Staatsverfasssung im Crowdsourcing über alle Social Media Kanäle
Die bisherige Verfassung Islands datiert aus dem Jahr 1944 und wurde einfach von Dänemark übernommen. Um sie zu erneuern, hat sich das Verfassungsgremium zu besonders offener Politik entschlossen: So werden Meetings des Rates live per Videostream auf einer extra dafür bereitgestellten Website dem Volk zugänglich gemacht. Gesetzesentwürfe werden an gleicher Stelle veröffentlicht und die Einwohner können die Vorschläge kommentieren und auf der passenden Facebookseite zudem ausgiebig diskutieren. Thorvaldur Gylfason, Mitglied des Verfassungsrates, zeigt sich überrascht über die rege Teilnahme der Isländer an der Diskussion:
There's been a lot of goodwill for what we are trying to do. The public have added much to our debate. Their comments have been quite helpful and they have had a positive effect on the outcome.
Parallel dazu werden Interviews mit Mitgliedern des Verfassungsrates bei YouTube eingestellt, ein Flickr-Account zeigt Bilder der Ratsleute bei der Arbeit. Zu guter Letzt macht ein Twitter-Account die umfassende, zur Interaktion aufrufende Social-Media-Präsenz perfekt.
Ergebnis des Crowdsourcing soll sich in Volksabstimmung manifestieren
Die Einführung eines Parlaments, das die gesellschaftlichen Belange des Landes diskutiert, wurde in Island bereits im Jahr 930 vollzogen. Aber auch in der heutigen von Daten regierten Welt hebt sich Island durch seine von Meinungs- und Informationsfreiheit geprägte Mediengesetzgebung positiv von allen anderen Staaten ab. So ist es eigentlich nur eine logische Konsequenz, dass der von Vulkanen durchzogene Inselstaat auch der erste ist, der seine Staatsverfassung unter Einbeziehung des Volkes beschließen will. Ziel des Verfassungsrates ist es laut eines Berichts des Guardian, bis Ende Juli einen Gesetzesentwurf fertiggestellt zu haben, der ohne Änderungen des Parlaments zur Volksabstimmung gebracht werden kann. Dabei sei die Idee, die Menschen des Landes von Anfang an in den Prozess miteinzubeziehen und nicht erst am Ende, so Gylfason.
Weiterführende Links:
- Mob rule: Iceland crowdsources its next constitution - guardian.co.uk
- Iceland Pursues a User-Generated Constitution - readwriteweb.com
Bildnachweis für die Newsübersicht: Bild von Tomi auf wikipedia.org; Lizenz: CC BY-SA





4 Answers
von Friedrich Kegel via facebook 10.06.2011 (21:43Uhr) 1.
*habenwill* - das deutsche "Gegenstück" dazu nennt sich Liquid Democracy, und geht noch ein wenig weiter in Richtung Basisdemokratie. Basiert jedoch auf dem selben Grundsatz politische Entscheidungen in eine öffentliche Debatte zu stellen. Crowd against Think-Tanks :)
von XY 10.06.2011 (22:07Uhr) 2.
Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Isländer ein durchschnittlich höher gebildetes Volk sind. Es könnte also durchaus zu einer produktiven Debatte kommen. Ich bin gespant, wie sich das über die Zeit entwickeln wird :-).
von Aberglaube als Soft Skill 23.10.2011 (12:27Uhr) 3.
[...] Island ist das erste Land der Welt, dass seine neue Verfassung nach dem Crowdsourcing-Prinzip entstehen lässt. Eine derart offene und transparente Vorgehensweise wird so einigen Politikern und Juristen die Münder offen stehen lassen. Mehr Information und Links auf die fantastisch umgesetzte Webseite sowie weitere eingebundene Plattformen gibt es hier: Crowdsourcing goes Politik [...]
von Themen die sich in letzter Zeit in meine… 07.03.2012 (12:31Uhr) 4.
[...] Crowdsourcing goes Politik! Isländer bestimmen ihre Verfassung mit [...]