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Die Mär von der deutschen Technophobie – und was uns wirklich vom Silicon Valley unterscheidet [Kolumne]

Die Mär von der deutschen Technophobie – und was uns wirklich vom Silicon Valley unterscheidet [Kolumne]

Dass die Technophobie der Deutschen der Grund ist, warum es kein deutsches oder gibt, hört man oft. Andreas Weck ist da gelassener und meint in seiner Aufgeweckt-Kolumne: Das stimmt so nicht! Und: Die digitale Revolution bedeutet mehr als nur eine oder ein zu etablieren. 

Die Mär von der deutschen Technophobie – und was uns wirklich vom Silicon Valley unterscheidet [Kolumne]
Die Mär von der deutschen Technophobie – und was uns wirklich vom Silicon Val…

„Deutsche sind Fortschrittsverweigerer“, heißt es oft in den Kommentaren sozialer Medien und unzähliger Nachrichtenseiten. Die Deutschen hätten Angst vor der Zukunft, seien paranoid, wenn es um Datenschutz und Privatsphäre im Netz geht und überhaupt liege der einzige Grund, warum es nie ein deutsches Google oder Facebook gegeben hat – und jemals geben wird – allein in der gelebten Technophobie von Manfred Mustermann und seinesgleichen. Ja, wir Deutschen müssen uns momentan wieder häufiger die ein oder andere Standpauke anhören, wenn zudem erfolgreiche US-Amerikaner wie Investor Peter Thiel oder Journalist Jeff Jarvis medienwirksam über die „German Angst“ sprechen – und nicht zuletzt ihre zerstörerische Kraft für das Allgemeinwohl der Menschheit beschwören. Fahrdienste wie Uber? In Deutschland verboten! Google Street Views? Ja, aber mit dem Recht, die eigene Hauswand zu verpixeln! Recht auf Vergessen? WTF!

„Fahrdienste wie Uber? In Deutschland verboten! Google Maps? Ja, aber mit dem Recht die eigene Hauswand zu verpixeln!“

Natürlich läuft in Deutschland und auch Europa einiges anders als in Übersee. Und nicht alles, was sich deutsche Politiker einfallen lassen, ist aus US-amerikanischer Sicht nachvollziehbar. Fair enough: Was sich der ein oder andere Datenschützer hierzulande im Umgang mit sozialen Netzwerken wünscht, liegt bisweilen auch fern jeglicher Realität.

Aber sind die Menschen hierzulande deshalb gleich pauschal gegen jede Form von Fortschritt, sind sie Innovationsfeinde – gar technophob? Ich meine: Das ist eine Betrachtungsweise, die bisweilen an Respektlosigkeit und Überheblichkeit grenzt. Denn vieles von dem, was wir in der Vergangenheit als fortschrittlich bezeichnet haben und einiges von dem, was wir aktuell als wegweisend bezeichnen, wurde und wird maßgeblich in Deutschland entwickelt – allen voran so gut wie jede Innovation aus dem 3D-Druck- und dem Energiebereich. Tatsächlich übernimmt Deutschland eine nicht zu verachtende Rolle in der dritten industriellen Revolution, die landläufig auch gerne als digitale Revolution bezeichnet wird.

Die digitale Revolution besteht aus weit mehr als nur Google und Facebook

Jeremy Rifkin, stellt auf der diesjährigen CeBIT fest, dass die Deutschen vor allem bei Technologien im Energiebereich dominieren. (Bild: CeBIT)
Technophobie Fehlanzeige! Jeremy Rifkin stellt auf der diesjährigen CeBIT fest, dass die Deutschen vor allem bei Technologien im Energiebereich dominieren. (Foto: CeBIT)

Wer das nicht glaubt, sollte genauer hinschauen und sich fragen, was eine industrielle Revolution eigentlich ausmacht. Jeremy Rifkin, US-amerikanischer Ökonom, Politik-Berater und Gründungs-Vorsitzender der „Foundation on Economic Trends“, hat gerade erst auf der CeBit darauf hingewiesen, dass sich grundsätzlich während einer industriellen Revolution drei Technologien verändern: Es würden neue Kommunikationswege, neue Energiequellen und neue Transportmöglichkeiten etabliert – in der digitalen Revolution in Form gegossen durch die Kommunikation über das Internet, den Gebrauch erneuerbarer Energien und die Entwicklung selbstfahrender Autos. Glaubt man Rifkins Worten, sind die Deutschen an der Forschung mindestens zwei der genannten Technologien erheblich beteiligt. Und bei genauerer Betrachtungsweise stimmt das auch.

So sorgt die politisch anvisierte Energiewende hierzulande seit Jahren für frische Forschungsgelder und neue Innovationen in Sachen alternativer Energien, um sich vom risikoreichen Atomstrom und umweltschädlichen fossilen Energiequellen abwenden zu können. Hier übernimmt Deutschland mit großem Abstand sogar die Vorreiterrolle – weltweit. Zudem sind die deutschen Autohersteller, allen voran Daimler, seit Jahren mit viel Innovationseifer dabei, das selbstfahrende Auto zu realisieren und serientauglich zu machen – noch in diesem Jahr sollen Autos auf einer Teststrecke im Autobahnverkehr der A9 mitfahren. Nein, es sind nicht nur Google und Tesla auf dem Gebiet unterwegs, auch wenn man das annehmen könnte, da zumindest Google es besser versteht, seine Ambitionen laut in der Presse zu kommunizieren.

Es ist nicht die Technophobie, die die Deutschen vom Amerikaner unterscheidet

Alternative Energiequellen, die die Menschen unabhängig von Konzernen machen, bilden einen Teil der Veränderungen in der dritten industriellen Revolution. (Bild: Klaus Eppele - Fotolia.com)
Alternative Energiequellen, die die Menschen unabhängig von Konzernen machen, bilden einen Teil der Veränderungen in der dritten industriellen Revolution. (Bild: Klaus Eppele - Fotolia.com)

Dass die Deutschen sich nicht verstecken müssen, was ihren Anteil am Fortschritt und der digitalen Revolution angeht, muss nicht nur erwähnt, es muss meines Erachtens auch unterstrichen werden. Worüber sich meiner Meinung nach viel eher diskutieren lässt, sind die kulturellen Unterschiede, wenn es darum geht, wie sich Technologien und Unternehmen im gesellschaftlichen Alltag zu integrieren haben. Und worüber vor allem diskutiert werden kann, ist die Frage, welche Rolle der Mensch als Faktor im Marktgeschehen spielt. Hier findet sich nämlich der eigentliche Unterschiede zwischen den USA und Deutschland – und der hat mit Technophobie so gar nichts zu tun.

„Auf das ‚Free-Enterprise‘- und das ‚American-Dream‘-Versprechen fußt so gut wie alles in den Vereinigten Staaten.“

Während meiner Zeit in den Vereinigten Staaten habe ich vor allem eins mitbekommen: Das oberste Gebot für die Politik dort ist es, die unternehmerische Freiheit sicherzustellen. Auf das „Free-Enterprise“- und das „American-Dream“-Versprechen der Landesväter fußt so gut wie alles in den Vereinigten Staaten. Darauf wurde der Staat aufgebaut.

Es wird nur ungern über Risiken und Gefahren geredet, wenn es um die Aktivitäten von Unternehmen geht. Und sogar Steuern, die dem Allgemeinwohl zukommen, sind verpönt – sie bremsen halt den Fortschritt, da die Gelder nicht neu investiert werden können. Autobahnen, Nahverkehr, Krankenhäuser und Schulen sind zu einem gehörigen Teil privatisiert – auch das ein Zugeständnis an die unzähligen Unternehmen, die aus der Versorgung der Bürger Profit schlagen wollen. So gut wie alle möglichen Hürden, die das Geschäft beeinträchtigen könnten, werden so klein wie möglich gehalten und bisweilen sogar ganz abgebaut. Und das wirkt sich vor allem auf Bereiche des Verbraucher-, aber auch des Arbeitsschutzes aus, der in den USA verglichen zu Deutschland an vielen Stellen geradezu katastrophal ist.

Verbraucherrechte werden der unternehmerischen Freiheit in den USA untergeordnet

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Das oberste Gebot für die Politik in den USA ist es, die unternehmerische Freiheit sicherzustellen – oft zu Lasten des Verbraucher- und Arbeitsschutzes. (Bild: Andrea Izzotti - Fotolia.com)

Was all das mit dem eigentlichen Thema zu tun hat? Eine Menge, denn dass es Unternehmen wie Google und Facebook – die es laut Kritikern nie in Deutschland geben wird – in den USA gibt, hängt stark damit zusammen, dass sie sich dort kaum um derartige Themen kümmern müssen. Datenschutz bedeutet nun mal Verbraucherschutz – und dass der vor Snowden sogar bei den ganz Großen nur stiefmütterlich behandelt wurde, erkennt man dieser Tage auch daran, wie sie auf einmal alle versuchen, ansatzweise ihre Dienste, Server und Datenleitungen auf den neuesten Stand zu bringen und zu verschlüsseln.

Es hat sie vorher keiner dazu angehalten. Und genau das würde es in Deutschland nie geben – denn hier spielt der Mensch, spielen der Kunde und seine Rechte, eine viel größere Rolle. Es liegt mir fern zu entscheiden welches System das bessere ist. Aber wenn wir darüber reden, warum es große Internetkonzerne fast ausschließlich in den USA gibt und dass das auf die Technologiefeindlichkeit der Deutschen zurückzuführen sei, kann ich dem einfach nicht zustimmen.

„Wir wären nie so erfolgreich gewesen, wenn wir lieber in der Lehmhütte leben und ins Erdloch scheißen würden.“

Ich glaube nicht dass deutsche Ingenieursarbeit so einen guten Ruf gehabt und die letzten 100 Jahre bestimmt hätte, wenn wir dazu tendieren würden, lieber in der Lehmhütte zu leben und ins Erdloch zu scheißen.

Wir haben uns eben als Gesellschaft dazu entschieden, dass der Mensch eine starke Rolle in der Marktwirtschaft einnehmen soll und das führt dazu, dass Unternehmen nicht ungebremst nach vorne gehen können. In den USA spielt der Mensch zwar auch eine Rolle, sie bekommt jedoch nicht ansatzweise so eine Bedeutung zugeschrieben, wie die unternehmerische Freiheit. Das und die Vorsicht der deutschen Investoren sind die Gründe, warum bisher kein Google oder Facebook in diesem phänomenalen Tempo in Deutschland wachsen konnte.

Ich persönlich mag zwar die „Lass-das-mal-anpacken“-Mentalität in Übersee, aber ich bin auch ganz froh, wenn das im Einklang mit gewissen sozialen Regeln geschieht. Und nicht zuletzt bedeutet die digitale Revolution auch wesentlich mehr als nur eine Suchmaschine oder ein soziales Netzwerk zu etablieren. Wir tragen unseren Teil an anderer Stelle bei.

Weitere Kolumnen-Artikel aus „Aufgeweckt“ findet ihr hier.

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12 Antworten
  1. von coder am 25.03.2015 (10:24 Uhr)

    Die Diskussion wird verzehrt, wenn man über einen Stereotypen Deutschen spricht. Jedoch ist es richtig über eine herrschende gesellschaftliche Sicht zu sprechen. Eine Sicht, die wir von unserer Eltern beigebracht bekamen, wie man am besten und sicher sein Leben bestreiten sollte. Jedoch haben Sichtweisen ein Verfallsdatum und viele Menschen sind verärgert, wenn sie sich das Eigenheim nicht leisten können, obwohl sie die Regeln befolgt haben. Deswegen muss die Debatte über die Digitalisierung und neue Formen der Industrie immer mit dem Blick auf junge Menschen und alte Menschen geführt werden. Deutschland ist reich an jungen Menschen, die bereits in den 80ern mit der Digitalisierung aufgewachsen sind und reich an noch jüngeren Menschen, die das Internet in ihren Anfangsstunden miterlebt und durch neue Ideen geprägt haben. Im Gegensatz dazu existiert eine Geschäftswelt in Deutschland, die sich auf alt bewährte Modelle stützt. Junge Menschen sollten nicht einen zu großen Wert auf diese Erfahrung geben, denn ein Rückfall in alte Geschäftsmodelle ist oft der Anfang vom Ende die frische Idee am Wachsen zu halten.

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    • von Andreas Weck am 25.03.2015 (10:30 Uhr)

      Danke für diesen Kommentar. Sehr sachlich und konstruktiv! Damit hab ich nicht gerechnet, ehrlich gesagt. Ich denke auch, dass wir etwas mehr neue Business-Welt zulassen müssen in Deutschland. Denke aber vor allem daran, dass mehr Geld freigegeben werden muss, wenn man auch Unternehmen gründen will, die mitmischen und nicht unbedingt Daimler heißen. Da halten die Deutschen doch noch sehr an etablierten Industrien fest. Aber es gibt derzeit einige spannende Startups aus Deutschland, die auch international für Aufsehen gesorgt haben - wie man auf der SXSW gesehen hat.

      Nichtzuletzt diese Beispiele zeigen auch, dass es eine hohe Tech-Affinität in Deutschland gibt - und vermutlich auch schon immer gab.

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      • von coder am 25.03.2015 (12:59 Uhr)

        Richtig. Wie man aus SXSW gesehen hat, gibt es Innovative Ideen aus Deutschland reichlich. Man braucht nur zwei Monate zuvor an die CES denken und entdeckt wieder ein Startup aus Deutschland, das dort den Innovationspreis erhalten hat. Das Risikokapital für diese Unternehmen kommen meist nicht aus Deutschland. Auch das ist richtig. Allerdings sollte das junge Menschen nicht weiter interessieren, denn Geld ist global und weiter nicht tragisch, wenn sich ein amerikanisches VC-Team an der Idee beteiligt. Um Ihre Idee weiterführend zu Analysieren fände ich eine Aufstellung von Risikokapitalgebern aus Deutschland interessant. Ich denke, dass sich diese, im Vergleich zu ihren amerikanischen Kollegen, mit kleineren Geldbeträgen am Risiko beteiligen. Die Frage wäre dann (wenn sich mein empirischer Verdacht bestätigt), welche Gründe es für diese Vorsicht gibt. Vielleicht müsste man den Blick in Richtung der europäischen Banken und zur europäischen Börse wenden. Ich halte es in diesem Bereich als vergebens eine klassische Subventionspolitik als Katalysator anzusehen.

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  2. von Marcus am 25.03.2015 (10:32 Uhr)

    Sehr interessanter, gutgeschriebener Artikel.

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  3. von Moritz Stückler am 26.03.2015 (09:07 Uhr)

    Dass Deutschland Markt- und Technologieführer im Industriebereich diverser Branchen ist, sollte weithin bekannt sein, da gibt es sogar noch deutlich mehr Beispiele als du sie erwähnst.

    Das ist aber absolut kein Argument um die besagte Technophobie oder German Angst zu entkräften, ganz im Gegenteil: Alle diese Beispiele beziehen sich auf die Industrie und die Arbeitswelt. „Der Deutsche“ (den es natürlich nicht gibt, aber dem sich subjektiv trotzdem einige Charakteristiken zuschreiben lassen) hat aber Angst vor Technologie in seinem PRIVATLEBEN. In der Arbeit baut er hochkomplexe Industrieanlagen mit jeglichem technischem Schnickschnack, aber dann kommt er nach Hause und weiß mit der Hälfte der Tasten auf seiner TV-Fernbedienung nichts anzufangen und klebt deswegen Tesa darüber.

    Die Technophobie siehst du im Alltag wenn du den Leuten auf die Finger schaust und wie sie sich gegen neue Technik sträuben, und zwar unabhängig vom Alter. Allein die deutsche Formulierung „Ich muss mir wieder einen neuen TV/Computer/Smartphone kaufen“ finde ich sehr bezeichnend. Technik wird als Unannehmlichkeit wahrgenommen und nicht mal ansatzweise ausgereizt. Die meisten Leute wissen gar nicht, was ihr Smartphone, ihr Laptop oder ihr Fernseher eigentlich zu leisten vermag. Anstelle einen Blick in die Anleitung zu werfen, oder einfach mal auszuprobieren und wild herumzudrücken werden lieber nur die Basisfunktionen benutzt, und die restlichen Funktionen werden einfach nicht verwendet.

    Was ist denn die Ursache dafür, dass sich sämtliche deutsche Volksparteien bei Digital- und Netzthemen VOLLKOMMEN FALSCH entscheiden? Na ganz einfach weil die Politiker die betroffenen Dienste/Produkte selber nicht intensiv nutzen und deren Reichweite/Wichtigkeit/Funktionsweise nicht verstehen. Wenn ein Günther Öttinger zuhause Breaking Bad am Stück über Netflix gucken würde, dann würde er vielleicht auch verstehen, was seine beliebten „Qualitätsklassen“ für seinen privaten Medienkonsum bedeuten würden. Aber das ist ihm garantiert zu kompliziert.

    Sehr beispielhaft finde ich auch die Auto-Industrie. Dort sind wir in der Entwicklung unbestreitbar ganz vorne mit dabei, aber gucken wir uns mal auf dem deutschen Automarkt um: HANDSCHALTUNG soweit das Auge reicht. Automatik ist in Deutschland verpöhnt – und wieso? Weil die deutschen Kunden gerne die Kontroller über das Auto haben wollen, und Angst haben der Technik das Schalten zu überlassen – sämtliche Sicherheits- und Ökonomie-Aspekte bleiben dabei auf der Strecke. Wir kaufen und bauen Luxusautos für 100.000 Euro, legen aber weiterhin manuell die Gänge ein – das ist pervers. Ähnlich verhält es sich beim Tempomat: Wird kaum verbaut, und wenn vorhanden weiß kaum einer was er mit diesen Knöpfen am Lenkrad anfangen soll.

    Wir sehen es doch auch täglich und gerade heute im Medienbereich: Innerhalb von zehn Minuten Smartphone-Recherche auf dem Klo hatte ich heute morgen mehr Informationen zu den aktuellen Geschehnissen rund um den verunglückten Germanwings-Flug. Wieso? Weil die meisten Journalisten bei „alten“ Medien wie Tagesschau, Spiegel und Co. nicht mit reddit und Twitter umgehen können. Dort standen schon seit über zwei Stunden entscheidend mehr Informationen zur verriegelten Cockpit-Tür als auf sämtlichen deutschen Nachrichtenseiten.

    Eine Teilschuld daran haben sicherlich auch die Hersteller/Betreiber der Produkte, weil sie oft einfach schlecht zu handhaben sind. Da sind wir wieder beim klassischen Apple-Android-Beispiel. Aber auch schlechte UI/Bedienbarkeit darf kein Argument sein, um Technik nicht zu nutzen.

    Der Spieltrieb und Entdeckergeist der Leute muss wieder geweckt werden. Wenn die Menschen ordentlich beraten und betreut werden im Umgang mit Technik ist es auf einmal erstaunlich, wie viel Freude sie damit haben. Seit ich meinem Vater ein iPad geschenkt und ihm dem Umgang damit erklärt habe, wird er zum Digital-Nerd, oder wenn ich meiner Mutter erkläre dass sie mit ihrem Fernseher den Tatort über die Mediathek auch zu anderen Uhrzeiten gucken kann.

    Das Bildungssystem mit seiner mangelnden Digitalkompetenz (siehe dazu den Vorfall aus dieser Woche: http://www.pinkuniversity.de/video-learning-blog/digitalisierung-des-unterrichts-droht-uns-die-zwangsdigitalisierung-4-expertenmeinungen/) und die Medien mit ihrem Zeitdruck und inkompetenten Redakteuren (siehe dazu: https://medium.com/@jati/wie-falschmeldungen-im-netz-entstehen-28aad2aa760a) sind daran Schuld, dass sich an diesem Zustand nur ganz langsam was ändert.

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    • von Andreas Weck am 26.03.2015 (09:46 Uhr)

      Ok, aber du guckst alleine auf den Consumer, der übrigens ebenfalls nie als eine einzige Einheit gesehen werden kann, sondern auch nur ein Individuum ist, und machst daran die Technikangst aus? Weil es Leute gibt, die gerne schalten? Weil es Leute gibt, die einen Fernseher einfach einschalten und die Serie gucken wollen anstatt ihre Gebrauchsanweisung auswendig zu lernen? Du schreibst: „Ich muss mir wieder einen neuen TV/Computer/Smartphone kaufen“ und machst daran die Technophobie aus? Schon mal dran gedacht, dass es einfach teuer ist und man bessere Sachen mit seiner Zeit anfangen könnte, als sich damit zu beschäftigen? Jedes Mal wenn ich den Kühlschrank auffüllen muss, sag ich genau das gleiche: "Och nö, ich muss wieder einkaufen." Oder wenn mein Kleiderschrank leer ist: "Och nö, ich muss wieder waschen." Bin ich deswegen ein Lebensmittel- oder Waschmaschinenphobiker? Du kannst nicht von jedem erwarten, dass er ein Nerd wird. Und das wird auch nie passieren. Das ist in den USA übrigens auch nicht so. Das solltest du wissen.

      "Deutsche Technophobie" ist für mich eine Worthülse, die sich einzig auf die schlechten Seiten konzentriert und sie zum Maß aller Dinge macht. Unfähige Politiker wie Oettinger werden stellvertretend als typisch für alle Deutsche ausgewiesen. Bisher kenn ich in meinem Umfeld keinen, der auch nur ansatzweise mit dem Typen einig ist. Ich gebe zu, dass von der großen Riege der Politiker aka Merkel, Gabriel etc. eine katastrophale Signalwirkung ausgeht, wenn die sich zum Netz äußern. Aber wir sollten auf dieser Pessimismuswelle nicht noch mitreiten und einstimmen, in dem wir sagen... "Ja, ja. An Merkel und Gabriel kann man sehen, wie Deutschland tickt". Dann produzieren wir nur einen Scheißekreisel, den wir auch in 100 Jahren nicht durchbrechen werden.

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      • von Moritz Stückler am 26.03.2015 (10:08 Uhr)

        Was ich gebracht habe sind Beispiele um meine These zu unterstützen, bzw. deine These von der „leeren Worthülse“ zu widerlegen.

        Ich habe das Gefühl du willst das einfach nicht sehen. Das wirkt so ein bisschen wir anti-authoritäte Erzieheung. Nennen wir das Kind ja nicht beim Namen, weil es negative Folgen haben könnte.

        Und natürlich mache ich Technophobie primär am Consumer fest. Nur weil jemand beruflich hochtechnisierte Arbeiten erledigt heißt es nicht, dass ihm das gefällt oder Spaß macht. Der Privatbereich ist wesentlich aussagekräftiger um irgendwelche allgemeinen Tendenzen festmachen zu können, weil kein wirtschaftlicher Druck dahinter steht.

        Technophobie ist in Deutschland stark verbreitet – mehr als in anderen Nationen. Die Ursachen liegen vor allem in der deutschen Vergangenheit, einem diesbezüglich schlechten Bildungssystem, dadurch auch defizitäre Erziehung der Eltern in digitalen Bereichen und einer schlechten Medienlandschaft. Das muss gesagt werden, vom Totschweigen wird es nicht besser.

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      • von Andreas Weck am 26.03.2015 (10:23 Uhr)

        Ich halte Totschweigen auch nicht für gut - weswegen ich regelmäßig auch über destruktive Politiker und Lobby-Verbände schreibe und den Schund thematisiere, der da aufploppt. Aber ich lege viel Wert auf differenzierte Betrachtungsweisen. Die Welt ist keinesfalls nur schwarz und weiß, Deutschland ist nicht Thilo Weichert und auch nicht Springer. Ich habe das Gefühl - und wir kennen uns schon länger - dass du deine Meinung vor ein paar Jahren gefasst hast, und partu nicht um weitere Punkte ergänzen willst.

        Mein Anliegen ist einfach - um das ganz klar zu sagen: Diejenigen kritisieren, die es verdienen, kritisiert zu werden - und zwar direkt! Diejenigen loben, die es verdienen gelobt zu werden. Und vor allem: Von jeglicher Art von Pauschalitäten einen großen Abstand zu halten. Denn Pauschalitäten verkürzen die Vielschichtigkeit einer Debatte auf den kleinsten (... und oft negativen) gemeinsamen Nenner.

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      • von Andreas Weck am 26.03.2015 (10:28 Uhr)

        Und vielleicht noch ergänzend: Ich halte Deutschland keinesfalls für den Innovationstreiber unserer Zeit. Aber auch das Gegenteil ist nicht der Fall. Die Wahrheit liegt wie immer dazwischen. Warum behandeln wir das Thema dann nicht auch so?

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  4. von Marcel Hanke am 27.03.2015 (13:53 Uhr)

    Schöner Artikel!

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  5. von Fabian Lurz am 31.03.2015 (08:11 Uhr)

    Wow - ein wirklich toller Artikel der sich mit dem Thema differenziert auseinander setzt. Vielen Dank!!

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