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Warum deutsche Medienmacher von Buzzfeed lernen sollten, statt zu lästern [Kommentar]

Warum deutsche Medienmacher von Buzzfeed lernen sollten, statt zu lästern [Kommentar]

Die Arroganz deutscher Medienmacher gegenüber Deutschland und dessen Ex-Chefredakteurin Juliane Leopold ist ein Beispiel für die Blindheit einer Branche. Sie sollten lernen, statt zu lästern, meint Lars Budde.

Warum deutsche Medienmacher von Buzzfeed lernen sollten, statt zu lästern [Kommentar]

(Grafik: Buzzfeed)

Ex-Buzzfeed-Chefredakteurin Juliane Leopold.
Ex-Buzzfeed-Chefredakteurin Juliane Leopold.

Vergangene Woche machte eine Meldung in der deutschen Medienszene die Runde. Chefredakteurin Juliane Leopold verlässt Buzzfeed Deutschland. Kurz nach Bekanntgabe ihres Abtritts explodiert mein Facebook-Newsstream.

Deutsche Medienmacher kommentieren das Ereignis mit flachen Witzen über ihre Qualifikation, die Qualität der publizierten Inhalte und die Aussage Leopolds, ihr freigewordener Posten wäre das Beste, „das die deutsche Medienbranche derzeit anzubieten hat“. Ich kotze.

Die traurige Ignoranz einer verlustreichen Branche

Es scheint, als erlebe die ehemalige Ignoranz der etablierten Printkollegen gegenüber dem Internet im Allgemeinen und Bloggern im Besonderen eine hässliche Renaissance. Nur sind es diesmal etablierte Onliner (und Blogger), die sich lustig machen.

Dass ihre Zukunft noch immer auf wackligen Beinen steht, ist ihnen offenbar egal. Dass gerade Publisher wie Buzzfeed Pionierarbeit leisten, scheint sie nicht zu kümmern. Dabei sind unter ihnen auch einige geschätzte Kollegen, die normalerweise vorausschauend auftreten.

Die Lawine der Verluste und Pleiten nimmt Fahrt auf

Unternehmen hinter dem Werbeblocker AdBlock Plus hat Anbietern von iOS-Werbeblockern Geld geboten, damit sie die Whitelist des Unternehmens in ihre Apps integrieren. (Grafik: Eyeo GmbH)
AdBlocker kosten Publisher Millionen. (Grafik: Eyeo GmbH)

Die Zukunft der klassischen Medien steht auf wackligen Beinen. Großen Verlagen mangelt es an verlässlichen Antworten, weil ihnen die Integration von Print und Online mittelgroße Probleme bereitet. Kleine Verlage setzen verstärkt auf alternative Modelle, etwa das Geschäft mit Events und exklusiven Kooperationen. Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.

Ganz im Gegenteil, die Lawine der Verluste und Pleiten nimmt erst richtig Fahrt auf. Zu den Problemen zählen AdBlocker, die schwierige Vermarktung mobiler Nutzer und nicht zuletzt sinkende Einnahmen etablierter Printtitel. Ein gegenteiliges Bild zeichnen nur wenige deutsche Verlage und Publisher wie Buzzfeed.

Warum Buzzfeed – trotz Listicles und Katzenbildern – Pionierarbeit leistet

Buzzfeed hat innerhalb weniger Jahre eine schier unglaubliche Reichweite aufgebaut: Über „200 Millionen eindeutige Besucher pro Monat“. Mehr als die Hälfte dieser nutzt Mobilgeräte. Auf YouTube zählt Buzzfeed über eine Milliarde Aufrufe pro Monat.

Diese über die englischen Kanäle getriebene Reichweite finanziert die Expansion, unter anderem nach Deutschland. Das Erfolgsgeheimnis von Buzzfeed sind aber nicht allein Listicles und Katzenbilder. Eine große Rolle spielen neue Ansätze, von denen die gesamte Branche lernen kann – auch die lästernden Kollegen.

Buzzfeed begegnet den Problemen klassischer Verlage mit Lösungen

Paid Content, made by Buzzfeed. (Grafik: Buzzfeed)
Paid Content, made by Buzzfeed. (Grafik: Buzzfeed)

Mit einer internen Agentur entgeht Buzzfeed einem der größten „Painpoints“ digitaler Publisher: standardisierten und dadurch beliebig anmutenden Werbelösungen. Wer auf Buzzfeed bucht, bucht Buzzfeed – und kein Leaderboard oder Rectangle, das in der gleichen Aufmachung auf tausenden von Websites laufen könnte.

Mit „Pound“ untersucht Buzzfeed, welche Kanäle die entscheidenden Treiber von Viralität sind. Die Denke geht weg vom Klick und hin zum Funnel. Es entstehen Ansätze, die den Attributions-Modellen von E-Commerce-Experten gleichen.

Die Reduktion auf Listicles und Katzenbilder schadet der Branche

Schon diese zwei Beispiele zeigen, worum es mir geht. Lösungen wie „Pound“ bringen nicht nur Buzzfeed weiter, sondern die ganze Verlagswelt. Das Erfolgsgeheimnis deutscher Verlage wird nicht in Listicles oder Katzenbildern liegen, sondern in sinnvollen Innovationen. Dass eine Viralseite dabei als Inspiration dient, kann ihnen nur recht sein.

Als Chefredakteurin von Buzzfeed hat Leopold nicht nur Listicles geschrieben oder Katzenbilder recherchiert. Sie hat in Übersee erfolgreiche Methoden in einem neuen Markt getestet. Eine Aufgabe, die spannender kaum sein könnte – wenn man denn lieber lernt, anstatt zu lästern.

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3 Antworten
  1. von Roller am 26.01.2016 (08:13 Uhr)

    Also kurz zusammengefasst: Buzzfeed ist die Rettung/ Vorbild des deutschen Journalismus weil es besser angepasste Werbelösungen vermarktet?

    Euer Ernst? Mir kommt da der Wahlslogan von der "P.A.R.T.E.I." in den Sinn: Inhalte überwinden. Denn darauf läuft es bei Buzzfeed & Co hinaus. Schön dass sie vielleicht ein bisschen effektiver Werbung als "alten Verlage" schalten, aber dadurch wird der Content nicht nur einen Deut weniger belanglos.

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  2. von freizeitcafe.info am 26.01.2016 (10:16 Uhr)

    Was ist Buzzfeed eigentlich genau? Ist an mir vorbeigegangen. Was ist dort der Nutzen für einen Blogger?

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