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Links, Links, Links: So gewann Kai Spriestersbach den letzten deutschen SEO-Contest

Links, Links, Links: So gewann Kai Spriestersbach den letzten deutschen SEO-Contest

Ein anlässlich der 2015 veranstalteter SEO-Contest von DeinHandy.de wurde zum Schlachtfeld der deutschen SEO-Szene. Mit welchen Strategien sich Kai Spriestersbach von Search One als Erstplatzierter durchsetzen konnte, verrät er im .

Links, Links, Links: So gewann Kai Spriestersbach den letzten deutschen SEO-Contest

(Foto: Shutterstock)

Kai Spriestersbach nach dem Sieg die SEO-Contests. (Foto: Search One)
Kai Spriestersbach nach dem Sieg des SEO-Contests. (Foto: Search One)

Die Regeln waren denkbar einfach, zumindest für einen SEO: Wer sich zu einem bestimmten Zeitpunkt – dem 16. September um 22 Uhr – zu einem frei erfundenen Suchbegriff – der Wortneuschöpfung „deincontesthandy“ – als Erstplatzierter der Suchergebnisse von Google.de behauptet, gewinnt. In diesem Fall ein iPhone 6S.

Wie auch in den Vorjahren machten sich innerhalb der angesetzten drei Wochen deshalb unzählige SEOs daran, mit eigenen Seiten die vorderen Plätze zu erklimmen. Letztlich konnte sich aber nur einer durchsetzen: SEO-Experte Kai Spriestersbach, Inhaber der Online-Marketing-Beratung Search One.

Wir haben ihn im Interview nach seinem Antrieb, seinen Strategien und Erkenntnissen gefragt.

t3n: Hallo Kai, lass uns gleich starten: In Anbetracht des Aufwands war es vermutlich nicht der Gewinn, der dich dazu gebracht hat, beim diesjährigen SEO-Contest mitzumachen. Was hat dich angetrieben?

Kai Spriestersbach: Das ist richtig. Ich habe bereits in der Vergangenheit an einigen SEO-Contests teilgenommen und nutze diese immer für Untersuchungen, Analysen und Experimente. Außerdem macht es echt Spaß! Anders als bei normalen Suchanfragen wird das Ranking bei einem neuen, künstlichen Begriff ohne historische Daten oder bereits vorhandene Nutzersignale gebildet. Ich kann mich somit auf einige wesentliche Faktoren konzentrieren und deren Zusammenspiel beobachten.

Ich habe teilgenommen, um mehrere Verbesserungen und Hypothesen zu überprüfen. Da ich ohnehin zur dmexco nach Köln gefahren bin und so auch an der Preisverleihung im Rahmen des OMClub teilnehmen konnte, wollte ich den ersten Platz dann auch wirklich erreichen. Insbesondere, da ich den ersten Platz beim XOVILichter-Contest durch eine DOS-Attacke kurz vor Ende abgeben musste.

Ein SEO-Contest schafft außerdem immer eine gewisse Aufmerksamkeit, die mir als Selbstständiger hilft – ebenso wie die Links, die durch die Teilnahme entstehen und meiner Website langfristig helfen. Mein Antrieb war also eine Kombination aus Faszination, Neugier, Spieltrieb und dem Sammeln von Erfahrungen sowie Reputation.

t3n: Wie bist du an den Wettbewerb herangegangen? Hattest du von Anfang an eine klare Strategie oder hast du deine Maßnahmen im Verlauf des Contests angepasst?

„Ohne Linkaufbau war der erste Platz nicht zu halten.“

Kai Spriestersbach: Meine Strategie sah vor, den Beitrag zu aktualisieren und auszubauen, den ich bereits für zwei Wettbewerbe genutzt habe. Dadurch konnte ich von dessen Relevanz sowie den organisch erhaltenen Links profitieren und den Trust meiner Domain ausspielen. Außerdem habe ich das Snippet gezielt auf eine hohe Klickrate optimiert.

Gegen Mitte des Wettbewerbs, also Anfang September, wurde mir allerdings klar, dass der erste Platz ohne Linkaufbau, insbesondere ohne exakte Linktexte, nicht zu halten ist. Daher habe ich mich dazu entschieden, insgesamt 50 Links mit dem Linktext „DeinContestHandy“ auf meinen Beitrag zu setzen. Dies geschah teilweise über eigene Websites, teilweise über zwei private Blog-Netzwerke. Insgesamt habe ich hierfür weniger als 100 EUR ausgegeben.

t3n: Hast du beim „stetigen Ausbauen“ deiner Unterseite einen bestimmten Rhythmus verfolgt oder nach Gutdünken erweitert, wenn dir danach war?

Kai Spriestersbach: Ich tracke die Besuche des Googlebot nicht, wenn du das meinst. Ich habe aber geschaut, wann neue Inhalte im Cache angekommen sind. Gerade zu Beginn habe ich den Artikel über die Google Search Console vom Googlebot abrufen lassen und seinen Besuch über ein neues Veröffentlichungsdatum in der XML-Sitemap forciert.

Beim späteren Aktualisieren hatte ich keinen Rhythmus, das passierte je nach Lust, Laune und wenn ich Zeit hatte. Außerdem wollte ich keinen Mist veröffentlichen, also habe ich geschaut, dass ich bei einer Erweiterung sinnvolle Inhalte ergänze und damit auch vergangene Leser zu einem weiteren Besuch animieren kann.

t3n: Hattest du Sorgen, dass der Linkaufbau deiner Website schaden könnte? Es handelt sich dabei schließlich nicht um eine Wegwerf-Domain, sondern um deine Unternehmens-Website.

Kai Spriestersbach: Ich wusste, dass ich mit den Links ein gewisses Risiko eingehe. Da es aber lediglich um 14 Tage ging und ich die Links nach dem Contest sofort entfernen und zur Sicherheit mit dem Disavow-Tool entwerten konnte, bin ich davon ausgegangen, dass die Aktion keinen negativen Einfluss auf die restliche Domain haben würde.

Einige Kollegen haben mich genau darauf angesprochen, aber ich denke, man muss manchmal gewisse Risiken eingehen, um den eigenen Horizont zu erweitern. So konnte ich quasi den Angriff einer negativen SEO-Kampagne und den Umgang damit simulieren.

t3n: Auf den ersten beiden Plätzen standen am Finaltag zwei Webseiten mit fast doppelt so viel Text wie der Rest. Hältst du diesen Umstand für ein entscheidendes Signal oder ist das reiner Zufall?

Die Urkunde für den erfolgreichen 1. Platz hat im Laufe des Abends etwas gelitten. (Foto: Kai Spriestersbach)
Die Urkunde für den erfolgreichen 1. Platz hat im Laufe des Abends etwas gelitten. (Foto: Kai Spriestersbach)

Kai Spriestersbach: Viel Inhalt bringt schon einen gewissen Vorteil, aber ich bin sicher, dass ich auch mit der Hälfte des Textes gewonnen hätte – nur aufgrund von Aktualität und Backlinks. Sicherlich gibt es eine Untergrenze, bei der es schwer wird, in die Top-3 zu rutschen, aber bei den Mechanismen eines SEO-Contests spielt Text die geringste Rolle. Nicolas Sacotte beispielsweise konnte zahlreiche Wettbewerbe mit einem Live-Ranking auf dynapso.de gewinnen, bei dem keinerlei Text auf der Seite eingesetzt wurde.

t3n: Welche deiner Maßnahmen hatten den deiner Meinung nach größten Einfluss auf das abschließende Ranking?

Kai Spriestersbach: Leider muss ich an dieser Stelle sagen: Entscheidend waren mal wieder die Links. Insbesondere diejenigen mit exakten Linktexten von vertrauenswürdigen Domains.

Google hat sich in den letzten zehn Jahren wahnsinnig weiterentwickelt und die Manipulation mit Backlinks deutlich erschwert, doch bei einem neuen Kunstwort greift dieser Faktor ungefiltert durch.

Einige Teilnehmer waren mit komplett sinnfreien Texten oder mit sehr wenig Inhalt in den Top-10, daran kann es also nicht liegen.

t3n: Ein gutes Stichwort: Im Rahmen solcher Contests kommen schließlich unterschiedliche Strategien zum Einsatz. In den Top-3 stand unter anderem Gorbo.de, die Website der gleichnamigen SEO-Agentur, die es ohne Backlinks versuchte. Welche Erkenntnisse ziehst du aus dem Vergleich von Vorgehensweise und abschließendem Ranking?

Kai Spriestersbach: Ich möchte mich nicht zur Vorgehensweise einzelner Teilnehmer äußern, habe ohne Linkaufbau aber selbst mehrfach Platzierungen in den Top-3 erreicht – nur eben nie den ersten Platz.

Interessant waren die Veränderungen im Verlauf, wenn man sich anschaut, wann welche Links aufgebaut wurden. Man entwickelt beim Beobachten dieser Verschiebungen ein gewisses Bauchgefühl über die Relevanz von Backlinks. Bei einer langfristigen Optimierung sind sie aber ohnehin komplett anders zu bewerten.

t3n: Sind dir während des Contest andere Anomalien aufgefallen? Irgendwelche ungewöhnlichen Strategien oder überraschende Rankingveränderungen?

Kai Spriestersbach: Die Keyword-Domains haben eine noch geringere Rolle gespielt als bei den letzten Wettbewerben. Google hat ihren Einfluss eindeutig nach unten korrigiert, das merke ich auch in meiner täglichen Arbeit.

Es war spannend zu sehen, dass Google eine kurze Penalty verhängt hat. Ein Teilnehmer ließ sich von vielen kleinen, privaten Websites verlinken – das ging dann scheinbar nach hinten los.

t3n: Da wir gerade davon sprechen: Sucht man „deincontesthandy“ auf Bing, stehen Keyword-Domains deutlich weiter vorne. Wie kannst du dir das erklären?

„Bing hängt um Jahre hinterher.“

Kai Spriestersbach: Bing hängt einfach um Jahre hinterher, der Bonus für Keyword-Domains ist dort nach wie vor gigantisch. Das fällt schon bei ganz normalen, generischen Suchanfragen auf. Für Microsoft ist es eine einfache Lösung, um sicherzustellen, dass Marken für ihren Namen weit vorne stehen, ohne über Traffic- und Suchdaten sowie die raffinierten Auswertungen von Google zu verfügen.

t3n: Lösen wir uns mal vom Contest und werfen einen Blick über den Tellerrand: Welche Erkenntnisse kannst du auch für Kundenseiten nutzen, bei denen du langfristig denken und rentabel arbeiten musst?

Kai Spriestersbach: Ich habe aus dem Debakel beim SEO-Contest XOVIlichter gelernt, dass die IT und mein Server Teil von sind. Wenn die Seite unter einer DoS-Attacke leidet und nicht erreichbar ist, fliegt sie sehr schnell aus dem Ranking.

Google will Nutzer nicht auf eine instabile Seite schicken, das macht absolut Sinn. Glücklicherweise werde ich jetzt von sehr kompetenten Systemadministratoren betreut. Die DoS-Angriffe bei diesem SEO-Contest konnten wir locker wegstecken.

t3n: Deine Kunden sind vermutlich seltener von DoS-Attacken betroffen als deine Website während des Contests. Konntest du darüber hinaus noch etwas mitnehmen?

Kai Spriestersbach: DoS-Attacken sind in gewissen Branchen nicht unüblich, selbst bei kleineren Onlineshops und Mittelständlern. Erpresser versuchen hier meist Bitcoins abzugreifen, das ist also ein echtes Problem. Gewisse Kompetenzen in der Abwehr oder Vermeidung solcher Angriffe gehören für mich zum Handwerkszeug.

Über die DoS-Angriffe hinaus habe ich mal wieder gesehen, wie wichtig Backlinks trotz aller Unkenrufe für gute Rankings sind. Vielleicht teste ich mal in kleineren Affiliate-Projekten, wie lange sie positiv wirken. Das interessiert mich sehr.

Für die Arbeit mit Kunden ist der Umgang mit den „bösen“ Links im Nachhinein spannend, denn Spamlinks bekommt eigentlich jede Domain und Erfahrungen beim Abbau und der Entwertung von Links sind immer hilfreich.

t3n: Danke für das Gespräch, Kai.

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4 Antworten
  1. von Daniel Weihmann am 22.09.2015 (17:21 Uhr)

    Klasse Interview und Gratulation an die Gewinner des SEO-Contests. Schade, dass Links augenscheinlich noch immer bei Google so eine hohe Gewichtung haben und doch so einfach manipulierbar sind. Der Beitrag vom Kai hat aus meiner Sicht die Top-Position absolut verdient; inhaltlich ist einfach alles drin, was ich als Leser erwarte.

    Wann Bing mal wenigstens halbwegs Anschluss finden will, ist echt fraglich. Hier werfe auch ich immer mal wieder ein Blick drauf und kann das wirklich simple Ranken mit einer Keyword-Domain nur bestätigen. Selbst dann, wenn diese inhaltlich wirklich nichts zu bieten hat.

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  2. von Severin am 24.09.2015 (14:05 Uhr)

    Super Interview und interessant, wie man mit Backlinks noch so viel erreichen kann. Allerdings ist das nur eine Ausnahme, wie ich finde.

    Die "Landingpage" von Search One ist sehr gut, noch relevanter für die Praxis ist allerdings der Ansatz von http://gorbo.de/. Denn was Gordon Böhme gemacht hat, ist sicherlich nachhaltiger (in Anbetracht aktueller Google Updates) und weniger riskant. Also Praxistauglicher.

    Wäre großartig, wenn du mit dem Gordon auch noch ein Interview führst, Lars.

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  3. von joerg.gastmann am 01.10.2015 (15:08 Uhr)

    Der "Gewinner" hat doppelt betrogen. Erstens hat er nicht mit einer neuen, unverfälschtenn Domain gearbeitet, sondern die Domain Authority einer alten Domain benutzt, um sich gegenüber Mitbewerbern einen unlauteren Vorteil zu verschaffen. Zweitens hat er klassisches Black Hat SEO betrieben, indem er sein eigenes künstliches Link-Netzwerk benutzt hat - eine Methode, die Google massiv abstraft, sobald der Betrug auffliegt. Und schließlich ist seriöse SEO ein Marathon und kein Sprint. Sehr dubioser Wettbewerb.

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    • von seokai am 14.01.2016 (00:17 Uhr)

      Hallo Joerg,
      wie Du darauf kommst, ich hätte betrogen, erschließt sich für mich nicht.
      Die Teilnahmebedingungen des Wettbewerbs haben keine neue Seite voraus gesetzt und auch der Linkaufbau war keine unlautere Methode.
      lg Kai

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