Bei Apple wäre das nicht passiert: Eine Pressekonferenz ist angesetzt und das „geheimnisvolle neue Produkt“ ist schon öffentlich und bekannt, bevor sie überhaupt losgeht. Gut eine Stunde war das Dashboard bereits online als die offizielle Präsentation losging.
Ort des Geschehens war das Tagungszentrum in der Bundespressekonferenz - in Sichtweite des Berliner Hauptbahnhofs und des Regierungsviertels. „Hinten durch rechts“, erklärte mir der Portier, nachdem er die Tür des Haupteingangs für mich geöffnet hatte. Hier kann man nicht so einfach rein- und rausspazieren.
Rund 30 Journalisten waren in dem Konferenzraum wohl versammelt, um sich das neue Vorhaben erklären zu lassen. Die Präsentation selbst war unspektakulär, eher sachlich. Kleine Randnotiz: Die Folien lagen natürlich bei Google Docs. Als Browser kam aber nicht etwa Chrome zum Einsatz, sondern der Firefox. Allerdings ist der Chrome auf dem Mac ja auch noch Beta...
Per Meyerdierks machte als Datenschutzbeauftragter von Google Deutschland den Anfang, erklärte wie das Internet in den vergangenen Jahren immer komplexer geworden ist und wie personalisierte Dienste zunehmen. „Dafür ist es zwangsläufig, dass personenbezogene Daten gespeichert werden“, erklärte er. Und genau das ist natürlich das entscheidende Dilemma, das immer wieder im Verlauf der Veranstaltung auftauchte: Am liebsten wäre es sicher jedem Internetnutzer, wenn gar nichts gespeichert würde. Andererseits sind Personalisierungen praktisch. Für Social Networks beispielsweise ist es grundlegend.
In einer Folie zeigte Per Meyerdierks die „Datenschutz-Philosophie“ von Google:
Dr. Wieland Holfelder, Leiter des Google-Entwicklungszentrums in München, zeigte schließlich das eigentliche Produkt. Das Google Dashboard versammelt auf einer Seite derzeit Informationen aus 20 Google-Diensten. Dazu bekommt man Links zu Hilfeseiten und den jeweiligen Einstellungen. Weitere Dienste sollen folgen. Für den Anfang habe man sich auf die wichtigsten und meistgenutzten Angebote konzentriert.
Die Verbindung der zahlreichen Services untereinander ist bekanntlich Googles größte Schwachstelle. Vieles entsteht parallel, es gibt diverse Schnittstellen und unterschiedliche Herangehensweisen. Insofern ist diese auf den ersten Blick simple Seite vermutlich mit einer Menge organisatorischem und technischem Aufwand verbunden gewesen.
In der abschließenden Fragerunde ging es noch einmal zur Sache. Denn im Grunde zeigt das Dashboard vor allem auf eine bequemere Art und Weise, was man auch bisher schon abrufen konnte. Es ist nicht so, dass Google nun weitere Informationen offenlegen würde, die sie über die Nutzer haben.
„Wir werden die Kontrollmöglichkeiten noch erweitern“, versprach Wieland Holfelder. Wie genau und wann, bleibt abzuwarten.
Fazit
Google zeigt mit dem Dashboard, dass sie die anhaltende Diskussion um den Datenschutz bei ihren Diensten ernstnehmen. Klar wird allerdings auch, dass es keine grundsätzliche Änderung in der Herangehensweise geben wird. Man gibt dem Nutzer mehr Informationen und einen einfacheren Weg, Einstellungen vorzunehmen. Das ist an sich sehr löblich und unterstützenswert.
Das beendet allerdings nicht die grundsätzliche Diskussion darüber, wie gefährlich eine solche Konzentration von Nutzungsdaten bei einem einzigen Unternehmen ist. Denn auch wenn Google heute betont, wie wichtig ihnen bei alldem der Datenschutz ist, wird niemand künftigen Missbrauch ausschließen können.








4 Antworten
von Datenschutzalltag 07.11.2009 (19:54Uhr) 1.
Als praktizierender Datenschutzbeauftragter bin ich froh über jede Verbesserung und habe ich einen anderen Fokus: "Ich traue Google nicht. Warum das neue Dashboard trotzdem hilft" http://datenschutzalltag.wordpress.com/2009/11/06/ich-traue-google-nicht-warum-das-neue-dashboard-trotzdem-hilft/
von Google und der Datenschutz « Vertr… 19.03.2010 (09:56Uhr) 2.
[...] Netz wie im Leben gerne mal enttäuscht wird, auf Vertrauen. Man muss Google glauben, dass stimmt, was auch in der Datenschutzphilosophie steht: “Wir gehen mit Daten, die wir speichern, verantwortungsvoll [...]
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