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Porträt

Deepstreamhub: „Wir werden Google noch früh genug auf die Füße treten“

    Deepstreamhub: „Wir werden Google noch früh genug auf die Füße treten“

Wolfram Hempel und Yasser Fadl haben das Startup Deepstreamhub offiziell 2016 in Berlin angemeldet. (Foto: Deepstreamhub)

Das Berliner Startup Deepstreamhub hat eine Infrastruktur entwickelt, mit der sich Daten in Echtzeit abrufen lassen. Besuch bei einem Unternehmen, das es mit Google aufnehmen will.

Wir arbeiten parallel im selben Dokument, können den Weg des Pizza-Kuriers bis zur Haustür auf dem Smartphone-Bildschirm verfolgen und spielen gegen einen virtuellen Gegner in „Clash of Clans“: An vielen Stellen funktioniert unser digitales Leben heute nur, wenn die Daten live und so schnell wie möglich auf unsere Geräte übertragen werden.

In Unternehmen sorgt der Trend, alles in Echtzeit nutzen zu können, für glühende Köpfe. Denn die Infrastruktur hinter diesen Modellen müssen sie bisher in vielen Fällen noch selber bauen. Eine Standardlösung fehlt. Einzig Google bietet mit Firebase eine Möglichkeit, eine Echtzeit-Datenbank zu nutzen – allerdings auch zu den üblichen Bedingungen, denn Google gräbt dabei Daten ab.

Genau an dieser Stelle setzt das Berliner Startup Deepstreamhub an. „Wir versuchen, das Echtzeit-Datenrückgrat des Internets zu werden“, sagt Wolfram Hempel. Er hat die Firma gemeinsam mit Yasser Fadl gegründet. Die Plattform der beiden Unternehmer dient als Echtzeit-Datenbank. Hempel spricht von einer Mischung aus Platform as a Service, Infrastructure as a Service und Backend as a Service. Das Startup hat nun die Betaphase abgeschlossen, am Montag hat es offiziell weltweit gelauncht.

Deepstreamhub: Mischung aus Plattform, Infrastruktur und Backend

Die Idee hinter Deepstreamhub: Wer in Echtzeit Daten übertragen will, soll sich um sein Produkt und nicht um die Infrastruktur kümmern müssen. Um Deepstreamhub zu nutzen, verwenden Unternehmen eines der Software Development Kits des Startups und erstellen einen Account. Danach erhalten sie einen Schlüssel. Geben sie diesen Schlüssel ein, verbindet sich das SDK mit der Plattform. Daten können dann in beide Richtungen ausgetauscht werden. Wenn das Unternehmen eine App baut, kann es ein Konzept namens Data-Sync nutzen. Dieses teilt kleine Datenobjekte über Server, Mobiltelefone oder auch Browser miteinander. Jede Änderung speichert die Datenbank von Deepstreamhub und synchronisiert sie binnen 16 Millisekunden auf allen Geräten.

Deepstreamhub baut dabei gewissermaßen das komplette Backend: Um Aspekte wie Datenübertragung und Datenbank kümmert sich das Berliner Startup, der Nutzer muss nichts machen. Wenn er das will, kann er aber Microservices entwickeln und mit der Cloud verbinden. „Du kannst quasi dein eigenes Backend oben drauf setzen“, sagt Hempel im Gespräch mit t3n in Berlin.

Auf das Geschäft mit den Echtzeit-Daten stießen er und sein Mitgründer durch Zufall. Eigentlich wollten die beiden ehemaligen Trading-Entwickler eine Handelsplattform für feine Weine etablieren. Was absurd klingt, ist eine milliardenschwere Industrie: Es gibt Hedgefonds, Börsen, Ticker. Doch das Konzept ging nicht auf.

„Das eine will überhaupt nichts werden und das andere reißen uns die Leute aus den Händen.“

Die beiden Gründer wandelten ihre Idee stattdessen in ein Frontend für Retail Purposes um. Auch dieses Produkt fand wenig Anklang. Stattdessen interessierten sich die Unternehmen für etwas ganz anderes: die Infrastruktur dahinter. „Irgendwann haben wir uns gedacht: ‚Das eine will überhaupt nichts werden und das andere reißen uns die Leute aus den Händen – vielleicht müssen wir unseren Fokus doch noch mal überdenken‘“, sagt Hempel. So entstand im dritten Anlauf schließlich Deepstreamhub.

Dass das Unternehmen einen Nerv trifft, zeigt die Bandbreite an Kunden: In der Betaphase nutzten die Plattform vor allem Messaging-Apps, Finanzunternehmen und Multi-Player-Spiele. Von den Unternehmen in der Betaphase sind aktuell noch 60 Prozent dabei. In Zukunft erhofft sich das Berliner Startup auch mehr Nutzer aus dem Internet der Dinge. Dort könne die Lösung helfen, wenn viele Maschinen innerhalb von Millisekunden aufeinander abgestimmt werden müssen, sagt Hempel.

Als Geschäftsmodell peilen die Gründer eine Freemium-Lösung an: In der ersten Variante können Firmen die Infrastruktur komplett frei nutzen. Die Preise danach liegen zwischen 80 und 360 Euro pro Monat. Auch eigens für Konzerne entwickelte Enterprise-Lösungen will Deepstreamhub anbieten.

Deepstreamhub sorgt dafür, dass Daten in Echtzeit beim Nutzer ankommen. Damit will das Startup Unternehmen aus den Bereichen Finanzen, Multi-Player-Gaming, Messaging, aber auch Firmen im Bereich Internet der Dinge ansprechen. (Screenshot: Deepstreamhub)

Bisher lebt das Unternehmen noch von Investitionen: 2016 hat es eine Million US-Dollar von dem Berliner Wagniskapitalgeber Blueyard erhalten. Außerdem hat die EU über den europäischen Fonds für regionale Entwicklung 750.000 Euro hinzugeschossen. Das Geld fließt derzeit vor allem in Mitarbeiter. „Wir brauchen gute Leute, die uns beim Aufbau der Plattform helfen“, so Hempel.

Anders als andere Startups, hat Deepstreamhub nach eigener Aussage aber wenig Probleme damit, Talente zu gewinnen. „Wir haben es recht einfach“, sagt der 32-Jährige. Das liegt auch an ihrer Transparenz: Die beiden Gründer haben ihr Projekt Open Source zugänglich gemacht, auf Github haben sie dafür 5.000 Sterne erhalten. Viele fänden es deshalb prestigeträchtig, für Deepstreamhub zu arbeiten. Wenn sie bei dem Startup anfingen, würden sie das Produkt oft schon auswendig kennen, berichtet der Gründer. Er erhalte ständig neue Anfragen von Entwicklern.

  „Das ist eine ziemlich große Lücke, die irgendwer füllen wird. Wir hoffen, dass wir das sind.“

Mit dem Transparenz-Ansatz wollen die beiden Gründer aber nicht nur Mitarbeiter anziehen, sondern auch Kunden. „Wir machen dir alle deine Daten zugänglich“, sagt Hempel. „Wir schauen nicht in deine Daten rein.“ Damit will sich das Startup vom großen Konkurrenten Google Firebase differenzieren. Die Daten liegen alle verschlüsselt auf der Plattform, der Kunde könne sie jederzeit rausholen. Ein weiterer Pluspunkt gegenüber Firebase: Deepstreamhub ist schneller als der Wettbewerber. Statt 602 Millisekunden wie Googles Produkt braucht die Datenübertragung bei den Berlinern nur 16 Millisekunden. Das klinge albern, sagt Hempel, aber das sei für Trading-Apps und Multi-Player-Spiele sehr wichtig.

Das große Ziel: eine universale Echtzeit-Datenplattform zu schaffen. Deepstreamhub soll die Anlaufstelle für alle werden, die Daten sofort und live senden wollen. Ob das ein Streaming-Modell oder ein Marktplatz-Modell wird, darauf sind die Gründer nicht festgelegt. „Das ist eine ziemlich große Lücke, die irgendwer füllen wird“, sagt Hempel. „Wir hoffen, dass wir das sind.“

International stößt das Projekt schon auf erste Fans. Überraschend präsent sei man in Afrika, sagt Hempel. Dort werben zwei Mitarbeiter fleißig Interessierte an. Auch in Südostasien und Südkorea nutzen bereits einige Unternehmen das Produkt. In Ländern wie Indien, in denen die Netzabdeckung schlecht sei und die Leute hauptsächlich mobil arbeiten, funktioniere Deepstreamhub schon extrem gut. Derzeit will sich das Unternehmen deshalb ein eigens dafür entwickeltes Protokoll patentieren lassen. „Wir versuchen uns gerade an den Härtefällen“, sagt Hempel. „Bei denen kann uns keiner so leicht das Wasser abgraben.“

Die Vereinigten Staaten sind für die Gründer zwar auch ein Markt – doch auf den wollen sie sich vorerst nicht fokussieren. „Google werden wir noch früh genug auf die Füße treten“, sagt Hempel. Und schmunzelt.

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