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„Die Datenbrille ist nicht tot, sondern lebendiger denn je!“ [Interview]

    „Die Datenbrille ist nicht tot, sondern lebendiger denn je!“ [Interview]

(Bild: Y-Combinator-Startups: „Meta“

Anfang des Jahres hat Google mit der Ankündigung überrascht, dass das Google-Glass-Projekt eingestellt werden soll. War das also ein Megahype um Nichts? Ist das Thema Datenbrille* damit gescheitert oder war es Teil einer geschickten Kommunikationsstrategie von Google, um das Thema in eine neue Richtung zu lenken?

Am 24. und 25. März 2015 stellt Vanessa Meister, Trendforscherin und Expertin für Datenbrillen bei der Innovationsagentur Futurecandy, auf der Internet-World-Messe interessierten Messebesuchern Datenbrillen zum Testen und Ausprobieren vor. Nicole Rüdlin, Leiterin der Internet-World-Messe, hat im Vorfeld mit ihr über die Zukunft der Datenbrille gesprochen, darüber. wo sie schon genutzt wird, welche Anwendungsgebiete zukünftig Sinn ergeben und wo man diese Dinger überhaupt kaufen kann.

Was für die Datenbrille noch fehlt, sind Plattformen zur Vernetzung

Zwar ist Google Glass seit Kurzem auch für Brillenträger denkbar, doch wirklich ansehnlich ist das nicht. (Foto: Google)
Google Glass ist vermutlich die bekannteste Datenbrille. (Foto: Google)

Nicole Rüdlin: Futurecandy ist ein Unternehmen zur Trendforschung und Innovationsberatung. Brancheninsider sagen, dass wir zur Zeit an einer Schwelle zu einer wahren Innovations-Explosion stehen, weil IT-Technik heute modular auch von Nicht-IT-Experten genutzt werden kann, um daraus ganz neue Ideen für alle möglichen Anwendungsgebiete zu entwickeln. Siehst du das auch so?

„Bei den Datenbrillen werden wir einen spannenden Kampf der großen Firmen um die Plattform-Vorherrschaft sehen.“

Vanessa Meister: Durchaus! Ich denke, dass wir momentan vor allem eine rasante Entwicklung im Bereich Hardware erleben. Hier tauchen immer mehr kleine Geräte auf, die in den verschiedensten Lebensbereichen eingesetzt werden und auf deren Basis dann wieder neue Ideen entwickelt werden können. Beispielsweise kann durch eine Uhr, die den Puls trackt und die Wlan-fähig ist, ein Fitness-Trainer per Ferndiagnose einen Trainingsplan erstellen. Und durch die Verbreitung von Smartphones, zukünftig Datenbrillen oder auch Beacons, entstehen für Handelsunternehmen oder Gastronomie ganz neue Formen der Kundenansprache und -bindung.

Was jetzt noch fehlt, ist der Aufbau von Plattformen zur Vernetzung der vielen Geräte. Daran haben vor allem die großen Firmen Interesse. Samsung hat im Januar auf der Consumer-Electronics-Show (CES) in Las Vegas bekanntgegeben, dass sie eine Plattform für das Internet of Things aufbauen werden, auf der Geräte unterschiedlicher Anbieter miteinander vernetzt werden können. Da werden wir sicher noch einen spannenden Kampf der großen Firmen um die Plattform-Vorherrschaft sehen. Ich bin überzeugt, dass diese Entwicklungen zusammen zu einer ganz neuen Technologie-Welle führen werden.

Nicole Rüdlin: Auf der Internet-World zeigst du verschiedene Datenbrillen zum Testen und Ausprobieren. Welche Datenbrillen werden das sein und worin unterscheiden sich die Modelle?

Vanessa Meister: Wir werden sieben verschiedene Modelle zeigen. Im Einzelnen sind das Google Glass, Vuzix M 100, die Epson Moverio BT-200, Oculus Rift DK 2, die Samsung Gear VR, Carl Zeiss One VR und Meta 1 Space Glass. Bis auf die Meta 1 Space Glass handelt es sich bei allen Modellen um Virtual- oder Augmented-Reality-Brillen, die Meta 1 Space Glass hingegen ist eine ganz neue Entwicklung und erzeugt im Sichtfeld holographische Figuren in 3D. Hierbei bleibt die echte Welt aber sichtbar. Sie eignet sich beispielsweise für das realitätsnahe Training von Militär und Feuerwehr sowie für den Spielgebrauch.

Manche Brillen können nur in Verbindung mit einem Smartphone oder Tablet verwendet werden, so zum Beispiel Google Glass oder die Brille von Carl Zeiss. Die Vuzix ist ein Stand-alone-Device, das mit einem passenden Brillengestell kommt und auch flexibel auf anderen Brillen aufgezogen werden kann. Durch ihre Robustheit und die Augmented-Reality-Funktion ist sie zum Beispiel besonders für den Logistikbereich geeignet. Die Oculus Rift DK 2 ist ein sogenanntes Head-Mounted-Display ohne eigenen Prozessor. Daher muss sie immer mit einem Rechner verbunden sein und fungiert so als zweiter Bildschirm. Durch diese Virtual-Reality-360-Grad-Brille, die das ganze Sichtfeld bedeckt, hat der Anwender das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein, sie eignet sich daher zum Beispiel für virtuelles Shopping oder für die Konfiguration von Autos. Die einzelnen Modelle sind für unterschiedliche Anwendungsszenarien geeignet und lassen sich sowohl im Business-Bereich als auch im privaten Sektor einsetzen.

„Die Datenbrillen-Technologie hat unglaubliche Sprünge gemacht“

Oculus Crescent Bay
Die Oculus-Version „Crescent Bay“. (Bild: Oculus Rift)

Nicole Rüdlin: Google hat vor kurzem veröffentlicht, dass das Google Glass Programm eingestellt wird. Manche unken, dass die Datenbrille damit gescheitert sei. Warum sind Datenbrillen immer noch ein innovatives Thema?

Vanessa Meister: Ob die Google Glass damit gescheitert ist, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilen. Es gibt da durchaus unterschiedliche Meinungen. Es könnte sich auch zeigen, dass die Google Glass keine Consumer-Version ist, sondern sich eher für Business-Anwendungen eignet. Denn immerhin gibt es schon einige Firmen und Industrien, die die Google Glass testweise einsetzen, wie zum Beispiel DHL, Krankenhäuser, Installateure und auch Handwerker. Auch gibt es immer mehr Firmen, die Business-Anwendungen für die Oculus Rift entwickeln.

Die Datenbrillen-Technologie hat in den letzten Jahren unglaubliche Sprünge gemacht und ich glaube nicht, dass der Programm-Stopp von Google Glass dem ein Ende bereiten wird. Es stehen inzwischen zu viele namhafte Firmen wie beispielsweise Facebook, Epson oder Carl Zeiss hinter den verschiedenen Brillen, die ihre Entwicklung auch weiter fördern werden. Schließlich kommt alle paar Monate eine neue Brille auf den Markt und die Weiterentwicklung ist rasant. Mit der auf der CES vorgestellten Crescent-Bay-Version hat sich zum Beispiel die Oculus Rift noch mal auf beeindruckende Weise verbessert und mit der Meta 1 Space Glass sehen wir neben Augmented und Virtual Reality nun auch erstmals holographische Inhalte.

Nicole Rüdlin: In welchen Anwendungsbereichen wird die Datenbrille aktuell eingesetzt und wo hat sie Potenzial für die Zukunft? Welche Zukunftsszenarien sind denkbar?

„Auch in der Reise- und Tourismusindustrie ist der Einsatz von Datenbrillen denkbar.“

Vanessa Meister: Das kommt natürlich sehr auf die Brillenart an. Virtual-Reality-Brillen wie die Oculus eigenen sich sowohl für den Privat- als auch für den Business-Bereich. Im Privaten natürlich vor allem für Kino, Spiele und Weiterbildung. Im Business-Bereich können sie beispielsweise auf Messen eingesetzt werden, wenn die vorgestellten Produkte zum Beispiel zu groß sind wie im Maschinenbau oder bei der Ausstellung von Schiffen. Auch in der Reise- und Tourismusindustrie sowie der Immobilienwirtschaft ist ihr Einsatz denkbar – und schon Realität –, ebenso als Gerät für virtuelles Shopping und für Autokonfiguratoren. Ein Beispiel: Wenn wir eine Kreuzfahrt buchen wollen, können wir ins Reisebüro gehen, uns online Bilder ansehen oder aber in Zukunft direkt von zuhause eine Oculus aufziehen und das favorisierte Schiff vorab einfach virtuell begehen. Im Shopping-Bereich können wir mit der Brille zum Beispiel unser neues Auto komplett konfigurieren und virtuell erleben.

Für Augmented-Reality-Brillen gibt es Tests im Lagermanagement. DHL hat im Rahmen eines Pilotprojektes herausgefunden, dass eine signifikante Zeit-Einsparung durch die Anzeige des richtigen Weges sowie der zu entnehmenden Ware und des Einscannens stattfindet. Darüber hinaus können uns Augmented-Reality-Brillen zukünftig Navigieren, beim Sport unseren Kalorienverbrauch und unsere Schnelligkeit in Echtzeit zeigen oder uns im Supermarkt zu den von uns gesuchten Produkten leiten.

Wir werden die Brillen je nach Nutzungsszenario auswählen

Augmented-Reality: Datenbrille im Einsatz. (Foto: DHL)
Augmented-Reality: Die Datenbrille im Einsatz bei DHL. (Foto: DHL)

Nicole Rüdlin: Glaubst du, dass Datenbrillen grundsätzlich massenmarkttauglich sind?

Vanessa Meister: Es wird nicht jedermann in jeder Situation eine Brille tragen – sondern die Brille je nach Nutzungsszenario auswählen. Beispielsweise kann ich vor dem Computer eine Oculus aufsetzen, um einzukaufen und dann später auf meiner Zugfahrt über eine Epson-ähnliche Brille einen Film sehen – und trotzdem noch die Umwelt wahrnehmen. Wenn ich dann im Auto sitze oder Sport mache, könnte ich mich über eine Google-Glass-ähnliche Brille navigieren lassen – das heißt nicht, dass jeder mehrere Brillen besitzen muss – aber dass es durchaus Zielgruppen auf dem Massenmarkt für die jeweiligen Brillenarten gibt.

Nicole Rüdlin: Wie lässt sich die Datenbrille mit E-Commerce verbinden?

Vanessa Meister: Für den E-Commerce bieten vor allem Virtual-Reality-Brillen große Chancen. Hierfür können ganze Einkaufscenter nachgebaut werden, in die ich dann von zuhause aus eintreten und dort shoppen gehen kann. Ich kann Produkte auswählen, sie in 3D angucken, über Gestensteuerung beispielsweise mit Leap-Motion drehen und ganz einfach die Farben und Größen verändern. Auch ist denkbar, dass ich das mit meinen Freunden teilen und so mit ihnen zusammen shoppen gehen kann.

„Die Verfügbarkeit ist sehr unterschiedlich, aber Datenbrillen sind keine Rarität mehr.“

Auch entstehen neue Chancen für Produkte, die entweder nicht fassbar sind oder einfach zu groß, um eine genügende Anzahl davon in einem Shop auszustellen. Als Kind bin ich mit meiner Mutter noch in ein Reisebüro gelaufen und als Entscheidungsgrundlage für die nächste Reise hatten wir einen Katalog mit zwei Bildern pro Hotel. Heute kann ich mir auf Internetseiten hunderte Bilder anschauen und gleichzeitig Bewertungen einsehen. In Zukunft ist denkbar, dass ich durch den Einsatz einer Brille wirklich in ein Hotel und die Zimmer virtuell reinlaufen kann und mir diese und die Hotelumgebung somit noch genauer anschauen kann. Das gleiche gilt für Immobilien, Autokonfiguratoren oder aber beispielsweise große Maschinen.

Ikea hat auch schon gezeigt, wie Augmented Reality dem Kunden helfen kann, das richtige Möbelstück für das eigene Zuhause zu finden. Ja, gerade für den E-Commerce-Bereich entwickeln sich durch verschiedene Brillen ganz neue Möglichkeiten.

Nicole Rüdlin: Kann man Datenbrillen kaufen? Wo und was kosten sie?

Vanessa Meister: Die Verfügbarkeit der Datenbrillen ist sehr unterschiedlich. Mittlerweile sind sie allerdings keine Rarität mehr. Die bekannten Modelle wie die Epson Moverio BT-200, Vuzix M 100, Oculus Rift (DK2), Samsung Gear VR und Carl Zeiss One VR können direkt von den Herstellern bezogen werden, teilweise aus dem Ausland, wobei die Lieferzeiten variieren und man die Brillen unter Umständen verzollen muss. Etwas schwieriger wird es bei der Google Glass. Sie war bislang über das Explorer-Programm von Google für 1.500 US-Dollar erhältlich. Allerdings nur für natürliche Personen mit Wohnsitz in den USA. Das letzte halbe Jahr wurde das Programm auch nach Großbritannien ausgeweitet. Die Brille ist ab sofort nicht mehr erhältlich. Ob Google die noch verfügbaren Modelle verkauft, ist unklar. Preislich gibt es insbesondere zwischen AR- und VR-Brillen Unterschiede. Da VR-Brillen keine eigenen Rechenkomponenten besitzen – also Grafikkarten, Prozessor, Sensoren und so weiter –, sind sie auch wesentlich kostengünstiger.

Die Oculus Rift DK2 kostet offiziell 350 US-Dollar und braucht einen PC, die Samsung Gear kostet 199 US-Dollar, wobei dazu gesagt werden muss, dass ein Samsung Note4 vorhanden sein muss. Die Carl Zeiss One VR kostet 99 Euro, wobei auch hier wird ein Smartphone benötigt wird, die Epson Moverio BT-200 kostet 700 US-Dollar und die Vuzix M 100 999 US-Dollar. Die Meta 1 Space Glass ist wie die Oculus DK 2 noch ein Development-Kit und kann für 667 US-Dollar vorbestellt werden.

Nicole Rüdlin: Danke für das Interview!

Über die Interviewpartnerin

vanessa-meisterVanessa Meister ist Senior-Innovation-Strategist bei der Trendagentur Futurecandy, einer global agierenden Innovations- und Trendberatung mit Hauptsitz in Hamburg. Am 24. und 25. März 2015 wird sie am Stand G248 in Halle B1 auf der Internet-World in München die oben genannten Datenbrillen live vorstellen. Messebesucher, die schon immer mal einen Blick in die Zukunft wagen wollten, haben hier die Gelegenheit zum Testen und Ausprobieren. Mehr Informationen und kostenlose Anmeldung zur Messe auf internetworld-messe.de.

*Unter dem Begriff Datenbrille verstehen wir Virtual und Augmented Reality Brillen.

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1 Reaktionen
Hoffentlich kommen die Brillen bald
Hoffentlich kommen die Brillen bald

Die Brillen sind nur eine weitere Monitor-Form neben Monitoren, immer wichtiger werdenden SmarTVs und Handies und Tabletts und bald auch noch den Uhren. Google hat wie üblich (Wave, Base, Dodgeball, Orkut, Glass, Wallet ...) seine Projekte in den Sand gesetzt und jetzt müssen es andere richtig machen.

Archos gibts aktuell wohl für 9,99$ aber die Versandkosten machen es nicht so sehr interessant. Gibts eine normale Quelle wie Amazon oder Ebay dafür ?

Durovis Dive ist etwas günstiger als Zeiss glaube ich.

Diverse Brillen gibts von Chinesischen Anbietern bei Ebay usw. für 5-30 Euro.

In alle genannten Modelle tut man sein Smartphone rein.

Das Problem ist die Steuerung. Google-Cardboard hat einen Magneten der als Schalter genutzt wird. Bluetooth-Fernsteuerungen kosten oft ähnlich viel wie Bluetooth-Tastaturen. Wer die Changelogs der Brillen-Kompatiblen Apps liest, kriegt schnell mit das sie oft bezüglich der Steuerung nachgebessert werden.

Mittelständler können sich teure Software nicht leisten und auch nicht die Ausfälle durch Fehler. im Prinzip wären vielleicht die Shopping-Lösungen interessant um Pakete und Barcodes zu scannern. Mit einem Loch im Brillen-Gehäuse kann man ja die Kamera des Handy nutzen und die Umgebung sehen.

Ein Killerfeature sind auch Routenplaner oder Informations-Systeme. Sowas gibts auch schon ewig aber durch die Brillen wird es noch interessanter.
Insellösungen verhungern schnell wegen zu wenig Nutzern. Divide&Conquer.
WikiMuseum.xml-Dateien und verschiedene Player dafür wären interessanter. Dann muss jedes Museum nur die Daten vorhalten und kostenlose Apps spriessen hervor.

Was die meisten nicht wissen ist, das viele Industrien auf Messen basieren. Z.b. diese Handwerker-Messen jedes Jahr in jeder Gemeinde. Da wären QR-Codes und 3D-Infos die dann am Handy bzw. Videobrille(wo das Handy drinsteckt) erscheinen interessant. Oder auch nur QR-Codes womit man die Prospekte zum jeweiligen Produkt runterladen kann.
Auch sowas sollte halbwegs einheitlich von der IHK oder Messe-Betreibern organisiert werden. Manche Firmen tingeln ja oft von Messe zu Messe um Gewerbekunden anzusprechen. Die älteren Mittelständler mit Geld nutzen (siehe Glöckler-Reality-Doku) das Ipad gerne, aber es sollte nicht all zu kompliziert sein. Messe-Wifis sind bisher wohl auch Wunschdenken.

Viele triviale Dinge die uns schon zum neuen Markt versprochen wurden, gibts bis heute nicht. Z.b. seinen Körper auszumessen und passende Kleidung draufgemappt zu sehen oder einfach nur zu sehen welche Schuhe die falsche Form haben und drücken würden. Die Kleiderproduzenten benutzen sicher auch CAD-Programme wo die Daten drinstecken.

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