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Deutsche Start-ups schwimmen im Geld

Deutschland wird für Risikokapital immer attraktiver. Das zeigen die jüngsten Zahlen von Dow Jones Venturesource. Großbritannien ist demnach zwar immer noch der größte Magnet für Risikokapital in Europa - doch Deutschland holt auf. Nach der letzten Analyse von Dow Jones Venturesource konnten britische Start-up-Unternehmen in 295 Abschlüssen insgesamt 1,4 Milliarden Euro einnehmen. Auf dem zweiten Platz landete Deutschland mit 189 Abschlüssen, bei denen Wagniskapital in Höhe von 822 Millionen Euro eingesammelt wurde.

Deutsche Start-ups schwimmen im Geld

Während in Großbritannien allerdings wie insgesamt im europäischen Vergleich die Summe des Risikokapitals stark zurückging, geht es in Deutschland aufwärts. In Großbritannien ging die Summe um fünf Prozent und die Zahl der Abschlüsse um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. In Deutschland dagegen stieg die investierte Summe im Vergleich zu 2011 um satte 48 Prozent, die Zahl der Abschlüsse nahm um 16 Prozent zu.

In Frankreich ging die Summe um sieben Prozent auf 721 Millionen Euro zurück, die Zahl der Abschlüsse sank um 17 Prozent. Auf dem vierten Platz landeten die Niederlande mit einer investierten Summe von 207 Millionen Euro in 2012 – eine Steigerung um neun Prozent bei der Summe, obwohl die Zahl der Abschlüsse um 22 Prozent zurückging. Insgesamt konnten sich europäische Start-ups 2012 mit 1074 Deals 4,4 Milliarden Euro sichern – ein Rückgang um neun Prozent bei der Summe und um elf Prozent bei den Abschlüssen im Vergleich zum Vorjahr.

Start-up-Investitionen brechen im vierten Quartal ein

Auch der Trend spricht gegen europäische Start-ups: Zuletzt ist die investierte Summe im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen. Insgesamt 967 Millionen Euro machten Investoren in 233 Finanzierungsabschlüssen für die europäischen Start-up-Unternehmen locker – ein Einbruch um 26 Prozent bei der Summe und um 22 Prozent bei der Zahl der Abschlüsse im Vergleich zum vierten Quartal 2011.

Gestiegen ist die Durchschnittssumme pro Abschluss: Sammelten europäische Start-ups 2011 im Durchschnitt noch 1,6 Millionen Euro pro Finanzierungsrunde ein, waren es 2012 immerhin 1,9 Millionen.

Besonders mau fiel die Zahl der Fusionen und Übernahmen aus: Nur 33 mit Wagniskapital finanzierte Firmen wurden im vierte Quartal 2012 in Europa aufgekauft, 2011 waren es noch 45. Insgesamt gelang im vergangenen Jahr 145 Unternehmen ein Exit über einen Verkauf. Das sind 30 Prozent weniger als noch 2011 – und ein Negativrekord seit dem Beginn der Venturesource-Aufzeichnungen, die den europäischen Markt seit dem Jahr 2000 beobachten. Besonders dramatisch ist die Entwicklung der Summe: 4,7 Milliarden Euro konnten Gründer und Investoren in Start-ups 2012 durch Exits einnehmen – ein Rückgang um satte 45 Prozent gegenüber 2011, als noch 8,6 Milliarden Euro durch Firmenverkäufe erzielt wurden.

von Stephan Dörner

Ursprünglich publiziert bei wsj.de

 

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2 Antworten
  1. von Olaf Barheine am 30.01.2013 (11:04Uhr)

    Leider verlieren die Kapitalgeber auch schnell die Geduld, wenn sich eine Geschäftsidee doch nicht so positiv entwickelt, und sind genauso schnell wieder weg, wie sie gekommen sind. Für ein junges Unternehmen ist das dann meistens der Todesstoß. Ich habe es erst kürzlich bei einem Kunden wieder erlebt.

  2. von Geld für Geber am 30.01.2013 (20:46Uhr)

    Manche meinten letztes Jahr schon, es wäre hier und dort viel Geld was dort fliesst.

    Geldgeber haben oft ihre eigenen Interessen die sich nicht immer gut mit den Gründer-Interessen vertragen. Die wahren Hintergründe vieler Entscheidungen bleiben leider unbekannt. Eigentlich wäre die Presse dafür da.

    Einige wenige wollen vielleicht nur Steuern sparen oder ihren Bekannten Aufträge, Mandate und Gebühren gewähren oder eigene Immobilien und Infrastruktur an die finanzierten Startups zu vermieten. Auch Media4Equity erlaubt, leere Werbeplätze von TV-Sendern an Startups zu geben. Nachts läuft viel TV-Werbung für Websites.
    Interessant wäre also, wie viel Geld der jeweiligen Investitionsrunden in sozialversicherten Löhnen landet. Den Rest kann man ja dank Cloud dynamisch mieten und braucht nur ganz wenige eigene Server für die privaten Kundendaten.

    Hat mal jemand eine Statistik gemacht, wie viele Praktikanten und wie viele Festanstellungen von Startups angeboten werden ?
    Diese Auswanderer-Dokus, Gastronomie-Rettungs-Sendungen und diverse andere TV-Formate sind zwar oft Unterhaltungs-Formate aber anhand deren Probleme kann man doch einiges lernen. Auch bei Quora gehts an vielen Stellen um Startups und das Leben in Firmen oder z.b. Vertrags-Probleme oder was man hätte besser machen können.

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