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DBKiss vs. Adminer: PHP-basierte MySQL-Verwaltung in einer einzigen Datei

Denkst man an PHP-basiertes MySQL-Management, denken viele mit ziemlicher Sicherheit zuerst an phpMyAdmin. Denn phpMyAdmin ist der absolute Platzhirsch in diesem Bereich. Wer was auf sich hält, betreibt mit Sicherheit eine Installation dieses immer voluminöser werdenden Riesenteils, meist mit Zugang aus dem Hostingbackend. Schnellen Zugang zur Datenbank versprechen aber auch kleinere Lösungen, wie DBKiss oder Adminer. Wir haben sie uns angeschaut und zeigen, was sie taugen.

DBKiss vs. Adminer: PHP-basierte MySQL-Verwaltung in einer einzigen Datei

Datenbankverwaltung in einer einzelnen PHP-Datei

phpMyAdmin besteht aus rund 700 Dateien und wiegt stolze 11 MB. Bis dieser Bolide auf den Webspace gewuchtet ist, dauert es. Und dann? Dann legst Du einen Dump an? Oder änderst eine Feldbezeichnung? Irgendwie ist phpMyAdmin stets ein bisschen wie das berühmte Kanonen-Spatzen-Schießbeispiel.

DBKiss und Adminer verfolgen eine andere Philosophie. Sie bestehen jeweils aus einer einzigen PHP-Datei, die es lediglich hochzuladen und aufzurufen gilt. Vom Funktionsumfang bieten beide die wesentlichen Werkzeuge für Otto Normalverwalter. Und wenn man fertig ist mit der Verwalterei, löscht man die Dateien einfach wieder oder benennt sie so um, damit auch der gewiefteste Dateinamenerrater an die Grenzen seiner synaptischen Leistungsfähigkeit gelangt – denn www.domain.tld/wurstbude. ist fast besser als das beste Passwort.

DBKiss – relativer Neuling mit Ambitionen

DBKiss befindet sich zwar bereits seit über zwei Jahren in der Entwicklung. Allerdings hat sein Programmierer erst in diesem Jahr einen derben Motivationsschub erfahren. Momentan erscheinen die Releases etwa im 2-Monatsrhythmus.

DBKiss unterstützt neben auch PostgreSQL. Auf Seiten von MySQL werden alle Versionen von 3.23 bis zu 5.x unterstützt und auch in Sachen PHP zeigt sich DBKiss von PHP4 bis PHP 5.3 wenig wählerisch. Sprachlich besteht weniger Vielfalt, DBKiss spricht nur englisch.

Besondere Fähigkeiten schreibt der Entwickler seinem Produkt mit Blick auf große SQL-Dateien zu. In der Tat kommt es unter Einsatz von phpMyAdmin mit großen Dateien häufig zu Problemen. Dies liegt nicht direkt an phpMyAdmin, sondern an den voreingestellten Scriptlimits. DBKiss behauptet, diese Problematik schlicht dadurch umgehen zu können, dass es bis zu 10 Mal schneller arbeitet als sein dicker Konkurrent.

Zum Zeitpunkt dieses Tests ist die Version 1.08 aktuell. Sie steht als 28 KB großer Zipfile-Download bereit und bläst sich nach dem Entpacken zur 126 KB kleinen dbkiss.php auf. Ruft man die dbkiss.php nun per URL auf, fragt das Produkt nach den Verbindungsdaten zur Datenbank.

DBKiss fragt nach den Verbindungsdaten.

Nach Anmeldung und Datenbankauswahl gelangt man in den eigentlichen Hauptfunktionsbereich, der sich erschreckend schmucklos präsentiert.

DBKiss: An dieser Stelle geht´s los.

Auch wenn einen die Programmoptik an die Zeiten von BTX und Akustikwandler erinnert, so muss man doch konstatieren, dass Funktionalität und Übersichtlichkeit vielleicht sogar von der nüchternen Präsentation profitieren. Auf diese Weise ist jederzeit klar, was wie erreicht werden kann.

DBKiss: Hier können Datenbankinhalte editiert werden.

Geht es nur darum, die Datenbank oder einzelne Tabellen zu durchsuchen, muss man nicht von der Möglichkeit Gebrauch machen, selber SQL-Queries zu stricken. Diese Funktion steht komfortabel oberhalb des Datenbereiches bereit.

Natürlich könnt ihr mit DBKiss aber auch eigene Queries bauen und ausführen lassen. Hierfür wird ein entsprechendes Popup aufgerufen, das einem eine nüchterne Textarea unter die Nase hält. Leider ist bei DBKiss die zusätzliche Anlage eines Verzeichnisses namens dbkiss_sql erforderlich, dem Schreibrechte erteilt werden müssen. Da stolpert der Ansatz des One-File-Tools etwas.

Allerdings wird in dem Verzeichnis eine Art Verlauf angelegt. So lassen sich ältere Queries über den Verlauf schnell aufspüren und erneut auslösen. Praktisch, wenn man eine hochkomplexe Abfrage zusammengebaut, aber nicht gespeichert oder sich auch nur notiert hat. Andererseits lädt die Tatsache der Verlaufsspeicherung in Verbindung mit dem starren Verzeichnisnamen möglicherweise Spaßvögel an, die sich auch einmal an euren Datenbanken versuchen wollen. Eine zweischneidige Sache. Das Anlegen einer neuen Datenbank ist mit DBKiss nicht möglich. Die Software steht unter der Lizenz "BSD Revised". Damit ist sie für jeden legalen Zweck frei verwendbar.

Adminer – Erfahrener Spezialist im One-File-Business

Adminer geriet mir vor etwas mehr als einem Jahr schon einmal unter die Schreibfeder. Seinerzeit verfasste ich den Beitrag "Adminer - MySQL-Administration On The Fly" für das Dr. Web Magazin. Damals war die Version 2.0.0 des Adminer aktuell. Heute beziehe ich mich auf die Version 3.1.0 vom 16.11.2010. Adminer steht unter der Lizenz GPL2. Somit ist das Produkt frei verwendbar für nicht-kommerzielle wie kommerzielle Zwecke.

Die aktuelle Version arbeitet mit MySQL, PostgreSQL, SQLite, MS SQL und Oracle zusammen und zeigt sich damit für nahezu jeden tatsächlich auftretenden Anwendungsfall geeignet. An der großen Sprachvielfalt, in der die Benutzeroberfläche zur Verfügung steht, hat sich nichts geändert. Ob Chinese oder Deutscher, beide können Adminer in ihrer Muttersprache bedienen.

In MySQL 5.1 unterstützt Adminer Eventmanagement und Tabellenpartitionierung. Außerdem gehört Adminer zu den weniger reich gesäten Lösungen, die Stored Procedures nicht nur aufrufen, sondern auch erzeugen und ändern können. Die Software beinhaltet eine komplette Benutzerverwaltung und ist in der Lage, Benutzer und deren Rechte nicht nur zu zeigen, sondern auch zu ändern. Prozesse können eingesehen und bei Bedarf abgebrochen werden. Dass darüber hinaus sämtliche Standardfunktionalitäten bestehen, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.

Adminer kann in verschiedenen Geschmacksrichtungen herunter geladen werden. Die Komplettausstattung "mit Alles" (außer scharfer Sauce) wiegt 292 KB, was in Anbetracht der unterstützen DB-Systeme und Sprachen erstaunlich gering ist. Um Adminer mit DBKiss zu vergleichen, lade ich indes die abgespeckte Version Adminer 3.1.0 for MySQL mit dem Zusatz "Nur auf Deutsch" runter. Eine einzelne Datei mit einer Größe von 143 KB landet auf meiner Festplatte. Adminer ist demnach nur 17 KB schwerer als DBKiss bei einem deutlich höheren Funktionsvolumen.

Ich lade die Datei hoch und rufe sie per URL auf. Der Einstieg ist schnörkellos, wie bei DBKiss, aber aufgrund des verwendeten CSS deutlich eleganter.

Adminer fragt nach den Verbindungsdaten.

Das elegantere Erscheinungsbild setzt sich im Backend fort.

Adminer bietet vom Start weg mehr Möglichkeiten.

In der Übersicht der Tabellen zeigt sich spätestens die Überlegenheit des Adminer. Analysieren, optimieren, prüfen, reparieren, entleeren, anlegen neuer Tabellen und Views, alles ist mit den 17 zusätzlichen KB möglich. Dabei ist Adminer auch in letzter Konsequenz "one file". Das Anlegen eines Verzeichnisses, wie bei DBKiss, wenn SQL ausgeführt werden soll, ist nicht erforderlich. So ist Adminer neben der komfortableren auch die sicherere Lösung.

Betreiber selbst gehosteter WordPress-Blogs können sich besonders freuen. Der großartige Frank Bültge nämlich hat Adminer in ein WordPress-Plugin verpackt, das im Repository verfügbar ist. Und anders als zu Zeiten meines älteren Beitrags für das Dr. Web Magazin beurteile ich dieses Plugin heutzutage als unabdingbare Vereinfachung im Umgang mit der Datenbank eines Blogs.

Der wesentliche Vorteil des WordPress-Plugins besteht nach wie vor darin, dass durch den Zugriff aus dem WP-Backend kein separater Connect zur DB mehr erforderlich ist. Adminer wird simpel durch Klick in der WP-Seitennavigation aufgerufen und steht sofort bereit, ohne dass Angaben zu Datenbankuser und Passwort bekannt sein müssen.

WordPress: Unscheinbarer Link mit großer Wirkung.

Frank Bültge hat sich zusätzlich die Mühe gemacht, das CSS so anzupassen, dass sich Adminer in gewohnter WP-Optik bedienen lässt. Dabei kann der Aufruf inline im Backend oder in einem neuen Tab erfolgen. Letztere Variante entspricht dem Aufruf der Standalone-Version. In der Vergangenheit zwängte das Plugin Adminer mehr schlecht als recht in ein kleines Overlay und überzeugte mich nicht so recht.

Fazit: Adminer hat klar die Nase vorn

Ich bin ja im Grunde mehr der Harmoniebedürftige und versuche Formulierungen zu finden, die niemandem richtig weh tun. In diesem Falle muss ich aber klar sagen: Wenn One-File-Administration, dann mit Adminer. Adminer ist wesentlich funktionsstärker, sicherer, schöner und steht zudem auf Deutsch sowie als WP-Plugin bereit. Für DBKiss spricht in diesem Vergleich gar nichts.

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10 Antworten
  1. von peter.p am 06.12.2010 (09:56 Uhr)

    > denn http://www.domain.tld/wurstbude.php ist fast besser als das beste Passwort.

    Solch eine Aussage finde ich ziemlich gefährlich.

    In Zeiten von Google Toolbars u.a. sind URLs, die "einem nur selbst bekannt sind" schnell im Google Index. Und wehe, man hat die Seite nicht korrekt geschützt (weil wurstbude.php ja fast besser ist als das beste Passwort).

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  2. von Michael am 06.12.2010 (10:13 Uhr)

    Also ich sage mal, ein MySQL Admin in einer Datei ist wie ein halber Smart, es kommt einfach auf andere Sachen wie die größe an in der heutigen Zeit. Aber finde ich gut, dass es immer noch welche gibt die das Rad neu erfinden wollen, nur wäre das nichts für mich.

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  3. von Dieter Petereit am 06.12.2010 (11:26 Uhr)

    @peter: Du hast Recht. Sollte eigentlich mehr eine humoristische Einlage sein. Aber in der Tat kann das jemand als echte Empfehlung missverstehen.

    Deshalb: Niemals potenziell sensible Dateien einfach nur umbenennen!

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  4. von Cord117 am 06.12.2010 (12:41 Uhr)

    Kann man doch bestimmt in nen .htaccess-geschütztes Verzeichnis legen oder?

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  5. von Cezary Tomczak am 06.12.2010 (14:28 Uhr)

    I'm not sure if google translated article correctly, but I see the author mentioning a few times a disadvantage of dbkiss that it requires creating 'dbkiss_sql' directory, and that is not true (in most cases). As you can read at dbkiss site: http://www.gosu.pl/dbkiss/

    "Some of the features in the SQL editor require creating 'dbkiss_sql' directory, where history of queries is kept and other data. If the script has permission it will create that directory automatically, otherwise you need to create that directory manually and make it writable. At the top of dbkiss.php there is defined constant called 'DBKISS_SQL_DIR', you can set it to empty '' string, so the script won't try to create/use dbkiss_sql directory, but some of the features in the sql editor will not work (templates, pagination)."

    That directory is necessary only so that some features in sql editor are enabled (templates, pagination). If the script has access the directory will be created automatically, so user has nothing to worry about it.

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  6. von Frank am 06.12.2010 (14:31 Uhr)

    Vielen Dank an Dieter für das Lob.
    Die Stärke von Adminer liegt in der Größe, schnell eingespielt und los geht es. Insbesondere DB importieren geht so einfach und schnell, auch mit größeren Daten von mehreren MB, wie nie zu vor. Für viele Anwendungsfälle in dieser Art ist phpMyAdmin einfach zu groß. Hier sehe ich die Stärke.

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  7. von Dieter Petereit am 06.12.2010 (22:54 Uhr)

    @Cezary: Sorry, but that´s a little too simple. It is not an argument to say that you don´t need to create a folder if the php has got write rights and thus can do it itself. You´d better admit that a writeable folder is essential if you want to fully utilize your product.

    @cord117: Ja, natürlich.

    @Frank: Genau da liegt die Stärke. Das hat mit Rad neu erfinden nichts zu tun.

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  8. von swarge am 09.12.2010 (15:34 Uhr)

    beim ersten Aufruf tauchte im Browser unten "warten auf http://www.adminer.org auf". Müsste ich mir nun Sorgen machen? Daten übermittelt?

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  9. von Dieter Petereit am 09.12.2010 (15:37 Uhr)

    @swarge: Unwahrscheinlich. Bei Bedenken aber mal beim PHP-Guru Frank Bültge nachfragen. Der kennt Adminer wie seine Westentasche. Er hat weiter oben kommentiert...

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  10. von Frank am 09.12.2010 (15:53 Uhr)

    Adminer fragt die Version (wenn ich richtig bin, dann im wesentlichen um auf eine neue Version hinzuweisen) ab, nutzt auch seitens Sourceforge ein Script für Syntaxhighlightning. Im Plugin für WordPress habe ich das deaktiviert. Wenn es stört, dann nimm einfach die adminer-Datei aus dem inc-Verzeichnis des Plugins. Sorgen muss man sicher nicht machen, aber es ist eben eine Verbindung.

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