasse finde.

Inhaltliches und Persönliches vom ConventionCamp 2012

Wer wollte, konnte natürlich auch inhaltlich etwas vom ConventionCamp 2012 mitnehmen. Wie immer auf solchen Veranstaltungen muss man sich dazu aber auch auf Neues einlassen und den eigenen Horizont erweitern. Wer sich nur die Themen anhört, in denen er Zuhause ist, der wird kaum etwas lernen können. In einem Recap kann man daher auch nie für alle Leser die interessantesten Sessions herausstellen, die sind für jeden Teilnehmer andere.

Ich persönlich fand beispielsweise die Diskussionsrunde zum Thema Social Media Monitoring sehr spannend. Zwar wurde das Thema für meinen Geschmack etwas zu breit angefasst und hätte ich Teilen gerne etwas tiefer gehen können, aber wie viele andere Teilnehmer in der Session auch, habe ich neue Eindrücke aus der Sicht der Macher verschiedener Unternehmen bekommen. In die Sichtweise von Juliane Leopold von Zeit Online konnte ich mich als Medienschaffender beispielsweise noch am besten hineinversetzen. Sehr spannend waren aber auch die übrigen Sichtweisen aus ganz anderen Blickwinkeln. Dass zum Beispiel Ferdinand von Reinhardstoettner als Social Media Verantwortlicher von Telefonica Deutschland eine ganz andere Sicht hat, liegt in der Natur der Sache und macht das Thema insgesamt noch spannender.

Doch ich bin ganz ehrlich - ich hätte auch ohne den Besuch einer einzigen Session sehr viel mitgenommen, denn es sind die meist zufälligen, gelegentlich auch verabredeten Begegnungen zwischen den Kaffeeständen, die eine solche Veranstaltung nachhaltig machen. Neue Kontakte, Upgrades von digital zu Reallife sowie vertiefende Gespräche mit alten Bekannten - bei all dem „Social“ mit dem wir inhaltlich immer wieder zu tun haben, sind die persönlichen Gesprächen immer noch eine eigene, sehr wichtige Ebene. das sollte man in der digitalen Alltagshektik nie vergessen.

Videos mit weiteren Stimmen zum ConventionCamp 2012 findet ihr hier.

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