Was genau bedeutet eigentlich „Crowdsourcing“? Und wie kann man es für das Design bei eigenen Projekten nutzen? Welche Anbieter gibt es im deutschsprachigen Raum und woher stammt die Idee? Die Antworten auf diese Fragen findet man in unserem Portal startups. Mit designenlassen.de und 12designer möchten wir heute zwei Startups aus dem Bereich „Design Crowdsourcing“ vorstellen.
Crowdsourcing bedeutet per Definition die Auslagerung einer Aufgabe auf die Intelligenz und die Arbeitskraft einer Masse. Das wohl populärste Beispiel für diese Art der Arbeitsteilung ist die freie Enzyklopädie Wikipedia, bei der viele Nutzer am Aufbau einer gemeinsamen Wissensbasis beteiligt sind. Auch die Sammlung von Geodaten bei OpenStreetMap oder die Digitalisierung von Büchern über reCAPTCHA sind Beispiele für Crowdsourcing. In Sachen Design Crowdsourcing war 99designs Anfang 2008 der Vorreiter.
designenlassen.de - Online-Marktplatz für kreative Dienstleistungen
Bereits im November 2008 erschien mit dem Startup designenlassen.de eine erste deutschsprachige Umsetzung der Crowdsourcing-Idee im Bereich Design. Egal ob Logo, Visitenkarte, Flyer, Webseite oder Werbebanner, auf diesem Marktplatz tummeln sich über 1.800 Designer und warten auf neue Wettbewerbe von Auftraggebern. Den Gewinner bestimmt am Ende der Auftraggeber, der schon zum Start eines Projektes die Kosten festlegen kann.
12designer - Kreativ-Projekte als Wettbewerb
Mit dem Startup 12designer ist seit dem März 2009 ein weiteres Unternehmen an den Start gegangen. Auch hier können Auftraggeber Logos, Visitenkarten, Flyer, Webseiten oder Werbebanner als Wettbewerb ausschreiben und von den registrierten Designern bearbeiten lassen. Zwar ist die Zahl der offenen Projekte bei dem noch recht jungen Startup momentan noch überschaubar, aber dafür können sowohl die Designer als auch die Auftraggeber die Plattform kostenlos und ohne Einstellgebühr nutzen.
99designs - gestartet von Designern für Designer
Als 99designs Anfang 2008 an den Start ging, schrieben sie als ersten Design-Contest ihr eigenes Logo aus. Die Resonanz war beeindruckend: 99designs konnte aus 1093 eingereichten Logo-Designs auswählen. Beeindruckender sind nur die aktuellen Zahlen: 36.663 Designer haben insgesamt über 1,9 Millionen Designs für 22.750 Design-Wettbewerbe erstellt und bekamen dafür über fünf Millionen US-Dollar. Auch t3n gehörte bereits zu den Kunden von 99designs. Per Design-Wettbewerb hatten wir zur Neugestaltung des Covers des t3n Magazins aufgerufen. Hier kann man sich noch einmal alle eingereichten Vorschlägen anschauen.
Pro und Contra zum „Design Crowdsourcing“
Über den Sinn und Unsinn solcher Portale wird viel gestritten. Auf der einen Seite bekommt man als Ausschreibender oft sehr viele unterschiedliche Vorschläge - sofern der Auftrag und die ausgelobte Bezahlung interessant genug sind. Wer also noch gar nicht weiß, in welche Richtung es gehen soll, kann hier viele Anregungen bekommen.
Auf der anderen Seite kann das Portal keine fachliche Beratung ersetzen. Zwar gibt es Möglichkeiten der Interaktion zwischen Auftraggeber und Bewerber, so dass man auch Schritt für Schritt auf ein passendes Design hinarbeiten kann. Aber letztlich bedeutet das einen Arbeitsaufwand, den man nicht unterschätzen darf.
Bei unserem eigenen Wettbewerb fürs neue t3n-Cover kombinierte sich am Ende beides: Der Siegerentwurf kam von Sergio Fernando aus Guatemala. Die Umsetzung und Verfeinerung aber erledigte Jan Heidemann aus Hannover.
























Ich finde das Konzept wie gesagt wirklich gut und habe bei designenlassen.de auch schon ein Projekt abgeschlossen. Die Ergebnisse haben mich absolut überzeugt und die Auswahl war wirklich überwältigend. Falls ich mal wieder eine Grafik-Aufgabe habe, werde ich sie guten Gewissens wieder bei designenlassen.de einstellen.
12designer.com kenne ich bislang noch nicht. Nach einem ersten Blick auf das Portal scheint es nicht viel anders zu sein. Allerdings ist dort noch ziemlich wenig los. Was ich mich aber frage: Wie finanziert sich 12designer.com denn bitteschön? Die haben ja weder Gebühren noch Werbung auf ihrer Seite.
2 Literaturtipps für Interessierte:
Lazuly, Pierre (2007): Gastarbeiter im Internet. Online-Dienstleister mit Hungerlöhnen. In: Edition LE MONDE diplomatique No. 2: Die Globalisierungsmacher. Konzerne, Netzwerker, Abgehängte. S. 52-57
Thomas, Tanja (2008): Körperpraktiken und Selbsttechnologien in einer Medienkultur: Zur gesellschaftstheoretischen Fundierung aktueller Fernsehanalyse. In: Thomas, Tanja (Hrsg.): Medienkultur und soziales Handeln. Wiesbaden, S. 219-238.
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genauso sehe ich das auch .
eine neue form des "working poor".
kein wunder, dass dieser neoliberale trend mal wieder aus amerika kommt und von deutschen unternehmen begeistert aufgegriffen wird. :-(
Das Konzept ist einem Strukturvertrieb nicht unähnlich. Viele probieren es, kommen aber sehr bald dahinter, dass es nichts einbringt - finanziell zumindest.