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Die deutsche Tradition des Datenschutzes hat sich überlebt [Kolumne]

Die deutsche Tradition des Datenschutzes hat sich überlebt [Kolumne]

Der von vielen deutschen Datenschützern verfolgte Ansatz der Datensparsamkeit wurde in einer Zeit geprägt, in der Daten zentral an einem Ort gespeichert wurden. Vielfach scheitert dieser Ansatz heute an den Realitäten, weiß .

Die deutsche Tradition des Datenschutzes hat sich überlebt [Kolumne]

Die deutsche Tradition des Datenschutzes hat sich überlebt (Foto: Shutterstock)

Der überholte Datenschutzgedanke

Der deutsche Begriff Datenschutz und die Vorstellungen, die damit verbunden werden, wurden in einer Zeit geprägt, als Großrechneranlagen Daten zentral gespeichert haben. Die Rollen waren damals klar verteilt: Dort die Daten und die Herrschenden, hier das Volk und die Überwachten. Es waren die Zeiten von Volkszählungsurteil und dem Beginn der Rasterfahndung – Computer waren riesige Schränke mit Lochbandspulen.

Heute stellt sich die Situation etwas anders da. Die Überwachung ist allgegenwärtig – und zwar mehr durch uns alle als durch zentrale Staatsgewalten: Durch Smartphones, die immer und überall Daten über uns und andere sammeln und dabei von der Mini-Kamera bis zum Mikrofon alles mitbringen, was früher nur Geheimagenten vergönnt war. Wir überwachen uns und andere – und zwar lückenloser, als es der Staat jemals schaffen würde. Die Daten sind aber nicht zentral an einem Ort, sondern überall verteilt.

Die Folgen sind nicht nur negativ. Der US-Informatikprofessor Steve Mann hat für allumfassende Überwachung durch die Masse der Bevölkerung den Begriff „Sousveillance“ geprägt, der am besten mit „Unterwachung“ übersetzt werden kann. Eine Konsequenz ist beispielsweise, dass Polizisten immer häufiger für ungerechtfertigte Gewalt gegenüber Zivilisten verurteilt werden, weil diese dank Handyaufnehmen endlich gerichtsfest nachgewiesen werden können, selbst wenn Polizisten „dicht halten.“ Davon ermutigt fordern US-Bürgerrechtler sogar mehr Überwachung – in Form von Bodycams für Polizisten.

Mehr Überwachung kann auch eine gute Sache sein: Bodycams gegen Polizeigeewalt in den USA. (Foto: Shutterstock)
Mehr Überwachung kann auch eine gute Sache sein: Bodycams gegen Polizeigewalt in den USA. (Foto: Shutterstock)

Datensparsamkeit in Zeiten von Big Data

Dennoch: Wissen und Daten sind Macht, Macht kann missbraucht werden und auch das Konzept der Privatsphäre muss nicht dank des Smartphones auf dem Müllhaufen der Geschichte geopfert werden. Gewisse Vorstellungen darüber, wie Privatsphäre erreicht werden kann, sollten aber vielleicht dennoch auf den Prüfstand gestellt werden – und dazu gehört das bei deutschen Datenschützern beliebte Konzept der Datensparsamkeit.

"Zu Ende gedacht bedeutet der Datenschutz deutscher Tradition die komplette staatliche Überwachung"

In einer Zeit, in der Daten nicht mehr zentral und kontrollierbar an bestimmbaren Orten gespeichert werden, sondern alle immerzu Daten sammeln und diese auf Millionen von Geräten und zusätzlich in der nebulösen Cloud gespeichert werden, ist der Versuch, von vorne herein so wenige Daten wie möglich zu speichern, ein Kampf gegen Windmühlen. Schlimmer noch: Konsequent zu Ende gedacht bedeutet der Datenschutz deutscher Tradition die komplette staatliche Überwachung – denn irgendwer müsste ja überwachen, wo nun überall – auf welchen Servern, Smartphones und anderen Geräten – welche personenbezogenen Daten wie lange und zu welchem Zweck gespeichert werden. Zu bedenken ist dabei, dass Daten über euch und mich nicht nur auf den Facebook-Servern, sondern auch auf dem Smartphone unserer Freunde, Arbeitskollegen und Bekannten gespeichert sind.

Die technologische Entwicklung enteilt dem Konzept der Datensparsamkeit, denn in Zeiten immenser Speicher- und Rechenkapazitäten heißt der Ansatz immer häufiger Big Data – und der könnte auch als „Im Zweifel erst mal alles speichern und später schauen, was man damit anfangen kann“ übersetzt werden.

Datensparsamkeit vs. Big Data: „Im Zweifel erst mal alles speichern und später schauen, was man damit anfangen kann“. (Foto: iStockphoto)
Datensparsamkeit vs. Big Data: „Im Zweifel erst mal alles speichern und später schauen, was man damit anfangen kann“. (Foto: iStockphoto)

Datensouveränität statt Datensparsamkeit?

Die globale Entwicklung zu Big Data den deutschen Datenschutzregeln unterwerfen zu wollen, wäre wohl ähnlich aussichtslos wie die weitgehend erfolglosen Versuche, deutsche Regeln zu Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsrechten im globalen Internet durchzusetzen. Gestaltungswillen ist notwendig und ehrenwert – stößt aber schnell auf Grenzen.

Die Antwort auf die zentrale Frage der Privatsphäre im 21. Jahrhundert wird daher vermutlich nicht Datensparsamkeit heißen, sondern Datensouveränität: Man geht davon aus, dass Daten massenhaft anfallen und gespeichert werden – die Frage bleibt, wer Zugriff darauf besitzt und Kontrolle darüber ausübt. Staatliche Regelungen können viel einfacher und effektiver dort ansetzen, wo es darum geht, monopolistische Datensilos zu vermeiden. Wenn ihr speichert, lasst mich selbst auf meine persönlichen Daten zugreifen, sie auf meine Geräte herunterladen und sie im Zweifelsfall selbst nutzen und zu anderen Diensten mitnehmen.

Dieser Realismus beim Thema Datenschutz bedeutet keineswegs Resignation. Der anlasslosen Massenüberwachung der Geheimdienste gehört politisch und technisch durch Verschlüsselung der Kampf angesagt. Sorgsamer Umgang mit persönlichen Daten im Netz sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

Datensparksamkeit hat ihre Grenzen

Gerade aber die Auswertung der vielleicht persönlichsten Informationen überhaupt – nämlicher medizinischer Daten – bietet auch enorme Chancen. Vergangenes Jahr besuchte ich das Krebsforschungszentrum NCT in Heidelberg. Das auf Tumorerkrankungen spezialisierte NCT erfasst die Daten jedes Patienten, der einwilligt, führt eine inzwischen relativ günstig gewordene komplette Genomanalyse durch und stellt mittels Big-Data-Analyse Korrelationen zwischen genetischen Mustern sowie anderen Daten mit dem Erfolg der angewandten Krebsbehandlungsmethoden fest.

Big Data in der Medizin ist das Gegenteil von Datensparsamkeit – alles könnte relevant sein. Noch geschieht diese Datenanalyse in der Medizin vor allem beim internationalen Austausch in geringerem Umfang, als es technisch möglich wäre. Datenschutzgesetze machen die Kooperation zwar nicht unmöglich, erschweren aber den Austausch. Auf die Frage, wie viele Patienten der Datenauswertung zustimmen, antwortete der Institutsleiter mit „99,9 Prozent.“ Vor die Wahl gestellt zwischen „Datensparsamkeit oder Leben“ wählen eben doch fast alle die verbesserten Chancen auf Heilung.

Weitere Kolumnen-Artikel aus „Neuland“ findet ihr hier.
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20 Antworten
  1. von Simon am 21.01.2015 (21:56 Uhr)

    Fast noch nie kommentiert, aber der Artikel schreit danach:

    1) "Die Daten sind aber nicht zentral an einem Ort, sondern überall verteilt." -> Daten waren noch nie so zentral gespeichert wie sie es heute sind, und konnten auch noch nie in diesem Ausmaß zu solch geringem Aufwand zusammengeführt werden -> Bullshit

    2) "Konsequent zu Ende gedacht bedeutet der Datenschutz deutscher Tradition die komplette staatliche Überwachung – denn irgendwer müsste ja überwachen, wo nun überall – auf welchen Servern, Smartphones und anderen Geräten – welche personenbezogenen Daten wie lange und zu welchem Zweck gespeichert werden." -> Muss es nicht, diese Kontrolle können (und sollten) die UN selbst übernehmen. Steuerprüfer überprüfen auch nicht jeden Einzelfall und trotzdem klappt es im Großen und Ganzen (da die UN bei Rechtswidrigkeit strafrechtlich belangt werden und sich deshalb regelkonform verhalten). Außerdem impliziert die oben angedeutete Allmachtsidee von "Big Data" ja anscheinend, dass alles quantifizierbar und auswertbar ist (was ich nicht teile) -> das sollte dann ja auch der Staat hinkriegen.

    3) "Vor die Wahl gestellt zwischen „Datensparsamkeit oder Leben“ wählen eben doch fast alle die verbesserten Chancen auf Heilung.". Wissenschaftliche Studien unterliegen extremst strengen Datenschutzauflagen & sind anonymisiert! Datensammeln im Internet ist es beides nicht, sondern lässt sich eindeutig personenbezogen zuordnen. Außerdem geht es bei fast allen "Big Data"-Anwendungen nicht um Leben und Tod -> der Vergleich hinkt gewaltig.

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    • von Stephan Dörner am 24.01.2015 (17:12 Uhr)

      >"Die Daten sind aber nicht zentral an einem Ort, sondern überall verteilt." -> Daten waren noch nie so zentral gespeichert wie sie es heute sind, und konnten auch noch nie in diesem Ausmaß zu solch geringem Aufwand zusammengeführt werden -> Bullshit

      Personenbezogene Daten von mir sind auf Smartphones aller möglicher Leute und auf zahlreichen Servern gespeichert. Selbst IP-Adressen werden ja von vielen Datenschützern als personenbezogene Daten bewertet und sind auf unzähligen Servern gespeichert.

      Worum es mir geht, ist die kontrollierte Durchsetzbarkeit von Datenschutz in diesem Zusammenhang. Diese ist bei wirklich zentraler Speicherung wie zu Zeiten von staatliche betriebenen Großrechneranlagen, auf denen beispielsweise Daten zu Rasterfahndung oder Volkszählung gespeichert sind, deutlich einfacherer durchführbar.

      >Muss es nicht, diese Kontrolle können (und sollten) die UN selbst übernehmen.

      Jeder, der sich mur rudimentär mit internatioalen Beziehungen auskennt weiß, dass das ein vollkommen illusorischer Vorschlag ist. Dafür müsste sich die Weltgmeinschaft von USA bis China, Nordkorea und Saudi-Arabien auf gemeinsame Datenschutzstandards verständigen. Das ist in vielerlei Hinsicht vollkommen absurd.

      >Außerdem impliziert die oben angedeutete Allmachtsidee von "Big Data" ja anscheinend, dass alles quantifizierbar und auswertbar ist (was ich nicht teile) -> das sollte dann ja auch der Staat hinkriegen.

      Nein und nein.

      >Außerdem geht es bei fast allen "Big Data"-Anwendungen nicht um Leben und Tod -> der Vergleich hinkt gewaltig.

      Das sollte kein Vergleich sein, sondern ein konkretes Beispiel für positive Folgen von Big Data.

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      • von Simon am 24.01.2015 (20:34 Uhr)

        "Jeder, der sich mur rudimentär mit internatioalen Beziehungen auskennt weiß, dass das ein vollkommen illusorischer Vorschlag ist. Dafür müsste sich die Weltgmeinschaft von USA bis China, Nordkorea und Saudi-Arabien auf gemeinsame Datenschutzstandards verständigen. Das ist in vielerlei Hinsicht vollkommen absurd."

        -> Absurd ist die Keule, die hier rausgeholt wird. Es gibt Gesetze in Deutschland, die für Deutschland gelten. Wenn der deutsche Staat vorschreibt, dass Daten von deutschen Staatsbürgern geschützt werden müssen, dann halten sich UN daran. Genau wie sie es bei Arbeitsschutz, Umweltschutz, Zertifizierungen usw. auch tun. Wir haben nämlich ein Rechtssystem in DE, das so etwas verfolgen kann. Und UN die Geschäftstätigkeit in DE verbieten und bestrafen kann. Dafür braucht es auf keinen Fall gemeinsame Datenschutzstandards - DAS ist absurd.

        "Das sollte kein Vergleich sein, sondern ein konkretes Beispiel für positive Folgen von Big Data."

        -> Ich denke nur sehr wenige Menschen denken, dass "Big Data" keine sinnvollen Dinge hervorbringen kann - was aber auch garnicht zur Diskussion steht, sondern WIE dies geschehen kann.

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  2. von thokon am 22.01.2015 (10:12 Uhr)

    Auf einen derart naiven und nach Lobbyarbeit (ich habe leider nichts zu den Einnahmequellen des Autors gefunden) schreienden Artikel, kann ich nur mit einer Frage antworten:
    Haben Sie das Buch "1984" von George Orwell etwa nicht gelesen?

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    • von Stephan Dörner am 24.01.2015 (17:17 Uhr)

      Zu meinen Einnahmen: Ich habe bis zur Einstellung im Dezember für das Wall Street Journal Deutschland gearbeitet und arbeite ab Mai wieder bei einer deutschen Tageszeitung als Journalist. Geld von Unternehmen bekomme ich nicht.

      >Haben Sie das Buch "1984" von George Orwell etwa nicht gelesen?

      Doch, habe ich.

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  3. von Valentin am 22.01.2015 (10:28 Uhr)

    Danke @Simon, dann kann ich etwas verknappt einfach BULLSHIT rufen!

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  4. von Tim am 22.01.2015 (11:09 Uhr)

    Darf ich mich in den Chor einreihen?
    Krebsforschungszentrum wertet medizinische Daten aus. Was hat das mit BigData zu tun? Wird bzw. kann daraus ein Bewegungs- oder Verhaltensprofil erstellt werden?
    Außerdem wird der entscheidende Punkt in einen Nebensatz abgehandelt:
    "[...] der einwilligt, [...]"

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  5. von Wolfgang am 22.01.2015 (12:20 Uhr)

    Ich habe hier selten so einen schlechte Artikel gesehen. Da stimme ich den Kommentaren oben zu! Und füge dazu.
    Zitat: "Der anlasslosen Massenüberwachung der Geheimdienste gehört politisch und technisch durch Verschlüsselung der Kampf angesagt." Ach ja? Zumindest das "politisch" widerlegt doch schon die Realität: Cameron will schon den Einstieg in die zwangsweise Preisgabe der Passwörter für die Verschlüsselung. Alles natürlich nur gegen Terroristen und Schwerstkriminalität blabla... Als wenn Terroristen und Mafiosi, sofern sie denn von der Polizeit gefangen werden, einfach so ihre Passwörter rausrücken würden, um sich damit ans Messer zu liefern! Bleibt also nur der dumme Bürger übrig, der noch ein bisschen besser überwacht werden kann.

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  6. von Hagen am 22.01.2015 (16:48 Uhr)

    Da bleibt nicht mehr viel zu sagen. Der Artikel stinkt nach falscher Meinungsmache. Folgende Meldung sollte man in dem Zusammenhang beachten und sich die Frage stellen, in wessen Auftrag Herr Dörner das verfasst hat:
    http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2015-01/de-maiziere-verschluesselung-cryptowars

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  7. von Hagen am 22.01.2015 (17:27 Uhr)

    Herr Dörner, wenn man den Artikel zum gleichen Thema in der Zeit liest, dann fragt man sich, wer Ihren Artikel finanziert hat.

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  8. von Hagen am 22.01.2015 (22:25 Uhr)

    Sehr geehrter Herr Dörner, ich hoffe nicht, jemals in solch einer Gesellschaft leben zu müssen, wie Sie sie hier skizzieren. Was machen Sie, wenn aus den ach so demokratischen Regierungen plötzlich diktatorische Mächte werden, denen Ihre gläserne Meinung nicht gefällt. Oder wenn Ihre Krankenkasse aufgrund Ihres digitalen Bewegungsmusters individuell Ihre Beiträge anpasst, weil sie zu erkennen glaubt, dass Sie ein Risikopatient sind und das auch noch statistisch belegt.
    Im Übrigen äußern Sie auch falsche Tatsachen. Ich habe ebenfalls die Krebsstudie in der Presse verfolgt. Aber ich habe mitgenommen, dass die Daten nach Einwilligung der Patienten anonymisiert erhoben wurden.
    Ist der Zweck einer Datenerhebung plausibel, passiert dies mit freiwilliger Einwilligung des Datengebers anonymisiert und ist eine Deanonymisierung ausgeschlossen und das alles zu einem nachvollziehbaren Grund, dann steht dem meines Erachtens auch nichts entgegen. Aber Sammeln auf Vorrat und alles was man kriegen kann. Nein danke!

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    • von Stephan Dörner am 24.01.2015 (17:19 Uhr)

      >Was machen Sie, wenn aus den ach so demokratischen Regierungen plötzlich diktatorische Mächte werden, denen Ihre gläserne Meinung nicht gefällt.

      In dem Kommentar steht, dass staatlicher Überwachung der Kampf angesgat gehört.

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      • von Hagen am 25.01.2015 (16:41 Uhr)

        Wenn das dort stehen würde, dann sollte dort aber auch stehen, dass jede Form der personalisierten Datensammlung egal ob in staatlich organisierten Rechenzentren oder den der globalen Konzerne auf das Nötigste eingeschränkt werden sollte.
        BigData kann eine gute Sache sein. Sie haben dafür auch das Beispiel aus der Krebsforschung benannt. Aber noch einmal, dort wurden anonymisierte Daten unter Einwilligung der Beteiligten verwendet.
        Konzerne und auch Staatsorgane sammeln und verwenden aber Daten ohne unser Wissen teilweise für uns, manchmal aber auch gegen uns...

        In diesem Zusammenhang sollte man sich sehr genau überlegen, ob man befürworten möchte, dass Daten weiterhin massenhaft anfallen und gesammelt werden müssen, wovon Sie ja in Ihrem Artikel ausgehen. Das Datenschutzgesetz schränkt diese Datensammelwut ein. Ich wäre glücklicher, wenn unsere Staatsorgane konsequenter die Einhaltung des Datenschutzgesetzes durchsetzen würden.

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  9. von Gurti Meyer am 22.01.2015 (22:54 Uhr)

    T3N im Griff der... äh, der Rechteinhaberlobby, der Polizeigewerkschaft, oder gar der Gematik? Das ist jedenfals nicht ganz korrekt recherchiert was Sie da schreiben zum Thema Datenschutz.

    Die elektronische "Gesundheitsakte" mit der Telematik und den zentralen Speicherungen aller gesundheits- und Krankheitsdaten aller gesetzlich versichewrten ist eine ganz aktuelle und extrem staatlich zentralisierte Sache, die erhebliches Missbrauchspotenzial bietet. Hier greifen Staatssicherheit, Lobbyismus und altmodeische denkweisen ineinander dass es nur so rummst.
    Man soll sich dagegen nicht wehren dürfen, und dagegen ist die smartphoneflut eher niedlich, denn ich kann meins ja abschalten (und habe es auch abgeschaltet).

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  10. von Alex am 24.01.2015 (20:23 Uhr)

    Recht hat der Autor! Datensparsamkeit ist hoffnungslos, und die meisten Bürger wollen ja auch die Vorteile aus der Verwendung immer grösserer Mengen an Daten aller Art.

    Aber um nicht hilflos den Unternehmen ausgeliefert zu sein, die als Gegenleistung für durchaus nützliche Dienste unsere Daten anhäufen, braucht es kluge staatliche Regelungen. Und da sieht's leider noch düster aus. Die meisten Parlamentarier scheinen ja nicht mal zu kapieren, dass sie etwas tun müssen -- geschweige denn, was.

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  11. von Frank am 25.01.2015 (09:01 Uhr)

    Lieber Stephan Dörner, vielen Dank für diesen Beitrag! Sicher lässt sich über den ein oder anderen Punkt trefflich streiten. Wesentlich bleibt aber, dass es leider aussichtslos scheint, die rasende IT-Entwicklung mit den bisherigen (legislativen) Denkmodellen zukunftssicher einhegen zu wollen. Ohne grundlegend neue Ansätze werden wir unsere persönliche informationelle Selbstbestimmung, die Sie, die Kommentatoren und ich wohl gemeinsam für schützenswert erachten, nicht über kurze Zeiträume hinaus schützen können. Ich bin sicher, wir finden eine Lösung. Vorausgesetzt, wir verharren nicht in unseren so heimeligen, gedanklichen Schützengräben.

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  12. von Karl-Heinz Testuser am 27.01.2015 (11:07 Uhr)

    Datensparsamkeit ist notwendige Voraussetzung für Datensouveränität.

    Denn:

    1. Was einmal im Netz ist, geht da nicht mehr raus. Auch wenn es vielleicht nicht mehr sichtbar ist - irgendeiner hat immer noch eine Kopie der Daten.

    2. Weil alles vernetzt ist, landen einmal hergegebene Daten fast sicher im Netz.

    3. An Gesetze halten sich Personen und Unternehmen nur, wenn sich das für sie rechnet. Siehe das Verhalten der Banken, die rechnen die Strafen einfach in der Kalkulation mit ein.

    Folglich: Sobald ich Daten jemandem gebe, kann ich nicht mehr kontrollieren, wo die bleiben. Bin also nicht datensouverän. Also darf ich meine Daten nicht hergeben, wenn ich meine Datensouveränität behalten will. Das nicht-Hergeben von Daten wird "Datensparsamkeit" genannt.

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  13. von Andreas Franken am 27.01.2015 (19:30 Uhr)

    Hallo Herr Dörner,

    vielen Dank für Ihren sehr interessanten Artikel.

    Herzliche Grüße,
    Andreas Franken
    http://franken-consulting.org

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  14. von mammonc am 09.02.2015 (20:17 Uhr)

    Ich finde es gut, dass der Autor sich mit den Kommentaren auseinandersetzt, das sollte man honorieren und dementsprechend seine Meinung formulieren!

    Zum Inhalt:
    Die Ideen sind wichtig und es gut sich mit dem Thema auseinaderzusetzen, leider sind die Thesen etwas kurz gegriffen. Auf zwei Möchte ich näher eingehen:

    Datensouveränität statt Datensparsamkeit
    Das ist eine gute Idee, die leider qua Defintion des Internets nicht zu verwirklichen ist. Das Internet mit seiner dezentralen Struktur und dem Gedächtnis das nicht vergisst, wird niemals eine Souveränität gewährleisten können, das ist ja heute mit geltendem Recht schon nicht möglich. Zudem ist aus diesem Grund und aus dem Grund dass Kopien exponentiell gefertigt werden, Datensparsamkeit wichtiger denn je.
    Die Formel müsste hier lauten:
    Datensouveräntität PLUS Datensparsamkeit.
    Mittel wie "Privacy by Default" (iOS fragt ja artig, wem Zugriff auf was gegeben werden soll), ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber kann nur mit Awareness kombiniert fruchten.

    "Zu Ende gedacht bedeutet der Datenschutz deutscher Tradition die komplette staatliche Überwachung"

    Das ist Humbug. Wir müssen hier zwischen Überwachung und Kontrolle unterscheiden. Es wird in Deutschland ohnehin nur schwach kontrolliert. Es würde niemals eine komplette zentralisierte Überwachung der Einhaltung der Gesetze stattfinden. Alleine aus Ressourcengründen (wenngleich es die Jungs vom BND freuen würde).
    Einfache Analogie: Der Staat überwacht den Straßenverkehr ja auch nicht komplett, sondern kontrolliert stichprobenartig, genauso verhält es sich mit dem Datenschutz.

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  15. von Tetea am 01.06.2015 (10:20 Uhr)

    Der Datenschutz ist Deutschland schon heilig und deshalb verwundert es mich auch nicht, wenn bei Eingriffen aus dem Ausland die Presse hellhörig ist. Ich merke allerdings auch, dass private Daten immer mehr unbewusst in den Kreislauf gelangen und das ist fast schon skandalträchtig. Man kann von den Datenschutzbeauftragen und zuständigen Leuten schon erwarten, dass sie sich im Bereich Datenschutz und Privatsphäre sich gut auskennen. Seminare wie hier unter http://www.forum-verlag.com/ im Bereich IT&Datenschutz kann man sich mal anschauen!

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