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Digitale Gesellschaft

Digitale Gesellschaft e.V.: Gerade gegründet, schon schwer unter Beschuss

    Digitale Gesellschaft e.V.: Gerade gegründet, schon schwer unter Beschuss

Eine Art „Greenpeace der Netzpolitik“, ein „Internet-ADAC“ oder doch einfach nur Selbstbeweihräucherung der „Berlin-Mitte-Nerds“? Der „Digitale Gesellschaft e.V.“ hat viele Fragen aufgeworfen, seitdem er vorige Woche im Rahmen der re:publica in Berlin vorgestellt wurde. Jetzt stellen sich die Macher der zahlreichen und teils harschen Kritik.

„Digitale Gesellschaft“ im Shitstorm

„Shitstorm – You can do it“, hieß eine Session auf der re:publica und einen solchen Exkrementesturm hat auch der dort frisch vorgestelle „Digitale Gesellschaft e.V.“ abbekommen. Vor allem die Gallionsfigur Markus Beckedahl dürfte schon mehr Spaß gehabt haben. Aber gut, immerhin wird über die Neugründung gesprochen...

Und da die Macher hinter dem Verein nicht das erste Mal im Internet sind, wissen sie auch, worauf es ankommt: eine schnelle Reaktion. So erklären sie nun in einer FAQ zum „Digitale Gesellschaft e.V.“, warum wieso weshalb manche Dinge bei dem Verein so sind wie sie sind.

Markus Beckedahl (netzpolitik.org) stellte den „Digitale Gesellschaft e.V.“ auf der re:publica in Berlin vor. Foto: Jonas Fischer/re:publica. Lizenz: CC BY 2.0

So wird von Kritikern teils die Organisationsstruktur in Frage gestellt. Denn dem Verein geht es zwar um Offenheit und Transparenz, aber auf den ersten Blick gibt er sich zugeknöpft und undurchsichtig. So ist (noch) nicht öffentlich, wer eigentlich dahintersteht. Nur der dreiköpfige Vorstand u.a. mit netzpolitik.org-Macher Markus Beckedahl ist bislang bekannt. Dazu aus den FAQ:

Auch bei anderen Vereinen oder Organisationen wie dem CCC, dem AK Zensur o.ä. gibt es keine offenen Mitgliederlisten. Wir haben unsere Gründungsmitglieder jedoch nun gefragt, ob sie etwas dagegen hätten, namentlich auf der Website genannt zu werden. Damit wollen wir einen Beitrag zur größtmöglichen Transparenz leisten - und behalten uns vor, diese dann in Zukunft auch von allen anderen zu fordern.

Und manche kritisierten, man dürfe zwar helfen, aber nichts entscheiden. In den FAQs heißt es zum Punkt Mitarbeit:

Selbstverständlich werden jene, die an den Kampagnen mitarbeiten, auch über diese  entscheiden – das hat nichts mit Mitgliedschaft zu tun. Wie groß die Kampagnen werden, richtet sich natürlich nach der Unterstützung, die den einzelnen Kampagnen zukommt.

Dass die Satzung noch nicht auf der Website zu finden ist, habe einen einfachen Grund: Sie ist noch nicht final abgesegnet. Wenn das geschehen ist, kann man sie auch nachlesen.

Ein anderer Kritikpunkt betrifft den Eindruck, man strebe einen Alleinvertretungsanspruch für alle Internetbenutzer an. Dem widerspricht der Verein wie folgt:

Wir sehen die DG als einen Mosaikstein in der Bewegung für digitale Bürgerrechte. Als einen Teil, der mit anderen Teilen konstruktiv zusammenarbeitet. Als einen Verein, der ergänzt und unterstützt.

„Digitale Gesellschaft“: Kritik zwischen berechtigt und kleinlich

Website des „Digitale Gesellschaft e.V.“. Der Verein ist noch so frisch, dass selbst die Satzung noch nicht final vorliegt. Ob man den Machern eventuell auch mal ein wenig Zeit für den Start einräumen könnte, anstatt sofort loszupoltern?

Zahlreiche weitere Punkte lassen sich in den FAQ nachlesen. Sie fassen dabei auch die zahlreichen kritischen Artikel rund um den „Digitale Gesellschaft e.V.“ zusammen. Manches ist berechtigt, manches kleinlich, manches peinlich. Denn dass der Verein noch nichts geschafft hat, ist ihm beispielsweise schwerlich vorzuwerfen...

Alles in allem muss ich sagen: Es ist gut, dass sich Menschen in Deutschland dafür engagieren, der netzpolitischen Bewegung eine Struktur zu geben. Und darum geht es bei dem neuen Verein. Er soll künftig Kampagnen unterstützen. Im Moment ist es doch so, dass alles jedes Mal wieder neu erfunden werden muss. Damit geraten die Interessen der Internetnutzer schnell ins Hintertreffen, denn andere Lobbyisten sind einfach professioneller und schlagkräftiger.

Die digitale Gesellschaft braucht eine Lobby

Man braucht sich doch in dieser Hinsicht keinen Illusionen darüber hinzugeben, wie unsere Demokratie vielfach funktioniert. Es wurde ja auch schon zum Positiven fürs Netz eingesetzt. Dass beispielsweise „Zensursula“ über ihre eigenen Netzsperren gestolpert ist, hat auch mit dem massiven und öffentlich wahrnehmbaren Protest zu tun. Ohne ihn hätten wir schon längst die Anfänge der Internetzensur in Deutschland. Und wenn wir nicht aufpassen, kommt das Thema bald wieder – diesmal mit dem Oberthema „Glücksspiel“ und aus Richtung EU. Das ist nur ein Beispiel. Viele weitere wären zu nennen.

Es ist gut, kritisch zu bleiben und auch solche Initiativen wie „Digitale Gesellschaft e.V.“ zu hinterfragen. Das ist unbenommen. Manche Kritik aber ist jenseits von Gut und Böse und hat mit konstruktiver Auseinandersetzung nichts mehr zu tun. Aber darum geht es vielfach auch nicht.

Oder wie seht ihr das? Ist das nun reine Profilierungssucht von Menschen wie Markus Beckedahl? Ist es ein sinnvoller Ansatz? Ein Schuss in den Ofen? Können sich die Kritiker gehackt legen oder doch eher die Macher?

Weiterführende Quellen zum Thema:

Einige kritische Beiträge rund um den „Digitale Gesellschaft e.V.“:

Finde einen Job, den du liebst zum Thema Android

8 Reaktionen
Markus
Markus

Wo soll da bitte eine Monopolisierung der digitalen Freiheit entstehen? Mir war nicht bewusst, dass ich als Einzelperson dazu in der Lage sein soll.

Der Chaos Computer Club hat sich öffentlich so geäußert: "Wir unterstützen die "Digitale Gesellschaft" als Interessenvertretung für Bürgerrechte, Datenschutz & digitale Freiheit".
https://twitter.com/chaosupdates/status/58207166758273024

Constanze Kurz ist als Unterstützerin mit einem Statement auf unserer Seite aufgeführt. Der Chaos Computer Club befürchtet also offensichtlich keine Monopolisierung von Freiheit durch mich. Aber die kennen mich auch.

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dr. motte
dr. motte

ist das denn nicht eine monopolisierung der digitalen freiheit durch herrn beckedahl? was sagt eigentlich der chaos comouter club dazu?

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Markus
Markus

Da immer von 90 oder 100 Tagen gesprochen wird, wollte ich sicherheitshalber nochmal darauf hinweisen, dass wir das als langfristiges Projekt sehen und die Strukturen nebenbei in unserer knappen Freizeit von Null aufbauen.

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Jürgen
Jürgen

Welcome to Germany.

Statt abzuwarten in welche Richtung sich das ganze entwickelt, packen wir schon mal den Baseballschläger aus.. Wenn auch nur Digital.

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Markus von Halden
Markus von Halden

Man soll den Tag nicht vor dem Abend lohnen. Heisst es doch so schön. lasst ihnen noch ein wenig zeit und dann kann es Kritik hageln.

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mario
mario

ich denke das ist nur die spitze vom Eisberg. Artikel ist gut und ausführlich beschrieben. und wir werden uns noch alle wundern. warten wir die noch die nächsten 90 Tage ab.und schauen dann wo sie stehen.

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nitramred
nitramred

Guter und sachlicher Artikel. War auch nötig. Und dem Fazit stimme ich zu: Kritisch bleiben "ja", aber bitte konstruktiv. Was in der knappen Woche über die Leute des neuen Vereins hereingebrochen ist, war teilweise ziemlich daneben. Das Ziel der Digitalen Gesellschaft ist auf jeden Fall ein gutes, Weg und Struktur werden sich finden. Aber ich gebe den Machern mal einen Vertrauensvorschuss: Wenn einer weiß, was sich hinter Begriffen wie "Lobbyarbeit" und "Intransparenz" verbirgt und wie die Netzgemeinde auf die negativen Konnotationen dieser Begriffe reagiert, dann Markus Beckedahl & Co. Ich glaube jetzt einfach mal nicht, dass die mit dem Ansatz an den Start gegangen sind, der ihnen jetzt unterstellt wird.

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Jason
Jason

Man merkt deutlich, dass wir einen langen Winter hinter uns haben. Einigen fehlt es an Frischluft und Sonne. Es ist ein Unding, alles gleich in Grund und Boden zu kritisieren. Was man nun über Markus Beckedahl denkt oder nicht. Immerhin nutzt er seine Zeit offensichtlich um einiges sinnvoller, als die Leute, die in einer Tour alles nieder kommentieren.

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