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„Digitaler Radiergummi“ – Ilse Aigner träumt vom Verfallsdatum für Bilder im Web

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hatte einst vergeblich versucht, Facebook in die Knie zu zwingen. Aus Protest löschte sie ihren Account bei dem Social Network. Es passierte... nichts. An den Datenschutzproblemen des Netzwerks hat sich nichts geändert. Logisch. Aber was mit Facebook nicht klappt, klappt vielleicht mit dem ganzen Internet: Bilder und andere Inhalte sollen ein Verfallsdatum bekommen, träumt die Ministerin. Technisch geht das sogar. Es funktioniert nur nicht besonders gut. Und wir alle müssten dafür bezahlen.

„Digitaler Radiergummi“ – Ilse Aigner träumt vom Verfallsdatum für Bilder im Web

Es ist ja nicht so, als ob die deutsche Verbraucherschutzministerin aktuell nicht dringendere Dinge zu erledigen hätte. Dioxin? War da was? Aber es bleibt immer noch genug Zeit, mal eben das Internet zu revolutionieren. Kleinigkeit.

Hat da gerade jemand „Windmühlen“ gerufen? Don Quijote ist Mitglied der deutschen Bundesregierung? Möglich. Aber wir wollen nicht lästern. Oder wenn, dann nur ein bisschen.

Sehen wir es doch einmal positiv: Die von manchen respektlos als „Ankündigungsministerin“ verspottete Ilse Aigner hat zumindest noch Träume: eine bessere Welt, ein besseres weltweites Datennetz. Blühende Wiesen und glückliche Kühe hier, glückselige Internetnutzer und ein gefahrlos-reines Web dort. Schön!

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner will, dass wir alle im Internet herumradieren können. Foto: touristikverein auf Flickr, Lizenz: CC BY 2.0

Ilse Aigner und ihr Radiergummi: ein Firefox-Plugin

Gemeinsam mit dem Saarbrücker Informatik-Professor Michael Backes hat sie nun „X-Pire“ vorgestellt. Es soll Bilder mit einem digitalen Verfallsdatum versehen, bevor wir unsere ach so wichtigen Fotos an Sodom und Gomorrha übergeben und unser Leben für immer zerstören (unter Internetfanboys wie mir wird das allgemein mit dem Begriff „hochladen“ verharmlost).

Technisch gesprochen ist „X-Pire“ eine Firefox-Plugin, das Bilder vor dem Hochladen verschlüsselt und auf einem zentralen Server ein Verfallsdatum hinterlegt. Ansehen kann man sich das Foto im Browser dann nur noch, sofern das Datum passt und man das Firefox-Plugin ebenfalls installiert hat. Ansonsten sieht man nur einen Platzhalter.

Die derzeit erhältliche Beta des Plugins unterstützt den Upload zu , wer-kennt-wen.de und - besonders sinnvoll - Flickr. Maximales Haltbarkeitsdatum eines so behandelten Fotos: ein Monat.

Weitere Informationen zum Plugin gibt es auf dieser Website im schicken 90er-Retro-Design. Wie das alles funktioniert, ist zudem hier beschrieben.

Umständlich, unwirksam, aber dafür kostenpflichtig

Hatte ich schon erwähnt, dass die Nutzung des Plugins später kostenpflichtig ist? Man darf künftig entweder pro Bild bezahlen oder nimmt sich eine super preisgünstige Flatrate zum „billiger wird's nimmer“ Schnäppchenpreis von nur noch 9,95 Euro im Monat. Toll! ... Das war jetzt übrigens ironisch. So wie bisher auch schon so einiges in diesem Text. Nur mal so nebenbei erwähnt.

Und nicht dass mir jemand von euch einfach einen Screenshot von einem geschützten Bild macht und den dann im Netz verbreitet. Tststs. Ihr Verbrecher, ihr. Einfach Ilse Aigners Radiergummi kaputt machen. Böse. Am Ende kommt noch jemand auf die Idee, den zentralen Server von X-Pire lahmzulegen. Ein einziger Sündenpfuhl dieses Interwebsdings.

Ilse Aigner freut sich: Die verheerende Wirkung von gefährlichen Partybildern wird durch Verschlüsselung entscheidend abgemildert - oder so.

Aufklärung statt Aktionismus

„Es müsse einen Mix von unterschiedlichen technischen und regulatorischen Maßnahmen geben, um den Datenschutz im Internet zu verbessern“, sagt derweil der Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung Peter Schaar. Ein löbliches Ansinnen und sicher gut gemeint. Man fragt sich nur, wie man das weltweite Datennetz von der deutschen Provinz ausgehend regulieren will - und wozu das überhaupt notwendig ist. Facebook steht trotz aller Größe schließlich ständig auf der Abschussposition. Nicht umsonst können Protestprojekte wie bisweilen so eine Dynamik entfalten. Wenn es den Nutzern zu bunt wird, werden sie per Klick abstimmen. Wenn jemand ihnen etwas anbietet, was sie wirklich besser finden, werden sie dort hingehen.

Und bis dahin sollte man vielleicht einmal mehr Geld darin investieren, die Nutzer aufzuklären. Das wäre der richtige Ansatz. In Deutschland werden wir niemals das Internet auf den Kopf stellen. Aber man wird doch wohl die Bürger dafür sensibilisieren können, worauf sie im Netz achten sollten. Und die Bundesregierung könnte sich ja mal darum kümmern, anstatt gegen Windmühlen zu kämpfen.

Aber vielleicht müsste erst einmal jemand Ilse Aigner aufklären. Dafür ist es nie zu spät.

Weiterführende Quellen zu Ilse Aigner, ihren Aktionen und ihrem neuen Radiergummi:

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29 Antworten
  1. von Sebastian Scholz via facebook am 12.01.2011 (10:39Uhr)

    die soll zurück auf ihre alm gehen, ein bio-schnitzel essen und den rest der welt in ruhe lassen. und wenn ihr das internet zu unübersichtlich bzw. zu unmfassend ist soll sie sich von fisherprice ein kinder-computer kaufen... irgendwann verlangt sie noch einen führerschein um auf der daten-autobahn unterwegs sein zu dürfen a la surfen ab 10 jahre darunter nur in begleitung eines erwachsenen...

  2. von Ivan-Alexander Jung via facebook am 12.01.2011 (10:47Uhr)

    Fr. Aigner sollte sich besser darum kümmern, dass kein Gift ins Essen kommt. Im Übrigen sollte sie mal nach dem Barbra Streisand-Effekt googlen. Falls sie weiß, wie das geht.

  3. von Sascha Bartsch via facebook am 12.01.2011 (10:48Uhr)

    Ich fühle mich von Frau Aigner nicht vertreten. Paranoide Olle

  4. von datenkind am 12.01.2011 (10:49Uhr)

    x-pire.de nutzt Google Analytics. Hach, ich liebe diese Moralisten.

  5. von Nils am 12.01.2011 (10:59Uhr)

    Wie jetzt? Das gibt es nur für Firefox? Damit sind ja dann mindestens 10 Prozent der deutschen Internetnutzer der Gefahr des Datenmissbrauchs ausgesetzt, weil sie Safari, Chrome und Co einsetzen (siehe die Argumentation die unser aller Freund und Busenkumpel von Frau Aigner Peter Schaar gerade missionarisch gegen Google Analytics führt). Also so geht es nicht Frau Aigner!
    (wer Sarkasmus findet, darf ihn behalten!)

  6. von Claus am 12.01.2011 (11:12Uhr)

    Danke für diesen Beitrag. :-) Ich habe mich gekringelt vor lachen, und das wo er wirklich in jedem Wort die Wahrheit benennt.

  7. von Thomas Weise am 12.01.2011 (11:17Uhr)

    Ja, sie träumt :D

  8. von Tobi am 12.01.2011 (11:48Uhr)

    Huhu ihr lieben. Ich bin erstaunt(?), entsetzt (?), perplex(?).
    Schade dass man Politiker nicht im wahrsten Sinne des Wortes "abwählen" kann. Denn wer so viel Realitätsverlust zeigt, der ist in meinen Augen nicht wirklich geeignet im Sinne anderer zu entscheiden - oder wo wohnt dieses Volk, dessen Meinung sie vertritt?
    Ahhh. Mir fällt gerade ein, man könnte doch auch Berners-Lee verklagen. Der ist ja schließlich Schuld daran, dass die arme Frau auf solche gedanken kommen muss. Ein böser Verführer er ist.

  9. von Martin Brüggemann am 12.01.2011 (11:49Uhr)

    Schöner, zusammenfassender Artikel mit Hang zum Ironischen und fettes Foto! Mehr davon! :)

  10. von Christoph Palme via facebook am 12.01.2011 (11:56Uhr)

    Hängen geblieben!

  11. von Sebastian Michaelsen am 12.01.2011 (12:19Uhr)

    Ich hoffe dieser Michael Backes hat das nicht wirklich ernst gemeint, hat schön ordentlich Steuergelder kassiert und lacht sich jetzt in's Fäustchen.

  12. von dª]V[ªX » Der digitale Radiergum… am 12.01.2011 (12:19Uhr)

    [...] Update1: noch was Hübsches dazu auf T3n. [...]

  13. von Florian Held via facebook am 12.01.2011 (12:22Uhr)

    So ein Schwachsinn. Ich stelle ja nicht Bilder online, damit die dann irgendwann verschwinden. Wenn dann sollte man selbst ein Verfallsdatum eingeben können, wer das eben möchte. Oh man und für so was zahl ich Steuern :( ...

  14. von Florian Held via facebook am 12.01.2011 (12:24Uhr)

    @ S. Schultz: Das mit dem Fischerpreis PC gefällt mir gut xD und das mit dem Führerschein ist auch klasse. Den muss man dann alle paar Monate, also wenn der was neues eingefallen ist, erneuern :P ...

  15. von Christian am 12.01.2011 (12:25Uhr)

    Ich glaube da hat jemand nur das Wort "kostenpflichtig" gesehen und sofort "Das brauchen wir!" geschrien. Die sollen mal nicht so oft in den Bierkrug gucken. Man sieht ja was dabei rauskommt.

  16. von Mathias am 12.01.2011 (16:31Uhr)

    Das Programm wird ja, egal wo man schaut, ordentlich getreten.Ich finde die Grundidee dahinter aber nicht so richtig sonnlos, da die Annahme, daß jeder böswillig Screenshots macht und diese dann wieder hochlädt nicht unbedingt realistisch ist. Die Gängelung der User mit Captchas, Plugins und 10Euro/Monat ist da schon durchschlagender. Richtig ungünstig zu Zeit ist es imo, mit Ilse Aigner Werbung zu machen, das würde ich als einen der triftigeren Gründe für die schlechte Stimmung ausmachen^^.
    Auch wenn das vom timing her nicht optimal ist, habe ich eine ähnliche Webapplikation geschrieben, aber rein privat als Projekt an der Uni.
    Im Prinzip geht es darum, dass Leute Informationen austauschen können, ohne das dies später nachvollzogen werden kann. Statt der eigentlichen Nachricht schreibt man einen “mini-link”, hinter dem sich eine einfache Botschaft oder Mini-Diskussionsforum verbirgt, das sich nach der eingestellten Ablaufzeit selbstständig löscht. Auch wenn die Atmosphäre für solche Projekte atm wohl etwas mit dioxin vergiftet ist, freue ich mich doch, wenn der ein oder andere sich das mal anschaut und Feedback gibt, irgendwann muss ich über mein Produkt noch noch nen (Seminar)vortrag halten, da ist mir bis dahin noch jeder (nicht allzu böse :P) Kommentar willkommen. Zu finden unter http://www.melting-link.com . Vg

  17. von dentix07 am 12.01.2011 (18:39Uhr)

    Gibt's in Zukubft auch ein x-pire für Politiker(bilder)? Dafür würd' ich glatt zahlen! Allerdings nur wenn die Haltbarkeit (von Politikern und Bildern) auf maximal 6 Monate begrenzt wäre!

  18. von M-f Siegmund via facebook am 13.01.2011 (12:27Uhr)

    In 10 Jahren frage ich euch mal, wo im Internet eure privaten Bilder sind. Keiner wird es wissen, weil vergessen oder den überblick verloren. Ihr werdet es zu guter letzt sein, die dann schreien "Die Politik soll sich um meine Rechte kümmern". Unabhängig davon ob man Frau Aigner mag. Sie kümmert sich. Und bei einem Ablaufdatum für private Daten, das auch noch gesetzlich garantiert ist (wenn man möchte) gibt es überhaupt nichts auszusetzen.
    Also, bleibt mal cool und objektiv. Im übrigen wäre für den ein und anderen auffrischung in Erdkunde dienlich. Dann weiß man auch woher die Schnitzel kommen, und was Frau Aigner mit Almen zu tun hat.

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