Wie ist das als deutsches Startup auf einem Event in New York?

Wie fühlt sich das an, wenn man als deutsches Startup zu einem Event des US-amerikanischen Inkubators YCombinator nach New York eingeladen wird? Und wie bekommt man es hin, dort überhaupt ernst genommen zu werden? Sascha Reuter von doctape berichtet hier von seinen spannenden Erlebnissen.

doctape shirts1
Sascha Reuter und Sven Hohlfeld von doctape
Da sitzen wir nun, am Rande von New York City, am Hudson River. Endlich mal wieder eine ruhige Minute und etwas Zeit die letzten Tage Revue passieren zu lassen. Spannend war es alle Male, wenn auch ein wenig erschöpfend. Aber dazu gleich mehr...

Als wir vor drei Wochen die Einladung von Renee von YCombinator zum hauseigenen Event YCNYC in New York erhielten, hätten wir uns wahrscheinlich noch nicht träumen lassen, dass wir der kurzfristigen Einladung wirklich nachkommen würden. Und erst recht nicht, dass der besagte Renee, der dort schrieb, in Wirklichkeit eine Frau war ;-) Doch eines war völlig klar: Dass wir bis zum Event noch etliche Vorbereitungen und Nebenschauplätze abschließen müssten, wie Beispielsweise die Integration unseres Invitation System und unserer Demo-Dokumente, und weiteres langweiliges Blabla. Gesagt, getan.

„Let's go!“

Am letzten Sonntag ging es dann über den Teich. Gepackt mit Shirts von unserem Startup doctape, personalierten Einladungskärtchen und einer Pitch.Präsentation auf Rechner und Tablet (man weiß ja nie) begaben wir uns auf die Reise. Die rund acht Stunden Flug vergingen wahrlich wie im selbigen. Hier eine kleine Coding Session mit unserem Frontend-Entwickler Thorsten, dort ein wenig Musik hören, die Einnahme der Plastik-Mahlzeiten und ein gelegentliches Füße vertreten. Zack, angekommen!

Frisch eingeflogen, war unser erstes Ziel der nächstgelegenen Mobilfunk-Schuppen. Schließlich benötigten wir Datenkarten für unsere iPhones und iPads! Wer läuft schon „unvernetzt“ durch New York? Ich meine Hallo? Das ist ja mal völlig out of discussion ;-)

Kaum waren wir wieder verdrahtet, gaben wir feierlich unserer Ankunft auf Twitter bekannt und verabredeten uns mit ein paar anderen YCNYC-Jüngern abends zum Pre-Meetup in unserer Hotelbar. Bis dahin nutzten wir den Tag für einen kurzen Gang zum Times Square, der Rest ging für Coding-Sessions im Hotel drauf.

Foto
Warten in der Schlange vor dem YCNYC-Event. Foto: Sascha Reuter

Am nächsten Tag war es dann auch schon soweit: An die 1.000 Menschen warteten am Nachmittag des 26. Septembers brav auf den Einlass in den Metropolitan Pavilion. Ein wild gemischtes Volk aus Startup-Gründern, Investoren, Hackern – und mit einer sehr geringen Frauenquote.

Glücklicherweise konnten wir uns mit unseren knall-grünen doctape T-Shirts ein wenig von der Masse abheben. Dieses und unsere vorbereitenden Maßnahmen auf Twitter und Co. führten daher direkt zu kontinuierlichem Händeschütteln und Gesprächen mit den interessantesten Leuten. Gepaart mit unseren knapp 250 personalisierten Beta-Einladungskärtchen ein wohl verdienter Vorsprung zum Rest der anwesenden Gründer und Startups. Yay!

Paul Graham spricht

Das Programm des Abends war eher überschaubar, was sich aber anhand der spärlichen Vorabinformationen bereits erahnen ließ. Höhepunkt des Rahmenprogramms war wohl, neben dem zahlreichen Direktaustausch, die Willkommensrede durch YCombinator-Chef Paul Graham persönlich. Inhaltlich sehr geprägt durch - wer mag es ihm verübeln - Eigenwerbung, zog er einen ungefilterten Vergleich zwischen der Startup-Szene in New York und dem Valley. „Während es im Silicon Valley total hip und cool ist, ein Startup zu gründen und darüber zu sprechen, so würde man in anderen Staaten direkt als arbeitslos abgestempelt werden, sobald man von seinem Jungunternehmer-Vorhaben berichtet“, so Paul Graham. Zu dem würde Startupszene in New York auf ewig hinter der Finanzszene stehen. Die bis dato offene Frage, ob YCombinator plane, ein Büro in New York zu eröffnen, verneinte er ebenso mit wenigen Sätzen. Dieses sei nicht absehbar und sehr unwahrscheinlich, so Graham.

paul graham
Paul Graham in Aktion. Foto: Roman Mittermayr

Erfahrungsberichte aus erster Hand

Nach Grahams, von manchen als „disturbing speech“ abgestempelten, Ansprache ging das Programm über in eine Q&A Session mit den YCombinator-Mitarbeitern, sowie bisherigen Startups, die aus ihrer Erfahrung innerhalb des YCombinators berichteten. AirBnB, ein durch YCombinator gefördertes und dennoch in New York ansässiges Startup, berichtete über den Erfolg ihres „Appartment-Sharing“-Portals und ließ verlauten, dass sie in naher Zukunft mehr Unterkünfte als das Hilton Suiten anbieten würden.

Alles in einem war es trotz der vermeintlichen Tiefschläge durch den VC-Vater eine sehr gelungene Veranstaltung die auch ohne direkte „Pitch-Gelegenheit“ (wir hörten von Pitching Sessions auf den Urinalen!) die Möglichkeit bot, ein wenig auf sein eigenes Startup aufmerksam zu machen und reichlich Feedback zu sammeln. Gepaart mit dem nahrhaften Catering bestehend aus New Yorks „Best Pizza“, ist die Veranstaltung des amerikanischen Inkubators bei vielen, wie auch bei uns in positiver Erinnerung geblieben.

Persönliches Fazit

Was unseren Aufenthalt und der Teilnahme in New York angeht, so freuen wir uns bereits auf die nächste Veranstaltung dieser Art. Gerne auch hier zu Lande oder an der YCombinator-heimischen Westküste ;-) Festzuhalten bleibt weiterhin, dass viele Tech-getriebene Startups meist vergessen, dass ein gewisses Mindestmaß an Selbstvermarktung genauso zum großen Vorhaben gehört wie das Produkt selbst, welches natürlich trotzdem immer im Vordergrund stehen sollte.

Schau dir doch unsere Neusten Artikel und News an.

2 Answers

  1. von Karl Kopf 07.10.2011 (13:53Uhr) 1.

    Doctape als Produkt mal außen vor, geile Sache die Einladung..
    Aber auf dem Foto wirkt ihr so Abi-2010...der Text liest sich wie vom Schülerzeitungsredakteur. Was kommt dem nächst: bedruckte karierte Hemden als Selbstvermarktungstool?

  2. von Andreas Lenz 07.10.2011 (14:46Uhr) 2.

    extrem cool und locker geschriebener spannender artikel!!! @karl http://g.co/maps/pck98

Deine Meinung


(wird nicht veröffentlicht)