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Interview

Deutsche Bahn: „Wir sollten nicht versuchen, das Silicon Valley nachzubauen“

(Foto: Deutsche Bahn)

Manuel Gerres ist Mann der Stunde bei der Digitalisierung der Deutschen Bahn. Im Interview spricht der neue Innovationsmanager über seinen Venture-Fonds und das, was ein Staatsunternehmen sexy macht.

Manuel Gerres empfängt in der „DB Mindbox“. Vermutlich ist das kein Zufall. Denn im Gegensatz zum Bahn-Tower am gar nicht so weit entfernten Potsdamer Platz wirkt der von außen verblüffend schlicht gehaltene Coworking-Space unter den gemauerten S-Bahn-Viaduktbögen an der Berliner Jannowitzbrücke angenehm bodenständig.

Manuel Gerres ist der neue Innovationsmanager bei der DB. (Foto: Manuel Gerres)

Ja, ein weiteres Büro habe er auch in der Konzernzentrale, sagt der neue Mann fürs Digitale bei der Deutschen Bahn, aber nicht ganz oben, sondern „irgendwo mittendrin“. Seit November vergangenen Jahres soll er nicht weniger als durchlüften im Staatskonzern, Prozesse neu denken, das tun, was man gemeinhin unter dem Aufbrechen von alten Strukturen versteht. Vermutlich gibt es einfachere Aufgaben in diesem Land.

Auf der reichlich unübersichtlichen Digitalisierungsagenda steht prominent die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle. Zudem hat man Manuel Gerres mit dem Suchen und Finden von Investitionsobjekten betraut. Denn um die Zukunft der Mobilität mitzuentwerfen, das hat die Bahn erkannt, braucht es dringend Hilfe von außen, von agilen Startups, die neue Ideen und Innovationen zuliefern und das mitunter träge Unternehmen mit unübersichtlichen Geschäftszweigen voranbringen. Wie immer drängt die Zeit. Der Markt der Mobilität ist in Bewegung. Und Konkurrenz kommt längst aus ungeahnten Richtungen.

t3n.de: Noch besteht die Chance. Du kannst dich jetzt als Bahn-Chef bewerben …

Manuel Gerres: Ich hab’s bisher nicht getan. Auch, weil ich ganz zufrieden bin mit der Position, die ich habe. Ich glaube, die steht mir.

t3n.de: Aber als Chef könnte man doch sehr effektiv von ganz oben herab den Konzern digitalisieren. Das ist doch deine Domäne …

Ich bin ganz froh, dass ich mich in meinem eigenen Bereich, der neuen „New Digital Business“-Unit, und als einer der Geschäftsführer der DB Digital Ventures ganz auf das Thema Digitalisierung konzentrieren kann. Meine Aufgabe ist, ein Ökosystem zu schaffen, das sich peu à peu in die DNA des Konzerns einfügt.

t3n.de: Du bist jetzt seit ungefähr drei Monaten in deiner neuen Position. Lässt sich in der trägen Konzernstruktur der Deutschen Bahn überhaupt etwas bewegen?

Ich bin positiv überrascht, dass wir als Konzern es geschafft haben, einen Venture-Fonds zu starten und uns sukzessive wegbewegen von der reinen Optimierung des Schienenverkehrs, unseres Kerngeschäfts. Statt der Sorge, dass neue Mobilitätsformen dieses kannibalisieren könnten, sehen wir vielmehr die Chancen und setzen auf vernetzte Verkehre. Man denke an autonome Busse oder Ridesharing. Ganz ohne Reibung geht das nicht. Aber in der Mobilität wirken nun mal zunehmend disruptive Kräfte.

t3n.de: Das klingt trotzdem nach Stress innerhalb des Unternehmens …

Wenn ein Unternehmen wie die Deutsche Bahn sich digitalisiert, ist das von Herausforderungen geprägt. Digitalisierung heißt auch, dass wir uns Prozesse anschauen und versuchen, diese zu verschlanken. Wir stehen sowohl in der Mobilität als auch in der Logistik unter wachsendem Wettbewerbsdruck, im Kerngeschäft haben wir wirtschaftliche Aufgaben zu lösen. In solchen Zeiten muss natürlich auch das Investieren gut argumentiert werden. Wichtig ist, dass wir alles, was wir tun, auf die Bedürfnisse unserer Kunden ausrichten. Dieses gemeinsame Verständnis bildet die Klammer um alles.

t3n.de: Hast du das Gefühl, als neu bestellter „Change Manager“ der Digitalisierung ernstgenommen zu werden, so zwischen all den anderen, ziemlich mächtigen Geschäftszweigen des Konzerns?

Die Kollegen wissen, dass unser Team der DB Digital Ventures und der „New Digital Business“-Unit ihnen nicht in ihre Tages-Digitalisierung reinpfuscht. Was wir tun, ist mögliche zukünftige digitale Dienste zu entwickeln, die dann im Idealfall von anderen Bereichen des Konzerns für gut befunden und übernommen werden.

t3n.de: In der Startup-Szene scheint die Bahn ganz gut anzukommen. Was macht ein Staatsunternehmen sexy?

Fest steht: Die DNA zukunftsweisender Geschäftsmodelle gerade vieler junger Unternehmen ist die Datengetriebenheit. Von ebendieser versprechen wir als Deutsche Bahn uns enorm viel. Wir haben neben unserem Branchen-Know-how einen über Jahrzehnte extrem gewachsen Datenstamm, mit dem wir schrittweise gelernt haben umzugehen. Beschäftigen müssen wir uns allerdings noch mit der Frage, wie wir dieses Gut zur Verfügung stellen wollen. Es geht um Schnittstellen, die bis vor fünf Jahren noch nie jemand abgefragt hat. Im Moment müssen wir uns also auch hinsichtlich unserer IT-Organisation dem Markt anpassen. Das ist ein Geben und Nehmen.

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