Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Startups

Digitaler Umbruch: Liest du 2025 noch gedruckte Bücher, Zeitungen, Zeitschriften?

    Digitaler Umbruch: Liest du 2025 noch gedruckte Bücher, Zeitungen, Zeitschriften?

Im Rahmen der Buchtage Berlin 2011 wurden jetzt 55 Thesen zur Zukunft der Buchbranche vorgestellt und bis auf einen optimistisch stimmenden Punkt wird vor allem eines klar: Bis 2025 wird es erhebliche Umbrüche geben, weg von gedruckten Produkten hin zu digitalen. In manchen Bereichen der Buchbranche kostet das schon heute erste Opfer. Bei Zeitungen und Zeitschriften sieht es ähnlich aus. Was glaubst du: Wie wirst du 2025 lesen?

Drei Tage lang trafen sich Mitglieder des Branchenverbands Börsenverband des Deutschen Buchhandels und Interessierte in Berlin, um über die Gegenwart und die Zukunft rund ums Buch und verwandte Medien zu diskutieren. Interaktive Bücher, erzählte Bücher oder auch Websites mit buchartigen Inhalten lassen die Grenzen dabei schwer erkennen. Was ist noch ein Buch?

Vor allem aber ist der digitale Umbruch nicht mehr abzustreiten. Bei Fachbüchern macht sich der Wandel schon jetzt deutlich bemerkbar, denn Studenten holen sich ihre Informationen vermehrt digital. Schulbücher sind als nächster Bereich absehbar. Die 55 Thesen zum Buchmarkt 2025 sprechen da eine deutliche Sprache. Nur beispielsweise für Belletristik gibt es durchaus noch eine Chance - allerdings bei dennoch sinkender Bedeutung für den Printbereich.

Der Branche droht eine „Wertschöpfungsvernichtung“

Insgesamt drei Tage kam die Verlags- und Buchhandels-Experten zusammen, um über die Zukunft ihrer Branche zu diskutieren und Neues zu lernen. Die von manchen als „Insel der Seeligen“ bezeichnete Branche muss dabei nun erstmals mit Rückgängen und einem erheblichen Umbruch zurechtkommen.

Eine „Wertschöpfungsvernichtung“ sah daher auch Dr. Markus Conrad auf die Branche zukommen. Er ist heute Vorstandsvorsitzender des Tchibo-Konzerns, war früher aber bei Libri und freute sich in seinem Vortrag über seine „Einladung zum jährlichen Familienfest“ Buchtage Berlin. Nur zum Feiern war ihm nicht gerade zumute. Immerhin sah er für die Branche keinen Absturz kommen, aber einen „gesicherten Sinkflug“. Auf jeden Fall gelte: „Verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Deutschen weiterhin ihre Wohnzimmer mit Büchern dekorieren.“ Zugleich solle man nicht konservativen Durchhalteparolen verfallen, die beispielsweise behaupten, Kinder könnten nur aus Papierbüchern ordentlich lesen lernen... Einen Hoffnungsschimmer ließ er den Anwesenden: „Es gibt auch in schrumpfenden Märkten Chancen für gute Konzepte.“ Das zeige sich in anderen Branchen, die teils schon seit vielen Jahren mit sinken Umsätzen zu kämpfen haben.

Paid Content soll Verluste ausgleichen

Aber es geht nicht nur um Bücher, das zeigt schon gleich These Nr. 1 der insgesamt 55:

Alle gedruckte Medien verlieren an Bedeutung. Der Rückgang bei Buch, Zeitschrift und Zeitung liegt bezogen auf Vertriebserlöse jeweils bei über 25%.

Interessant ist dabei auch die These 4:

Die Umsatzrückgänge im Bereich gedrucktes Buch werden durch Umsatzwachstum im Bereich Paid Content ausgeglichen.

Diese optimistische Schätzung traf in der Diskussion auf den Buchtagen Berlin durchaus auf Widerspruch oder zumindest Skepsis. Wobei These 5 auch klarstellt:

Die Content-Anbieter bei Paid Content sind nur bedingt identisch mit den Buchverlagen. Neue Anbieter nehmen alten Verlagen Marktanteile ab.

Interessant war in diesem Zusammenhang der Vortrag von Christoph Keese aus der Konzerngeschäftsführung der Axel Springer AG. Bis Mitte des Jahrzehnts würden im digitalen Bereich Milliardenmärkte verteilt, erklärte er. Kannibalisiert werde man dabei auf jeden Fall, idealerweise durch sich selbst und nicht etwa durch andere.

Sprich: Der Axel Springer Verlag unternimmt einiges, um neue Möglichkeiten wie das Internet oder das iPad auszuprobieren. Immerhin 30 Prozent des Umsatzes entfielen bereits auf das Digitalgeschäft, vor sechs Jahren waren es gerade einmal 3 Prozent. Dabei gab Christoph Keese allerdings auch zu, dass die Einnahmen hier weniger aus journalistischen Produkten kommen als aus Projekten wie Preisvergleichs- und Immobilienportalen. Dennoch gehört ja beispielsweise die App der „Bild“ zu den erfolgreichen in Apples App Store.

Google und Aggregatoren als Partner der Verlage

Christoph Keese von der Axel Springer AG gab Einblicke in die digitale Strategie des Unternehmens und wie er die Zukunft der Medien und des Journalismus sieht.

Journalismus jedenfalls müsse sich zunehmend auf die Situation einstellen, in der er gelesen werde. Tablets und Smartphones werden die wichtigsten Zugangsgeräte sein. Gratis- und Bezahlinhalte werden dabei einträchtig nebeneinander existieren - in welchem Verhältnis zueinander, wollte Christoph Keese aber nicht abschätzen. Eine wichtige, noch fehlende Innovation sei hier der Ein-Klick-Kauf von journalistischen Inhalten. Das gebe es heute schon für Bücher, aber eben nicht für Inhalte von Zeitungen, Zeitschriften und Webportalen. Interessanterweise sah Christoph Keese Google hier und an anderer Stelle als einen Partner, wo der Internetgigant doch ansonsten von deutschen Verlagen eher als Feind dargestellt wird. Mit „One Pass“ habe Google ein wichtiges Angebot und: Man müsse das Geschäftsmodell der Aggregation anerkennen.

Die Frage ist: Wie wirst du 2025 lesen? Wie stehst du zu digitalen Büchern, Zeitungen und Zeitschriften? Was glaubst du, welche Rolle gedruckte Produkte bis dahin bei dir spielen werden?

Finde einen Job, den du liebst

5 Reaktionen
Michael

Mal sehen,

ich habe zwar (neben der t3n) noch ein paar andere Zeitschriften im Abo und auch noch Bücher im Schrank, aber mehr als 90% der Zeit, die ich lese haben mit gedrucktem nicht viel zu tun. Eigentlich lese ich fast ausschließlich meine RSS Feeds und was mir Google so empfiehlt.

Dr. Egon Spengler auf die Frage, welche Bücher er liest.
Gedrucktes ist tot. (Ghostbusters)

Antworten
Wolfgang Schmitz

Mich erinnert die Diskussion an die vor 20 Jahren über das "papierlose Büro". Das haben damals auch alle "Experten" prophezeit und es ist nie eingetreten. Ich hoffe sehr - und glaube - dass man mit der Zeit erkennen wird, dass Lesen am Bildschirm tendenziell oberflächlicher ist, als das Lesen vom Papier. Allein das Gefühl, etwas in der Hand zu haben und dort reinschreiben/markieren zu können, stellt eine intensivere Beziehung zum Text her. Das gibt mehr Ruhe und man lässt sich eher auf den Autor ein. Bildschirmlesen ist häufig nur ein plakatives Abtasten von Textteilen mit viel eigener Interpretation. Ich hoffe, dass die neue Generation sich nicht so unter Druck setzen lässt, dass Lesen nur als kurze Impulsgebung verstanden wird und die Lesefreude auf der Strecke bleibt! Lesefreude kann man nämlich auch bei Sachbüchern erleben.

Antworten
Andy Heiß
Andy Heiß

Es stimmt natürlich, den Charme des bedruckten Papieres, egal ob als Buch oder als Zeitschrift, kann ein elektronisches Lesegerät nicht erreichen. Aber 2025 ist weit weg, Lesegeräte werden dann mit den heute erhältlichen Geräten rein gar nichts mehr gemein haben. Man darf davon ausgehen, dass diese Geräte eine perfekte Lesbarkeit unter allen Lichtbedingungen bieten werden, dass Akkulaufzeit, Gewicht, Robustheit etc. kein Thema mehr sein werden und auch der Preis wird wohl keine Rolle spielen. Ich denke, all diese und eine Reihe weiterer, heute noch nicht relevanter Vorzüge werden dafür sorgen, dass sich diese Art zu lesen bzw. diese Art des Medienkonsums bis 2025 längst durchgesetzt haben wird. Das Buch muss seinen Wert deshalb nicht verlieren aber es wird wohl zum zurecht teuren Luxusobjekt werden.

Antworten
KChristoph

... wenn ich dann noch lebe, auf jeden Fall.
Kein elektronisches Konstrukt kann dem gedruckten Gebilde das Wasser reichen.

Antworten
Norman

Also ich les immer noch gern ein Buch und die Zeitung sowieso. Auf einem Device wie Telefon oder Tablwt wird das lesen mit der Zeit irgendwie anstrengend. Beim Lesen am PC ist das komischer Weise nicht so extrem.. aber da liest man auch schneller, schaut nur drüber und konzentriert sich nicht zu 100% auf einen Text, es sei denn, ein Blogeintrag ist sehr sehr lang.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen