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Design

Mein erstes Jahr als Designer bei Facebook

    Mein erstes Jahr als Designer bei Facebook

(Foto: Shutterstock / ChinKC)

Und wie es sich von der Arbeit bei einem Startup unterscheidet.

Heute vor einem Jahr ist das Branch-Team zu Facebook gekommen. Obwohl ich mich auf dieses neue Kapitel gefreut habe, habe ich mir auch Sorgen gemacht, wie meine Arbeit als Designer bei einer größeren Firma sein würde. Dieser Artikel enthält all das, was ich gern gewusst hätte, als ich meinen neuen Job angetreten habe. Ich hoffe, dass es allen, die neugierig auf die andere Seite sind, ein wenig Licht in die Unterschiede zwischen der Designer-Rolle bei einem Startup und bei Facebook bringt.

Ich mache weniger Dinge, die mit Produkt-Design zu tun haben

Wenn du bei einem jungen Startup arbeitest, hast du die Chance, eine Auswahl von neuen Produkten zu schaffen und sie bis zum Product-Market-Fit zu iterieren. Wenn du Teil eines sehr kleinen Teams bist, erfährst du jeden Aspekt bei der Schaffung eines neuen Produkts: Als Designer bei Branch war ich nicht nur beim Brainstorming, bei der Produktfindung und beim visuellen und interaktivem Design involviert, ich musste auch den gesamten Frontend-Code schreiben, den Backup-Code für Prototyp-Entwürfe optimieren und Produktions-Code hochladen (schwitz!). Ich führte auch kurze Usability-Tests durch, verbrachte Zeit damit, über die Texte nachzudenken, die wir in unserer UI verwendeten, und versuchte gelegentlich, aus den Nutzerdaten von Mixpanel oder Google Analytics schlau zu werden und zu verstehen, was Leute mit unseren Produkten anstellten. Ich erledigte keine der Aufgaben, die nur am Rande mit mit Design zu tun hatten, besonders gut, aber ich kam mit vielen Bereichen in Berührung.

Vom Startup Branch als Designer zu Facebook? Ein großer Schritt. (Screenshot: Branch)
Vom Startup Branch als Designer zu Facebook? Ein großer Schritt. (Screenshot: Branch)

Facebook ist viel komplizierter als alle Startup-Produkte, an denen ich je mitgearbeitet habe, und es wendet sich auch an viel mehr Leute. Facebooks Infrastruktur wurde für solche Anforderungen geschaffen, und es gibt Tests und Steuerungsmechanismen, die sicherstellen, dass Leute sich darauf verlassen können, was es schwer macht, neu einzusteigen und mal eben schnell etwas Code hochzuladen. Als Designer konnte ich Code für eine Produktion hochladen, aber ich glaube nicht, dass ich in absehbarer Zeit in der Lage dazu bin, Features von Grund auf zu erstellen.

Für die anderen Rollen, die ich als Startup-Designer eingenommen habe, wie etwa Marktforscher, Content-Stratege und Datenanalyst, gibt es bei Facebook ausgemachte Spezialisten, die jeweils eine dieser Aufgaben übernehmen. Forschungsbeauftragte ermitteln und beschaffen die Leute mit dem exakt benötigten Profil, um ein Feature zu testen, Marktforscher können richtige Laborstudien oder weitreichende Umfragen durchführen, Content-Strategen stellen sicher, dass wir die richtige Sprache verwenden, sodass Leute uns verstehen und sich mit dem gesamten Produkt verbunden fühlen, und Daten-Analysten geben überzeugende Antworten auf die Frage, wie Leute ein Feature verwenden. Als Designer ist es toll, zu sehen, wie das richtig gemacht wird, und von den jeweiligen Experten zu lernen.

Es gibt viel mehr Design-Aufgaben, unter denen man wählen kann

Ein Design-Job bei Facebook sieht ganz unterschiedlich aus, je nachdem, in welchem Team du bist. Ein Team, das an einem brandneuen Feature oder an einer neuen App arbeitet, agiert fast genauso wie ein Startup: Sie beginnen mit einer leeren Leinwand, um ein Problem zu lösen oder etwas auszuprobieren. Ein Team, das ein bestehendes Produkt verbessert, ist viel eingeschränkter, kann sich aber bei der Entscheidungsfindung von einer jahrelangen Geschichte und Forschungsergebnissen leiten lassen.

„Bei jungen Startups sind sowohl Zeit als auch Geld Mangelware, also muss alles schonungslos priorisiert werden.“

Manche Designer arbeiten an bekannten Features, wie etwa Nachrichten-Feed und Messenger, die dabei helfen, Familie und Freunde zu verbinden. Andere konzentrieren sich auf weniger bekannte aber genauso wichtige Teile von Facebook – sie schaffen Produkte für Kleinunternehmen, Werbetreibende und Entwickler. Ihre Arbeit ähnelt mehr der Gestaltung von Produktivitäts-Tools als der von Sozialen Netzwerken. Es gibt unzählige Produkt-Teams bei Facebook, jedes mit unterschiedlichen Aufgaben und Verdiensten. Wenn du als neuer Designer bei Facebook anfängst, musst du „dein eigenes Abenteuer auswählen“.

Diese Bandbreite ist ein großer Vorteil für jemanden, der sich als Produkt-Designer weiterentwickeln will. Du kannst in die Vollen gehen und eine Menge Design-Aufgaben ausprobieren, kannst aber auch jahrelang bei einem Gebiet bleiben und sehr tief einsteigen. Ich fand, dass Facebook Leuten sehr entgegen kam, die zu Teams wechseln wollten, die zu ihren Fähigkeiten und Interessen passen (im Gegensatz zu Firmen, die einen zum Beispiel zu bitten, sich noch einmal für den selben Job zu bewerben, wenn man das Projekt wechseln will).

Bei jungen Startups sind sowohl Zeit als auch Geld Mangelware, also muss alles schonungslos priorisiert werden. Du hast nur Zeit, an dem zu arbeiten, was die Firma zur Zeit dringend braucht – und was du lernst, hängt davon ab.

Bis ein Startup Market-Fit erreicht, ist das höchste Ziel immer das Gleiche: „Wie kriegen wir die Leute dazu, unser Ding zu benutzen?“ Neue Facebook-Produkte sind nicht immun gegen diese Anforderung, aber es gibt eine Menge anderer Projekte mit unterschiedlichen Herausforderungen, wenn du darauf stehst.

Daten sind keine Wunderwaffe

Daten sind keine Wunderwaffe, sagt Cemre. (Grafik: Shutterstock / Bloomua)
Daten sind keine Wunderwaffe, sagt Cemre. (Grafik: Shutterstock / Bloomua)

Viele Produktentscheidungen für ein neues Startup-Projekt werden aus dem Bauch heraus getroffen, weil das normalerweise die einzige Information ist, die zur Verfügung steht. Nachdem ich viele Jahre so gearbeitet habe, freute ich mich darauf, mir all die Daten zu Nutze zu machen, die Aufschluss darüber geben, wie Leute den Newsfeed verwenden.

Ich habe schnell herausgefunden, dass es der Zugriff auf Daten nicht notwendigerweise einfacher macht, Entscheidungen zu treffen. Manchmal stellt sich heraus, dass man nicht die richtigen Daten misst, und es kostet Zeit, neue Daten zu erheben. Manchmal sind die Daten, die herauskommen, widersprüchlich oder fehlerhaft. Und auch wenn die Daten korrekt erscheinen, verraten sie nur, was geschieht, aber nicht warum. Diese wichtige Frage lässt Raum für Interpretation, also ist immer noch ein wenig Bauchgefühl gefragt.

Niemand hindert dich, an dem zu arbeiten, was du willst

Eine Befürchtung, die ich vor der Arbeit bei einer großen Firma hatte, waren enge Vorgaben über die Art meiner Aufgaben und dass ich die Erlaubnis mehrerer Hierachieebenen bräuchte, um mit Dingen zu experimentieren. Bei einem Startup gibt es keine klaren Abgrenzungen der Zuständigkeiten und die Risiken sind geringer, also ist es einfach, ein paar Leute zu etwas Neuem zu überreden und es herauszubringen.

Ich habe Facebook als einen sehr unterstützenden Ort erfahren, um Initiative zu ergreifen und an Dingen zu basteln, von denen ich begeistert bin. Im letzten Oktober wollte ich eine Idee für den Newsfeed umsetzen, die außerhalb des Bereichs meines aktuellen Projekts lag, also traf ich mich mit einem Entwickler, der meine Idee gut fand, und wir entwickelten in einem nächtlichen Hackathon einen Prototypen. Schließlich zeigten wir Mark den Prototypen, und zu sehen, wie er sich dafür begeisterte, war sehr motivierend. Am Ende schaffte die Idee es auf die diesjährige Roadmap.

„Wenn du begeistert von einer Idee bist, musst du nicht erst mehrere Hierarchiebenen davon überzeugen, dass du daran arbeiten darfst.“

Ich empfinde es als Inspiration, dass eine Vielzahl von Features, die man heute auf Facebook jeden Tag verwendet, bei Hackathons entstanden sind und irgendwann ihren Weg auf die ganze Welt gefunden haben.

Es ist auch möglich, für eine Weile mit einer Idee herumzumachen, bevor man nach Leuten sucht, um einen Prototypen zu entwickeln. Eine Design-Kollegin im Newsfeed-Werbeteam dachte zum Beispiel über eine Möglichkeit nach, wie Facebook einem bei schwierigen Lebensereignissen helfen könnte, und sie wurde ermutigt, im letzten Winter als Nebenprojekt verschiedene Lösungen zu entwickeln.

Es gibt auch eine Reihe von Leuten, die daran arbeiten, interne Tools zu verbessern, sodass wir effektiver gestalten können. Viele Leute arbeiten zusätzlich zu ihrem Hauptprojekt am Origami-Framework mit. Auch ich wurde ermutigt, weiter an Framer mitzuarbeiten und es intern und extern zu unterrichten.

Kurz gesagt, wenn du begeistert von einer Idee bist, musst du nicht erst mehrere Hierarchiebenen davon überzeugen, dass du daran arbeiten darfst. Und es besteht die Chance, dass andere Leute deine Leidenschaft teilen und dir bei der Umsetzung helfen wollen, und dass deine Idee es in das Produkt schafft.

Schlussgedanken

Die fünf Jahre, die ich als Designer bei Startups verbracht habe, haben mir gezeigt was man braucht, um brandneue Produkte zu entwickeln und zu veröffentlichen. Bei Facebook habe ich die Chance, Design-Aufgaben auszuprobieren, die im Startup-Bereich nicht an der Tagesordnung stehen und mich näher mit denen zu beschäftigen, die mich begeistern.

Meiner Erfahrung nach machen die Bandbreite der verfügbaren Aufgaben und die Unternehmenskultur Facebook zu einem tollen Ort, um sich im Produkt-Design weiterzuentwickeln. Ich bin glücklich, wenn ich auf das zurückblicke, was ich in diesem Jahr gelernt habe, und freue mich darauf, in vielen Jahren meine Fertigkeiten zu verbessern.

Du stehst vor der Entscheidung, einen Designer-Job bei einem Startup oder einem großen Unternehmen anzunehmen? Ich stehe dir gern im Chat Rede und Antwort und teile meine Erkenntnisse mit dir. Du kannst mich über Twitter erreichen oder mir auf public at cem dot re mailen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf medium.com. Übersetzung: Anja Braun.

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1 Reaktionen
bob
bob
03.03.2015, 18:08 Uhr

Toller Bericht. Du bist aber kein "Produkt Designer" im Sinne von physikalischen Objekten (was in DE so indexiert ist), sondern eher ein Designer der ein Software Produkt entwirft ;) . Oder lese ich das falsch ...

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