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Analyse

Warum die Zukunft des Crowdinvestings düster aussieht

    Warum die Zukunft des Crowdinvestings düster aussieht

(Foto: Shutterstock)

Die Insolvenz von Protonet ist auch ein verheerendes Signal für die Zukunft des Crowdinvesting. Steht die einst gefeierte Finanzierungsform vor dem Aus?

Für 2.046 Kleinanleger endete der vergangene Mittwoch mit einer Hiobsbotschaft: Protonet ist insolvent. „Trotz der vielen Erfolge und einer prominenten Präsenz in der Öffentlichkeit“ sei es dem IT-Unternehmen nicht gelungen, schwarze Zahlen zu schreiben, hieß es in einer offiziellen Mitteilung.

Nach vier Jahren also ist jene Idee gestorben, die das Hamburger Startup um Gründer Ali Jelveh mit viel Pathos zum Leben erweckt hatte. Protonet entwickelte einen Cloud-Server, der einfacher und sicherer sein sollte als alle anderen Modelle auf dem Markt. Ein radikaler Gegenentwurf inmitten der Snowden-Ära, der den Machern sogar zu einem Weltrekord verhalf: Drei Millionen Euro kamen 2014 innerhalb von nur 133 Stunden über eine Crowdinvesting-Kampagne bei Seedmatch zusammen.

Protonet war das Startup mit dem deutschen Crowdinvesting-Rekord. Die Insolvenz stellt auch die Finanzierungsform infrage. (Foto: dpa)

Beim Crowdinvesting beteiligen sich Privatleute in der Hoffnung auf eine hohe Rendite schon ab wenigen Hundert Euro an einem Unternehmen. Es ist die Vision einer demokratisierten Startup-Welt, in der Otto-Normalverbraucher genauso wie sonst nur schillernde Großinvestoren vom Schlage Marc Andreessen oder Frank Thelen am plötzlichen Reichtum erfolgreicher Gründer teilhaben können. Doch im Fall Protonet ernteten die Schwarmanleger nur die bittere Erkenntnis: Das Geld ist futsch.

Crowdinvesting-Pleiten häufen sich

Es ist nicht die einzige Pleite dieser Art. Zuletzt verabschiedeten sich noch weitere Crowd-Stars vom Markt. So etwa Returbo, das mit retournierten Waren handelte. 1,1 Millionen Euro sammelte das Berliner Startup über Companisto ein.

Dann wäre da noch Freygeist: In dem noch jungen Hersteller von Elektrofahrrädern sahen die rund 1.000 Kleinanleger offenbar ein so gutes Geschäft, dass sie 1,5 Millionen Euro zur Finanzierung des Vorhabens beisteuerten. Auch Triprebel – zuvor mit 700.000 Euro von der Crowd unterstützt – stellte vor wenigen Wochen den Insolvenzantrag. Die Pleiten anderer Startups, die weniger Kapital von der Crowd erhielten und deshalb von den Medien weniger beachtet wurden, nicht mitgezählt.

Nun sind scheiternde Startups nichts Ungewöhnliches, keine Frage. 90 Prozent von ihnen stellen innerhalb der ersten fünf Jahre den Betrieb ein, besagen Statistiken. Es liegt in der Natur der Sache, dass innovative Geschäftsmodelle nur dann ernsthaft auf die Probe gestellt werden können, wenn man sie unterstützt – mit Mut, Geld und der nötigen Portion Risikobereitschaft. Und doch wird in diesen Tagen umso klarer, wie untauglich das Crowdinvesting als Finanzierungsform für Startups, aber auch als Geldanlage für Verbraucher ist. Und das hat zwei einfache Gründe.

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4 Reaktionen
Torben Gabriel
Torben Gabriel

"wer den Markt und Geschäftsideen richtig einschätzt" - die Frage ist halt, wie man das richtig macht. Eigentlich ist das doch immer irgendwo eine Wahrscheinlichkeitsrechnung und Pokern bzw "Auf gut Glück".

Aber darum geht es doch auch beim Investieren. 9 von 10 Startups im Valley scheitern. Also versuche ich mit dem einen aus zehn eine Menge rauszuholen.

Man kann einfach vorher nicht einschätzen, ob das Startup der Hammer wird oder eine Pleite. Twitter hat man auch als total bescheuert abgestempelt. Zurecht auch. 140 Zeichen als Message online eingeben und mit #Hashtags versehen klingt ja auch bescheuert, wenn man es noch nicht kennt.

Aber klar kommt hinzu, dass meiner Meinung nach auch viele Leute blind sind vor Hoffnung auf den großen Reichtum. Erinnert mich immer an die Dotcom Blase oder die Bankenkrise. Wo jeder seinem Bankberater blind die ganze Kohle vertraut hat weil man wirklich dachte der wolle einem helfen und zu Reichtum verhelfen.

Ich habe nie verstanden warum Protonet jetzt bspw so toll sein soll, dass man darin investiert. Server/Cloud Lösungen sind jetzt nichts, was es nicht an jeder Ecke gibt. Abgesehen davon, dass man Amazon AWS als Gegenspieler hat.
2 Wochen Staatsaffäre um Snowden und den Datenschutz reichen da halt nicht aus. Da wird dann mal kurzzeitig mehr Geld in Sicherheit investiert und Whatsapp Alternativen wie Threema bekommen ein paar neue User, aber das war es dann auch.

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Daniel
Daniel

Lieber Herr Hüfner,

Prof. Michael Koetter und ich untersuchen diese Frage ebenfalls schon länger und ich kann Ihnen in vielen Punkten zustimmen. Unser aktuelles Paper "Funding failure? The ability of crowdfunding to tell the lemons from the lollipops" kann ich Ihnen bei Interesse gerne zusenden.

Viele Grüße, Daniel

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lola
lola

Crowdinvesting ist wie Wütbürger. Ohne auch nur die kleinste kleinigkeit zu prüfen nur nach Gefühl aggieren.
Warum sollte Protonet alles besser und günstiger machen als größe Konzerne. Mehr als eine flotte Farbe und "wir wollen" war da kaum vorhanden.

Als Investor sollte man, auch als früher Invester, prüfen wem man Geld in die Hand gibt. Denn oft sind das nur Businessplan Künstler und Designer

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R.M.
R.M.

Naja, Crowdinvesting steht noch völlig am Anfang. Es mangelt erstens massiv an Transparenz (z.B. volle Einsicht in Ein- und Ausgaben des gestützten Unternehmens, Mitbestimmung) und zweitens müssen auch die Kleininvestoren einen Lernprozess durchlaufen. Das ist nicht anders als im restlichen Leben auch: wer den Markt und Geschäftsideen richtig einschätzt, wird Gewinne machen, wer nur Lotto spielt den bestraft das Leben ;).
Grösser denkende Ansätze wie z.B. Elysium DAO (Digital Autonomous Organization) sind die Zukunft (und die kommt in dem Fall nach meiner Einschätzung schneller als man denkt).

Den meisten Kleininvestoren ist nicht bekannt, wieviel Prozent der Investmentsumme bei einer traditionellen Startupfinanzierung als "Reibungsverluste" in den Taschen beteiligter Funds, Banken und Grossinvestoren landet. Das sollte einfach zu schlagen sein.

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