Deutscher Gründer im Silicon Valley: Leichterer Markt als Deutschland

Deutscher Gründer im Silicon Valley: Leichterer Markt als Deutschland
Collaborative Consumption kommt aus den USA? Nicht in Bezug aufs Auto, ist Christof Baumbach überzeugt. Der Deutsche ist Gründer in San Francisco und versucht, die Amerikaner von seiner Carsharing-App Tickengo zu überzeugen. Im Porträt erzählt er, warum er es an der Westküste leichter findet zu gründen als in Deutschland.

Carsharing: In Europa schon etablierter als in den USA?

Christof Baumbach Tickengo
Christof Baumbauch stellte beim Gründer-Event Techcrunch Disrupt sein Startup Tickengo vor.

Auf dem Gründer-Event Techcrunch Disrupt präsentierte Baumbach sein Startup Tickengo zum ersten Mal der Öffentlichkeit. Im Anschluss wurde die Plattform auf Techcrunch und einigen anderen US-Blogs vorgestellt, auch Investorengespräche hat er geführt. Unverständnis gab es vor allem von den Deutschen, die an seinen Stand kamen: Carsharing-Apps gebe es doch schon wie Sand am Meer, so das Urteil. Tatsächlich graben sich in Deutschland verschiedenste Carsharing-Plattformen gegenseitig das Wasser ab. Ganz zu schweigen von Mitfahrzentrale und Mitfahrgelegenheit, die es seit einem gefühlten Jahrhundert gibt.

In den USA, speziell San Francisco, sei dies aber nicht so, erklärt Baumbach. Hier sieht er oft Leute auf der einen Seite der Golden Gate Bridge stehen, um per Anhalter nach San Francisco zu kommen. Das Carsharing-Modell passe perfekt hierher, findet er: Die Kosten für Autos sind viel höher als in Deutschland, viele wohnen außerhalb der Stadt, die Parkplatzsituation ist schwierig. Dieses Potential haben auch andere erkannt, weshalb Baumbach nicht der einzige ist, der bei Techcrunch Disrupt eine Plattform zum organisierten Mitfahren präsentierte.

Auch Lyft stellte sich mit seinen markant-pinken Schnurrbärten vor, an denen man die Lyft-Autos schon von Weitem erkennt. Im letzten Jahr gewann Getaround den Techcrunch Disrupt-Preis in New York. Dann wären da auch noch Uber, das das Mitfahren in Luxusautos vermittelt und gerade eine Kooperation mit Virgin Airlines eingegangen ist, und Sidecar, das ebenfalls für die Organisation von Mitfahrern sorgt. Trotzdem: „Während wir in Deutschland schon vor Jahrzehnten mit Abreißzettelchen Mitfahrgelegenheiten organisierten, fängt das Thema hier erst an.“

Tickengo
Bei Tickengo finden Nutzer Privatmenschen, die sie von A nach B bringen - und auf Wunsch bestimmte Interessen teilen.

Baumbach selbst will mit Tickengo das Prinzip verschiedener Mitbewerber umdrehen: Nicht Fahrer suchen nach Mitfahrern, sondern Mitfahrer legen fest, wann sie wohin wollen – und zu welchem Preis. Dabei können sie zusätzlich angeben, wohin sie wollen, also ob sie zu einem kulturellen Event fahren, zum Kiten, zur Arbeit oder in die Schule. So geraten sie leichter an Menschen, die ähnliche Interessen haben wie sie selbst. Leute miteinander verbinden ist somit der zweite Aspekt der Plattform. 10.000 eingeschriebene Fahrer und eine iPhone-App gibt es schon, die Android-App ist fast fertig.

„Je mehr Fahrer wir haben, desto leichter wird es zu sagen: 'Ich will einen Fahrer der Deutsch spricht, klassische Musik hört und weiblich ist“, erklärt Baumbach. Der Deutsche ist seit vielen Jahren in San Francisco und arbeitet hier hauptberuflich für nexway, einen französischen Anbieter für E-Commerce-Lösungen. Drei andere Mitarbeiter gehören noch zum Gründerteam, zwei in Frankreich und einer in San Francisco. Tickengo zieht er in seiner Freizeit mit hoch.

In den USA ist Scheitern nichts Schlimmes

In San Francisco zu gründen ist leichter als in Frankreich oder Deutschland, glaubt Baumbach. „Die Firmenanmeldung ging hier sehr schnell und mit wenig Bürokratie. Es gibt ein Netzwerk von Leuten, die sich gut kennen – so findet man schnell den richtigen Anwalt, der einen wiederum mit dem passenden Buchhalter verbindet und so weiter“, erzählt der 43-Jährige. Allerdings gebe es in San Francisco ein paar spezielle Regeln, dazu zählt, dass ein Prozent des Gehaltvolumens an die Stadt gehe an zusätzlichen Steuern.

Auch die Mentalität hier findet er sehr geeignet für Gründer: „Wenn man Erfahrungen daraus gezogen hat, ist Scheitern hier nicht unbedingt etwas Schlimmes“ - das nimmt er in Deutschland und Frankreich anders wahr. In Bezug auf die Investorensuche glaubt Baumbach, dass ihm die Internationalität seines Gründerteams und seine eigenen Erfahrungen in verschiedenen Firmen zugute kommen wird. „Wenn jemand schon bei einer erfolgreichen, bekannten Firma gearbeitet hat oder einen Abschluss von Standford oder Berkeley hat: Das kommt hier gut an“, ist seine Erfahrung.

Ansonsten freue man sich hier immer wieder über den harten, deutschen Akzent und über die Vorstellung der Lederhosen-tragenden Deutschen. Eine Vorstellung, die von Deutschen im Valley zu PR-zwecken auch mit Hingabe gepflegt wird.

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