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Cyberwar: USA drohen bei Hackerangriffen mit Militärschlag

Cyberwar: USA drohen bei Hackerangriffen mit Militärschlag

Ein jetzt veröffentlichtes Dokument der amerikanischen Regierung setzt sich mit der Zukunft der digitalen Welt im Allgemeinen und dem Konzept des Cyberwar im Speziellen auseinander. Dabei werden politische Richtlinien und Handlungsanweisungen formuliert, wie die USA künftig mit potenziellen Bedrohungen aus dem Internet umzugehen gedenkt. Diese Bedrohungen seien zuvorderst Hacker. Und verkürzt gesagt: Diese Hacker können künftig mit Militärschlägen rechnen, greifen sie die USA im „Cyberspace" an.

Cyberwar: USA drohen bei Hackerangriffen mit Militärschlag

Die USA wappnen sich für einen Cyberwar

Das jetzt veröffentlichte Dokument hört auf den nüchternen Namen „International Strategy for Cyberspace" und befasst sich zunächst mit den vorherrschenden Entwicklungen im digitalen Raum, der von der amerikanischen Regierung als „Cyberspace" adressiert wird. Dabei wird festgestellt, dass diese neue Welt neben zahlreichen ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Vorteilen - ja, in der Reihenfolge - aber auch Bedrohungen beinhaltet. Und auf potenzielle und künftige Bedrohungen wollen Staaten reagieren können.

Auf 25 Seiten wird deshalb eine offizielle „Ausweitung der Kampfzone" argumentiert und legitimiert, die auch offensive Strategien erklärt, aber vor allem defensive:

  • Staaten haben das Recht auf Selbstverteidigung, das auch von unbestimmten digitalen Aggressoren herausgefordert werden kann.
  • Diese digitalen Angriffe (im „Cyberspace") können Reaktionen der USA und ihrer militärischen Bündnispartner zur Folge haben. Wenn nötig, werden die USA auf diese entsprechend herkömmlicher Feindseligkeiten reagieren. In und außerhalb des Territoriums.
  • Ein derartiges globales Netzwerk erfordere ein globales Frühwarnsystem, wie etwa weltweite „Interconnected network defense systems" und neue „Computer security incident response capabilities".
Cyberwar: Die amerikanische Regierung hat jetzt in einem Dokument zur digitalen Welt und zum Cyberspace Stellung bezogen.

Präsident Barack Obama leitet mit einem Prolog diese neuen politische Richtlinien wie folgt ein: Die digitale Welt sei nicht länger ein gesetzloser Grenzbereich, noch das Gebiet einer kleinen Elite. Es sei ein Ort, wo normative Werte wie Verantwortung, Gerechtigkeit und friedvoller Umgang zwischen Staaten und Menschen herrschen. Diese digitale Welt sei ein Paradebeispiel für die Kraft einer demokratischen Zivilgesellschaft. Und nicht zuletzt wächst diese digitale Welt mit jedem Tag; und das vor allem zusammen. Grund genug also, sie für beschützenswert zu erklären.

Im Stile einer kolonialen Landname wird der „Cyberspace" damit zum Protektorat erklärt, denn: Die Regeln, Prinzipien und Normen der Offline-Welt hätten ja bereits Geltung in der Online-Welt, so die Argumentation. Und die gelte es zu schützen, und zwar auch mit militärischen Mitteln. Bereits im Jahr 2009 hob Präsident Obama deshalb die jetzt neuerlich bestätigte Wertigkeit dieses digitalen Raums hervor:

This world—cyberspace—is a world that we depend on every single day... [it] has made us more interconnected than at any time in human history.

(Quelle: International Strategy for Cyberspace, PDF)

Mit diesem Strategiepapier bereitet sich die amerikanische Regierung also auf alle künftigen Eventualitäten vor. Auch für einen möglichen - beziehungsweise offiziellen - Cyberwar wären die USA damit gewappnet. Denn die Adressaten der Richtlinien werden beim Lesen der Zeilen schnell deutlich: Hacker. Hacker, die sich als Elite und als Gegenöffentlichkeit verstehen und in der Wahrnehmung eines legitimierten Staates die auch im „Cyberspace" gültigen Rechte, Werte und Normen missachten. Wer die USA angreift, wird wie jeder andere Aggressor behandelt und muss mit einer jetzt legitimierten Antwort rechnen. Mit einem Militärschlag als letzte Option.

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3 Antworten
  1. von CoffeeUser am 18.05.2011 (16:52 Uhr)

    Entweder die Autoren dieses Dokumentes sind zu naive um das Medium Internet wirklich zu verstehen oder es wird gezielt argumentiert.

    Militärische Reaktionen auf Hacker Angriffe. Lasst mich raten, demnächst sind es wohl dann Iran, Irak, Somalia, Syrien und andere "zufällige" Länder die wegen einem Hacker Angriff angegriffen werden. Oder wer glaubt das die USA ein Militärschlag gegen Russland oder China führen würde wo mit Sicherheit die größten und meisten Cyber Angriffe gegen die USA und Europa erfolgen.

    Das Problem einer solchen Strategie ist ja:
    1. Hacker bleiben meistens anonym
    2. Jeder könnte ein x beliebiges Land als Proxy nutzen für sein Angriff

    Wie will die USA da also wissen wen sie angreifen soll?

    Wäre ja typisch wenn dann ein Militärschlag gegen irgendein dritte Welt Land oder Schwellenland mit Informationen des Geheimdienstes gerechtfertigt wird die angeblich die Hacker geortet hätten.

    Außerdem ist diese Politik mal wieder in Indiz für den Niedergang der amerikanischen Vormachtstellung. Alles mit dem Militär kaputt hauen wollen zeugt von panischer Schwäche, wie ein Reise der fällt und keine bessere Idee hat als um sich zu schlagen dabei.

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  2. von Stefan am 18.05.2011 (19:27 Uhr)

    Ich mein: Ich bin kein Freund des Krieges, aber ich glaube, dass andere Länder es sich dadurch wahrscheinlich schon gut überlegen würden, ob sie wirklich versuchen einzudringen! Und dass die USA eine enorme militärische Schlagkraft haben sollten auch alle wissen. Und da braucht China oder Russland nicht denken, dass sie da mithalten können. Zumindest noch nicht!

    Aber ich kann @CoffeeUser nur zustimmen: Wenn ein Land über einen deutschen Proxy nen Cyberangriff auf die USA startet, werden wir dann zerbombt? Das ist das andere Problem...
    Aber von panischer Schwäche würde ich nicht reden. Sie lassen sich halt widerum nichts gefallen... Jetzt sollte nur Deutschland sich mal vor Angriffen über das Internet rüsten...

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  3. von johny am 30.05.2011 (21:36 Uhr)

    Ein neuer Grund um nen Krieg anzufangen :)

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