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Ratgeber

Was bedeutet digitale Transformation eigentlich konkret?

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Digitale Transformation: Vernetzung der Produktionsketten und die Erschaffung virtueller Zwillinge

Die Menschheit ist durch das Internet vernetzt – unter dem Schlagwort Industrie 4.0 folgen derzeit die Maschinen. Unternehmen wie General Electric mit Predix, das Berliner Startup Relayr, Siemens mit Mindsphere oder Thingworx sind angetreten, die Plattformen für dieses industrielle Internet zu bilden. Eine zu große Hersteller-Abhängigkeit fürchtend, basteln viele Unternehmen aber auch an einer eigenen IoT-Plattform zur Vernetzung im Industrial Internet.

Der Sinn des Datenaustauschs zwischen den Maschinen: Ein Informationsaustausch über alle Stufen der Produktion – im Idealfall bis zum Kunden, sodass sich Produktion, Logistik und Lagerhaltung jeweils auf den aktuellen Bedarf flexibel einstellen können.

Foto: Chiradech Chotchuang/Shutterstock

Zudem bekommen Produktionsanlagen einen digitalen Zwilling, meist Englisch als Digital Twin bezeichnet – ein präziser Nachbau der eigenen Produktionsanlage mittels eines 3D-Modells, das alle Eigenschaften der echten Maschinen simuliert. Jeder Teil einer Anlage hat damit eine simulierte virtuelle Abbildung in Software. Realer und virtueller Zwilling tauschen ständig Daten über ihren Status aus, die von Sensoren erfasst werden.

Der digitale Zwilling erfüllt eine Reihe von Aufgaben: Unternehmen können beispielsweise Produktfehler schon in der Simulation erkennen. Auch sorgen sie für mehr Produktvielfalt und Flexibilität, weil Produkte bereits testweise virtuell gefertigt werden können. Und Produktionsanlagen können schneller in Betrieb gehen. Der Economist zitiert zwei Beispiele für den Erfolg digitaler Zwillinge: Bei einer Produktionsanlage für industrielle Computerbauteile von Siemens im bayerischen Amberg konnte die Leistung auf 15 Millionen Einheiten pro Jahr auf derselben Fläche gesteigert werden – das Zehnfache der Produktionsleistung bei der Eröffnung 1989. Das soll auch durch Effizienzgewinne mittels des digitalen Zwillings ermöglicht worden sein.

Sportwagenhersteller Maserati konnte die Sportlimousine Ghibli dem Bericht zufolge dank digitalem Zwilling bereits nach 16 Monaten produzieren statt 30. Höhere Qualität und geringere Fertigungskosten der Produkte sind weitere Ziele beim Einsatz virtueller Zwillinge. Weitere Informationen dazu finden sich beispielsweise auf der Seite der Hannover Messe.

Auch Mitarbeiter können mit digitalen Upgrades möglicherweise effizienter arbeiten. Volkswagen beispielsweise setzt Augmented-Reality-Brillen im Logistikbereich des Stammwerks in Wolfsburg ein, die Informationen einblenden, und experimentiert mit weiteren Geräten, damit die Mitarbeiter die Hände frei haben. Exoskelette können körperlich arbeitende Mitarbeiter entlasten.

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Digitale Führung: Agile Methoden im Management

Von Startups und Tech-Branche lernen, heißt siegen lernen? Digitalisierung bedeutet, wie bereits ausgeführt an vielen Stellen, Flexibilisierung und schnelles Reagieren auf den Markt. In der Welt der Startups und Tech-Unternehmen gibt es dafür ein Wort: Agilität.

Schon seit deutlich mehr als zehn Jahren sind in der Tech-Branche agile Methoden fest verankert: Bei der Software-Entwicklung hat das agile Management das sogenannte Wasserfall-Modell abgelöst. Statt starrer Entwicklung nach Lastenheft, bei der stur nach Vorgaben programmiert wird und so eklatante Design-Fehler erst bei Fertigstellung der Software auffallen, wird in kleinen Iterationen entwickelt – immer wieder im Entwicklungsprozess getestet, ausprobiert und angepasst.

Die agile Entwicklung erfordert eine agile Form des Managements – und die lässt sich auch auf Unternehmen abseits der Software-Entwicklung übertragen, die sich heute schnell an den Markt anpassen müssen. Doch nicht nur der Markt sondern auch insbesondere junge Mitarbeiter machen heute Druck, weil sie mehr Flexibilität statt starrer Abläufe fordern.

In der Forschung werden diese agilen Ansätze des Managements Digital Leadership genannt – ein Begriff, den der Sozialpsychologen Utho Creusen prägte, der zuvor auch den Begriff „Positive Leadership“ mitentwickelt hat. Im Zentrum von Digital Leadership steht neben einer höheren Agilität eine starke Fokussierung auf den Kunden.

Um den Kundennutzen in den Mittelpunkt des Unternehmens zu stellen gibt es Techniken wie das Design Thinking, bei dem versucht wird, auf neue Lösungen aus Anwendersicht zu kommen. Zur Flexibilisierung des Unternehmens tragen Techniken wie Rapid Prototyping bei – also das schnelle Erstellen und auch wieder Verwerfen von Prototypen mit Hilfe von 3D-Druckern. Aus Big Data gewonnene Erkenntnisse können dazu genutzt werden, Produkte stärker auf den Kundennutzen hin zu entwickeln.

Auch andere aus Startups bekannte Konzepte können und müssen im Sinne der Flexibilisierung in digital transformierten Unternehmen angewendet werden – darunter beispielsweise das Konzept des Minimal-Viable-Product (MVP). Dabei geht es darum, ein Produkt schon dann auf den Markt zu bringen und mit Hilfe des Feedbacks von Nutzern weiterzuentwickeln, wenn es gerade eben als fertig gilt. Gerade in etablierten Unternehmen bergen solche Strategien natürlich auch ein Risiko: Ein Produkt, das als minderwertig gilt, kann Ruf und Marke beschädigen – große Unternehmen können daher Startup-Strategien nicht eins zu eins übernehmen.

An ein MVP müssen bei einer etablierten Marke höhere Ansprüche gestellt werden als bei einem Startup. Wichtig ist es aber im Sinne der Kundenorientierung, die späteren Nutzer des Produkts frühzeitig im Entwicklungsprozess mit dem Produkt zu konfrontieren und das Feedback in die weitere Entwicklung einfließen zu lassen. Größere Unternehmen sollten dazu zunächst auf Fokusgruppen setzen statt das MVP direkt auf den Markt zu bringen. So lassen sich aus Startups bekannte Methoden wie „fail fast and fail often“ auch in Großunternehmen umsetzen.

Eine weitere Methode ist das Ausgründen von Unternehmen, die unter eigenständiger Marke und abseits der Konzernstrukturen neue Konzepte schneller ausprobieren und auf den Markt bringen können. Daimler hat beispielsweise die 100-prozentige Tochter Moovel gegründet, Volkswagen MOIA. Manche Experten wie Florian Heinemann, Partner beim Berliner Wagniskapitalgeber Project A, bezweifeln auch die Wirksamkeit der digitalen Transformation. Ihrer Meinung nach reicht Transformation nicht aus – neue digitale Geschäftsfelder müssten vielmehr durch Disruption entstehen. Dafür sind neue Tochtergesellschaften mit neuem Personal eher geeignet.

Für den Stammkonzern berichten zahlreiche Unternehmer, dass sie bald auf ein Problem stoßen: Es ist leicht das Top-Management beim Thema digitale Führung mitzunehmen – und die einfachen Angestellten und Auszubildenden sind meist jünger und daher aufgeschlossener für Digitales. Das größte Problem besteht in den meisten Unternehmen im mittleren Management dazwischen – hier gilt es Überzeugungsarbeit zu leisten.

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2 Reaktionen
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Ja stimmt. Nur leider nicht als PDF zum runterladen - also nicht zum Weitergeben an die, die es wirklich brauchen - also ab ins Nrvana damit. Schön aber unbrauchbar, wie schade.

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StefanM
StefanM

Sehr guter Artikel. Danke

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